Quelle: Archiv MG - EUROPA EG - Vom Euro-Imperialismus
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Wochenschau
1 MIO. TONNEN TAFELOBST
will die EG zermanschen, pardon: "vorübergehend aus dem Markt
nehmen, weil die Gemeinschaft ein hohes landwirtschaftliches Ni-
veau" (Süddeutsche Zeitung vom 29./30.12.) hat. Nichts Neues ei-
nerseits, dennoch immer wieder Anlaß andererseits für moralisches
Lamentieren von Leuten, die nichts auf die
M a r k t w i r t s c h a f t und gleich gar nichts auf
E u r o p a kommen lassen wollen. Wenn SPD-Politiker wie das MdB
Rogalla j e t z t "von einem Stück aus dem europäischen Toll-
haus" sprechen, weil sie als O p p o s i t i o n der Regierung
mit der Vision von einer Billion Äpfeln beim obstessenden Normal-
bürger eins reinwürgen wollen, so ist das nichts als demokrati-
sche Heuchelei. Aber auch Leute, die nicht gleich selber an die
Regierung wollen, sitzen Mißverständnissen sowohl über ihr Wirt-
schaftssystem als auch über ihren Staatenbund auf, wenn sie sich
über F e h l e r i m S y s t e m aufregen. An diesen könnten
sie immerhin das Prinzip bemerken, daß keine müde Birne für die
Versorgung der Völkerschaften mit gutem Tafelobst zusammengeba-
stelt wird. Ein zahlungsfähiges Bedürfnis gilt es zu befriedigen.
Wo das nicht da ist, gewährleistet der Kapitalismus seine ausrei-
chende Versorgung mit G e w i n n durch die Vernichtung von
G e b r a u c h s werten, die zu wenig wert sind. Und es ist dann
die gleiche Moral, die sich über das weggeworfene Pausebrot eines
Kindes ebenso entrüstet wie über die Nahrungsmittelvernichtung im
Staatsauftrag: Weil sie nichts davon wissen will, daß die gefor-
derte E h r f u r c h t vor dem Brot eine Ideologie der Not
ist, bemerkt sie auch nicht, daß zum R e i c h t u m Gleichgül-
tigkeit gegen seine bestimmte Form und gegen jedes konkrete Be-
dürfnis gehört. Daß die EG reicher ist, wenn sie Lebensmittel
wegschmeißt, ist keineswegs "verrückt". Daran glauben allerdings
alle Leute, die den Kapitalismus für normal halten...
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