Quelle: Archiv MG - EUROPA ENGLAND FALKLANDKRIEG - Vom Nutzen eines gewonnenen Kriegs
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Fachleute zum Falkland-Krieg
WISSENSCHAFT ODER WAHNSINN?
Die ARD wollte dem "Wahnsinn" im Südatlantik endlich wissen-
schaftlich auf die Sprünge kommen und veranstaltete ein "Plan-
spiel um den Falklandkonflikt" unter dem Titel "Krisenmanagement
oder Krieg?"
Einen Tag lang durften Professoren und Studenten sich in die Rol-
len der Mächtigen versetzen und so tun, als hätten sie eine aus
dem Nichts emporgetauchte "Krise" zu "managen". Man muß sagen,
die grauen Theoretiker haben ihr Handwerk glänzend beherrscht:
Erstens jonglierten sie wie alte Hasen mit der friedensschaffen-
den Androhung von Gewalt, und zweitens brauchten sie sie ab dem
Zeitpunkt, wo sie planspielerisch am Ruder waren, nicht mehr ein-
zusetzen, weil sie ihre erwünschten Wirkungen auch so erreichten:
einfach, indem sie sich "vernünftig einigten". Die Ankündigung
des "argentinischen Außenministers", man habe mit der Sowjetunion
militärische Zusammenarbeit vereinbart und ihr Landerechte einge-
räumt, fiel allerdings so aus dem Rahmen, daß die Gegenseite gar
nicht auf die Idee kam, den totalen Krieg zu erklären. Offen-
sichtlich im Bewußtsein seiner Schuld, gegen die internationalen
und Plan-Spielregeln verstoßen zu haben, und anscheinend leicht
angesoffen, nahm "Mendez" nach einem geheimen Gespräch mit "Haig"
das Waffenstillstandsangebot an, ohne weiter auf der Souveräni-
tätsfrage herumzureiten, sichtlich froh, doch noch mit Anstand
kapituliert zu haben.
Der Politologe
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Prof. Dieter Senghaas von der Bremer Uni findet das alles noch zu
wenig "realitätsgemäß". Die Lösung ging ihm zu einfach, als Wis-
senschaftler wollte er unbedingt die politologische Erkenntnis
betont wissen, daß alles unheimlich verwickelt, in der Wirklich-
keit kaum faßbar sei. Im Leben, wie die Politologie es liebt, da
gebe es Zeitdruck, Phasen der Unsicherheit und Instabilität, vor
allem aber eine folgenreiche Uninformiertheit der Politiker über
sich und ihre Aktivitäten - bums: Fehlkalkulationen und von
neuem... Kurz: anstelle von Politik mache Irrationalität sich
breit, welche wiederum gerade bei Kriseneskalation - erst taucht
sie auf, dann wächst sie noch - tendenziell allgemein werde und
die Politiker befalle - Folge: Sucht, die Massenmeinung zu mobi-
lisieren. Und das angesichts der Meinung des internationalen Dro-
gologen, daß eigentlich das Gegenteil passieren müsse. Der Zu-
schauer kann die bitter angedeutete Konsequenz nur ahnen: Aufge-
putscht putschen die Massen ihre Führer in die tragische Eskala-
tion. Die Entscheidungen werden statt langfristig immer kurzfri-
stiger, fast instinktiv. Welch gefährliche Pfade politologisches
Denken zu beschreiten wagt, wurde erst so richtig klar, als Seng-
haas hervorhob, daß es sich bei dieser Krise nur um einen zweit-
oder drittrangigen Konflikt handle. Und dennoch sei er vor drei
Jahren nicht prognostizierbar gewesen, es sei eben typisch für
politische Krisen, daß sie dort ausbrechen, wo keiner sie er-
warte. Sein Vorschlag zur Konfliktlösung kam leider etwas zu
spät: "Die frühe Solidarität der EG war ungut, sonst hätte sie
vielleicht als 3. Partei eingreifen können."
Der Friedensforscher
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Prof. Wolf Graf von Baudissin beglückwünscht sich, daß man Europa
nicht mit der Südsee vergleichen könne, um mit den wissenschaft-
lich fundierten Binsenweisheiten einer Rassenlehre geographische
Sensationen zu verbreiten: Im Norden sei kein vernünftiger Mensch
zu finden, der meint, daß man mit Kriegen Konflikte lösen könne,
da man ja unter dem wohltuenden Schutz eines Frieden spendenden
nuklearen Schirms lebe, außerdem über eine lange gemeinsame ge-
schichtliche Erfahrung mit Krieg und Frieden verfüge und zu guter
Letzt sich geographisch sehr viel näher sei als im Süden. Auf die
nähere geographische Lokalisierung Großbritanniens und der EG,
auf die anthropologische Zuordnung von Thatcher, Schmidt, Mitter-
rand und Co. in diesem verblüffenden Weltbild darf man gespannt
sein. Die Lösung des historischen Problems konnte der Graf noch
in der Sendung präsentieren: Die Europäer hätten gerade wegen des
permanenten und so dichten (Enge!) Konfliktgemenges gelernt,
i h r Gemenge auf niedrigem Niveau zu halten; aus der Einsicht
heraus, daß die europäischen Konflikte nicht lösbar seien, würden
sie gar nicht erst angeheizt. Sein Vorschlag zur Konfliktlösung:
"Mehr telefonieren!"
Der General
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a.D. Gerd Schmückle, ehem. Oberbefehlshaber der NATO, nahm die
Stichworte der Theoretiker dankbar auf und theoretisierte aus
praktischer Leidenschaft. Er hatte keinen Grund, sich mit seinen
Kontrahenten zu streiten. Im Gegenteil! Er setzte ihnen die Krone
auf und faßte zusammen: Die Engländer hätten nicht irrational ge-
handelt, schließlich gebe es gegen Aggression nur ein Mittel, den
Krieg, damit der Frieden wieder Oberhand gewinne. Im Verlauf der
Sendung wurde nicht klar, ob dieser Prozeß über eine Art Gesund-
schrumpfung der Menschheit erfolgt; die Vermutung liegt jedoch
nahe; er sieht nämlich das ganze Krisenmanagement in Gefahr, weil
zu viele mitzureden hätten, und das auch schon im Osten, wo doch
jeder denkt, daß es dort wenigstens noch gesittet zugeht. Ermuti-
gend seine Warnung davor, den Krieg zu verteufeln, schließlich
gehöre er zum gesellschaftlichen Leben ebenso wie Glück und Un-
glück, Unwägbares und Irrationales. Darum bedankte er sich beim
lieben Gott für die Abschreckung, von der die im Süden zu wenig
haben, und empfahl zur guten Ruh und für den Frieden der Menschen
auf Erden "die Atombombe, die aus Angst vor den Folgen nicht an-
gewendet wird."
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