Quelle: Archiv MG - EUROPA ENGLAND FALKLANDKRIEG - Vom Nutzen eines gewonnenen Kriegs
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Falkland / Malvinas
I. SCHIFFEVERSENKEN IM SÜDATLANTIK
"Man wird nie auf einen Engländer treffen, der nicht im Recht
ist. Alles macht er aus Prinzip: Er überzieht dich mit Krieg we-
gen der Prinzipien des Patriotismus; er versklavt dich wegen der
Prinzipien des Empires; er unterdrückt dich wegen des Prinzips
der Machterhaltung; er beraubt dich wegen der Prinzipien des Han-
dels; er unterstützt seinen König wegen des Loyalitätsprinzips
und er köpft ihn wegen demokratischer Prinzipien." (George
Bernard Shaw)
"Zuerst kommt das Vaterland, dann die Bewegung und dann erst die
Menschen." (General Peron)
Jetzt, nachdem die ersten Hundertschaften an Toten gefallen sind,
soll es plötzlich W a h n s i n n sein, wofür die journalisti-
schen Beobachter vorher noch gute Gründe für beide Seiten anzu-
führen wußten: Britanniens Recht auf "Selbstverteidigung gegen
eine Aggression" contra Argentiniens "berechtigte Ansprüche auf
die Malvinas". Als es dann ernst wurde, die Flotte angedampft
war, Süd-Georgien "eroberte" und den Flughafen von Port Stanley
bombardierte, hatte man sich noch unisono auf die "die Solidari-
tät" mit dem NATO- und EG-Partner besonnen. Die alte Ideologie
der Friedenspolitik, durch die Demonstration der Gewalt den Geg-
ner zur Aufgabe seines Interesses zu erpressen, schien im Südat-
lantik erfolgreich vorexerzierbar zu sein. Die Versenkung des
Kreuzers "General Belgrano" stieß auf erste Bedenken: Immerhin
ist Argentinien für "uns" im Freien Westen kein Feindesland.
Mußte nicht der Verlust des "Paradeschiffs" der argentinischen
Marine die Junta-Generale zur Unnachgiebigkeit verbittern? Nicht
übersehen werden durfte auch das Aufkommen unvermeidlicher Ra-
chegefühle bei den Angehörigen der Abgesoffenen, die den
"Fanatismus" des Volkes aufstacheln. Der Untergang der
"Sheffield" und damit auch zivilisierter europäischer Menschen
löste schließlich allgemeine "Betroffenheit" aus: Am 6. Mai mach-
ten alle Zeitungen fürs einfache Volk in der BRD mit den
"Müttern" der Untergegangenen auf: "Hört auf mit dem Wahnsinn!"
(Münchner "Abendzeitung")
Wahnsinn?
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Dabei beweist dieser Krieg, den beide Seiten und die Beobachter
nicht so nennen wollen, schlagend, daß die Menschenschlächterei
mit modernem Kriegsgerät alles andere ist als Wahnsinn, sondern
erklärte, geplante politische Absicht: Die Waffen kommen schließ-
lich nicht zum Einsatz, weil die Politik "versagt" hat, ihr etwa
gar das Kampfgeschehen "entglitten" wäre, wie die Londoner La-
bour-Opposition gegen Thatcher argumentiert. Sie sind die Mittel,
mit denen neben der diplomatischen Ebene um den politischen Er-
folg gerungen wird. Wahnsinn ist allenfalls der Standpunkt des
"ZEIT"-Leitartikels vom 7. Mai, des notorischen Theo Sommer, der
sich unter dem Titel: "Im Falkland-Konflikt wird es ernst" dar-
über beschwert, dem unbeschwerten Standpunkt des genießenden Zu-
schauers einer betriebsamen Weltpolitik Ade sagen zu müssen:
"Mit einem Mal ist alles Unwirkliche, alles Operettenhafte ver-
flogen, das der Falkland-Krise in den ersten Wochen anhaftete. Es
ist geschossen worden." -
und auch gleich den Schuldigen dafür weiß:
"Der englische Flottenaufmarsch sollte der Diplomatie Nachdruck
und Spielraum verschaffen" - war also eine Friedenstat, die je-
doch, Tragik des Erdenlebens, unversehens in ihr Gegenteil um-
schlug: "und als die Royal Navy bei den Falkland-Inseln angelangt
war, da mußte sie auch eingesetzt werden" - warum "mußte"? Na
eben: weil sie dort war: "Das militärische Instrument verselb-
ständigte sich. Die Wirklichkeit im sturmgepeitschten Südatlantik
letzte die im fernen Whitehall sorgsam ausgetüftelten Krisendreh-
bücher außer Kraft" - das konnte ja auch gar nicht gutgehen:
Schreibtischgetüftel contra sturmgepeitschte Wirklichkeit! Fast
überflüssig zu sagen, daß die erpresserische A b s i c h t der
britischen P o l i t i k für Witmann Sommer in Ordnung geht:
"... die britische Reaktion... soll im weiteren alle abschrecken,
die europäische Kolonie-Reste in entfernten Weltwinkeln bedrohen.
