Quelle: Archiv MG - EUROPA AUSTRIA - Unsere neutrale Ostmark


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       Österreich
       

WALDHEIM

von Amts wegen Staatspräsident der freien Bundesrepublik Öster- reich, hat wieder Ärger wegen dem Kurt, der er als Mensch nun mal ist. Diesem nämlich hat das amerikanische Justizministerium die private Einreise in die USA verboten, weil er als Wehrmachtsoffi- zier unter Hitler am großdeutschen Programm gegen sogenannte Volksschädlinge tatkräftig mitgewirkt habe. Nun muß Waldheim also schon wieder darum kämpfen, daß Kurt der rechte Charakter für die Maske des österreichischen Staatsober- hauptes ist. Vor seiner Wahl hat er es mit dem Argument versucht, nicht er, nur sein Pferd habe in der SA gedient. Diesmal wählt er die Methode, die schon bei Karl Carstens erfolgreich war. Früher, für die Ostmark, habe er bloß "unfreiwillig" aus Pflicht getan, was er heute für Österreich mit Neigung tut: Staatsaufträge erle- digen und damit Karriere machen. Aber die Amis haben nun mal ent- schieden, Person und Amt gehörten andersrum zusammen. Der Kurt mit den langen Ohren gehöre zum Wehrmachtsoffizier, der seiner- zeit auf der falschen Seite gegen das "Reich des Bösen" gekämpft hat, und passe deshalb nicht zum österreichischen Staatspräsiden- ten. Letzterer genießt natürlich weiterhin Respekt in Washington. Weil aber der Kurt naturgeäß immer dabei ist, wenn Waldheim auf Staatsreisen geht, steht zu befürchten, daß Österreichs Repräsen- tant womöglich gar nicht mehr zu Reagans Banketten geladen wird, bei denen die heutigen Kämpfer gegen das "Reich des Bösen" Bru- derschaft trinken. Und das hat in Österreich alle Parteigrenzen fallen lassen und seinen Stolz zutiefst verletzt. Das freie und neutrale Österreich läßt sich doch nicht darin einschränken, der westlichen Führungsmacht die Aufwartung zu machen! Extra dafür hat man den Ex-UNO-Chef und Amerika-Kenner doch gekürt! Irgendwie nährt der amerikanische Beschluß auch wirklich den Ver- dacht, die USA messe mit zweierlei Maß. In Bitburg gratuliert Reagan dem Kohl zu der "Lehre aus der Geschichte" und versichert über SA-Gräbern, er stehe auf lauter "Opfern" des Faschismus. Und in der Ostmark? Wo die - jedenfalls im Rückblick - doch ein ein- ziges Opfer Hitlers war? Wenn die Amis schon dem Herrenreiter Waldheim den Persilschein verweigern, vielleicht sollten sie we- nigstens sein Pferd rehabilitieren. zurück