Quelle: Archiv MG - EUROPA EG - Vom Euro-Imperialismus


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       Die "Zinsabkoppelung"
       

EUROPÄISCHER UMGANG MIT DEM DOLLAR

"Die USA erlassen einen politischen Auftrag an ihre Verbündeten: Die Maßstäbe der amerikanischen Aufrüstung sind als verbindlich zu betrachten. Wie dieser Auftrag ökonomisch zu bewältigen sei, wird der Welt gleichzeitig mitgeteilt, nämlich durch die Wirkun- gen der amerikanischen Wirtschaftspolitik," (MSZ Nr. 2/81) "'Eins haben wir gelernt. Nämlich wenn Reagan sich entschließt, etwas zu machen, dann macht er es auch', sagt ein hoher Beamter der Europäischen Gemeinschaft. 'Es war sehr aufschlußreich, was mit den Zinssätzen und mit der Geldpolitik geschah, und keiner sollte denken, es könne nicht wieder geschehen', fügt er hinzu. Dabei bezieht er sich auf Reagans Weigerung, irgend etwas zur Senkung der Zinssätze oder zur Stabilisierung des Dollars zu un- ternehmen - obwohl es die anderen wichtigen Industriestaaten dringend erbeten hatten..." (Business Week, September 81) "Während der US-Staat diesen Boom sehr freihändig ins Werk setzt und sich dabei der Solidität seines Nationalkredits - das Welt- geld! - sowie der Übermacht seiner Ökonomie sicher sein kann, müssen die imperialistischen Staaten 2. Ordnung andere Vorkehrun- gen zur Erreichung des Klassenziels treffen. Dazu gehört das be- sondere Augenmerk auf die Vertrauenswürdigkeit der eigenen Wäh- rung ebenso wie die Begutachtung der eigenen Ökonomie hinsicht- lich ihrer Leistung eben dafür. Doch: geschehen soll dies alles nach den Gesetzen der Konkurrenz, Bewährung hat auf dem Weltmarkt zu geschehen." (MSZ Nr. 2/81) Die guten alten Zeiten der "Dollarschwemme" sind vorbei. Das heißt nicht, es gäbe die "We trust ausgerechnet in god"-Währung nicht mehr im selben Umfang wie früher, vielmehr hat sich die zeitweilig leicht herablassende Haltung der diversen "Geld hal- ter" der "grünen Flut" gegenüber doch ziemlich gewandelt. Jeder will an das Zeug ran, springen doch die Vorteile unmittelbar ins Auge: 1. sind die Zinsen drüben dauerhaft, hoch und 2. handelt es sich - das wird jetzt wieder schön klar - um die Währung, die auf der Welt am meisten zählt. Für die Banker keine Frage also, daß sie Geld hinüberzuschaffen haben. Interessierte Parteien wollen nun in diesem Vorgang einen Sachzwang entdecken - "Sklaven der amerikanischen Geldpolitik" seien "wir" geworden. Staatsmänner, Zentralbankpräsidenten und Journalisten reden gerne so, wenn sie einem weismachen wollen, daß hohe Zinsen per se ein Problem seien und daß für die gestiegenen Zinsen - die sich mancherorts unange- nehm spürbar machen - eigentlich niemand nichts kann. Es sei denn der amerikanische Präsident, dem die solidarischen Krähen aber gleich dazu bescheinigen, auch er könne eigentlich nicht anders, von wegen "Inflationsbekämpfung" in den USA und so. Komisch ist dann aber die Rede vom "Abkoppeln". Erstens hatte man sich also an den Zug angehängt, und zweitens ist auch klar um im Bild zu bleiben -, daß der weiterfährt und die "Abgekoppelten" da erst einmal schauen dürfen, daß sie nicht auf einem Abstellgleis stehen bleiben. Da lag ein B e s c h l u ß vor, bei der allge- meinen Zinsentwicklung mitzumachen - aber, das stellt sich immer mehr heraus, man hat auch so seine Schwierigkeiten damit. Das Reagansche Vorhaben, das eigene Wirtschaftswachstum zu f o r c i e r e n, fällt - eben vermittels der hohen Zinsen und des Dollarabflusses - auf die Partnerstaaten zurück: ihre Ökono- mien werden g e s c h ä d i g t. Das kostet ein kleines Stück- chen nordatlantischer