... Daran ist im Prinzip etwas Richtiges" nur - wo mit der
"A b s c h r e c k u n g" e r n s t gemacht wird, muß an etwas
a n d e r e m als der "A b s c h r e c k u n g" liegen, wenn
es kracht: "... um noch mal Clausewitz zu zitieren - die Logik
der Politik und die Grammatik des Krieges (stimmen) nicht mehr
überein."
W a h n s i n n gleichen Kalibers der Kommentar des Chefredak-
teurs der 'Süddeutschen Zeitung' der am 6. Mai voll zurechnungs-
fähig folgendes zu Papier brachte:
Überschrift: "Schluß mit der Schießerei." Dann gleich darauf:
"Damit kein Mißverständnis entsteht: der Aggressor in diesem Kon-
flikt ist Argentinien." Woraus folgt: "Die empörte Reaktion der
Briten auf den gewalttätigen Rechtsbruch der Argentinier war ver-
ständlich. Auch ihre Drohgebärden machten Sinn. Es war plausibel,
daß sie auf dem weit entfernten Eiland Südgeorgien wieder Solda-
ten an Land gehen ließen.... daß sie einen Ring um die Falkland-
Inseln zogen und dabei zeigten, was sie haben." Das folgende
"aber" ist dick geheuchelt: "Aber mußten dann gleich Hunderte von
Menschen sterben? Nun sollte es erst mal genug sein." Also mußten
sie doch, aber jetzt reicht's! Ausgerechnet aus diesem Anlaß ent-
deckt Heigert, daß in Argentinien nicht nur eine prowestliche Re-
gierung am Ruder ist, sondern auch eine Diktatur: "Das Militärre-
gime von Buenos Aires gehört zum Schlimmsten, was die Welt gegen-
wärtig kennt." Bislang ist ihm für diese Rub immer nur Polen ein-
gefallen. Allein deshalb - und der Mann gibt auch noch zu, daß es
ihm nicht um die Moral geht - erwartet Heigert "zumal von den ge-
sitteten Briten" zumindest "die Zusicherung einer längeren Feuer-
pause", denn: "Ein Krieg mit Tausenden von Toten, vielleicht so-
gar ohne Sieger und Besiegte, wäre mehr als unmoralisch. Ein sol-
cher Krieg wäre, im englischen Sinne des Wortes, verrückt."
Nimmt man dann noch folgende mittlerweile gewohnten Faschiste-
reien eines demokratischen Leitartiklers zur Kenntnis -
"Die Engländer sind keine Vietnamen oder Kambodschaner; Leute
also, die sich in den vergangenen zwanzig Jahren auf eine Weise
gegenseitig massakriert haben, die man Völkermord nennen muß."
