Quelle: Archiv MG - EUROPA ENGLAND ALLGEMEIN - Im Dienste ihrer Majestät
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Wochenschau
DER WAHLKAMPF IN GROSSBRITANNIEN
ist in seine "heiße Phase" eingetreten. Daß man sich heutzutage
als demokratischer Politiker die meisten Aussichten auf Erfolg
mit einem offensiven Bekenntnis zur gewaltsamen Natur des politi-
schen Geschäfts versprechen kann, wissen die britischen Staats-
profis. Ihre Konkurrenz um die Macht bestreiten sie mit dem
Thema: staatliche Produktion von Leichen.
So wird der Krieg um die Malvinas zwischen Tories und Labour noch
einmal ausgefochten, wobei Frau Thatcher das "Falkland-Gemetzel
glorifiziert"; das will Labour's Denis Healey ihr nicht durchge-
hen lassen, weil die Lady den Krieg nicht konsequent fortsetzt,
sondern Argentinien "Millionenkredite zubillige", mit denen
"Waffen zur Bekämpfung britischer Soldaten" gekauft werden könn-
ten. Der Mann sorgt sich also um die Ausgangslage für den näch-
sten K r i e g und wirft den Tories Prunksucht bezüglich des
letzten vor. Mrs. Thatcher will sich hingegen keineswegs auf den
falkländischen Lorbeeren ausruhen, sondern rüstet zu gewaltsamem
Durchgreifen auch im Inneren; wobei leider nicht einmal auszu-
schließen ist, daß bei britischen Proleten und ihren arbeitslosen
Kollegen Punkte zu machen sind mit der Ankündigung der Wiederein-
führung der Todesstrafe als W a h l g e s c h e n k!
Dieses "Reformvorhaben" der Premierministerin wird demnächst wohl
in Nordirland zur Anwendung gelangen. Dort besitzt die von London
und seinen Anhängern in der Provinz als "Terroristenbande" ge-
führte IRA die Frechheit, sich über ihren legalen Teil, die Sinn
Fein, an den ebenfalls am 9. Juni angesetzten Stormont-Wahlen zu
beteiligen. Dort werden Stimmen für die G e w a l t geworben,
heißt es von Seiten der demokratischen Machthaber, die sich mit
ihrer Gewalt als Gewalthaber empfehlen. Widerstand gegen gewählte
Machtausübung, das allein ist Gewalt und hat k e i n R e c h t,
weswegen ein zu erwartendes Mehrheitsvotum der Katholiken in Ul-
ster für den bewaffneten Kampf der Provisionals nach Auffassung
der "Süddeutschen Zeitung" vom 3. Juni "Nordirland trübe Aussich-
ten" beschert: "Kann die IRA in Zukunft gar als demokratisch le-
gitimiert erscheinen (!), dann werden die Aussichten für Nordir-
land noch trüber als bisher." Soviel zur Demokratie - nicht nur
im Vereinigten Königreich.
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