Quelle: Archiv MG - EUROPA ENGLAND FALKLANDKRIEG - Vom Nutzen eines gewonnenen Kriegs
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Eine "Krise" und ihre Perspektiven
EIN "SCHIESSKRIEG" IM SÜDATLANTIK?
Seit Großbritannien seine halbe Flotte Richtung Südatlantik in
Marsch gesetzt hat, um "den frech gewordenen Argies eine Lektion
zu erteilen", herrscht in der zivilisierten Menschheit der freien
Welt und ihrer kritischen demokratischen Öffentlichkeit gespannte
Erwartung: Kriegt man jetzt endlich 'mal eine richtige ordentli-
che "konventionelle" Seeschlacht vorgeführt einen überschaubaren,
14 Tagesreisen entfernten und vor allem durch und durch gerechten
"Schießkrieg" auf dem gehobenen Niveau britischer Kampfeskunst?
Von Empörung über die Lässigkeit, mit der da die Regierung des
EG-Partners kein bißchen skrupulöser, im Gegenteil noch offensi-
ver als die argentinische Militärdiktatur über Menschenleben ver-
fügt, keine Spur; noch weniger von Angst oder Erschrecken dar-
über, wie geradlinig die stets als Friedensgarantie beschworene
Entschlossenheit zur "Abschreckung" eines übermütigen Gegners in
einen Krieg hineinführt - "wenn es nicht doch noch in letzter Mi-
nute gelingt,... " usw, Kritik wird nur unter einem sehr speziel-
len, ausgewählten Gesichtspunkt laut: als Bedenken, ob denn ein
bewaffneter Konflikt zwischen Freunden der USA, zwei Staaten
also, die schon dadurch als "Stützpfeiler" - wenngleich sehr un-
terschiedlichen Ranges - der westlichen Freiheit ausgewiesen sind
und bislang auch miteinander "befreundet" waren, gerade heute
überhaupt noch in die weltpolitische Landschaft paßt, und ob
nicht Großbritannien seine viel wichtigere Rolle innerhalb der
NATO zugunsten einer ganz aparten Gegnerschaft gegen einen
b l o ß n a t i o n a l e n Feind vernachlässigt. Völlig in
Ordnung wäre speziell für Englands westdeutschen EG-Partner und
NATO-Verbündeten die Welt erst dann wieder, wenn sich hinter Ar-
gentiniens Zugriff auf die Falkland-Inseln d e r F e i n d als
eigentlicher Urheber ausmachen ließe - deswegen wird eine sowje-
tische Machenschaft von einer beflissenen Presse auch gleich
dorthin erfunden. Sogar die Karikaturisten zweier so verschiede-
ner seriöser Zeitungen wie der "Frankfurter Allgemeinen" und der
"Süddeutschen" kommen an demselben Wochenende ganz freiheitlich,
pluralistisch und ohne jede Absprache oder Manipulation zu haar-
genau dem gleichen Einfall:
S o geht die bedingungslose britische Kriegsbereitschaft für den
wohlerzogenen bundesdeutschen Weltverstand fraglos in Ordnung; so
kann man sie sich als leuchtendes Vorbild bedenkenlos zu Herzen
nehmen!
Was wollen die Briten auf den Malvinas?
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D o r t s e i n wollen sie; so machtvoll, daß kein argentini-
scher Soldat sich dort mehr hintraut oder noch halten kann; die
britische Fahne aufpflanzen und dafür sorgen, daß die Einwohner
auf der Straße weiterhin links fahren dürfen. Und das wollen sie
so unbedingt, daß ihnen eine mittlere Seeschlacht dafür kein zu
hoher Preis ist. Als hätte sie es in ihrer eigenen freien Ent-
scheidung, die Argentinier zum Rückzug zu zwingen, mit einem un-
umstößlichen Naturgesetz zu tun, bezeichnet die britische Regie-
rung einen Kampf als "u n v e r m e i d l i c h", sofern die
feindlichen Truppen nicht rechtzeitig wieder abziehen. Als
Kriegsgrund für Großbritannien reicht der schiere Verweis auf die
stattgefundene argentinische Invasion; die Entschlossenheit,
diese nicht zu dulden, ist von einer solchen Selbstgerechtigkeit,
daß sie sich jede Nachfrage verbittet - ein wahres Musterbild na-
tionaler Kriegsbereitschaft.
Bloß: w a r u m wollen sie denn nun partout dort sein, die Bri-
ten, und um keinen Preis leiden, daß ein argentinischer Gouver-
neur die Malvinas regiert?
Als normale Arbeiter, Hausfrauen, Studenten oder Rentner genom-
men, haben die Briten dafür wirklich k e i n e n Grund. Nicht
einmal als Feriengegend steht der Südatlantik bei ihnen in Kurs,
die Schafe gehören ihnen sowieso nicht, und wenn sie durch irgen-
detwas mit Gewißheit ärmer werden, dann nicht durch die argenti-
nische Be-, sondern durch die britische Entsetzung der fernen In-
seln. F ü r d i e sind sie aber, und zwar zu mindestens drei
Vierteln sehr nachdrücklich - eben als Briten, als Amateure des
Staatszwecks, den ihre regierenden Profis definieren. Bloß: worin
liegt dieser Zweck?
Im E r d ö l, das "Bild" und andere Zeitungen gleich am zweiten
Tag auf dem südatlantischen Meeresgrund in riesigen Mengen
("Wahrscheinlich zehnmal mehr als in der Nordsee": "Bild" vom
3.4.) und als Kriegsgrund ("Die Queen schickt ihren Sohn für Öl
in den Kampf": AZ-Schlagzeile vom 3.4.) ausgemacht haben,
s i c h e r n i c h t. Der Zugriff auf Reichtümer dieser Art
ist in der Welt des modernen Imperialismus doch schon längst ganz
anders und für die kapitalistischen Nationen viel effektiver ge-
regelt als dadurch, daß der Nutznießer unbedingt mit s e i n e n
Polizisten, seinen Verwaltungsbeamten und seinen Hoheitszeichen
v o r O r t sein müßte. Diese Nationen, deren heimische Ökono-
mie die Naturschätze der ganzen Welt r e n t a b e l z u
b e n u t z e n vermag, finden für diesen Zweck in einer fremden
Souveränität über die einschlägigen Lagerstätten doch keine
Schranke mehr, die ihr Interesse beschränkt. Die ortsansässigen
Staatsgewalten können in aller Regel ihre Souveränität nur da-
durch finanzieren, daß sie den kapitalistischen Interessenten den
reibungslosen und preiswerten A b t r a n s p o r t alles des-
sen garantieren, womit die Nation ihres Herrschaftsgebietes zu-
fälligerweise gesegnet ist - um die "handelsübliche" politische
Rente, die sie dafür beziehen, führt ein moderner Staat doch kei-
nen Krieg! Was speziell die argentinische Staatsgewalt betrifft:
die hat ihre schrankenlose "Kooperationsbereitschaft" längst in
solchem Maße bewiesen, daß auswärtige Geldanleger, insbesondere
britische Banken, mit Krediten in Höhe von über 30 Milliarden
Dollar die Ökonomie des Landes komplett im Griff haben. Wie
sollte sich das schlagartig ändern können? Zwar lassen auch ar-
gentinische Kriegsschiffe sich schwerlich durch britische Ge-
richtsvollzieher pfänden; ohne die Bereitschaft der westlichen
Staaten aber, das Land und sein lebendes und totes Inventar wei-
terhin geschäftlich zu b e n u t z e n - z.B. auch durch Weizen-
exporte in die UdSSR, an denen Euro-Banken sich dumm und dämlich
verdienen! -, käme der entschlossensten Militärjunta sehr rasch
die ökonomische Basis all ihrer kriegerischen Pracht abhanden;
vom Nachschub an Munition und Gerät ganz zu schweigen. Was ist da
schon die politische Hoheit über die Malvinas ökonomisch wert,
läge darunter selbst ein ganzes Erdöl-Meer - gegen die ö k o-
n o m i s c h e K o n t r o l l e u n d p o l i t i s c h e
B e n u t z u n g d e r s o u v e r ä n e n a r g e n t i n i-
s c h e n S t a a t s g e w a l t s e l b s t?