(Gab's da nicht irgendwann einmal in diesen 20 Jahren US-Truppen
in Indochina?)... Das alles regt uns kaum noch auf. (Warum wohl
nicht?" Das fragt sich rhetorisch der Heigert!) "Von 'uns' indes-
sen, und, mit Verlaub, die Briten gehören zum 'Wir' der Europäer,
muß ein großes Quantum mehr Vernunft abverlangt werden." -
dann möchte einen fast die Wunschvision überkommen, die
"gesitteten" Briten würden auch noch Buenos Aires bombardieren,
damit "Wir" einige Illusionen über "mehr Vernunft" ablegen - wenn
für diese Lektion nicht noch ein paar Tausend Menschen draufgehen
müßten.
Wahnsinn!
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Was sich demokratische Menschen an Ansichten über das Walten ih-
rer Politiker in der Welt im allgemeinen und hier speziell in der
"Falkland-Krise" leisten ist allerdings, im deutschen Sinne des
Wortes, verrückt:
- Zunächst macht man sich einen Souveränitätsstreit um 2000
Schafszüchter auf 2 Inseln zu haargenau dem Problem, als das es
die Politik austrägt: Darf Großbritannien sich so "demütigen"
lassen? Ist Argentinien in seiner "Profilierungssucht" nicht zu
weit gegangen?
- Dann wird der britische Aufmarsch als "notwendige Selbstvertei-
digung" verständnisvoll und westlich-solidarisch gebilligt.
- Schließlich demonstriert man Erschrecken vor der logischen Kon-
sequenz einer Androhung von Gewalt: Wird ihr nicht nachgegeben,
kommt die G e w a l t auch zum Einsatz.
- Im Angesicht der Schlacht nimmt man die Position des Schlach-
tenbummlers via Presse und Fernsehen ein: Das Ganze spielt sich
in beruhigender Entfernung ab. Eine "Gefährdung des Weltfriedens"
ist dadurch nicht zu befürchten. Die USA haltenden Kontakt zu
beiden Seiten.
- Nicht einmal vor dem Ausrechnen eigener Vorteile, die aus dem
Waffengang erwachsen könnten, wird zurückgeschreckt: Wird Groß-
britannien in der EG nachgiebiger? Umgekehrt werden angebliche
Nachteile - Abzug von Flotteneinheiten, die zur NATO-
"Verteidigung" gehören - zu Argumenten für die Aufrüstung in Eu-
ropa. (vgl. den. "FAZ"-Kommentar "Eine Lektion über Seemacht" vom
5. Mai "... keine Waffe ist auch ohne ihren Einsatz so wirksam
wie eine schlagkräftige Flotte... Die Sowjets wissen das.")
- Daneben profilieren sich Journalisten durch das Erfinden von
Neben-"Widersprüchen", die in Wahrheit alles Konsequenzen einer
Politik sind, die man im Prinzip sehr streitbar befürwortet. In-
geborg Wurster erregte sich in den "Tagesthemen" der ARD vom 3.
Mai darüber, daß auf beiden Seiten mit, den gleichen Waffen ge-
schossen wird, die "zu alledem auch noch aus Europa" kommen.
Warum wohl beliefern "wir" Argentinien?
II. Drehbuch für den Kriegsausbruch
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Die Politik setzt den Krieg durchaus nicht wie sie immer wieder
gerne beteuert - als "letztes Mittel" ein, wenn's ums Ganze geht,
die Freiheit und so. Großbritannien, wesentlicher Staat des NATO-
Bündnisses, führt vor, daß auch allenthalben als nichtig gehan-
delte Anlässe einen guten Grund für den Waffeneinsatz abgeben.
Verluste an Menschenleben werden dabei auf der eigenen Seite bil-
ligend in Kauf genommen, daß die andere Seite sie h a t, ist
geradezu Ziel der Kampfhandlungen. Daß der Krieg als Mittel der
Politik nicht dem Schutz der Untertanen dient, in deren Namen er
geführt wird, ist beim Falkland-Schlachten für niemand auch nur
eine Frage wert, sondern bestenfalls ein "Argument" dafür, worum
es nicht geht. Die Toten kommen allein deswegen ins Gerede, weil
man von ihrer wachsendem Zahl eine "Verhärtung" von Fronten be-
fürchtet, die dem Gesamtinteresse des Westens abträglich sind.
