Quelle: Archiv MG - EUROPA ENGLAND FALKLANDKRIEG - Vom Nutzen eines gewonnenen Kriegs


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       Falkland/Malvinas
       

EIN NATO-KRIEG ZU SEINEM ENDE GEBRACHT

Am 10.6. trat sich der NATO-Gipfel in Bonn. Kriegsrat wurde mit einer Expertin gehalten: Großbritanniens Premierministerin That- cher befehligte nebenher weiter ihre Soldaten im Südatlantik. Und sie erwies sich dabei als Expertin nicht zuletzt in der demokra- tischen Kunst, in schrankenloser Selbstgerechtigkeit die ein- schlägigen Einsatzbetehle ihrer Regierung als eine harte, aber ehrenvolle nationale wie internationale Pflicht hinzustellen, die vor allem sie, da Oberbefehlshaberin, selbstlos und verantwor- tungsbewußt wahrzunehmen hätte. Von ihren NATO-Komplizen erhielt die Chefin aller Briten dafür, was sie wollte: Zuspruch und Unterstützung für ihren Krieg; Aner- kennung für ihr buchstäblich bombentestes gutes Gewissen beim Kriegrühren; - die Solidarität der obersten Einsatzleiter impe- rialistischer Gewalt. Eine eigentlich kaum mißzuverstetiende Lektion über politische Führerschaft und Führungsqualitäten in einer erfolgreichen Demo- kratie - und nicht nur darüber. I. Vom Maßstab imperialistischer Verhältnisse --------------------------------------------- Die rationelle Regelung gewisser Angelegenheiten ist eine Sache - die staatliche Durchsetzung von Rechtsansprüchen ist eine andere. Ginge es bloß um ersteres - und so möchten aufgeklärte Bürger das Wirken ihrer Staatsgewalt immerzu verstehen -, dann gäbe es auf den Falkland-Inseln überhaupt kein Problem; noch nicht einmal das, ob man sie "Malvinas" nennen muß oder darf. Einmal bloß als Schafzüchterfamilien etc. genommen, dürften anderthalbtausend - Einheimische doch wohl noch miteinander klarkommen, ohne von Bue- nos Aires oder London aus regiert zu werden - beim Schafezüchten wird ihnen von dort aus ja ohnehin nicht geholfen; höchstens dazu, daß es sich für sie gar nicht, für eine gewisse Aktienge- sellschaft dafür um so mehr lohnt -; und erst recht ohne daß zwei ausgewachsene Staaten über 10.000 Kilometer hinweg einen ausge- wachsenen Krieg gegeneinander führen. Tatsächlich wird im Kampf um die Falkland-Inseln aber gestorben, auf Befehl aus London und Buenos Aires, und zwar zunehmend mann- haft. Wofür? Eben überhaupt nicht für die Lösung irgendeines, und sei es noch so schwierigen Problems, das Menschen wirklich vom Standpunkt ihrer materiellen Interessen aus miteinander haben oder auch nur haben könnten. Sondern für den Streit zwischen zwei souveränen Staatsgewalten darüber, welcher von ihnen das e x k l u s i v e R e c h t zusteht, den Bewohnern dieser In- seln und überhaupt einem jeden, der sich, warum auch immer, für sie praktisch interessiert, erstens P r o b l e m e z u m a c h e n - durch die Scheidung von Eigentum und Lohnarbeit beispielsweise, sogar noch an der Schatzüchterfront, oder durch den Einzug von Steuern - und zweitens die B e d i n g u n g e n für die Bewältigung dieser Probleme zu diktieren. Das söuveräne staatliche R e c h t a u f u n d ü b e r die Inselgruppe, das politische G e w a l t m o n o p o l i n B e z u g a u f sie ist strittig; und das nehmen die engagierten Souveräne ganz p r i n z i p i e l l wichtig, völlig jenseits aller tatsächli- chen materiellen Interessen, auf die ihre Zuständigkeit sich da erstrecken will, und völlig unabhängig von deren tatsächlichem "Gewicht". Einziger Urheber aller politischen rechtlichen, deswe- gen auch ökonomischen Bedingnngen für schlechterdings alles, was sich auf den Falklandinseln überhaupt nur abspielen könnte, wol- len der britische wie der argentinische Staat sein: Das ist der Inhalt der Souveränität, die sie gegeneinander