Ökonomisch gibt es für Großbritannien durch einen siegreichen
Kampf um seine südatlantischen Inseln also nichts zu gewinnen:
Für die sagenhaften - bislang wirklich bloß sagenhaften - Boden-
schätze des Antarktisviertels, auf das Großbritannien unter dem
Titel "Falkland Dependency" gewisse Hoheitsansprüche angemeldet
hat, die ihm ebenfalls von Argentinien - und Chile bestritten
werden, gilt das eben Gesagte, und zwar erst recht, weil für de-
ren Hebung nun ganz gewiß Reichtümer vonnöten sind, wie sie ein
Land wie Argentinien ohnehin nie zusammenbringt - bzw. nur, so-
weit es sich als Sachwalter und Schuldner kapitalkräftiger Natio-
nen bewährt. Im übrigen haben sich Argentiniens Generäle bei al-
ler Kompromißlosigkeit in der Frage der nationalen Souveränität
über die Inseln in Sachen Ausbeutung noch zu erschließender
Reichtümer nicht zuletzt aus dem oben genannten Grund zu allen
Konzessionen bereiterklärt, bis hin zur Überlassung des gesamten
vermuteten Ölkrempels an die britischen Multis. Und was sich an
der Wolle der ortsansässigen Schafe im Jahr verdienen läßt, das
verfeuert die britische "Task Force" auf ihrem Weg durch den At-
lantik wahrscheinlich in jeder Stunde.
Wofür also der Aufwand? Um 1820 - oder sind es 1970? - falkländi-
schen Schafzüchtern nebst Familien, Kneipenwirten und Drugstore-
Besitzern das süße Leben eines Untertanen der britischen Krone zu
erhalten? Auch das ließe sich weiß Gott einfacher haben, indem
man sie samt Pinguinen in einen Containerfrachter packt und auf
irgendeiner kanadischen Insel wieder auslädt, auf der sie es be-
stimmt genauso wohnlich hätten. Britische Strategen, sogar im Un-
terhaus, sind im übrigen auch schon dahintergekommen, daß eine
militärische Befreiung der Malvinas von der angeblichen altengli-
schen Idylle dicht überm Südpolarkreis bestimmt nichts mehr üb-
riglassen würde. So kann man sich kaum des Eindrucks erwehren,
daß, was die Falklandbewohner als normale Menschen genommen an-
geht, die "Neue Zürcher Zeitung" mit ihrem echt Schweizerischen
Zynismus der Sachlage auf ihre Weise ziemlich nahekommt:
"An den Falkland-Inseln hat London weder ein militärisches noch
ein wirtschaftliches Interesse. Trotzdem (!) beging London den
Fehler," (im Falle handfester Interessen wäre es kein Fehler ge-
wesen, sondern wahrscheinlich ein ehrenwertes Quidproquo!) "die
Falkländer allzu lange im Glauben zu belassen, daß Großbritannien
ihnen" (Jetzt kommt's:) "den Luxus der Freiheit auf alle Zeiten
hin werde erhalten können." (7.4.82)
Wenn es der britischen Regierung also, ihrem eigenen Bekunden
nach, so furchtbar um ihre 1800 südatlantischen Untertanen zu tun
ist, daß sie sie lieber ins Gras beißen lassen als den Argenti-
niern zwecks weiterer Regierung überlassen will, dann um diese
Leute in jenem höheren Sinn, in dem die berühmte "Times" deren
lokale Identität für das Bekenntnis hernimmt:
"WE ARE ALL FALKLANDERS NOW." (Times vom 5.4.82)
A l s F a h n e n t r ä g e r G r o ß b r i t a n n i e n s
kommen die südatlantischen Insulaner in den Genuß der lebensge-
fährlichen Zuneigung ihrer alten, legitimen Obrigkeit; um die
b r i t i s c h e H o h e i t ist es also zu tun u n d u m
s o n s t n i c h t s. Bloß, nochmals: Warum soll es denn dem
britischen Staat ausgerechnet im Südatlantik so furchtbar um
seine Hoheit gehen?
Hier wird die Erklärung des bürgerlichen Verstandes und sogar das
staatsbürgerliche Selbstbewußtsein von Untertanen wie Regenten
regelmäßig moralisch oder psychologisch. Als Grund britischer
Entschlossenheit zum Krieg wird eine "Demütigung" benannt, gar
noch durch einen Staat und eine Armee der "dritten Kreisklasse",
die der "traditionsreiche" britische "Nationalstolz", der noch
keine Niederlage, schon gar nicht zur See, hätte einstecken müs-
sen, "nicht aushalten könne" - gerade so, als müßte jeder Brite
sich seiner Nichtsnutzigkeit schämen, wenn auf der anderen Erd-
halbkugel ein Riesenaufgebot von fremdländischen Soldaten ein
paar unverteidigte Inseln besetzt! Und als gäbe die Regierung ih-
rem Volk mit ihrer Wirtschafts- und Europapolitik nicht laufend
Zumutungen zu schlucken, die nicht bloß - wenn das denn schon für
Nationalisten kein Kriterium ist - die materiellen Interessen der
Massen verletzen, sondern durch einen gediegenen Nationalstolz
noch viel, eher für "nicht hinnehmbar" befunden werden könnten:
da gibt das regierungsamtlich definierte staatliche Interesse
aber eben andere Richtlinien vor. Man sollte also gerade ange-
sichts der hierzulande mit leichter Ironie vermerkten nationali-
stischen Ausbrüche des britischen Patriotismus erst recht nicht
die moralisch-psychologischen Idiotien, vermittels derer die Re-
gierenden ihre Politik als fraglos richtig anpreisen und die Un-
tertanen sich den beschlossenen Staatszweck als ihren höchstper-
sönlichen Ehrenpunkt zurechtlegen, so daß der Obrigkeit ihre ei-
genen Vorhaben als "emotionale" Forderung des Volkes entgegentö-
nen - diese Idiotien sollte man nicht mit den Staatszwecken sel-
ber verwechseln: Die "Ehre der Nation" hat schließlich allemal
einen sehr bestimmten I n h a l t, und wenn es um d e n nicht
ginge, würde jede verrückte Liebe zur Nation, die darauf beharrt,
sich blamieren und nicht Triumphe feiern.