Was hier an Soldaten draufgeht und an Tonnage versenkt wird, ist
schließlich auf beiden Seiten Bestandteil der westlichen Streit-
macht gegen den eigentlichen Feind im Osten. Weil beiden Seiten
nicht an einer V e r n i c h t u n g der jeweils anderen gele-
gen sein kann und diese auch gar nicht beabsichtigt ist, handelt
sich ihr "begrenzter" Krieg den Vorwurf der "Sinnlosigkeit" ein.
Man kann sich also nur zu gut vorstellen, was los ist, wenn dem-
nächst der "sinnvolle" Krieg losgeht:
Wie zwei moderne Nationen zielstrebig in eine bewaffnete Ausein-
andersetzung "hineinschlittern", das haben die argentinische und
die britische Regierung Punkt für Punkt vorgeführt; geradezu bil-
derbuchmäßig und vorbildlich. Man kann daraus durchaus einiges
lernen über die Schritte, die vom "altvertrauten" Ost-West-Gegen-
satz in den nächsten Weltkrieg hineinführen. Welche schon zurück-
gelegt sind, was noch bleibt - und was man besser nicht mitmachen
sollte.
1. "Interessengegensatz"
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Großbritannien ist als wichtige NATO-Macht an der Ausnutzung und
Kontrolle der Welt beteiligt. Will dabei aber mehr sein als ame-
rikanischer Satellit: ein bißchen eine Weltmacht aus eigener
Machtvollkommenheit; vor allem um die Politik des NATO-Bündnisses
maßgeblich mitbestimmen zu können. Die Mittel dafür u.a.: eine
eigene nationale Atomwaffe - und eigene Stützpunkte, kleine Flec-
ken britischen Staatsgebiets, rund um die ganze Welt. Die Falk-
land- oder Malvinas-Inseln gehören dazu.
A r g e n t i n i e n spielt seine Rolle als untergeordneter
Helfershelfer der USA für deren besondere Ausnutzung und Kon-
trolle der "westlichen Erdhalbkugel" mit großer Begeisterung. Die
regierenden Herrschaften bekommen sehr wohl mit, wieviel Wert
Reagan & Co. auf ihren zuverlässigen Antikommunismus legen; be-
sonders wo es darum geht, Volksunruhen in gewissen Nachbarstaaten
wie in El Salvador zu unterdrücken. So wichtig finden sie sich -
für das Interesse der USA! -, daß sie sich die "Belohnung" dafür
gleich selber holen. Sie wollen die proamerikanische "Ordnungs-
macht" am Südatlantik sein; zur Bekräftigung dieses Anspruchs auf
eigenständige Größe nimmt der USA-Satellit sich die Freiheit und
die Frechheit heraus und besetzt die Falkland-Inseln.
Die N A T O - S t a a t e n haben gemeinsam den Rest der Welt -
bis auf das "sozialistische Lager" im Griff, ökonomisch wie poli-
tisch. Nichts, wovon nicht ihre Wirtschafts- und Sicherheitsin-
teressen betroffen wären. Wenn reaktionäre islamische Bauern in
Afghanistan eine halblinke Reformregierung bedrohen, sind die
Führungsmächte des Westens engagiert. Und erst recht sind sie mit
von der Partie, wenn die "kommunistische" Staatsgewalt beim größ-
ten Verbündete der Sowjetunion, in Polen, ins Wackeln kommt. Ganz
als läge die NATO-Ostgrenze im Himalaja und hinter der Weichsel.
Die S o w j e t u n i o n macht aus ihrer Rolle als erklärter
Feind der "freien Welt" für sich nach Kräften das Beste. Mit mehr
Mißerfolgen als Erfolg mühen ihre Regenten sich seit Jahrzehnten
ab, ein eigenes stabiles "Weltsystem" gegen den Westen auf die
Beine zu stellen. Seit sie in Europa immer weniger, in China gar
nichts mehr, anderswo fast nichts und in Amerika gleich überhaupt
nichts zu bestellen haben, "beweisen" sie ihren Anspruch auf Re-
spekt vor ihren weltweiten Interessen an Afghanistan. Und seit
der Westen auch noch für Polen zuständig sein will, mobilisiert
die Sowjetunion die "Ordnungskräfte" - zuerst einmal die militä-
rischen ihres bedrohten Bündnispartners; gleichzeitig baut sie
ihre Westverteidigung aus.
