Quelle: Archiv MG - EUROPA EG - Vom Euro-Imperialismus


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       Wochenschau
       

EG KAUFT SPANIEN UND PORTUGAL

Letzte Woche hat ein Gipfeltreffen der Regierungschefs in Dublin über die Aufteilung der Kosten unter den Mitgliedsländern bera- ten. Der öffentliche Effekt. solch' "zähen Feilschens" um ein paar Megaliter Wein mehr oder weniger besteht darin, daß die Un- terwerfung zweier kompletter Volkswirtschaften unter die Produk- tivitätsmaßstäbe der rührenden EG-Nationen als Geschenk für zwei iberische Bittsteller daherkommt. Da wird es für "uns" zum "Problem", daß z.B. Spanien die größte Anbaufläche für Wein in Europa hat, weswegen nach dem Beitritt "zuviel" Wein in der EG vorhanden sein soll, gleichzeitig aber die Kohl-Regierung auf 1 Mio. Zuckerwasser bestehen "muß". Wein ist schließlich kein Bier, das von ausländischer Konkurrenz möglichst rein gehalten werden muß. Das sind die "Sorgen" der "leistungsstarken" EG-Mitglieder, die jetzt zur allgemeinen Befriedigung den planmäßigen Beitritt Spaniens und Portugals zum 1.1.1986 nicht mehr gefährden. Gleich- zeitig registriert die Presse Meldungen aus Spanien über Streiks und von der Polizei erschossene Arbeiter als "Probleme der Regie- rung bei der Modernisierung der Industrie." In Wahrheit vollzieht die spanische Sozialdemokratie mit ihrem "dynamischen" Regierung- schef Felipe Gonzalez konsequent und brutal alle Auflagen der EG im Bereich der Schwerindustrie, noch ehe eine einzige spanische Apfelsine zu Gemeinschaftsbedingungen auf den EG-Markt rollen durfte. Ein Drittel der Stahl- und die Hälfte der Werftproduktion will der spanische Staat im Zuge seiner "industriellen Reorgani- sation" abbauen und dabei eine runde Million Leute auf die Straße setzen. Da dies, namentlich in den baskischen Provinzen, nicht so ruhig und gesittet geht wie z.B. im sozialen Frieden Marke BRD, lassen die sozialistischen Machthaber inzwischen auch mal parami- litärische Einheiten mit Maschinenpistolen auf die streikenden Werftarbeiter von Bilbao schießen. Der "jungen spanischen Demo- kratie" ist kein Mittel aus dem Repressionsinstrumentarium des alten Franco fremd, wenn es darum geht, ihr EG-Anpassungsprogramm rechtzeitig zum 1.1.1986 durchzusetzen. Den b r o t l o s G e m a c h t e n verheißt Felipe einen Arbeitsplatz nach EG- Norm, die Spanien durch seine besonders b i l l i g g e m a c h t e A r b e i t s k r a f t erfüllt. zurück