Mit der britischen Flagge auf den Malvinen präsent zu sein, und
zwar so machtvoll, daß kein "Argie" sich hintraut: dieser er-
klärte britische Staatszweck nimmt sich sehr idealistisch, anti-
quiert und reichlich abstrus aus, ist das aber nur einerseits,
wenn man nämlich meint oder so getan wird, als hinge die ökonomi-
sche Benutzung Südamerikas durch britisches Kapital und die nö-
tige politische Kontrolle über die dortigen Souveräne
a u s g e r e c h n e t d a v o n ab. Die p o l i t i s c h e
Z u s t ä n d i g k e i t, die Großbritannien mit seiner Souve-
ränität über die Malvinas behaupten will, hat einen viel prinzi-
pielleren und gewichtigeren Inhalt, der sich am deutlichsten an
dem Konflikt mit den eigentlichen und vorrangigen weltpolitischen
und strategischen Aufgaben des Landes zeigt, in den Großbritan-
nien mit seinem militanten Interesse an seinen südatlantischen
Inseln gerät. I n d e r H a u p t s a c h e ist Großbritan-
nien nämlich N A T O - P a r t n e r; für den Schutz des Nordat-
lantik, und zwar vor den Sowjets, hat es mit seiner Flotte einzu-
stehen; für den "Ost-West-Gegensatz", das durch die USA nach dem
Krieg etablierte "Ordnungsprinzip" der gesamten souveränen Staa-
tenwelt, i s t die britische Staatsmacht in ihrer Betätigung
nach außen funktionalisiert - auf dieser ihrer Dienstbarkeit für
den weltpolitisch absolut vorrangigen Bündniszweck beruht ande-
rerseits ihre militärische Wucht wie auch, vermittels der EG, de-
ren ökonomische Grundlage. Die imperialistische Wahrheit dieses
Verhältnisses - daß das Vereinigte Königreich in all seiner
Pracht ein NATO-Satellit i s t - hat allerdings notwendigerweise
seine nationale Kehrseite, und d i e ist es, was die britische
Regierung mit ihrer kriegerischen Expedition geltend machen will.
Wenn der Staat sich schon für die moderne Weltordnung dienstbar
und nützlich macht, und zwar praktisch auf Kosten seiner Früheren
autonomen Weltmacht, dann doch nie deswegen, weil er sich als au-
tonome Weltmacht a u f g e g e b e n hätte, sondern um e b e n
d a v o n unter den neuen Bedingungen des "Ost-West-Gegensatzes"
so viel zu retten, wie zu retten ist. I m R a h m e n der
NATO, gewiß, in diesem Rahmen aber a u s e i g e n e r
M a c h t v o l l k o m m e n h e i t e i n e w e l t w e i t e
p o l i t i s c h e Z u s t ä n d i g k e i t aufrechtzuerhal-
ten, die ihrer Bündnispartrierschaft mit der wirklichen Weltmacht
Nr. 1, den USA, ein Moment von Gleichrangigkeit verleiht: Das ist
die Wirkung, die die britische Regierung der funktionalen Einord-
nung ihrer nationalen Macht ins System des zeitgenössischen Impe-
rialismus geben will. Übrigens ebenso wie alle anderen NATO-Re-
gierungen: auf eine ganz entsprechende Tour und mit derselben Ab-
sicht sucht Frankreich mit seiner separaten, autonomen Atommacht
sowie seiner speziellen "Ordnungspolitik" für Afrika - quasi im
EG-Auftrag - und die deutsche Bundesregierung mit dem Ausbau ih-
rer Bundeswehr zur zweitstärksten konventionellen Streitkraft des
Kontinents sowie mit ihrer speziellen Ostpolitik den Imperialis-
müs des Bündnisses zum Ausgangspunkt, Fundament und Instrument
besonderer nationaler imperialistischer Interessen zu machen: Das
M i t machen soll sich f ü r d i e N a t i o n l o h n e n!
In diesem Sinne hat die britische Regierung - Ironie der Ge-
schichte - gerade erst beschlossen, ihre für das entscheidende
"Kriegsszenario" weniger entscheidende Überwasserflotte abzubauen
und sich dafür die modernsten Unterwasser-Atomraketenträger zuzu-
legen: ein schönes Beispiel für die Harmonie zwischen dem gemein-
samen Bündniszweck, den 3. Weltkrieg siegreich bestehen zu kön-
nen, und dem nationalen Sonderinteresse der englischen Staatsge-
walt, die zur Weltmacht heute unabdingbaren Machtmittel des
höchsten Niveaus in autonomer Verfügung zu haben. Ein z u schö-
nes Beispiel offenbar! Denn seit ihrer Besetzung durch Argenti-
nien hat das britische Kabinett die Malvinas zum alles entschei-
denden nationalen Ehrenpunkt, zum Inbegriff der weltweiten Macht,
die es a u t o n o m ins Bündnis einbringen will, also zum spe-
ziellen nationalen neben d e m allgemeinwestlichen Kriegsgrund
erklärt. Dafür und in diesem Sinn sind die besetzten Malvinas für
Großbritannien von so überragender Bedeutung, daß die zeitweise
"Entblößung" der nordatlantischen "Flanke" des Bündnisses, die
Milliarde Dollar für eine Riesenexpedition - auch schon, wenn
nicht geschossen wird - und das "Risiko" einer siegreichen See-
schlacht keinen zu hohen Preis darstellen. Sie sind ein
S y m b o l für die Tatsache und für die Tragweite des briti-
schen Anspruchs auf u n i v e r s e l l e Z u s t ä n d i g-
k e i t und stehen insofern tatsächlich für den ä u ß e r-
s t e n Zweck, den die britische Regierung ihrer Nation
überhaupt setzen kann.
Und insofern ist der Konflikt mit Argentinien für die britische
Regierung auch überhaupt nichts Atavistisches, sondern von
höchster Aktualität. Denn daß das NATO-Bündnis sich jetzt für
seine wahren Aufgaben mehr denn je z u s a m m e n z u-
r e i ß e n, jeder Partnerstaat mehr als je zuvor dazu beizu-
tragen hat, diesen Imperativ haben der Menschenrechtsapostel
Carter und der Kommunistenfresser Reagan nun wirklich im Verlauf
der letzten drei bis vier Jahre wieder klargestellt und
durchgesetzt. Eben deswegen versucht seither aber auch jeder
atlantische Partnerstaat um so nachdrücklicher, seiner Un-
terordnung die nationale Kehrseite hinzuzufügen und in der Kon-
kurrenz der führenden Verbündeten um Maßgeblichkeit einen Platz-
vorteil aus der Tatsache zu gewinnen, daß es im Rahmen der neuen
Bündnislinie auf jeden einzelnen Staat und seine Beiträge zum ge-
meinsamen Zweck m e h r d e n n j e a n k o m m t. W i e
f r e i vermag eine NATO-Regierung noch zu operieren - das ist
gerade da das entscheidende Kriterium für die weltpolitische Be-
deutung einer Nation, wo der einzige und eindeutige Auftrag an
sie lautet, sich bedingungslos nützlich zu machen für die Politik
der universellen Zurückweisung, Einmauerung und Schwächung des
feindlichen "sozialistischen Lagers". A l s a u t o n o m e
W e l t m a c h t möchte Großbritannien M i t m a c h e r der
von den USA organisierten und garantierten Weltherrschaft sein -
das Pech der Argentinier, daß ausgerechnet sie mit ihrer Malvi-
nas-Idiotie dem britischen "Nationalstolz" d e n Anlaß zu
d i e s e r Klarstellung geliefert haben.
Was wollen die Argentinier auf den Falklands?
