Quelle: Archiv MG - EUROPA FRANKREICH - La grande nation
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Wochenschau
REGIS DEBRAY UND...
ein europäischer Fan Fidel Castros, als das noch (links-)
intellektuelle Mode war und deshalb von den bolivianischen
Gorillas als "Komplize Che Guevaras" eingekerkert, ist zum
"persönlichen Berater" des neuen französischen Staatspräsidenten
ernannt worden. Eine überraschende Wende? Nein, vielmehr eine ak-
tuelle Besetzung jener "Role de l'intellectuel", die er folgen-
dermaßen für sich definierte:
"Alles, was sich dem persönlichen Engagement des Intellektuellen
in der Geschichte seiner Zeit entgegenstellt (einer Geschichte,
die von den organisierten Avantgarden bestimmt wird) - insofern
entgegenstellt, daß er darin behindert wird, Schulter an Schulter
mit allen Arbeitern kämpfen zu können -, verringert seine Berüh-
rungspunkte mit dem Leben, engt seine schöpferischen Fähigkeiten
ein und zögert das Kommen des Sozialismus hinaus." (in: Par-
tisans, Paris 1967, Nr. 37, S. 6)
Die Politik-als Betätigungsfeld des persönlichen Engagements
sieht für Debray 1981 so aus, daß "die Arbeiter" für Mitterand
votieren = kämpfen und sich anscheinend in der PS ihre organi-
sierte Vorhut gegeben haben, weshalb sich dem zeitgeschichtsbe-
wußten Intellektellen die Chance eröffnet, als Souffleur der
Staatsmacht das Kommen des Sozialismus zu befördern. Der sieht
dann so aus, daß unter französischer Führung der "Ost-West-Gegen-
satz" abgebaut werden und den "Ländern dazwischen wieder größeres
Gewicht zukommen" soll. (Debray laut AP-Meldung vom 1. Juni). Da-
für entdeckt der antiimperialistische Kämpfer der sechziger Jahre
Vorteile in der imperialistischen Ostpolitik der siebziger De-
kade: "Die Sowjetunion sei wirtschaftlich und technologisch der-
art vom Westen abhängig, daß sie keinen Vorteil darin sehen
könnte, alle Brücken zur westlichen Welt abzubrechen." Der Osten
also zum Frieden domestiziert, der Westen "durch die Wahl Mit-
terands definitiv" so geläutert, "daß der in den letzten Jahren
beobachteten Widerbelebung des Kalten Krieges Einhalt geboten
werden kann." In diesem Kontext ist dann wohl auch die AP-Meldung
vom 2. Juni zu interpretieren, derzufolge
Francois Mitterand
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die Wiederaufnahme französischer Kernwaffentests im Südpazifik
angeordnet hat. Zwischen der Mitteilung des Verteidigungsmini-
sters Hernu, die u n t e r i r d i s c h e n Tests auf dem Mu-
turoroa-Atoll einzustellen, und der jüngsten Entscheidung, die
Tests i n d e r A t m o s p h ä r e wieder aufzunehmen, be-
steht also kein Widerspruch: Für die "Rolle Frankreichs" reicht
halt die Überprüfung des vorhandenen Arsenals nicht aus, weshalb
jetzt die "Entwicklung neuer strategischer und taktischer Waffen"
ansteht. Gegen wen diese gerichtet sind - das hat die PS in der
am letzten Donnerstag unterzeichneten Wahlabsprache mit der KPF
klargestellt. Die Kommunisten ihrerseits werden deswegen den
"Sieg der Linken" nicht scheitern lassen. Neben der neuen hat
also auch die ganz alte Linke anerkannt, daß ihr Sozialismus
jetzt endlich die "historische Chance" hat, Staatsideologie des
französischen Imperialismus zu werden."
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