Quelle: Archiv MG - EUROPA ENGLAND FALKLANDKRIEG - Vom Nutzen eines gewonnenen Kriegs
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Bremer Hochschulzeitung Nr. 54, 11.05.1982
Der Skandal am Falkland-Krieg besteht darin, daß ihn niemand für
einen solchen hält. Im Gegenteil, das öffentliche Bedenken, hier
wurde aus einem falschen Anlaß die Wucht westlicher Kriegsmaschi-
nen in Gang gesetzt, ist ja das Bekenntnis zur Notwendigkeit
d e s Krieges, den der Westen gegen den wirklichen Feind vorbe-
reitet. Deswegen sind die folgenden Meldungen keine Ausrutscher
der öffentlichen Moral, sondern blutiger Ernst.
BRITISCHE BOTSCHAFT: PINGUINE SIND TABU
Oldenburg/Bonn (ini) Großbritannien sei im Falkland-Konflikt be-
müht, die auf den umkämpften Inseln beheimatete Tierwelt zu scho-
nen. Das sicherte die britische Botschaft in Bonn jetzt der Ol-
denburger Schülerinitiative "Arbeitsgemeinschaft Naturschutz"
(AGN) zu. In einem vom 29. April datierten Schreiben der Presse-
abteilung der britischen Botschaft an die Schülergruppe heißt es,
die britische Regierung sei sich ihrer Verantwortung für den
Fortbestand bedrohter Pinguin-Arten auf den Falkland-Inseln und
in Südgeorgien voll bewußt. (Bremer Nachrichten vom 6.5.)
Die Leichen im Südatlantik sind durch Staaten der westlichen
Freiheit beschlossen und angerichtet. Also gehen sie für die
Schülerinitiative in Ordnung. Gestern haben sie im Sozialkundeun-
terricht noch die "Würde des Menschen" und den "Schutz des Le-
bens" hochleben lassen, für den "unsere" Staaten Verantwortung
tragen. Heute - erleben sie die Wahrheit dieser Ideale live: die
Gewalt, die die von ihr Regierten unter ihre Fittiche nimmt und
sie "schützt", beansprucht damit die Verfügung über Leib und Le-
ben, für das s i e schließlich die Verantwortung hat. Also ent-
scheidet sie auch darüber: auf und um Falkland wird würdevoll ge-
storben. Wo bleibt der Aufschrei? Opportunismus der Moral? Das
Gerede über die staatlich garantierte "Würde" hat wohl nie im
Auge gehabt, was dabei aus den Leuten wird, sondern ausschließ-
lich das Kompliment, das damit den eigenen Herrschaften gemacht
wird.
Das nämlich ist trotz Krieg ganz ungebrochen: zwischen Flot-
tenentsendung und Bombardement soll die englische Regierung für
die Pinguine Verantwortung übernehmen. Die haben keinen argenti-
nischen Paß, gehören also nicht versenkt. Daß Naturschützer auf
diesen reaktionären Zynismus verfallen, ist konsequent: wer schon
immer die Natur vor dem Moloch Mensch retten will, für den ist es
auch nicht schade, daß ein paar dieser Molochs draufgehen, wenn
nur die Pinguine weiterschwimmen. Für beides trägt der oberste
Naturschützer aus Downing-Street 10 Verantwortung. Noch eine
Frage an die Oldenburger Schülerinitiative: Haut bloß ab in die
Antarktis und würgt Eure Pinguine!
Anschauungsuntericht für US-Militärs
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Washinton wertet britisch-argentinische Kampfhandlungen als
"lebendige Manöver" - Umfassende Beobachtung
Zum erstenmal könne so "im großen Maßstab die Wirkung moderner
konventioneller Waffen bei der Seekriegsführung" beobachtet wer-
den, statt ihre theoretischen Möglichkeiten nur mit Computern zu
berechnen oder wirklichkeitsfremd in Manövern durchzuspielen.
(Bremer Nachrichten vom 6.5.)
Nützlich ist der Krieg im Südatlantik auch dann, wenn er leider
den beschlossenen Feind verschont. Von wegen, der Krieg als
"allerletztes Mittel" der Politik, das nie ein Politiker will, in
das er aber manchmal "hineinschlittert", weil der Feind keine
Wahl läßt. Der Westen ist wirklich frei: jeder Krieg an einer
(falschen) Nebenfront ist ein nützliches, weil "lebendiges Manö-
ver" für die Hauptfront.
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