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Die Antwort ist einfach: d a s s e l b e w i e d i e
B r i t e n, allerdings in erheblich kleinerem Maßstab - was
schon am Umfang der beiderseitigen Flottenmacht abzulesen ist und
für die B e u r t e i l u n g ihrer Aktion eine erhebliche
Rolle spielt.
Von einem ökonomischen Nutzen der Falkland-Inseln oder auch des
anliegenden Antarktisviertels für Argentiniens Volkswirtschaft
kann noch viel weniger die Rede sein als im Falle Großbritanniens
und seiner Souveränität über die Malvinas. Im Gegenteil: Nach
Auskunft britischer Banken, die über Cash flow und Schulden-
dienste Argentiniens allemal noch besser Bescheid wissen als die
zuständigen Militärs und Minister in Buenos Aires, wird für die
Besetzung und Befestigung der Inseln, schon wenn es nicht zu ei-
nem Kampf kommt, die letzte halbe Milliarde Dollar an Devisenbe-
ständen der argentinischen Nationalbank draufgehen. Noch viel
deutlicher als bei der britischen Flottenexpedition geht es der
argentinischen Regierung mit ihrer Eroberungsaktion darum, sich
demonstrativ die w e l t p o l i t i s c h e n F r e i h e i-
t e n herauszunehmen, die sie sich von ihrer Einfügung in die
von den USA vorangetriebene antisowjetische Frontbegradigung
innerhalb der Staatenwelt erwartet. Das Rätsel der "Neuen Zürcher
Zeitung" -
"Das Kriegsabenteuer auf den Falkland-Inseln geht überdies zu ei-
ner Zeit vor sich, da sich Argentinien um eine N e u o r i e n-
t i e r u n g seiner Außenpolitik in p r o w e s t l i c h e m
Sinne zu bemühen schien, vor allem um einen Schulterschluß mit
Washington. ... Erst unter Galtieri begann man sich seit
Jahresanfang aus der Gemeinschaft der Dritten Welt zu lösen. Wie
der Handstreich vom letzten Freitag mit Galtieris prowestlicher
Neuorientierung in Übereinstimmung gebracht werden kann, ist
allerdings schwer ersichtlich." (NZZ vom 7.4.) -
ist andersherum leicht aufzulösen: W i e "prowestlich", also
dienstbar und funktional für die globalen Interessen des Imperia-
lismus die argentinische Regierung sein will, das stellt sie,
mehr noch als mit ihren Militärhilfen für die Kollegen in El Sal-
vador und gegen die regierenden "Kommunisten" in Nicaragua, durch
die antibritischen Frechheiten klar, die sie sich i m N a m e n
dieser ihrer Nützlichkeit meint herausnehmen zu dürfen. Genauge-
nommen ist diese "Frechheit" zwar ein bemerkenswertes Eingeständ-
nis: Ein Staat, der an weltpolitischen Interessen tatsächlich
n i c h t m e h r geltend zu machen hat als das eine, ein paar
zusätzliche Quadratkilometer unter seine direkte Fuchtel zu krie-
gen, der hat eben nicht viel an praktischen Ansprüchen in der
Weltpolitik geltend zu machen. Auch für die argentinischen Poli-
tiker sind aber immerhin die paar Morgen Inselgelände nicht ein-
fach Selbstzweck, sondern ein Symbol: Seit dem Export ihrer Na-
tionalflagge zu den Pinguinen und Schafzüchtern auf Falkland mel-
den sie sich in der Funktion zu Wort, die sie als s o u-
v e r ä n e M i t m a c h e r im Rahmen einer antikommu-
nistischen und sowjetfeindlichen Weltordnung ausfüllen m ö c h-
t e n, nämlich als die nächstliegende, "natürliche" "O r d-
n u n g s m a c h t" f ü r d e n S ü d a t l a n t i k - auch
wenn das einzige, was da zu "ordnen" ist, die Kontrolle über ein
immerhin nicht uninteressantes Seegebiet ist. D a r i n wollen
sie Großbritannien "beerben". Dabei gibt es diverse Konkurrenten
in der Gegend, gegen die man sich mit einer "Kraftprobe"
profilieren kann: Brasilien, das d e s w e g e n das
Unternehmen der Junta-Kollegen vom Rio de la Plata "sehr
skeptisch" beurteilt und "Befürchtungen" öffentlich hegt (wohl
kaum aus Angst vor einem argentinischen Kommandounternehmen im
Mato Grosso!). Ebenso das Chile des notorischen Freiheitskämpfers
Pinochet, selbst Beinahe-Opfer einer argentinischen Heimholung-
ins-Vaterland-Aktion am feuerländischen Beagle-Kanal, woraus sich
die Bereitschaft des Generals erklärt, die britische Flotte logi-
stisch zu unterstützen.
Um der souveränen, e i g e n v e r a n t w o r t l i c h e n
Wahrnehmung und nationalen Ausnutzung ihres i m p e r i a-
l i s t i s c h e n A u f t r a g s willen hat da eine
Staatsmacht sich als A g g r e s s o r hervorgetan. Was
beispielsweise I s r a e l k a n n u n d d a r f oder auch
S ü d a f r i k a, das m ö c h t e Argentinien auch: zum leib-
haftigen Beweis dafür werden, wie gut eine Staatsmacht es hat in
der Staatenwelt, w i e v i e l sie sich herausnehmen darf -
a l s n ü t z l i c h e r F r e u n d d e r U S A.
Dummerweise - eine Art historisches Pech für das Land - ist Ar-
gentinien mit seiner Aktion allerdings n i c h t, wie Israel
oder Südafrika, auf einen Kontrahenten gestoßen, den die westli-
chen Mächte selber schon halb und halb zum Feind erklärt oder
doch als nur bedingt nützlichen Gesellen eingestuft haben, son-
dern ausgerechnet auf eine der drei bis fünf Nationen, die neben
den USA und der UdSSR noch einige autonome Macht besitzen; und
noch dazu auf deren unnachsichtigen Entschluß, mit dem demonstra-
tiven Beharren auf der Universalität dieser ihrer Macht den An-
spruch auf eine führende Rolle in der momentanen kriegsvorberei-
tenden Formierung und Durchorganisation der Staatenwelt geltend
zu machen. Jede Spekulation - wie sie zu Zeiten der
"Entkolonialisierung" den alten Mutterländern und ihren Konkur-
renten ganz geläufig und selbstverständlich war - auf Möglichkei-
ten, den neu erwachten Nationalismus nachkolonialer Staatswesen
für sich p r o d u k t i v a u s z u n u t z e n, haben Groß-
britannien und seine Verbündeten sich in diesem Fall von vornher-
ein strikt verboten - nicht einmal die UdSSR hat auch nur einen
Versuch in dieser Richtung unternommen.
So kommt es, daß der demokratische Sachverstand eben das, was er
frechen Verbündeten wie Israel oder Südafrika - und Großbritan-
nien sowieso - ganz selbstverständlich zugesteht: außenpolitische
Vormacht (der demokratische Taufname dafür heißt: "Sicher-
heitspolitik"!) als legitimen Staatszweck, daß er eben das an der
argentinischen Aktion partout nicht will entdecken können. Ganz
ohne Absprache hat die gesamte freie pluralistische Öffent-
lichkeit sich hier auf eine Erklärung geeinigt, die ebenso al-
tehrwürdig wie albern ist: Die Generäle hätten den Schlag gegen
die Falkland-Inseln bloß inszeniert, um v o n i h r e n
i n n e n p o l i t i s c h e n S c h w i e r i g k e i t e n
a b z u l e n k e n. Diese Erklärung ist erstens immer blöd.
