Quelle: Archiv MG - EUROPA AUSTRIA - Unsere neutrale Ostmark
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Zypern:
ÖSTERREICH UNTER BESCHUSS
Daß ein Kampfverband des Bundesheers ein paar tausend Kilometer
von den heimischen Grenzen entfernt Jahr für Jahr im Einsatz
steht, rechnen sich die dafür Zuständigen hierzulande gerne als
moralische Großtat an. "Selbstlos" sei der Einsatz auf der Mit-
telmeerinsel, es sei eine "Friedensmission", zu der die Burschen
hinuntergeschickt werden, und überhaupt geschehe alles nur zum
Schutz der dortigen Bevölkerung. Das ist ziemlich verlogen, und
zwar nicht erst seit jetzt, wo ein türkischer Hirte diesen seinen
Schutz durch die UNO-Truppen nicht überlebt hat.
Das Zypern - Problem
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"Zypern ist ein Konfliktherd", so lautet die gängige Umschreibung
für das Pech der dortigen Bevölkerung daß gleich zwei Staaten
einen ziemlich absoluten Anspruch auf die Zuständigkeit für die
Geschicke dieser Insel erheben. Einmal hat dies schon zu einem
Krieg "geführt", weil die beiden NATO-Partner Griechenland und
Türkei in den Ambitionen ihres Konkurrenten die Ehre der eigenen
Nation aufs Spiel gesetzt sahen und mit der Staatsgewalten nun
einmal eigentümlichen Radikalität wiederherzustellen trachteten.
Dieser Kampf ist auf höheren Beschluß der NATO-Gremien nicht bis
zum Endsieg durchgefochten worden.
Seitdem gibt es nicht nur einen griechischen und einen türkischen
Teil Zyperns, sondern auch zwei NATO-Staaten, die sich wechsel-
weise die Verletzung eigener Rechtsansprüche in Sachen Zypern
vorwerfen, ohne dafür Unterstützung bei den westlichen Führungs-
mächten zu finden. Diese Streiterei zweier NATO-Partner, denen
gemeinsam die "Sicherung" der Südostflanke gegen den russischen
Hauptfeind übertragen ist, kann dem westlichen Kriegsbündnis na-
türlich nicht recht sein. Deswegen weigert es sich konsequent, in
Sachen Zypern anders Partei zu ergreifen, als für die Beibehal-
tung des Status quo.
Der humanitäre Einsatz der Österreicher
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hat keinen anderen Inhalt als eben diesen Standpunkt. Indem die
Blauhelme im breiten Streifen des Niemandslandes auf Patrouille
gehen, um mit der ihnen zur Verfügung stehenden Gewalt "möglichen
Ruhestörungen vorzubeugen", stehen sie dafür, die Anlässe
hintanzuhalten, an denen sich ein Konflikt zwischen Inselgriechen
und -türken entzünden könnte. Auf diese Weise machen sich die mit
dem Bonus des Neutralen und Unparteiischen versehenen UNO-Solda-
ten für den Anspruch des westlichen Bündnisses nützlich, das zwar
nicht die Aufrechterhaltung der gegensätzlichen Nationalismen,
wohl aber deren militärische Geltendmachung und Austragung unter-
sagt.
Häßliche Töne
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können da nicht ausbleiben. Zumindest der türkische Norden ist
schon seit geraumer Zeit sauer. Auf die UNO sowieso, da sich
diese beharrlich weigert, die im Rahmen des Krieges ausgerufene
und von keinem Staat außer der Türkei anerkannte Republik Nordzy-
pern als Staat zu behandlen. Obwohl die UNO de facto die Demarka-
tionslinie zwischen den griechischen und türkischen Truppen wie
eine Staatsgrenze behandelt, steht sie völkerrechtlich noch immer
zum traditionellen Anspruch auf griechische Hoheit über die ge-
samte Insel. Sie versagt deshalb dem Norden einen Sitz in ihren
Gremien und behandelt den griechisch-zypriotischen Präsidenten
als den Präsidenten von ganz Zypern.
Darüberhinaus sind die Österreicher im Speziellen bei den Insel-
türken in Mißkredit geraten.
Die Kooperationen des Rüstungskonzerns STEYR mit Griechenland ha-
ben aus türkischer Sicht nämlich eine andere Lesart als die hie-
sige Schwärmerei über riesige Auftragsvolumen und wirtschaftli-
chen Erfolg. Daß hunderte "Leonidas"-Kampfschützenpanzer und an-
dere Kriegsgeräte an das griechische Militär geliefert werden,
heißt da ganz schlicht und einfach Parteinahme für den Feind.
Weil der nie so richtig zum Zug kommende Nationalismus der Zy-
perntürken in den Aktivitäten der Österreicher vor Ort einen
Grund für seine Beschränkung ausmacht, geraten die Österreicher
unter Beschuß. Steine und Schrotkugeln, bzw. die Forderung nach
Absetzung des österreichischen Kommandanten der UNO-Truppen ste-
hen für die Demonstration des Willens, sich in Sachen Zuständig-
keit für die Belange der Insel endlich diplomatisch ein Gehör zu
verschaffen.
Von wegen "Mittelalter" und "Blutrache"!
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