Freundschaft justament in dem Moment, wo im gemeinsamen politischen Zweck Einheit wie noch nie herrscht: Die geldpolitische Freiheit des amerikanischen Präsidenten wird als "Rücksichtslosigkeit" gegen befreundete Währungen bejammert - der mit viel freundlicher finanzieller Unterstützung an die Business- Boys erteilte Auftrag neidvoll als eine "Rücksichtnahme" charak- terisiert, die man sich selber nicht leisten kann und die einen ungerechterweise noch mehr ins Hintertreffen bringt. Wo also Rea- gan einen Aufbruch verordnet, stellen sich europäische Regierun- gen "schweren Zeiten" - und denken sich so allerhand K o m- p e n s a t i o n s maßnahmen aus. I. Wenn europäische Staatsmänner hergehen und die Unumgänglichkeit von S t e u e r e r h ö h u n g e n in den USA beschwören, also - einerseits den Präsidenten darauf festlegen wollen, sich Geld im eigenen Lande zu beschaffen, - andererseits eben aus diesem Grund die (aus ihrer Sicht) Rück- sichtnahme auf die amerikanische Wirtschaft rückgängig gemacht sehen wollen, dann ist dies eine f e i n d s e l i g e Erklärung, die aber als A p p e l l auftritt. Die Feindseligkeit ergibt sich dar- aus, daß die amerikanische Geldpolitik als schädlich für die ei- gene Währung und die eigene Wirtschaft bezeichnet wird; Appell, ist diese Erklärung insofern, als sich ja gegenüber der westli- chen Hauptmacht alle Maßnahmen verbieten, die sich nicht auf dem Terrain bewegen, das von der Hauptmacht abgesteckt wurde. Daran haben sich die anderen kapitalistischen Nationen zu messen - was etwas ganz anderes ist, als einem (Sach-)Zwang unterworfen zu sein. Die verständnisheischende Klage der Partnerstaaten, sie seien nun die Opfer des "hohen Zinsniveaus" stimmt allerhöchstens in dem einen Punkte, daß sie mit dem Zinshochsetzen nicht ange- fangen haben. Ansonsten aber machen sie es dem großen Bruder eif- rig nach: Die vielen Waffen und die dafür erforderlichen Milliar- den w o l l e n sie genauso. Zu diesem Zwecke erklärt jeder Staat den Kapitalmarkt zu seinem Markt. Mit seiner p o l i t i- s c h e n Gewalt will er den Kapitalmarkt, auf dem die Geschäftswelt ihre Kreditbedürfnisse befriedigt, zu s e i n e m Betätigungsfeld machen und hat daran - eben nicht die Freiheit des Weltgeldes genießend - seine S c h r a n k e. Der Zu griff auf diesen Markt setzt also die Berücksichtigung der Bedingungen seines Florierens voraus, und denen kommt das staatliche Geldbedürfnis in die Quere. Womit sich die "Rücksichtslosigkeit" amerikanischer Geldpolitik sehr konsequent in eine kalkulierte, d.h. gewußte und berücksichtigte Rücksichtslosigkeit der europäischen Staaten ihren wachstumsschaffenden Bürgern gegenüber fortsetzt. Der Zins ist nicht länger Ergebnis eines freien Spiels von Angebot und Nachfrage, - in das sich der Staat aus konjunkturpolitischen Erwägungen einmischt, sondern wird zum M i t t e l d e s S t a a t e s gemacht, sich an diesem Markt zu bedienen. Völlig unvorstellbar die früher ohne weiteres gehandhabte Methode, sich zugunsten einer Aufrechterhaltung von Zinsdifferenzen zu verschulden, die Staatsschuld also dafür anwachsen zu lassen, daß die Kapitalisten in den Genuß niedrigerer Zinsen kommen. In solchem kalkuliert rücksichtslosen Umgang mit dem eigenen Ka- pital ist die Überlegung eingeschlossen, wie die von den USA aus- gehende Beeinträchtigung weitergereicht werden kann, wie also ein "Ausweg" auf fremden Kapitalmärkten zu finden ist. Das ist denn auch die schlichte Wahrheit der "Hochzinspolitik": Geld braucht der Staat für sich, er braucht immer mehr, er be- schafft es sich, indem er die Zinsen