Denn w e n n ein Volk schon so nationalistisch gesonnen ist,
daß seine Mitglieder für Machterweise ihrer Herrschaft ihr Leben
zu opfern bereit sind, dann kann es mit ihrer angeblich zu be-
schwichtigenden Staatsgegnerschaft ja nicht so sehr weit her ge-
wesen sein; dann müßte ihre Opposition sich schon zuvor in einem
Vorwurf zusammengefaßt haben, der einer Militärjunta doch wie Mu-
sik in den Ohren klingen muß: die Regierung hätte es am glanz-
vollen Gebrauch ihrer Macht fehlen lassen! Zweitens paßt diese
Erklärung aber erst recht auf solche Fälle regelmäßig besonders
schlecht, zu denen sie den demokratischen Sachverständigen immer
einfällt. Gerade Argentinien ist doch - bei aller Industrie, über
die es bzw. das ins Land geholte ausländische Kapital verfügt -
kein Staat vom Zuschnitt europäischer "Industrienationen", in
denen der nationale R e i c h t u m auf einer lückenlosen
B e n u t z u n g des Volkes - als Arbeitskraft oder auch als
sorgfältig registriertes und überwachtes Arbeitslosenheer - und
folglich die nationale H e r r s c h a f t auf einer allgemei-
nen freiwilligen L o y a l i t ä t der Massen b e r u h e n.
Was als Beleg für die "innenpolitische Schwäche des Generalsregi-
mes" und dessen angebliche Not, sich populär zu machen, angeführt
zu werden pflegt: die brutal auseinandergeknüppelte Elendsmanife-
station wenige Tage vor der Falkland-Aktion, beweist doch eher
das Gegenteil: Die zunehmend verelendeten Massen Argentiniens ha-
ben k e i n e Waffen in der Hand, mit denen sie ihre Herrscher
gefährden könnten. Streiks sind ein Witz und kein ökonomisches
Erpressungsmittel, wenn die Zahl produktiv ausgebeuteter Proleten
unter die der von vornherein nutzlosen, niemals angewandten Slum-
bewohner sinkt und der zur politischen Macht nötige Reichtum nur
sehr teilweise von dem organisierten Fleiß der Bevölkerung ab-
hängt. Mit einem solchen ö k o n o m i s c h weitgehend
w e h r l o s e n Aufbegehren - die Gewerkschaften sind schon
längst gewaltsam lahmgelegt! - wird ein Militär noch allemal mit
n a c k t e r G e w a l t fertig. Für den Zweck der Herrschaft
s c h a d e t eine brutal unterdrückte Opposition genauso wenig,
wie eine nationalistische Begeisterung - die ja doch keine Gele-
genheit hat, sich nützlich zu betätigen, ausgenommen als Lie-
ferant von freiwilligem Kanonenfutter! - ihr n ü t z e n kann.
Und daß diese offenkundig d e n n o c h zu erwecken ist, sogar
die Paupers sich an der nationalen Großtat berauschen, über die
ihr oberster Machthaber sie entsprechend in Kenntnis setzt -
Kenntnisse über Längen- und Breitengrade brauchen sie dafür
nicht! -, widerlegt erst recht die Vorstellung, für die Rettung
der Regierungsmacht vor einer inneren Opposition wäre es auf
eine, breite Zustimmung der Massen maßgeblich angekommen. Allen-
falls im Intrigenspiel der mächtigen Militärs, in ihrer Konkur-
renz gegeneinander, mag die Mobilisierung der "Straße" eine ge-
wisse Rolle spielen; insbesondere dann, wenn ihr selbstzweckhaf-
ter Machtkampf 'mal wieder unter dem Titel "Demokratisierung",
also unter wohlgeplanter und zweckmäßig eingerichteter und do-
sierter Einbeziehung der Massen vonstatten geht. Genau diese Ma-
növer widerlegen aber erst recht jedes Gerücht von einem drohen-
den Aufruhr, den die herrschenden Militärs durch eine außenpoli-
tische Glanztat hätten beschwichtigen wollen oder gar hätten ab-
wenden müssen.
Die beliebte Theorie von der "Ablenkung durch Krieg", so wie sie
zur ideologischen Bewältigung der "Falkland-Krise" in der demo-
kratischen Öffentlichkeit weltweit unisono aufgetischt wird, ver-
rät nichts über Argentinien und seine weltpolitischen Zwecke, ge-
schweige denn seine inneren Verhältnisse, dafür einiges über ihre
eigenen Prämissen. Selbstverständlich ist sie für jeden demokra-
tischen Nationalisten - aber auch n u r für einen solchen. Man
muß nämlich selber erstens ein sehr bornierter Patriot sein und
zweitens sich und seinesgleichen in dieser Eigenschaft für ir-
gendwie ziemlich wichtige Mitglieder der Nation halten, um es für
das Selbstverständlichste von der Welt zu befinden, daß Leute
über die Vergrößerung des Territoriums, über das ihre Herrscher
verfügen, Freude und Begeisterung empfinden, und zwar so viel,
daß sie darüber ihre eigenen drückenden Sorgen, ja ihre Existenz-
not glatt vergessen. Daß e i n e m s e l b e r ein Krieg
durchaus als Argument für nationale Einigkeit einleuchtet, das
ist die eine Mitteilung, die die "Ableitung" des Falkland-Aben-
teuers der argentinischen Junta aus der Unzufriedenheit ihrer
Volksmassen enthält. Die andere besteht in einem sehr interessan-
ten Vorwurf: Genau das, was man für die eigenen "zivilisierten"
Verhältnisse durchaus als guten politischen Grund akzeptiert,
soll im Falle der argentinischen Gewaltherrscher ein manipulati-
ver M i ß b r a u c h des Patriotismus sein, eine bösartige Ma-
chenschaft. Erst stellt man sich die Kriegspropaganda der regie-
renden Generäle wie die politische "Überzeugungsarbeit" demokra-
tischer Parteien in einem regulären Wahlkampf vor - ein schönes
Eingeständnis bezüglich der "Argumente", die man sich dort erwar-
tet! -, um ihnen dann den Vorwurf zu machen, dabei kämen die
"eigentlichen Probleme" des Landes, nämlich seine innenpoliti-
schen und ökonomischen, gar nicht vor - ein Anwurf, den Margaret
Thatcher von der demokratischen Weltöffentlichkeit nicht zu hören
bekommt und auch nicht zu gewärtigen braucht. Denn das Verdikt
über ihre argentinischen Kontrahenten lebt ja von der Überzeu-
gung, daß außenpolitische Ambitionen, wie sie einer klassischen
Weltmacht wie Großbritannien wohl anstehen oder zumindest zuzuge-
stehen sind - ihre F ä h i g k e i t, sie machtvoll geltend zu
machen, reicht als G r u n d dafür voll aus! -, sich für ein
Land wie Argentinien n i c h t g e h ö r e n: Es hat ja nicht
einmal das eigene Volk gescheit im Griff und verfügt weder über
genügend nationalen Reichtum noch über genügend autonome Militär-
macht, um seinen Ambitionen wirklich unwidersprechlich Geltung zu
verschafffen. Der in dem "Ablenkungs"-Vorwurf enthaltene höhni-
sche Hinweis, die Generäle sollten sich doch erst einmal um eine
ertragreichere Benutzung und produktivere Befriedung ihrer eige-
nen Untertanen verdient machen, ehe sie sich auf das Feld impe-
rialistischer Konkurrenz wagen, erfolgt vom Standpunkt der
S e l b s t g e r e c h t i g k e i t eines auf Fleiß und Gehor-
sam des eigenen Volkes bestens begründeten i m p e r i a l i-
s t i s c h e n E r f o l g s. Den Qualitätsmaßstäben dieser
Selbstgerechtigkeit genügt Argentiniens Regierung nicht; folglich
sind imperialistische Aktionen von ihrer Seite ein Abenteuer, das
ihr gar nicht zusteht.
