Quelle: Archiv MG - EUROPA AUSTRIA - Unsere neutrale Ostmark


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       Journalistischer Abwehrkampf gegen ausländische Pressebeteiligung
       

REINHEITSGEBOTE ROT-WEISS-ROTER MEINUNGSFREIHEIT

Der Aufkauf von 45% der Kronenzeitung und ebensoviel Kurieraktien durch den westdeutschen WAZ-Konzern hat für helle Aufregung im heimischen Blätterwald gesorgt. Aufs erste überraschend, gilt es doch als anstrebenswertes Ziel und zugleich Ausweis unserer wirt- schaftlichen "Europareife", wenn sich zahlungskräftige ausländi- sche Anleger an der Vermehrung österreichischen Reichtums betei- ligen. Die Kritik an diesem "ökonomisch zweifellos sinnvollen Ar- rangement" (Abg. Nowotny) kam aus Sorge um den kostbaren Ge- brauchswert auf, den Zeitungskonzerne täglich feilbieten. 'Manipulation', 'Einheitspresse', 'Mißbrauch der öffentlichen Meinung' - solch schlimme Gefahren für die eigene Zunft und ihre Pflichterfüllung fallen weltoffenen, kritischen Journalisten dann ein, wenn Ausländer Eigentumstitel an der heimischen öffentlichen Meinung erwerben. Die Wahrheit demokratischer Meinungsvielfalt: Ja zu A ----------------------------------------------------- Zumindest in einer Hinsicht hat die besorgte Debatte Aufklärung gestiftet: Die eindeutige Heimtendenz der demokratischen Presse ist Resultat tiefster Überzeugung, die keinerlei Bestechung benö- tigt. Gerade die profiliertesten Kritikaster und Enthüllungsjour- nalisten, die qua Profession und Neigung keinen Skandal zugedeckt und an keinem Politiker ein gutes Haar lassen und das politische Tagesgeschehen zu einem einzigen riesigen Machtmißbrauch erklä- ren, läßt eine Schreckensvision erschauern: der geneigte Leser und die atemberaubende Leserin in den Fängen u n ö s t e r- r e i c h i s c h e r Meinungsaktivitäten. Journalisten wie Lingens und Nenning, die Tiraden gegen völkisches Denken geschrieben haben und einen McCarthy für eine gefährliche Ab- weichung vom Tugendpfad demokratischer Meinungsfreiheit (und nicht eine radikale Konsequenz) halten, stört die Unterordnung des freien Geistes unter die geistlosen Prinzipien politischer Gewalt immer nur bei a n d e r e n Nationalismen. Im Falle deutscher Kapitalzufuhr ins heimische Meinungsgeschäft schreien sie "Manipulation" und "Einheitspresse", weil sie darin ihren Einheitsstandpunkt freier Meinungsbildung, das Reinheitsgebot rot-weiß-roter Meinung bis in die letzte Skandalbewältigung, ge- fährdet sehen. Dabei plaudern sie gerne die Selbstverständlichkeit aus, daß die Praxis dieser so heiß verteidigten demokratischen Meinungsfrei- heit offensichtlich ein ganz banaler Fall von Käuflichkeit ist: Wer zahlt, schafft die Blattlinie an. Wenn es einen journalisti- schen Abwehrkampf gegen ausländische Einflüsse zu schlagen gilt, gibt man auch gerne die Möglichkeit der Meinungsgängelung zu und kokettiert noch mit der eigenen, angeblich "größten und unkon- trollierten Macht" (Lingens). Einmal abgesehen von der journali- stischen Albernheit und Wichtigmacherei, Macht immerzu um den Wi- derspruch einer ihr übergeordneten Kontrolle vervollständigen zu wollen: Während üblicherweise Journalisten aus dem Vorwurf der Manipulation sehr routiniert die Größe ihrer eigenen Verantwort- lichkeit und die Notwendigkeit journalistischen Ethos ableiten, soll diese Routine ausgerechnet durch ausländische Gelder allen Ernstes in Frage gestellt werden. Wo man den WAZ-Männern doch durchaus einmal glauben kann, daß sie nicht deutsches Sendungsbe- wußtsein, sondern Unternehmergeist zu der lukrativen Kapitalan- lage veranlaßte. Welches deutsche, respektive EG-Interesse hierzulande so unter- drückt würde, daß sich BRD-Kapital "symptomatisch gerade mitten in der EG-Anschlußdiskussion" gleich die Landesmeinung kaufen muß, weiß ohnehin keine der Kassandras anzugeben. Die einzige in ihre Blätter gemalte "Gefahr" droht überhaupt nicht, weil es sie eh' schon längst gibt; zudem wüßte man an folgenden, längst übli- chen journalistischen Praktiken ohnehin nichts Unösterreichisches zu entdecken. Laut Lingens besteht von nun ab die Gefahr, daß "der Leser gar nicht merkte, wie er manipuliert wird. Im Gegen- teil, er nähme den Umstand, daß in allen Blättern etwa das gleiche zu diesem Minister gcschrieben steht, als Beleg für die Richtigkeit dieser Berichterstattung." (profil) Sicher: Auf den Meinungspluralismus mag man nicht verzichten, der es einem ermöglicht, im 'Wiener' Vranitzky als "erotischsten Österreicher" kennenzulernen, mit 'profil' angesichts des "Machers im besten Wortsinn" Mock für zu leicht zu befinden, um sich vom 'Kurier' mit der Weltgewandtheit ("spricht fließend Eng- lisch") und Sachkompetenz des Kanzlers berauschen zu lassen. Andrerseits: Warum sollten die ausländischen Mitbesitzer gerade diesem demokratischen Personenkult ein Ende bereiten wollen? Daß ab jetzt und stattdessen eine Sympathiewerbung für Kohl losgetre- ten wird, getraut sich ja wirklich niemand zu prognostizieren. Und wenn in der Frage Vranitzky/Mock/Zilk/Busek die Medien ihre Sympathien einmal anders streuen, würde die patriotische Agita- tion auch keinerlei Schaden nehmen; die Argumente blieben diesel- ben. Das Bedrohungsgemälde ist in einer anderen Hinsicht freilich sehr verräterisch: Journalisten haben offensichtlich ein genaues Be- wußtsein darüber, daß alle ihre kritischen Ausfälle ausschließ- lich der patriotischen Einheit dienen und auch nur deswegen er- laubt und gefördert werden. Ansonsten wäre der Umstand keine spitzen Federn und Warngeheul wert, daß demokratischer Agitprop in ausländische Hände fällt. Für solche Gesinnungstäter ist es daher auch kein Widerspruch, wenn sie ihren emphatischen Kampf um die Freiheit der öffentli- chen Meinung in eine Verschärfung der ohnehin existenten Abhän- gigkeit von einer garantiert inländischen Macht münden lassen: "Schon seit Jahren habe ich jeden Politiker, dessen ich habhaft werden konnte, darauf hingewiesen, daß wir ein Antitrust-Gesetz brauchen." (Lingens, profil) Die angeblichen Kontrollore der demokratischen Macht wissen ihre famose Meinungsfreiheit in ihrer Kontrolle d u r c h die Macht eben allemal am besten aufgehoben! zurück