beanspruchen. Dieser Anspruch ist m a ß l o s; die tausende Leichen, die bei seiner Durchsetzung anfallen, beweisen es zur Genüge. Ist er des- wegen auch u n v e r h ä l t n i s m ä ß i g, so wie es manche Kommentatoren am Krieg ausgerechnet um eine so unwirtliche und in jeder materiellen Hinsicht belanglose Weltgegend wie die südat- lantischen Inseln bemerkt haben wollen die daran die "Verhältnismäßigkeit der Mittel" vermissen -? Im Verhältnis zu den bürgerlichen Anliegen, die da hoheitlich "geregelt" werden sollen, sind die staatlichen Souveränitätsansprüche allemal radi- kal, extrem und, wenn man so will, unvergleichlich, auch wenn weit größere und handfestere Geschäfts- und sonstige "Interessen auf dem Spiel stehen. "Verhältnismäßig" im Sinne einer geschäft- lichen Kalkulation sind die britische Kontrolle über Nord-Irland, die den dortigen Bürgerkrieg so dauerhaft und blutig macht, die "Verteidigungs"-Interessen Israels gegen sein arabisches Umland, die mit jedem Erfolg umfänglicher werden, die Unterhaltung Ber- lins als Edelprostituierte des NATO-Imperialismus genausowenig wie die Herrschaft über die Falkland-Inseln; nicht einmal die mi- litärische "Verteidigung" der nahöstlichen Ölfördergebiete durch ihre westlichen Nutznießer wäre in diesem Sinne lohnend - denn nach erfolgreicher "Verteidigung" gäbe es dort erst einmal gar nichts mehr zu fördern. Das heißt aber nur: "verhältnismäßig" in dem Sinn, wie er dem bürgerlichen Verstand aus den Kalkulationen seiner Geschäftswelt bekannt und vertraut ist, sind die Mittel imperialistischer Poli- tik und deren Einsatz n i e - ohne deswegen unkalkulierter "Wahnsinn" zu sein. Es gibt gewisse Staaten, und Großbritannien nebst seinen NATO-Verbündeten gehört ganz entschieden dazu, für die sind Soureränitätsansprüche gerade in ihrer Maßlosigkeit und Abstraktheit, gerade darin, daß sie ganz prinzipiell über jedes einzelne gesellschaftliche Interesse hinausgehen, überhaupt nicht unverhältnismäßig, sondern sehr funktional; gerade in seiner "unverhältnismäßigen" Radikalität ist da das beanspruchte staat- liche Gewaltmonopol sehr z w e c k m ä ß i g. Denn genau auf diese Weise s i c h e r n diese Staaten die unbeschränkte Bewe- gungsfreiheit eines von ihnen inszenieiten und benützten Ge- schäftslebens, das auf seine Weise auch m a ß l o s und jeden- falls nicht eher zufrieden ist, bis es den gesamten Globus um- spannt und noch die letzte Wüste durchgemustert hat. II. Vom Prinzip der NATO-Weltfriedensordnung -------------------------------------------- Es sind wahrhaftig nicht die südatlantischen Felseninseln und ihre Bewohner, für die die britische Regierung ihre Soldateska zum Töten und Sterben zu den Falkland-Inseln schickt. Die Gründe heißen: "Ehre der Nation" und "Prinzipien des Völkerrechts". Mit ihrer E h r e meint eine demokratische Nation nämlich den kom- promißlosen Anspruch der nationalen Herrschaft an ihre Untertanen wie an den Rest der Staatenwelt auf bedingungslose Unterordnung und absoluten Respekt, wo immer sie Rechtsansprüche erhebt. Und das V ö l k e r r e c h t ist, wie jeder weiß, keine neutrale Entscheidungsinstanz, die gewaltige Verhältnisse durch ihr Ge- waltmonopol verbindlich regelt und sichert - was auch schon nichts Schönes wäre -, sondern der Ehrentitel, unter dem Nationen sich ihren Konkurrenten und Gegnern gegenüber als Ankläger, Rich- ter und Vollstreckungsbeamte zugleich aufführen. Und dabei ist nur allzu klar, daß bloß solche Nationen sich damit nicht blamie- ren, deren e r f o l g r e i c h e Interessen, deren m a c h t v o l l e Ansprüche und deren ü b e r l e g e n e Gewalt sich mit diesem Ehrentitel schmücken. Daß Großbritannien zu dieser Sorte gehört, liegt nicht mehr bloß an seiner eigenen