Unter d i e s e n Vorzeichen nimmt die sonst so verständnis-
volle demokratische Öffentlichkeit sich denn auch mit einem Mal
jede Freiheit, die Verwerflichkeit der argentinischen Diktatur,
bisher bloß von den Moralisten von Amnesty International mit ei-
ner öffentlich als mehr oder weniger ehrenwerte Marotte abgebuch-
ten Kritik bedacht, "schonungslos" ans Licht zu zerren. Die re-
gierungstreuen Zeitungen Großbritanniens, dessen Flotte den Ar-
gentiniern noch vor Wochen das Raketenschießen beigebracht, des-
sen Waffenindustrien ihnen Kampfwagen und Gewehre verkauft, des-
sen Banken ihnen Kredite gegeben haben, dessen Diplomaten bei ih-
nen als Verbündete aus- und eingegangen sind, empören sich auf
einmal über die bislang mit Stillschweigen übergangenen Scheuß-
lichkeiten der militärischen Unterdrückung im Lande - warum? weil
jetzt 1800 britische Seelen den blutrünstigen Herrschern in Bue-
nos Aires anheimfielen - dabei ist die britische Kolonie in Ar-
gentinien längst zehnmal so stark, fühlt sich wohl im Lande, und
die reaktionären falkländischen Schafzüchter sind unter Garantie
die letzten, die zu einem Militärregime in einen freiheitlichen
Gegensatz geraten dürften. Die Münchner tz, Boulevard-Blatt der
bayerischen Pinochet-Freunde von der CSU, entdeckt j e t z t
ihr Herz für die wöchentlich protestierenden Angehörigen der ver-
schwundenen Junta-Opfer - warum? weil sich ein so schöner Hohn
über die außenpolitische "Großmannssucht" der zu weit gegangenen
Regierung daraus machen läßt:
"Keiner in Argentinien ist tapferer als die 'Mütter von der Plaza
de Mayo'. Jeden Donnerstag setzen sie ihr Leben aufs Spiel." "In
Argentinien stehen die 'Mütter von der Plaza de Mayo' jeden Don-
nerstag vor dem Palast des Präsidenten und erinnern das Land und
die Welt daran, daß von diesem Haus Verbrechen ausgehen oder ge-
deckt werden, die mit vaterländischen Ruhmestaten und Soldaten-
ehre nichts zu tun haben." (tz, 16.4.)
Die ganze Logik, die Moral, und die Wucht dieser kritischen Auf-
merksamkeit, der die "Menschenrechtsverächter" auf den argentini-
schen Regierungssesseln sich so plötzlich erfreuen - ausgerechnet
die Frankfurter Allgemeine möchte sich wünschen,
"daß den rabiaten Militärs in Buenos Aires, stellvertretend für
manches andere dieser rechtsverachtenden Generalsregime in aller
Welt, eine heilsame Lehre erteilt" wird (FAZ vom 5.4.) -,
liegt in ihrer imperialistischen Klarheit und Entschiedenheit:
Die D i e n s t e Argentiniens sind w i l l k o m m e n, und
dafür hat seine Regierung, nach US-Lesart eine "befreundete auto-
ritäre Herrschaft", freie Hand; A n s p r ü c h e, gar solche
gegen die Interessen ehrbarer Westmächte, sind daraus aber nicht
abzuleiten, andernfalls handelt es sich bei den Junta-Generälen
um blutrünstige Diktatoren, die b e s t r a f t gehören.
Und mit diesem Standpunkt steht die britische Regierung nicht al-
lein.
Was die Verbündeten freut und stört
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Der Weltmacht Nr. 1, die sich auf die Souveräne ihrer Hemisphäre,
wie ihrer Bündnissysteme als f u n k t i o n a l e Mitmacher
freiheitlicher Weltherrschaft will verlassen können, paßt das ar-
gentinische wie das britische Beharren auf einem souverän zu
handhabenden n a t i o n a l e n N u t z e n ihrer jeweiligen
Funktionalität für die Herrschaft der Freiheit in aller Welt bloß
s e h r b e d i n g t. Zweifel daran, wie die argentinische Re-
gierung die Freiheit meint, die sie sich gegen Großbritannien
herausgenommen hat, sind den amerikanischen Freunden zwar nie ge-
kommen dafür bürgt zu allem Überfluß Außenminister Haigs flapsige
Bemerkung über Englands Hoheit über die Malvinas als "Pickel auf
dem Hintern des Fortschritts", den früher oder später ja irgend-
jemand habe "ausdrücken müssen". Daß die Briten daraus aber
gleich eine Miniatur-Weltaffäre machen, kann den USA erst recht
nicht recht sein; und weil gleichzeitig außer Frage steht,
w e s s e n Ambitionen in Sachen autonomer nationaler Ausnutzung
des eigenen Mitmacherstatus sie m e h r zu respektieren haben -
schon das Kräftererhältnis zwischen dem südamerikanischen Vasal-
len und dem westeuropäischen Satelliten gibt da eine eindeutige
Auskunft -, sehen die amerikanischen Chefimperialisten sich zu
unmißverständlichen Einwänden gegen das argentinische Vorgehen
genötigt. Ihre südamerikanischen Gorillas müssen sie also zur im-
perialistischen Räson bringen allerdings so, daß die auch wieder
nicht zu dem gegebenenfalls ärgerlichen weltpolitischen Fehl-
schluß gelangen, die bedingungslose "Freundschaft" mit den USA
möchte sich am Ende doch nicht genügend lohnen für den Egoismus
ihrer nationalen Macht und deren Geltungsdrang. Umgekehrt müssen
sie erst recht ihre britischen Verbündeten daran hindern, mit ei-
ner massiven Strafaktion der argentinischen Führung diesen fata-
len Fehlschluß gewissermaßen einzuprügeln. Daß der seine Armada
so bemerkenswert lange auf dem Äquator herumsegeln läßt - aus den
angekündigten 14 Tagen Seereise sind nach 14 Tagen drei Wochen
geworden -, ist das Resultat der amerikanischen Sorge um die In-
taktheit ihrer Hemisphäre und zeigt das britische Verständnis da-
für. Vom amerikanischen Standpunkt aus sollte Großbritannien sein
Bemühen um einen letzten glaubwürdigen Schein von autonomer
gleichrangiger Weltmacht ohnehin lieber in der Verstärkung des
N o r d atlantischen Pakts durch mehr Atomraketen u n d mehr
verfügbare Flottenkräfte austoben: Wenn die britische Regierung
aus der ganzen Affäre o h n e Seeschlacht diesen patriotischen
und bündniskonformen Schluß zieht, d a n n wäre es den Amis
wieder recht!