hochsetzt. Daß er sich dabei nach den Zinssätzen anderer Staaten richtet und es ihm lieber ist, wenn er drunter bleiben kann, ist dagegen kein Einwand, de- monstriert vielmehr, wie ein jeder Staat die Geldpolitik zur Ver- teidigung der eigenen Währung einsetzt u n d so versucht, Zu- griff auf fremdes nationales Kreditgeld zu erlangen. II. Genau dasselbe machen zu wollen wie die Amis, dabei aber eben von diesen via Währung und Kapitalmarkt behindert zu werden, ist ein Widerspruch, der dem V e r g l e i c h der Staaten untereinan- der eine neue Verlaufsform gibt. Jedem Staat stellt sich nämlich die Frage, in welchem Maße er sich der "amerikanischen Mischung" aus Rücksichtslosigkeit gegen fremde Währung und Rücksichtnahme auf die geschädigte Wirtschaft befleißigen kann. Die amerikani- sche Wirtschaftspolitik ist also das Ideal, was heißt, daß man es so nicht machen kann. Die Rede vom "Zinsabkoppeln" ist in ihrer ersten Abteilung leere Drohung. Ernst genommen, wäre dies ein Aufstand gegen das inter- nationale Geldwesen, Abbruch aller Beziehungen zum Weltmarkt, vollkommene Autarkie - eine verrückte Idee, die deswegen auch niemand ernstlich hegt, sondern nur im Gestus des "schön wär's, wenn wir könnten, wie wir wollen" vorträgt und die einen Unter- punkt darstellt in der Agitation nach innen über die angeblichen schweren "wirtschaftlichen Verwerfungen", gegen die eine fast ohnmächtige Regierung verzweifelt ankämpft. Grund für die Eröff- nung von feindseligen Handlungen ist ein Angriff auf die eigene Währung im Imperialismus schon - bloß daß unter NATO-Bedingungen gewisse weiterführende Formen der Feindseligkeit eben verboten sind. Der Ersatz ist die Anerkennung der dominierenden Rolle des Welt- geldes und ein daraus resultierender Umgang mit dem Zinssatz, der sich eine relative Unabhängigkeit von der Bewegung des Dollars verschaffen will und den selbst gewonnenen "Spielraum" anderen Währungen als deren Rückständigkeit = Schaden aufhalst. Der "Widerspruch" der Reaganschen Wirtschaftspolitik, der f ü r A m e r i k a keiner ist, zwingt den Partnerstaaten in ihrer Konkurrenz ein eindeutiges und einziges Vergleichskriterium auf: Den Vergleich der S t a b i l i t ä t d e r W ä h r u n g e n t r o t z l a u f e n d e r V e r s c h u l d u n g. Unter im- perialistischen Staaten zweiter Ordnung richtet sich dabei eine Rangfolge ein, die einen Primus unter den Zweitrangigen, die BRD nämlich, und die sich an dessen Erfolg messenden übrigen kapita- listischen Länder kennt. Wenn auch generell alle Länder vom Druck auf ihre Währungen betroffen sind, so kommt es doch sehr darauf an, in welchem U m f a n g. Die Abwertung der DM hat - die in- ternationale Geldwelt hat die Ausbeuterverfassung der BRD für so- lide genug eingeschätzt - n i c h t zu einem Verlust des Status der Weltreservewährung geführt. Umgekehrt: Mit Blick auf die re- lativen Erfolge der BRD gegen die konkurrierenden Nationen schien es den Inhabern von DM-Guthaben (und das sind, was die großen Mengen angeht, S t a a t e n) nicht den e i g e n e n Schaden wert zu sein, diese Währung dem Wertverfall preiszugeben - eine interessante Variante des Lehrsatzes "Lasse in der Zeit andere für dich sparen, dann kannst du dich in der Not bei ihnen bedie- nen". Das hatte für deutsches Kapital und seinen Staat die ange- nehme Folge, die Abwertung als Preissenkung auf dem Weltmarkt voll mitnehmen zu können, und zwar im Leistungsbilanzüberschuß sich niederschlagenden Export, während zugleich das weiterhin be- stehende Vertrauen der Geldanleger sich in reichlich hereinströ- mendem Geld ausdrückte. Und während