militärischen Macht. Als NATO-Partner is es Mi- turheber und Garant einer "Weltordnung", kraft derer die Staaten weit wirksamer in Partner, Geschöpfe und Feinde eines weltumspan- nenden Soureränitätsanspruchs sortiert sind, als die klassischen Großmächte das je zustande gebracht haben. Großbritannien führt seinen Spezialkrieg gegen Argentinien in der Sicherheit, daß gleichzeitig der W e l t f r i e d e n - also jenes reizende Ar- rangement weltweiter Gewalt, das den verbündeten Demokratien des Westens den politischen Zugriff auf die gesamte nicht-sozialisti- sche Staatenwelt und eine starke Position gegen das "sozialistische Lager" beschert und garantiert - unangefochten unter Kontrolle bleibt. Und das ist die eine Hinsicht, in der es sich bei der britischen Schlächterei im Südatlantik um einen N A T O - K r i e g handelt. Umgekehrt: Wenn Großbritannien mit Rückendeckung durch seine NATO-Partner seine nationale Ehrensache durchkämpft, dann steht es damit für die bedingungslose weltweite Respektierung nicht bloß seiner eigenen nationalen Rechtsansprü- che in aller Welt ein. Es stellt mit seiner blutigen Strafaktion den Respekt vor sich als N A T O - P a r t n e r wieder her - und "erinnert" so alle Souveräne auf dem Globus an die G e s c h ä f t s g r u n d l a g e ihrer Souveränität und an deren dadurch konstituierte selbstverständliche S c h r a n k e. Ihre besondere Härte gewinnt diese "Erinnerung" durch den Um- stand, daß sie nicht an einem "normalen" Staat der "3. Welt" durchexerziert wird, sondern ausgerechnet an einem Verbündeten der "freien Welt", der von dieser wichtig genommen und entspre- chend aufgerüstet worden ist: so wichtig, daß die argentinische Regierung sich ihrerseits berechtigt glaubte, zum Lohn die A n e r k e n n u n g ihrer an Gleichrangigkeit heranreichenden Wichtigkeit durch die Führungsmächte des Westens verlangen zu können, und auf die Hinnahme ihrer Besetzungsaktion gegen die Falkland-Inseln gesetzt hat; und so aufgerüstet, daß das argenti- nische Militär der britischen Strafexpedition blutigen Widerstand zu leisten vermag. Um so härter, aber auch um so eindeutiger die Klarstellung: Auch wenn sie als "Freunde des Westens" wichtig ge- nommen werden, berechtigt das die souveränen Geschöpfe der impe- rialistisch geordneten Staatenwelt mitnichten zur Relativierung ihres Respekts vor den Rechtsansprüchen und der Gewalt ihrer freiheitlichen "Freunde". Großbritanniens Spezialaffäre mit Ar- gentinien ist insofern ein hochaktueller K r i e g u m d a s N A T O - P r i n z i p, daß nur die Ansprüche der westlichen Führungsmächte auf diesem Globus bedingungslos gelten dürfen und die Interessen der auf Linie gebrachten übrigen Herrschaften eben nur als eindeutig u n t e r g e o r d n e t e. III. Von der Selbstgerechtigkeit wehrmächtiger Demokratie --------------------------------------------------------- Auch mitten im Weltfrieden, wenn es also noch gar nicht losgegan- gen ist gegen den ausersehenen Hauptfeind der westlichen Weltord- nung, sondern Partner und Satelliten um ihre anerkannte Wichtig- keit beim Mitmachen im Weltordnungsgeschäft konkurrieren, schlie- ßen die Prinzipien der NATO K r i e g e allemal mit ein. Denn die Welt zu ordnen und die Resultate unter Kontrolle zu halten, ist nun einmal das Geschäft souveräner Gewalten, die nicht auf der zweckmäßigen Regelung gewisser Angelegenheiten, sondern auf ihrer bedingungslosen Durchsetzung und auf ihrer unbedingten An- erkennung als B e d i n g u n g d e r M ö g l i c h k e i t jeder "Problemlösung" bestehen. Für derart maßlose - eben: h ö c h s t e! - Gewalten ist es kein Widerspruch, sondern sehr sachgerecht, wenn sie im Namen ihrer Maßlosigkeit einem gegneri- schen Staat in freier