Quelle: Archiv MG - EUROPA AUSTRIA - Unsere neutrale Ostmark


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IST KURT WALDHEIM WÜRDIG FÜR DAS AMT EINES PRÄSIDENTEN DER BUNDESREPUBLIK ÖSTERREICH?

Für einen aufrechten Bürger (nicht nur in Österreich) schon al- lein deshalb, weil die ersten Zweifel daran aus dem A u s- l a n d "lanciert" worden sind. Dies allein schon Grund genug, Zweifel an Herrn Kurt Waldheim für unvereinbar zu erachten mit der Würde Österreichs als s o u v e r ä n e r Bundesrepublik. Folge: O b w o h l seit fünf Wochen der Verdacht im Raume steht, Herr Kurt Waldheim sei SA-Mitglied und an Kriegsverbrechen beteiligt gewesen, führt er in allen Meinungsumfragen deutlich vor seinem Gegenkandidaten. Obwohl? Gerade deshalb! Die öffentli- che Debatte über die Befähigung Herrn Kurt Waldheims für das höchste Amt im Staate findet ihr kontroverses Material im übrigen gerade nicht in der Frage, ob der Mann nun Nazi war oder nicht. Einerseits will keiner "unterstellen", der H e e r e s o f- f i z i e r Waldheim sei wirklich ein "Kriegsverbrecher" gewe- sen. Anderers, wäre die bloße Mitgliedschaft in einer natio- nalsozialistischen Vereinigung nicht per se ein Grund für mangelnde 'Präsidiabilität'. In der BRD wurde das NS-Mitglied Karl Carstens zum Bundespräsidenten gewählt. Der erklärte damals ganz offen, daß er in die Partei eintreten m u ß t e, um seine Karriere als Jurist nicht zu gefährden. Deshalb war Carstens auf jeden Fall eins: durch und durch g l a u b w ü r d i g. Sein Fall führte in der BRD lediglich zu der seit Kriegsende eingespielten und virtuos beherrschten Debatte, wie sehr man p e r s ö n l i c h in "dieses dunkle Kapitel deutscher Geschichte v e r s t r i c k t" worden ist. Bei diesen "Schicksalen" konnte man sogar im Generalstab der Reichswehr "menschlich sauber" geblieben sein. So sehr, daß mit solchen Männern die Bundeswehr aufgebaut worden ist. In Österreich ist diese Art, von "Vergangenheitsbewältigung" nicht erforderlich ge- wesen, weil die ganze Republik von den Siegermächten des II. Weltkriegs als erstes Opfer des III. Reichs anerkannt worden ist und von der Staatsideologie lebt, man sei erst von den Deutschen und dann von den Rassen okkupiert worden, bis schließlich Öster- reich im Staatsvertrag frei und rein erstanden ist. Insofern geht der "Fall Waldheim" tatsächlich aufs Konto des "Auslands" in Ge- stalt des Jüdischen Weltkongresse, der "New York Times" und jugo- slawischen Behörden. In Österreich ist es schließlich schwer vor- stellbar, einen Mann von 68 Lebensjahren zu finden, der als Ju- rist und Diplomat im Staatsdienst Karriere gemacht hat und sich zwischen 1938 und 1945 zur damals gültigen Staatsordnung n i c h t in irgendeiner Form bekannt hat. Sonst wäre er schließlich nicht Kandidat einer b ü r g e r l i c h e n Par- tei. Waldheims Lapsus, auf dem die innenpolitischen Gegner von der SPÖ ausschließlich herumreiten, ist folglich der auch nur die angebliche U n g e s c h i c k l i c h k e i t, mit der der Kandidat und sein Wahlkampfbüro den Eindruck vortäuschen wollten, nicht Herr Kurt Waldheim persönlich sei Mitglied der SA gewesen, sondern lediglich sein Pferd. Deshalb, so Kanzler Sinowatz, ist "für mich die G l a u b w ü r d i g k e i t Herrn Waldheims er- schüttert". Innenpolitisch soll der ÖVP-Kandidat durch mangelnde p o l i t i s c h e K ö n n e r s c h a f t Disqualifiziert werden, weil man weiß, daß allein das beim Wähler zählt und nicht das historische Detail, ob sich in Waldheims Biographie auch ein paar deportierte Juden nachweisen lassen. A u ß e n p o l i- t i s c h hat die Affäre inzwischen weltpolitisches Niveau erreicht, weil das US-Außenministerium mit dem Generalsekretariat der UNO und dem israelischen Botschafter darüber verhandelt, ob die Bundesrepublik Österreich sich Herrn Kurt Waldheim als Präsidenten zulegen darf oder nicht. Sollte diese Entscheidung n e g a t i v ausgehen, werden Waldheim auch die unverändert günstigen Wahlprognosen nichts nützen: Einen Präsidenten, der in den USA nicht gut angesehen ist (Kongreßmitglieder diskutieren die Aufnahme Waldheims in die Liste "unerwünschter Ausländer"!), den kann sich das neutrale Österreich niemals leisten. Schließlich will man in Wien auf den Anschluß an den freien Westen nicht verzichten. zurück