die Bundesbank darauf ver- zichten konnte, dieses Geld durch entsprechend erhöhte Zinssätze zu halten "bzw. hereinzuholen, entstand den konkurrierenden Zweitordnungswährungen in exakt demselben Maße, die Notwendig- keit, das ihnen gegenübertretende Mißtrauen - hatten sie denn dieselben Erfolge aufzuweisen wie die BRD? - durch Heraufschrau- ben der Zinssätze zu besänftigen. Mehr noch: Es reißt der sehr ungerechte Zustand ein, daß bei dem einen eine Senkung des Zinssatzes n i c h t nur nicht das Ver- trauen in die Währung erschüttert, sondern 1. sogar noch weiteren Kapitalzufluß bewirkt und 2. die für die eigene Ökonomie unange- nehmen Wirkungen hoher Zinsen graduell rückgängig macht. Während beim anderen sich diese Wohlfahrt genau umgekehrt als sein Scha- den bemerkbar macht bzw. solche Mittelchen umgekehrt reziprok mit dem Erfolg des anderen in immer weitere Ferne rücken. Allen macht das amerikanische Verfahren - Zinsen rauf und dem Kapital Zu- schüsse die Rechnung auf, die eigene "Hochzinspolitik" u n t e r G e f ä h r d u n g d e r e i g e n e n W ä h r u n g zurück- nehmen zu wollen (müssen), wobei es dann aber sehr unterschiedli- che Gewinner gibt. Konnte man sich früher unter "Stärke der Wirtschaft" alles mögli- che vorstellen, so gibt es dafür jetzt einen Ausdruck: Wie taugt sie für diesen Zweck? Vom S t a n d p u n k t des Z i n s e s aus stellen sich die europäischen Staaten die Frage "Wie kann ich meine Wirtschaft benutzen?" - Gegeneinander führen sie den Stand der e r r e i c h t e n, der erwarteten und der von ihnen ange- heizten Profitabilität ins Feld und erwarten von ihren inländi- schen Akkumulatoren, daß sie Kapitalzufluß bewerkstelligen: - Gelungene Ausbeutung im I n n e r e n soll ausländische Kapi- talanleger hereinbemühen; - gar nicht verlangt ist, daß diese Ausbeutung sich auf dem inne- ren Markt realisiert - vielmehr soll sie sich auf a u s l ä n d i s c h e n Märkten bewähren und der Zentralbank fremde Währung zuführen, und zwar Dollar und DM, nicht Escudos und Rupien. Zum I d e a l staatlicher Wirtschaftspolitik avanciert ein öko- nomischer Widersinn, nämlich die vorrangige Beförderung von K a p i t a l i m p o r t und W a r e n e x p o r t als d e n Hebeln, ausländischen Nationalkredit für den inländischen Ge- brauch zu bemühen. Als ob Warenimport und Kapitalexport nicht ge- nauso Mittel zur Erzielung des Gewinns sind! Als ob die Erschwe- rung einer lukrativen Anlage im Ausland (das Gespenst der "Kapitalverkehrskontrolle" geht um und hat sich in manchen Län- dern schon materialisiert), womöglich der Zwang, sich im eigenen Land zu schlechteren Bedingungen festsetzen zu müssen, nicht al- lemal einen Verlust bedeutet, ebenso wie die Erschwerung billigen Warenimports bzw. der Zwang, Inlandsware einzukaufen, die auf dem Weltmarkt nicht konkurrenzfähig ist! Das gesamte klassische In- strumentarium der Wirtschafts- und Währungspolitik - und da f i n d e t sich alles! - wird unter dem Gesichtspunkt neu be- trachtet, daß sich diese beiden Ziele in dieser Ausschließlich- keit eben nicht verfolgen lassen. Woraufhin sich die Staaten zu- rückverwiesen sehen auf die Frage, welche Maßnahmen zur Aufrü- stung der eigenen Wirtschaft samt der ihr zukommenden Verfahrens- weisen von Kapitalexport und Warenimport zu ergreifen sind. Es steht aber die b e g r e n z t e S t r a p a z i e r f ä h i g- k e i t der eigenen Währung immer als erstes Beurteilungs- kriterium davor; das gilt zwar für alle Wirtschaftspolitik zu allen Zeiten, nun aber wird diese Strapazierfähigkeit v o n a u ß e n und aufgrund eines p o l i t i s c h e n Beschlusses