2. "Konflikt"
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Was weltpolitisch aus der argentinischen Besetzung der Falklands
wird, liegt weder an diesen Inseln selbst noch an den Plänen der
Argentinier. Die b r i t i s c h e R e g i e r u n g hat be-
schlossen, ihren Anspruch auf eine eigenständige Weltmacht ausge-
rechnet an dieser Stelle für weit wichtiger zu befinden als ihre
übrigen politischen Vorhaben - was die Briten selbst von einer
englischen Fahne auf den Falklands haben, fragt ohnehin niemand.
"Die Ehre der Nation steht auf dem Spiel!" - mit dieser Parole
verkündet Führerin Thatcher ihren sehr freien Entschluß, den
Streit mit Argentinien zu einer Entscheidungsfrage für die natio-
nale Politik zu machen und unerbittlich durchzukämpfen.
Was aufständische Mohammedaner in Afghanistan oder Katholiken in
Polen weltpolitisch bedeuten, hat mit d e r e n Sehnsüchten und
Dummheiten wenig zu tun. In aller Freiheit haben die
N A T O - R e g i e r u n g e n, unter amerikanischer Führung,
beschlossen: Die Besetzung Afghanistans durch die Rote Armee, die
Rettung einer sowjet-freundlichen polnischen Regierung durch das
Militär soll als "unerträglicher Übergriff", als strafwürdiges
Verbrechen gelten. Ebenso die russischen Atomraketen: O h n e
N o t haben die in der NATO vereinigten Militärmächte diese Din-
ger zu einer "nicht hinnehmbaren Gefahr" e r k l ä r t.
3. Praktische Klärung der "Schuldfrage"
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Die britische Regierung setzt ihre Flotte in Marsch. Bereichert
damit das Weltgeschehen um eine ziemlich aktuelle "Kriegsgefahr".
Und stellt sich zu dieser "Kriegsgefahr" wie zu einem
"Sachzwang", den sie in der Welt vorfände. Ab sofort soll es nur
noch von den Reaktionen der argentinischen Regierung abhängen, ob
die britische Flotte schießen "muß" oder nicht. Die NATO setzt
ihre "Nachrüstung" in Gang und "warnt" die Sowjetunion dreimal
pro Woche, sie sollte nur ja nichts tun, was dem Westen nicht ge-
fällt. Sie beendet damit die "Entspannungsära", behandelt die So-
wjetunion wieder ausschließlich als Feind - und erklärt den 3.
Weltkrieg zu einer "Gefahr" die die S o w j e t u n i o n
"entschärfen" muß. So selbstverständlich ist die
w e s t l i c h e S c h a r f m a c h e r e i, daß die letzten
Schritte zur Vorbereitung des Atomkriegs nur noch durch
s o w j e t i s c h e Nachgiebigkeit zu verhindern sein sollen.
So sehr steht die b r i t i s c h e
K r i e g s b e r e i t s c h a f t außer Frage, daß der Krieg
nur noch durch a r g e n t i n i s c h e N a c h g i e b i g-
k e i t zu verhindern ist. Wenn Herr Galtieri und Co. nicht
klein beigeben, sind sie "für alle Folgen allein verantwortlich".
4. Einschwörung der Verbündeten und Wirtschaftskrieg
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Die britische Regierung fordert von ihren Verbündeten Unterstüt-
zung ein. Durch den Marschbefehl an die Royal Navy werden die USA
vor die Entscheidung gestellt, ob ihnen ihr westeuropäischer
Partner lieber ist, der ein bißchen eigene Weltmacht ins westli-
che Bündnis einbringt, oder ihr südamerikanischer Satellit, der
ziemlich von amerikanischen Gnaden lebt. Die Entscheidung fällt
eindeutig aus. Europa kann auf Großbritannien nur noch zählen,
wenn Großbritannien sich auf europäische Hilfe verlassen kann.
