Quelle: Archiv MG - EUROPA ENGLAND FALKLANDKRIEG - Vom Nutzen eines gewonnenen Kriegs
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Bremer Hochschulzeitung Nr. 60, 18.10.1982
Wochenschau
IN DEN GENUSS EINER MILITÄRISCHEN SIEGESPARADE
sind in der vorigen Woche die englischen Untertanen gekommen.
Ihre eiserne Lady Margret Thatcher hatte zu einer großen
"Willkommensfeier" für jene Soldaten geladen, die sie im Frühjahr
zum Krieg um die Falkland-Inseln abkommandiert hatte. Völlig
falsch ist nämlich die Auffassung, daß es sich nie und nimmer
lohnen kann, für die weltpolitischen Ambitionen "seiner" Staats-
macht wildfremde Menschen umzulegen und selber ins Gras zu bei-
ßen. Wenn man dabei auch noch - wie befohlen - gewinnt, so bleibt
der Lohn nicht aus: Der Dank des siegreichen Vaterlandes ist ei-
nem gewiß! Jeder Beteiligte ist ab sofort ein anerkannter Held,
auch der zum Krüppel gewordene und erst recht der tote. "Die bei-
den höchsten Auszeichnungen gehen nachträglich an zwei Offiziere,
die auf den Falklands ihr Leben ließen" (Frankfurter Rundschau).
Mehr kann man doch wirklich nicht verlangen. 1250 der "Falkland-
Veteranen" hatten jetzt darüberhinaus sogar das Glück, auserwählt
zu werden für eine "gewaltige Militärparade" mitsamt "Pferden,
Panzerwagen, Raketen und zwölf Musikkapellen" (FR). Sie durften
abermals das benötigte menschliche Material stellen, diesmal für
die feierliche Demonstration der Macht und Kriegsbereitschaft des
NATO-Staates Großbritannien: Mit Glanz und Gloria und bestem na-
tionalen Gewissen wurde demonstriert, daß der Friede nicht das
höchste Gut ist, sondern daß für die Freiheit westlicher Herr-
schaftsprinzipien in der ganzen Welt jeder Krieg unbedingt be-
rechtigt ist. Schließlich war der Falkland-Krieg, militärisch ge-
sehen, nur so etwas wie ein unter Ernstfallbedingungen vollzoge-
ner Test auf die Einsatzfähigkeit einer Kriegsmaschinerie, die
ebenso wie ihre Brüderarmeen in Amerika und Westeuropa für einen
ganz anderen Krieg ausersehen ist als gegen den Partner des We-
stens Argentinien.
Daß der fest eingeplante große Krieg gegen den Systemfeind auch
garantiert "ausbricht", das ist solange sicher, wie sich - wie in
diesem Falle - 250 000 Londoner nicht zu schade sind, ihre eige-
nen Sorgen und Nöte zu vergessen und als fähnchenschwingende Ku-
lisse zu fungieren für ein militärisches Fest, auf dem jene
Machthaber, denen sie ihre Sorgen verdanken, die soldatischen Tu-
genden "Mut und Hingabe" in den höchsten Tönen loben und so an-
kündigen, was sie dem Volk auch weiterhin zu bieten gedenken: je-
des Opfer inclusive das des eigenen Lebens!
PS: Auf Protest der britischen Öffentlichkeit hin sind zuguter-
letzt doch noch "sechs an den Rollstuhl gefesselte Verletzte" in
den großartigen Genuß gekommen, sich in ihrer Eigenschaft als
Kriegs-Opfer bejubeln zu lassen. Die haben weder das glorreiche
Bild der Siegesparade getrübt (deswegen nur 6!), noch ist ihnen
beim Absingen "patriotischer Lieder" schlecht geworden!
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