in verschärftem Maße in Zweifel gezogen. Die sozialistische Regierung Frankreichs, zweite Führungsmacht in der EG, wirft da ihre politische Rolle in der NATO, den relativ großen Staatsschatz, den Vorsprung bei der Energieversorgung und die relativ geringe Staatsverschuldung der Vergangenheit dafür in die Waagschale, die mangelnde Konkurrenzfähigkeit ihrer eigenen Wirtschaft (gemessen an dem deutschen Kriterium eines erfolgreichen Staatskapitalismus) durch massive Subventionen für eine große Zahl ausgesuchter Branchen gerade konträr zur bundesrepublikanischen Linie und mit der Parole von der "Rückeroberung (!) des französischen Marktes" zu beseitigen. Herr Mitterrand macht sich also unter Beschimpfung von Bankkapi- talisten und Kapital"flüchtlingen", unter wohldosierten Drohungen gegen den Dollar und japanischen "Wirtschaftsegoismus", unter Verabreichung von inbrünstigem Lob der nationalen Schaffenskraft ans Werk, die "Gesetzmäßigkeiten" internationaler Geldströme zu korrigieren und die Schadensüberwälzung amerikanischer Wirt- schaftspolitik abzuschmettern. E r eifert also - und in der Rangordnung der EG-Staaten sicher mit der größten Erfolgsaussicht - dem Vorbild der BRD nach, gerade indem er die zur ihr gegen- sätzlichen Maßnahmen ergreift. Witzigerweise braucht er dafür die Unterstützung des Monsieur Schmidt, die er sich natürlich aber auch nicht schenken läßt, sondern wofür er (s.o.) einige Hebel einzusetzen weiß. Wie die staatlich geäußerte Unzufriedenheit des Francois Mitterrand mit seinen Kapitalflüchtlingen, mit der Über- schwemmung des inneren Marktes durch fremde Ware, mit der Über- fremdung der nationalen Akkumulation ausgehen wird, wird man dann ja sehen. Realistischerweise schätzt Mitterrand sein Vorhaben so ein, daß es sich zwar in wichtigen Punkten gegen das BRD-Kapital wendet, daß er aber andererseits auf die Unterstützung eben die- ses Kapitals und seines Staates nicht leichtfertig verzichten sollte. Es gibt ja noch andere, die man - am besten gemeinsam - zu Kompensationsböcken machen kann: Japaner, Engländer, Italiener usw, usw. III. "Zinsabkoppelung", was so sehr nach einer gemeinsamen europäi- schen Haltung dem amerikanischen "Zinsdruck" gegenüber klingt, ist also eine Ideologie, - die den Schein einer Ohnmacht europäischer Regierungen vor den Zwangsmaßnahmen des großen Bruders aufmacht, - und die verschleiert, daß sich hinter dem deklamatorischen Auf- treten gegenüber der Führungsmacht in Wirklichkeit der Streit z w i s c h e n d e n E u r o p ä e r n um die unterschiedli- chen Auswirkungen der Schädigung abspielt. Die Gemeinsamkeit ist die der B e t r o f f e n e n. Doch was für eine Betroffenheit! Daß man bei der heute vornehmsten Sorte der Betätigung staatlicher Souveränität, dem Kanonenkaufen und Kriegvorbereiten, nicht dieselbe Handlungsfreiheit wie die Füh- rungsmacht, ja sogar ein paar Schwierigkeiten mit seiner eigenen Wirtschaft hat! Dies ist also auch die Gemeinsamkeit der unbe- dingten Mitmacher, die sich gegenseitig übertrumpfen wollen, den welthistorischen Hauptzweck noch besser als der andere durchfüh- ren zu wollen - zum Wohle des eigenen Staates. Da hat alles glei- chermaßen seine Berechtigung: - Die Solidarität, die sie an den Tag legen, solange sie sich aus der Aufrechterhaltung früher eingerichteter Kooperationen und Me- chanismen noch einen Nutzen versprechen; einen Nutzen, den sie sehr offen aussprechen als: Kann man die Stärke der EG dazu ver- wenden, um die Kriegskosten teilweise abzuwenden und auf andere fallen zu lassen? - Der Hochmut der Erfolreichen, die offen mit ihrem Rückzug aus