Die EG-Staaten verhängen Wirtschaftssanktionen gegen Argentinien.
Da platzt womöglich manch' schönes Geschäft - f ü r d e n
F r i e d e n, nämlich um Argentinien mit ökonomischen statt mi-
litärischen Waffen zur Kapitulation zu zwingen.
Die Führungsmacht des Westens, die USA, wird sich mit ihren Va-
sallen über die Unkosten der gemeinsamen Offensive gegen den
Osten einig. Für die "Freundschaft" mit den USA ist den westeuro-
päischen Herrschaften so leicht nichts zu teuer. Zusätzliche Mil-
liarden für die Aufrüstung verstehen sich von selbst. Und dem
Ostgeschäft steht eine "Vollbremsung" bevor. Denn das hat dem
Osten und seiner Planwirtschaft zwar bisher schon ordentlich ge-
schadet (und den westlichen Geschäftsleuten genutzt). Um so här-
ter können die Ostblockstaaten deswegen aber durch einen Kredit-
und Handelsboykott getroffen werden. Vor den m i l i t ä r i-
s c h e n werden die Waffen der Wirtschaftspolitik eingesetzt.
5. "Friedensdiplomatie"
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Die argentinische Regierung darf sich über die britische Ent-
schlossenheit zum Krieg nicht täuschen. Also müssen Verhandlungen
stattfinden, in denen den Junta-Generälen klargemacht wird, daß
ihre Kompromißbereitschaft noch längst nicht weit genug geht. Er-
folgreich sind solche Verhandlungen darin, daß sie "scheitern":
Nur so hat der Gegner ja eine "realistische Chance" zu merken,
daß ihm in der aktuellen Streitfrage nichts geringeres als die
K a p i t u l a t i o n abverlangt ist.
Die Sowjets müssen von "Fehleinschätzungen" der westlichen
"Einigkeit" und "Entschlossenheit" "geheilt" werden. Also müssen
Rüstungskontrollverhandlungen sein: Da wird den "kommunistischen
Bösewichtern" klargemacht, daß man mit ihnen eigentlich gar
nichts verhandeln will - außer ihrer Unterwerfung unter die west-
liche Weltordnung und ihre Atom-"Polizei". Der Erfolg dieser Ver-
handlungen besteht in ihrem "Scheitern": Nur so kann man den Rus-
sen richtig verdeutlichen, daß der Westen sich nur noch mit ihrer
S e l b s t a u f g a b e als Weltmacht zufriedengeben will.
6. "Friedenspolitik" nach innen
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Dem Volk wird erklärt, sein höchstes Gut wäre in Gefahr; die
b r i t i s c h e E h r e. "Wir alle sind nun Falkländer!"
heißt die Hetzparole: jeder Brite eine lebende Nationalfahne.
Daß die Falkländer selber bei ihrer "Befreiung" vom "argenti-
nischen Joch" ziemlich zahlreich draufgehen, wird durchaus
vermerkt - das ist eben der P r e i s der Freiheit.
Das Volk wird bei seiner Ehre gepackt: Es wird doch wohl noch
"Werte" geben, für die es sich lohnt zu sterben und sterben zu
lassen. Der Feind behindert die eigene Nation - also heißt der 1.
Wert: "F r e i h e i t". Der Feind gefährdet die Bewegungsfrei-
heit des Westens - also heißt der 2. Wert: "F r i e d e n".
D a f ü r wird sich ein Krieg doch wohl lohnen!
