Quelle: Archiv MG - EUROPA AUSTRIA - Unsere neutrale Ostmark


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       Der neue US-Botschafter stellt sich vor:
       

RAKETEN FÜR DAS NATO-VORFELD

Das volkstümliche Vorurteil, wonach Diplomatie sich vor allem durch noble Zurückhaltung auszeichne, hat der neue US-Botschafter und bisherige Unterstaatssekretär für NATO- und Europapolitik im Pentagon, Ronald S. Lauder, gründlich widerlegt. "Offen und un- mißverständlich" (Presse) teilte der neue Repräsentant amerikani- scher Souveränität in seinem Antrittsinterview mit, was den USA als Anspruch und Maßstab der wechselseitigen Anerkennung mit Österreich gilt. "Zu verhindern, daß der Sowjetblock Österreich als eine Schnell- straße in den Westen betrachtet." Was in Friedenszeiten den Geheimabsprachen der Militärattaches überlassen bleibt, dient Botschafter Lauder 1986 als Motto seiner künftigen diplomatischen Mission in 'good old Vienna': Seinen di- plomatischen Auftrag definiert er ausschließlich unter s t r a t e g i s c h e n Gesichtspunkten, was keine Unterlas- sung, sondern eine Klarstellung ist, wie das geschäftsmäßige und politische Verhältnis der Staatenwelt dem militärischen Gegensatz gegen den Hauptfeind unterzuordnen ist. Bei der Funktionszuord- nung verzichtet Lauder auf die bislang gängige diplomatische Heu- chelei der Amerikaner, dem neutralen Kleinstaat gerade im Inter- esse und aus Wertschätzung vor seiner Eigenständigkeit vermehrte Aufrüstung und erhöhte Wachsamkeit anzuempfehlen und bisweilen sogar einzumahnen. Vielmehr wird dem neutralen Verbündeten ganz ohne Ausweisung eines eigenständigen Interesses über die Veran- schaulichung der militärischen Gefahr unumwunden die Aufgabe des strategischen P u f f e r s gegenüber dem Feind aus dem Osten zugewiesen. Von diesem gar nicht erst verklausulierten NATO-Zweck aus wird die österreichische Wehrkompetenz als eindeutig mangel- haft d e f i n i e r t; wobei es kein Zugeständnis an einen Eigenständigkeitsidealismus ist, sondern der offene Anspruch auf Mitzuständigkeit, wenn Lauder die Pufferfunktion für die NATO mit dem Selbstverteidigungswillen Österreichs zusammenfallen läßt. Deswegen unterstellt er dessen Durchführungskompetenz auch seiner beurteilenden Zuständigkeit und erklärt diese kurzerhand für ge- scheitert, solange Österreich an der Aufrüstungsbeschränkung von 1955 weiter festhält. "Östereich kann zwar noch so viel Geld aufwenden und wird sich doch nie gegen eine Macht, die es überfallen will, zur Wehr set- zen können. (...) Ich halte es aber für unmöglich, eine solche starke Verteidigung ohne irgendeinen Raketenschutz aufzubauen." Daß solche auch in Österreich laut gedachten Aufrüstungsmaßnahmen nicht als konsequenzloser "guter Rat" gemeint sind, macht nicht nur der Vorschlag klar, sich bezüglich der Raketen und Kampfbom- berbeschaffung wie ein NATO-Staat zu betätigen. "Sollte Österreich Interesse daran zeigen, "in den USA oder auch sonstwo" im Westen Ankäufe zu tätigen, wäre er als Botschafter gerne bereit, mit Empfehlungen zu helfen." Wenn der Sowjetunion bereits das Festhalten an den Nachkriegsver- einbarungen als heimlicher Zugriff auf den schutzlosen Kleinstaat ausgelegt wird - "Und wenn die Sowjets gegen die Anschaffung von Flugkörpern ein- treten, die nur eine Reichweite von 30 bis 40 Kilometer besitzen, (...) dann frage ich mich, ob sie nicht ganz andere Interessen verfolgen" -, dann wird die gemeinsame Feindschaft gegen die SU nicht nur selbstverständlich unterstellt. Den Österreichern wird ein unmit- telbarer G e g e n s a t z zur östlichen Signatarmacht andefi- niert und es solcherart geradezu zum Verrat an der gemeinsamen Sache erklärt, wenn die Österreicher sich das Raketenverbot noch weiterhin gefallen lassen. "Die österreichische Armee ist ausgezeichnet, aber man muß ihr auch die entsprechenden Mittel zur Erfüllung ihrer Aufgaben zur Verfügung stellen." Dementsprechen ließ der Botschafter im anschließenden Lob und Ta- del am österreichischen Freund erst gar keine Zweifel darüber aufkommen, daß die bedingungslose Erfüllung der US (Vor-)Kriegs- maßnahmen gegen die Feinde der Freiheit der einzige Maßstab für die "hervorragenden österreichisch-amerikanischen Beziehungen" ist. Da neuerdings CIA-Beamte in österreichischen Exportfilialen ame- rikanischer Osthandelsfirmen gleichrangig mit der heimischen Exe- kutive "illegalem Technologietransfer" nachspüren dürfen, ist mit den "neuen Exportbestimmungen" "das Vertrauen in Österreich stark gestiegen". Anders im Falle Libyens. Da heißt der neue Befehl aus Washington, daß alle F r e i h e i t im Umgang mit von den USA zum Feind erklärten Staaten ein Ende nehmen muß. Wobei gar nicht erst versucht wird, Österreich den Bruch mit einem seiner Haupt- handelspartner für den Nahen und Mittleren Osten mit den dauernd zitierten "Terrorismusbeweisen" schmackhaft zu machen. Gadafi muß man aus der Völkergemeinschaft schon deswegen verstoßen, weil er die Terroranschläge nicht verhindert hat. "Wenn Wien gute Beziehungen zu Gruppen wie der PLO oder Lybiens Gadafi unterhalte und Sanktionen ablehne, solle es sich die Frage stellen: "Was gewinnen wir aus der Zusammenarbeit mit einem Land, das zuläßt, daß Österreich zum Ziel eines Terroranschlags wird." Nicht daß die USA ausgerechnet der österreichischen Kobra zur Be- kämpfung des nordafrikanischen Kleinstaates bedarf. Nur: In (Vor-)Kriegszeiten reduziert sich der diplomatische Verkehr zwi- schen Bündnispartnern auf vertrauensbildende Maßnahmen und die Bewerkstelligung des gemeinsamen Auftrags. Bislang liegen keine Meldungen vor, daß die Alpenrepublik das anders sähe als der große Bruder. zurück