Bedingt solidarisch sind auch die übrigen NATO-Partner mit ihrem
britischen Mit-Satelliten. Zwar stellen sie die Pflege Argentini-
ens und seiner nützlichen Dienstbarkeit für die große Sache des
Westens getrost den USA anheim und beziehen mit ihrem Wirt-
schaftsboykott eindeutig die Position, daß die Botmäßigkeit
"drittrangiger" Staaten diese keinesfalls zu dem praktischen Ex-
periment berechtigt, aus ihren Diensten autonom und für sich Ka-
pital zu schlagen. Von den diversen westeuropäischen Standpunkten
aus kann die Zahl der passiven Mitmacher bei der imperialisti-
schen Weltordnung gar nicht groß, die der Aktivisten gar nicht
klein genug sein - denn das sind dann b l o ß s i e. Aus dem-
selben Grund findet an Großbritanniens Strafexpedition allerdings
auch bloß das Moment unbeschränkten Beifall, daß der Übermut
nachgeordneter US-Vasallen '"endlich einmal" einen Dämpfer be-
kommt - in diesem Punkt ist die Frankfurter Allgemeine 'mal wie-
der vorbildlich:
"Herauskommen wird... wohl eine politische Lösung. Sie braucht
freilich nicht so anrüchig sein wie manche andere politische Lö-
sung dieser Tage, die man in Anführungszeichen setzen kann, weil
sie in Wahrheit auf Gewährenlassen hinausläuft. Daß Großbritan-
nien einen Flottenverband in Marsch gesetzt hat, wird seiner
Position am Verhandlungstisch ein anderes Gewicht geben, als wenn
es nur die Papier-Resolutionen aus New York im Rücken hätte.
Diese Maßnahme dient - die Friedensbewegten hierzulande mögen es
glauben oder nicht - dem Frieden, indem sie einen für beide
Seiten erträglichen Ausgleich fördert. Denn die martialischen
Reden der Generäle in Buenos Aires täuschen nicht darüber hinweg,
daß sie vor heranrückenden britischen Streitkräften schon früher
einen heilsamen Respekt hatten." (FAZ vom 5.4.)
Schweren Bedenken begegnet dagegen die Tatsache, daß "die Briten
sich, besessen (!) vom Problem der Falkland-Inseln, aus der Welt-
und Europapolitik abgemeldet" haben, und zwar, wie die
"Süddeutsche Zeitung" weiß, "für eine gute Weile" und, wie sie
rügt, mit der praktischen Konsequenz, daß "zwei Drittel der ge-
samten britischen Flottenstärke, wenn nicht mehr, ... ihre NATO-
Positionen verlassen", auf die sie doch in Wahrheit hingehören!
(Süddeutsche Zeitung vom 5.4.)
Bei allem wohlwollenden Verständnis spürt ein geschulter bundes-
deutscher Journalistenverstand hier doch sogleich die "Gefahr"
heraus, daß Großbritannien sich zur Quasi-Weltmacht profiliert -
auf Kosten der westeuropäischen NATO-Partner und EG-Konsorten,
auf die unvermeidlich gewisse ökonomische wie militär-politische
Konsequenzen der britischen Strafaktion zukommen. Die ganz fin-
dige "Frankfurter Rundschau" deutet hier allerdings gleich schon
wieder einen Schritt weiter, wie aus dieser "Gefahr" nämlich eine
C h a n c e werden könnte:
"...ein solidarisches Handeln der EG mit einem Wirtschaftsboykott
Argentiniens könnte der Wendepunkt im britischen Verhältnis zur
Gemeinschaft werden. Es könnte überdies für alle künftigen Fälle
zeigen, daß mit der EG zu rechnen ist. Wegen West-Berlin muß der
Bundesregierung daran besonders gelegen sein." (Frankfurter Rund-
schau vom 8.4.)
Womit auch dieses linksliberale deutsche Weltblatt beim Spring-
punkt der ganzen Angelegenheit angelangt wäre - der heißen Frage:
Nützt ein solcher S t r e i t z w i s c h e n F r e u n d e n
denn nicht d e m F e i n d?!
Die Nachrichten darüber sind zwar, objektiv betrachtet, höchst
beruhigend: Auf den Antikommunismus der argentinischen Militärs
ist Verlaß, auch wenn Castro und Genossen mal wieder verrückt ge-
nug sind, aus dem argentinischen Bemühen um nationale Autonomie
die G e s c h ä f t s g r u n d l a g e herauszustreichen und
die "Befreiung" einiger trostloser Atlantikfelsen vom drückenden
Joch der britischen Krone als "Schlag gegen den Kolonialismus" zu
begrüßen. Und von einem Einbruch der nordatlantischen Seeherr-
schaft des Westens ist auch nichts zu hören. Die Gelegenheit, den
Hauptfeind wenigstens propagandistisch, wenigstens als
m ö g l i c h e n Nutznießer - wenn schon nicht Drahtzieher: Das
wäre denn doch zu absurd! - in die Schußlinie zu bringen und so
die Hauptfront zweifelsfrei klarzustellen, selbst wo es bloß um
eine i n n e r imperialistische Nebenfront geht: diese Gelegen-
heit mögen zumindest die westdeutschen Meinungsmacher sich nicht
entgehen lassen; siehe die Karikaturen vom Anfang, die den Aus-
spruch des US-Präsidenten - "Die Russen sollen da unten bloß ab-
hauen!" - der deutschen Frohnatur verdolmetschen.
So kommen per Saldo fürs bundesdeutsche Publikum denn doch einige
nützliche
Klarstellungen in Sachen Freund, Feind, Krieg und Frieden
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heraus: 1. S o l e i c h t g e l a n g t m a n i n
e i n e n K r i e g h i n e i n. Diese Klarstellung war ja
auch wirklich fällig, nachdem d e r F e i n d sowieso nie ein
Problem war, die Diskussion um Kriegs p e r s o n a l längst
ausgestanden ist und die Sache mit dem Kriegs g e r ä t und sei-
nen diversen Kalibern seit der "Nachrüstungs"-Debatte als Angele-
genheit eines geschulten s t r a t e g i s c h e n Sachver-
stands abgehakt ist. Da ist von der bundesdeutschen Nachkriegs-
Staatsideologie, ein erneuter Weltkrieg wäre "undenkbar" und
würde durch seine intensive Vorbereitung nur noch immer
"undenkbarer", ja wahrhaftig nur noch das eine Stück übriggeblie-
ben, ein "Kriegsausbruch" zwischen Staaten, deren Führer doch al-
lesamt wenn schon keine "Entspannungsfanatiker", dann doch
"Friedensfreunde" und vernünftig kalkulierende Ehrenmänner sind -
die auf unserer Seite, versteht sich! -, sei doch
"unvorstellbar". Jetzt kann sich jeder "vorstellen" - wenn er
will! - wie so etwas geht: Wenn einmal der s t a a t l i c h e
B e s c h l u ß ergangen ist, irgendwo hätte der Gegner sich un-
widerruflich z u w e i t vorgewagt, wenn also einmal irgendet-
was a l s K r i e g s g r u n d d e f i n i e r t ist - und
brauchbare Anlässe dafür gibt es täglich! -, dann läuft fortan
alles wie von selbst. Ab dann ist die eigene Entschlossenheit zum
Krieg nämlich ein Sachzwang, den man sich selber schon um der
"Abschreckung", also "Kriegs v e r h i n d e r u n g" willen
schuldig ist; und es liegt allein am Gegner, ob und wie sorgfäl-
tig er ihn respektiert. über d i e s e s "Problem" redet man
als "Süddeutsche Zeitung" dann zum Beispiel so:
"Diese" (des Gegners, versteht sich) "Kurzsichtigkeit läßt wei-
tere Fehlentscheidungen befürchten, die in Verbindung mit (!) der
Unnachgiebigkeit Großbritanniens zum Krieg führen könnten."