der Gemeinschaft spekulieren, da sie doch angeblich allein viel besser zurechtkommen könnten - und dabei nichts anderes im Sinn haben, als den "Partner" zu ein paar noch weitergehenden Zuge- ständnissen für einen selbst zu bewegen, - Die Jammerei der Kleinen, die sich mit ihrer Dienstbarkeit brü- sten und darauf pochen, daß, wenn man ihnen innerhalb der Gemein- schaft genügend Berücksichtigung angedeihen läßt, die heute aktu- elle Lebensaufgabe der EG, nämlich die Abwicklung der Konkurrenz um die Kosten für das gemeinsame NATO-Unternehmen, doch viel bes- ser zu bewältigen sei. *** "Inflation schuld am Hochzins Kg. BONN, 24. März. Die Sparer-Schutzgemelnschaft hat sich gegen die in der Bundesrepublik ausbreitende Ansicht gewandt, daß die hohen amerikanischen Zinsen das eigentliche Hemmnis für einen Konjunkturaufschwung darstellen. Die Kritiker der amerikanischen Wirtschaftspolitik übersähen, daß sowohl in den Vereinigten Staa- ten wie auch hierzulande die Inflation durch eine behutsamere Geldversorgung eingedämmt werden müßte. Eine rasche Zinssenkung wäre daher nur möglich, wenn die Inflationsbekämpfung gelockert oder ganz aufgegeben würde. Letzten Endes sei nicht die amerika- nische Geldpolitik, sondern die eigene Inflation Ursache des ho- hen europäischen Zinsniveaus. Deshalb müsse der Prozeß der Stabi- lisierung und der Anpassung an die veränderten Bedingungen bewäl- tigt werden." (aus Handelsblatt) *** Die optimistischen Annahmen stützen sich vor allem auf eine ins- gesamt wieder verbesserte Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Un- ternehmen. Sie haben ihre Konkurrenzkraft besonders dadurch stär- ken können, daß die D-Mark im vergangenen Jahr über eine lange Zeit stark abgewertet worden war. Relativ verbilligt hat sich das deutsche Angebot ferner dadurch, daß Preise und Kosten im Ausland nach wie vor stärker gestiegen sind. Preis- und Wechselkursent- wicklung zusammen, das haben Experten errechnet, haben zum Bei- spiel am Jahresende 1981 dem deutschen Angebot - gegenüber dem Jahresende 1979 - einen "realen" Wechselkursvorteil von 10 Pro- zent verschafft. Diesen Preisvorteil haben vor allem die Ölländer genutzt, die ihre Nachfrage nach deutschen Erzeugnissen, beson- ders Investitionsgütern, überdurchschnittlich gesteigert haben. (FAZ) *** Thema des Tages "DM aus dem Schneider --------------------- (SZ) Es ist immer mißlich, eine von den Daten des Marktes vorge- zeichnete Änderung der Währungspurität vor sich herzuschieben Das bringt nichts, außer, im Falle eines Abwertungsverdachts, Einbu- ßen an Vertrauen. Das war in früheren Zeiten fester Wechselkurse im Internationalen Währungsfonds so, und so ist das heute im Eu- ropäischen Währungssystem (EWS) mit seinen ziemlich festen Pari- täten. Frankreich wird, um auf ein aktuelles Beispiel zu kommen, den F r a n c an diesem Wochenende oder auch am nächsten kaum abwerten. Schon das Prestige steht dagegen. Außerdem kann man noch genügend eigene - und deutsche - Devisenreserven in die Schlacht werfen. Vermeidbar bleibt die Operation bei der heutigen französischen Wirtschaftspolitik gleichwohl nicht. Im Gegensatz zum Franc hat die D M wieder Stärke gewonnen. Vor einem Jahr sah das noch anders aus. Das namentlich von riesigen Defiziten in der Leistungsbilanz gespeiste Wort Vertrauenskrise machte die Runde, was gerade für eine Währung nachteilig ist, in der mittlerweile 14 Prozent aller offiziellen Devisenreserven der Welt gehalten werden. Gottlob hat man in der Bundesrepublik allen Versuchungen widerstanden, in den freien Kapitalverkehr ein- zugreifen. Für eine weitgehende (auch