Machtvollkommenheit ein Ultimatum stellen und dann sich selber als die betroffenen Opfer des "Konflikts" bedauern, den sie selbst heraufbeschworen haben. Für sie ist es kein Aberwitz, einen Gegner mit einem Krieg zu überziehen und das als eine "militärische Konfliktlösung" hinzustellen, zu der der Gegner ihnen "leider" keine Alternative gelassen hätte - weil der aus dem Ultimatum der kriegführenden Partei für sich ebenfalls einen Punkt der nationalen Ehre und des Völkerrechts gemacht hat. Für Gewalten, die nicht nur in der Theorie, sondern in der welt- politischen Praxis wirklich und buchstäblich die "h ö c h s t e n" sein wollen, ist die Welt voll von sehr ein- leuchtenden K r i e g s g r ü n d e n: Jeder andere Souverän k ö n n t e einer sein, und er w i r d es wie von selbst, wenn er sich dem hoheitlich verwalteten Interesse einer imperialisti- schen Nation entzieht und über deren Forderung nach Botmäßigkeit hinwegsetzt; ab da ist der Krieg eine Ermessensfrage der "beleidigten" Nation. Und mit der Kriegsbereitschaft einer NATO-Nation steht auch schon das Grundgesetz des Krieges fest, den sie führt. Entgegen allen idyllischen Idiotien, die die Rede von der "militärischen Kon- fliktlösung" für die Absichtserklärung nehmen, mit dem Abschlach- ten feindlicher Untertanen bloß das herzliche Einvernehmen mit deren Herrschaft wiederherstellen zu wollen, buchstabiert der per Krieg zu erreichende "Kompromiß" sich für die Garantiemächte des Weltfriedens ganz eindeutig als S i e g. Wo einer dieser Staa- ten sein Recht einmal für verletzt befindet, da läßt er seinem Gegner bloß noch eine Wahl: Kapitulation freiwillig oder erzwun- gen. Und genau so sieht das Kriegsgeschehen dann auch aus. Die Selbstgerechtigkeit einer kriegführenden Demokratie wird durch den massenhaften Anfall von Leichen, auch und vor allem eigenen, nicht etwa wacklig, sondern nur noch immer dreister. An allen Op- fem ist der Feind schuld, weil er nicht nachgegeben hat; umso klarer, daß er bestraft gehört. Seine Opfer sind Zeugnisse seiner V e r a n t w o r t u n g s l o s i g k e i t, die zu dem Urteil nötigt, man dürfe ihm im Grunde überhaupt keine Souveränität zu- gestehen - bzw. nurmehr die, seine Kapitulation zu unterschreiben und sich dem Ermessen der demokratischen Weltfriedenskontrolleure zu unterwerfen. Die eigenen Opfer sind demgegenüber die stummen Zeugen einer gerechten Sache, die schön allein deswegen nicht preisgegeben werden darf, weil sie so viele "Blutzeugen" gefunden hat. Im Krieg "mahnen die Toten" nicht "zum Frieden", sondern zum Sieg sonst wären sie ja glatt umsonst gestorben! Sozialfürsorge besteht im Krieg darin, jeweils schneller und härter zuzuschlagen als der Gegner - denn nur so läßt sich das Leben der eigenen Sol- daten "schonen". Auf Verluste und Teilniederlagen kennt eine sou- veräne Regierung für sich nur eine Antwort: "Jetzt erst recht!" Diese Logik der S e l b s t g e r e c h t i g k e i t macht den demokratischen NATO-Krieg, wie derzeit den britischen um die Fal- kland-Inseln, so ausgiebig, so blutig und die Eskalation seiner Brutalität so todsicher - solange die Argentinier sich noch wi- dersetzen wollen. E i n N A T O - S t a a t l e n k t n i c h t e i n - das wäre ja nach imperialistischer Logik der Anfang vom Ende des Weltfriedens! Mit dem schließlich errungenen S i e g macht sich daher auch kein "Katzenjammer" über die Kosten an Menschen, Material und Fi- nanzen breit, sondern tiefe Befriedigung über die wiederherge- stellte Weltordnung. Er hätte noch weit mehr kosten können: Mit dem Sieg hat der Krieg sich g e l o h n t, und jede Kritik an der Regierung ist schlagend, eindeutig und verbindlich als defä- tistisches Gemecker erwiesen, die Warnung vor "den Folgen" als politischer