(Süddeutsche Zeitung vom 15.4.),
und als "Frankfurter Allgemeine" weiß man:
"Sie" (die Briten; oder auch: die eigene Seite) "werden sich zur
Wehr setzen; die Wahl der Mittel wird von der Einsichtsfähigkeit
des Gegners (!) abhängen." (Frankfurter Allgemeine Zeitung vom
5.4.) -
wovon ein Staat sich in den letzten Prinzipienfragen seiner
Durchsetzung da "abhängig" macht...! Der "Kriegsausbruch" folgt
also haargenau der Logik, die von den Ost-West-Rüstungskontroll-
verhandlungen her zur Genüge bekannt sein dürfte: W i r sind zu
allem bereit, worauf es nur noch ankommt, ist die
N a c h g i e b i g k e i t d e s F e i n d e s.
2. D e r heißt für die BRD natürlich niemals "Argentinien" oder
ähnlich. Solange es um solche Fronten geht, darf man sich einer-
seits noch in ironisch eingefärbter Distanz zur Kriegsentschlos-
senheit der Briten gefallen. Andererseits darf ein guter Deut-
scher den Kriegsgründen seiner engsten Verbündeten auch in diesem
Fall nicht völlig seinen Respekt versagen. Denn wenn schon einer
der besten Verbündeten etwas zum Kriegsgrund erklärt, dann wird
doch irgendwo und irgendwie schon d e r Feind mit im Spiel
sein, auf dessen Machenschaften die BRD sich als den
e i n z i g e n für sie in Frage kommenden Kriegsgrund festge-
legt hat. "Letztlich" sind die Russen eben doch an a l l e m
schuld, und wenn schon nicht am Falkland-Krieg, dann doch um so
mehr an der Gefahr, daß er g e f ä h r l i c h wird:
"...kann Argentiniens Militärs in die Arme der Sowjetunion trei-
ben..." "Was aber Gefechte zwischen hochgezüchteten Raketenschif-
fen der Russen und Engländer im Atlantik bedeuten würden, ist
vorstellbar. Eine Verwicklung der USA und anderer NATO-Staaten
wäre nicht auszuschließen." (Süddeutsche Zeitung vom 15.4.)
3. also: Ein Anlaß wie die Besetzung der Malvinas plus der kor-
rekte Feind macht zusammengenommen die fraglose Selbstverständ-
lichkeit, daß es d a n n natürlich a u c h f ü r d i e
B R D e r n s t wird.
Diese Schlußfolgeiung kann man dem staatsbürgerlichen Verstand
auf die komplizierte Tour einhämmern oder auf die lapidare. Eine
Glanztat der ersten Art sind die sprachpsychologischen Abwägungen
zum Urwort "Krieg!" im Feuilleton der "Frankfurter Allgemeinen"
vom 6.4., wo unter dem Schein einer Analyse der Falkland-Debatte
im britischen Unterhaus und ihres öffentlichen Echos einige
"archetypische Redeweisen" und elementare kriegerische Merksätze
dezent in Erinnerung gebracht werden:
"...eine brillante kriegerische Rede des Oppositionsführers... Es
ist der klassische Kriegsbeginn in England. Der Löwe kann noch
brüllen und zeigt zumindest die Pranke der moralisch-politischen
Empörung."
"Es gibt hier auch nicht den intellektuellen Zynismus, der Pa-
triotismus ausschließt und Pazifismus um jeden Preis empfiehlt."
"...hat der plötzlich zu hörende englische Kriegsschrei die Psy-
che in Europa verändert: Nur moralische Schwächlinge - so heißt
die Botschaft dieses herausfordernden Unterhauses - vermeiden un-
ter allen Umständen Krieg. ... Während in Deutschland die Frie-
densbewegung das Wort Krieg zum 'Unwort' machte und nicht nur in
Literaturkreisen Polen möglichst nicht erwähnt wird, bilden eng-
lische Politiker jetzt eine eiserne Kette und sagen: 'Krieg'; und
wissen: das heißt auch 'Tote'."
Für das letztere lohnt sich eine Übersetzung in Klartext: Nicht,
daß man d a s W o r t "Krieg" nicht mehr zu buchstabieren
wüßte, will der Feuilletonist der Friedensbewegung vorgeworfen
haben - die hat es ja im Gegenteil erst wieder breit in die Zir-
kulation gebracht -, sondern daß die Vokabel nicht automatisch
ein B e k e n n t n i s z u r S a c h e einschließt, so wie
bei den bewundernswerten englischen Politikern, die die geplanten
Leichen in Wahrheit natürlich nicht in Anführungszeichen setzen.
Polen gehört deswegen in den Zusammenhang, weil der Feuilletonist
den Schluß nahelegen möchte, das dortige Kriegsrecht könnte doch
gut und gerne das Äquivalent zur Falkland-Besetzung für die BRD
sein. Und die Literaten fallen ihm ein, weil er als Feuilletonist
meint, um deren Sprachregelung drehte sich die Welt. Das ist zwar
verrückt, gibt aber Aufschluß über die politische Absicht seiner
schöngeistigen Einführung in die Abgründe des Wortes "Krieg".
(Der Herr heißt im übrigen Karl Heinz BOHRER.) Weiter im Text:
"Etwas, was in Deutschland inzwischen unvorstellbar ist, zeigte
sich, daß man nämlich für 'Prinzipien' stirbt und tötet." Auch
das m u ß t e einfach mal wieder auf deutsch gesagt und
"vorgestellt" werden. Schließlich: "Eine Nation des europäischen
Westens, gewöhnt an den Wohlstand (?) und das psychologische Raf-
finement der aufgeklärten Zivilisation" (der Mann muß an Lady Di
denken?), "sieht sich überraschend konfrontiert mit dem Verlust
von vielen Menschenleben. Dieses ideologisch-psychologisch zu ak-
zeptieren, setzt voraus, daß die Nation zu einem traditionellen
Selbstverständnis zurückkehrt, dem die liberale Soziologie"
(Pfui!) "für immer" (ha ha!) "den Abschied gegeben hatte."
Auf denn!
Für den "normalen" Sachverstand geht dieselbe Botschaft schlich-
ter: als sachliche Information darüber, womit die zuständigen
Herrschaften in ihrem tiefen Verantwortungsbewußtsein bereits
rechnen. "BILD am Sonntag" vom 11.4. zitiert aus dem "Daily
Mirror":
"Der Flugzeugträger 'Invincible' habe Atomwaffen an Bord...", die
aber "noch nicht scharf gemacht worden seien. Sie würden nur für
den Fall mitgeführt, daß ein sehr viel größerer Konflikt ausbre-
chen sollte." Für den Fall ist aber alles in den besten Händen.
Es handelt sich nämlich um "atomare Wasserbomben, die im Ernst-
fall von Hubschraubern abgeworfen werden können. Einer der Hub-
schrauberpiloten ist Prinz Andrew (22), Sohn der britischen Köni-
gin."
Ja dann!
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