konvertible Binnenwährung) wie den Franc würde so etwas noch hingehen. Für eine Weltwährung, wie sie die DM ganz gegen die eigenen, Intentionen nun einmal ge- worden ist, hätten es verheerende Konsequenzen. Das Dunkel um die DM hat sich gelichtet - ganz ohne irgendwelche Dirigismen. Der Ölpreis sinkt; die Leistungsbilanz tendiert, zum Ausgleich; die Inflationsrate geht zurück; im EWS steigt inner- halb vorgezeichneter Margen der Kurs; und eine Relation zum Dol- lar von knapp 2,40 DM ist erträglich, zumal sie (trotz sinkender US-Geldentwertung) weitgehend zinsbedingt bleibt. Allein die Haushaltspolitik stimmt skeptisch. Hier sind, wie die jüngsten Steuerschätzungen zeigen, für 1983 noch größere staatliche Defi- zite vorgezeichnet. Das bleibt eine empfindliche Stelle an der Währungsbasis. Th." *** Schenkungen an Devisenausländer müssen von der Bank von Frankreich genehmigt werden. Das gilt auch für den Kauf von Zweitwohnungen im Ausland, die höchstens 55000 Mark kosten dürfen. Franzosen, die im Ausland leben, werden frühestens nach zwei Jahren (bisher nach einem Jahr) als Devisenausländer anerkannt, dürfen Vermögenswerte danach nur mit Genehmigung der Bank von Frankreich ins Ausland nachholen. In der französischen Wirtschaft wird die Verschärfung der Devisenzwangswirtschaft bitter kommentiert. Damit würden die Auslandsinvestitionen mehr und mehr erschwert. Viele Unternehmen müßten jetzt auf den Ausbau ihrer Exportstrukturen auf den Weltmärkten verzichten, weil ein Eigenkapitalanteil von nur 25 Prozent in aller Regel unzureichend sei. Die umgehende Ablieferungspflicht für Devisen sei nur ein Tropfen auf einen heißen Stein, dessen Wirkung rasch verzischen werde. Früher sei es üblich gewesen, nach marktgerechten Franc-Abwertungen dem Bürger und dem Außenhandel die Devisenfreiheit zurückzugeben. Nach der Franc-Abwertung vom 4. Oktober gegenüber der D-Mark um nur 8,5 Prozent sei die sozialistische Regierung jetzt schon wieder gezwungen, die Devisenkontrolle "bis zum Unsinn" zu steigern. Das beweise doch nur, daß die letzte Abwertung ein Schlag ins Wasser gewesen sei. Die Lage des Franc sei heute eher noch bedenklicher als nach dem sozialistischen Regierungswechsel und vor der Abwertung vom 4. Oktober." (FAZ) *** "Ho./Std. BONN/BRÜSSEL, 13. März. Die europäischen Handels- probleme mit Japan sollen jetzt vor den zuständigen Instanzen des GATT (Allgemeines Zoll- und Handelsabkommen) in Genf ausgetragen werden. Der Ministerrat der Europäischen Gemeinschaft hat in Brüssel den ungewöhnlichen Schritt beschlossen, nach Artikel 23 des GATT-Abkommens ein Verfahren einzuleiten, das Japans generelles Verhalten im Handel mit der Gemeinschaft zur Debatte stellt. Auf diesen Artikel können sich GATT-Mitglieder berufen, wenn Verstöße im Handel festgestellt werden oder wenn eine besondere Lage entstanden ist. Anlaß dafür ist die Auffassung, daß Japan trotz vieler Zusagen nicht genügend aus europäischen Ländern importiert, seine eigenen Exporte immer weiter steigert und das Defizit der Gemeinschaft im Handel mit rund 14 Milliarden Dollar im letzten Jahr abgebaut werden muß. Bundeswirtschaftsministet Otto Graf Lambsdorff, der wegen der Beratung über diese Frage nach Brüssel gekommen war, findet die Entscheidung des Rates richtig, ist aber skeptisch, was die Wirkung angeht. Nach erfolglosen bilateralen Bemühungen müßte jetzt der Druck auf Japan generell verstärkt werden. Dabei sei auch über die japanische Wirtschaftspolitik zu sprechen und besonders über die Rolle des Yen. Eine Aufhebung der japanischen Kapitalverkehrsrestriktionen sei unerläßlich." (FAZ) zurück