Fehler w i d e r l e g t. Da darf der britische Pa- triotismus sich schon einmal eine Nacht lang den Rückgriff auf die Triumphgesänge des klassischen britischen Kolonialismus gön- nen - so selbstgerecht, daß den neidischen Nachbarn das ironische Lächeln ihrer Kommentatoren vergeht. Und Frau Thatcher hat sich ihr "Bad in der Menge" redlich verdient - in einer Menge verrück- ter Patrioten, die glücklich sind, wenn ihre Herrscherin sich in ihnen "badet". IV. Von der demokratischen Kriegsberichterstattung -------------------------------------------------- Die demokratische Öffentlichkeit, die bekanntlich jede Heuchelei ihrer Obrigkeit als Offenbarung nimmt, geht begeistert mit, wo die nationale Selbstgerechtigkeit ihre moralischen Triumphe fei- ert - und das nicht einmal nur in Großbritannien selbst. Auch den publizistischen Wortführern im Partnerstaat BRD wird es ganz of- fensichtlich langweilig, den Briten den angeblich b l o ß n a t i o n a l e n Zweck ihres Krieges als "nutzlosen Wahnsinn" vorzuhalten: erfolgreiche Selbstgerechtigkeit verfehlt ihren Ein- druck auf demokratische Gemüter nicht. Inzwischen kürzt die "Kritik" an Großbritannien sich auf die Forderung zusammen, mit seinem Spezialkrieg doch baldmöglichst zum Ende zu kommen zu ei- nem siegreichen, versteht sich, wenn denn schon die bislang ge- heuchelte Sehnsucht nach einem "Kompromiß ohne Blutvergießen" sich mit zunehmender Dauer und Härte des Kriegsgeschehens ganz praktisch blamiert. Ohne Vorbehalte wird dem Publikum demgemäß nun auch das Kriegsgeschehen selbst nach den Kriterien von Kampf und Sieg nahegebracht, unbeeinträchtigt durch Überreste von pazi- fistischen Sprachregelungen. Ohne Entsetzen gibt die westdeutsche Presse und der Staatsrundfunk die abschätzigen Urteile britischer Tötungsprofis über die mangelnde Kampfmoral der argentinischen Wehrpflichtigentruppe wieder; Bilder über weggeworfene Helme - "damit sie schneller laufen können" - haben Konjunktur wie einst die israelischen Propagandafotos von den Schuhen, die die ägypti- schen Soldaten ausgezogen hatten. Und mit den geschmackssicheren britischen Kennern beurteilt die bundesdeutsche Öffentlichkeit den Wahnsinn argentinischer Piloten, die sich samt Flugzeug in ihr Ziel stürzen, sehr fachmännisch als Könnerschaft und Zeichen einer gefestigten Kampfmoral, die R e s p e k t abnötige: Bru- talität gegen sich selbst ist im Krieg ist noch allemal ein Eh- renpunkt! Ist dann der Sieg errungen, dann macht sich kein Zorn darüber breit, wie unverschämt frei Staaten mit ihren Untertanen verfah- ren, sondern E r l e i c h t e r u n g. Ohne Schwierigkeiten macht der Untertanengeist den Übergang mit, den sein Fernsehen ihm vorführt: Ohne Zwischenschritt vom Filmbericht über die Grab- legung gefallener britischer "Helden" zum fachmännischen Ver- gleich der Waffensysteme, vom Kriegstriumph der Premierministerin zu der absurden Parole: Jetzt hat endlich die Politik wieder das Wort! - als wäre die Politik nur für die Früchte des Sieges zu- ständig und verantwortlich und nicht für deren kriegerische Ko- sten. So legen bundesdeutsche Journalisten davon Zeugnis ab, daß auch beim NATO-Partner Nr. 1 auf dem europäischen Festland Kriegsbe- reitschaft nicht erst erzeugt werden muß, sondern jederzeit abge- rufen werden kann. Man braucht ihr nur den Feind zu zeigen - und entsprechende action! * Dabei ist das alles erst bloß ein "Kleinkrieg" an einer i n n e r imperialistischen N e b e n front, in dem die Leichen - zumindest die der "eigenen" Seite - fast noch einzeln gezählt werden. Was mag da erst fällig sein - alles nach dem beliebten Motto: 'Jetzt erst recht!' -, wenn es an der Hauptfront gegen den Hauptfeind geht?! Bild ansehen East Falkland Landkarte zurück