7. Eskalation
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Die Argentinier geben nicht nach. "Also" bleibt der britischen
Regierung "gar nichts anderes übrig" als militärisch ernst zu ma-
chen. Um den Feind noch vor einem größeren Krieg "zur Vernunft"
zu bringen, "muß" die britische Flotte ihm wohldosierte Schläge
beibringen. Da die britische Regierung nun einmal zum Krieg ent-
schlossen ist, läßt sich nur so, durch ein bißchen und immer ein
bißchen mehr K r i e g, der Frieden retten. Also wird, in wohl-
kalkulierter Abstufung und Abfolge, Süd Georgien besetzt, ein ar-
gentinisches U-Boot aufgebracht, der Flugplatz von Port Stanley
bombardiert, ein Kreuzer versenkt, der Verlust eines eigenen
Schiffs als "unvermeidliches Risiko" gemeldet... und natürlich
w e i t e r v e r h a n d e l t, damit die Argentinier die
"Sprache der Gewalt" auch richtig verstehen!
Die Russen sind nicht besonders kapitulationsbereit. An ihren
Verbündeten halten sie ebenso fest wie an ihrer Raketenwaffe ge-
gen das Stationierungsgebiet der stärksten Militärmacht der Welt
auf engstem Raum, gegen Westeuropa. Um sie friedlich mürbe zu ma-
chen, "muß" der Westen ihnen schlagend klarmachen, daß sie im
Ernstfall keine Chance haben, Nur dadurch, daß man die So-
wjetunion immer mehr in die Enge treibt, ihr also immer härtere
Kriegsgründe liefert, läßt sich vielleicht der geplante Sieg ohne
Krieg erringen - einen anderen Frieden will der Westen nicht
mehr. Also wird, in wohlkalkulierter Abstufung und Abfolge,
"nach-", auf- und totgerüstet... und natürlich weiterverhandelt,
damit die Russen sich über den "Ernst der Lage" nur ja nicht
"täuschen".
8. Offene Feld- und Seeschlacht
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Werden die britischen Schläge nicht umgehend mit einem totalen
argentinischen Rückzug beantwortet, dann spielt sich fortan alles
Weitere nach den Regeln der m i l i t ä r i s c h e n
F r i e d e n s s i c h e r u n g ab. Regel Nr. 1: H a r t
u n d w i r k u n g s v o l l zuschlagen ist das Beste, was
sich machen läßt, um den S c h a d e n z u b e g r e n z e n.
Inseln werden besetzt - im Interesse ihrer Verteidiger: die müßte
man ja sonst glatt aushungern. Der Flugplatz wird bombardiert -
im Interesse der feindlichen Piloten: wenn die gar kein Ziel mehr
haben, brauchen sie ja gar nicht erst loszufliegen und sich von
den Briten abschießen zu lassen. Die Argentinier müssen
s c h n e l l besiegt werden - im Interesse aller Beteiligten:
sonst zieht der Krieg sich womöglich noch über den Winter hin.
Nach militärischer Logik ist Blutvergießen das beste, wenn nicht
einzige Mittel, mehr Blutvergießen zu verhindern. Atombomben wur-
den und werden bekanntlich auch bloß eingesetzt, um das Leben von
Soldaten und Zivilisten zu schonen, die man sonst viel mühseliger
abrnurksen müßte...
Für den Showdown zwischen Ost und West sind Ort und Zeit noch of-
fen. Die Methode ist dieselbe. Mit der Parole:
"Friedenssicherung!" - nämlich: vor dem Feind und mit Gewalt! -
kommen die Staaten todsicher, aus lauter Pazifismus, in den näch-
sten Weltkrieg hinein. 7 von 8 Punkten sind immerhin schon so
ziemlich abgehakt!
P. S. und die Friedensbewegung? Sie fordert "Abrüstung in Ost und
West", übernimmt die Drohungen der NATO als eigene Forderungen an
den Osten, um "glaubwürdig" zu werden und schweigt um Krieg im
Südatlantik. Weil er nicht auf dem "Schlachtfeld Europa" statt-
findet? Oder weil es nicht der Krieg ist, den sie meint? Weil sie
die Gewalt, welche zur Politik des freien Westens gehört. Zur po-
litischen Ökonomie des Welt f r i e d e n s (= nicht Weltkrieg)
zählt? Oder alles auf einmal?
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