Quelle: Archiv MG - EUROPA AUSTRIA - Unsere neutrale Ostmark


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ÖSTERREICH - EG: ANSCHLUSS AN DEN EUROIMPERIALISMUS

50 Jahre danach ist es wieder einmal so weit. Diesmal heißt der Anschluß"partner" EG, und vom "Arbeitsplatz" bis zur "Gesundung unserer Wirtschaft", von "unserer Exportabhängigkeit" bis zu "high tech" und dem "gemeinsamen kulturellen Erbe" sprechen lau- ter gute patriotische Gründe und "Sachzwänge" - was längst als dasselbe gilt - für die "europäische Integration". Deswegen ist der naheliegende Vergleich mit dem bislang letzten Anschluß ver- pönt, der demnächst seinen 50er feiert. Dafür sind die Gedenkfei- ern ein einziger Beweis, daß demokratische Patrioten von heute bei aller Verurteilung der damaligen Ereignisse die Anschlußidee nicht kritisieren können. Wenn die Regierung Schuschnigg als zu "schwach", die damaligen politischen Kräfte als "zu wenig ein- heitlich" und der Glaube an die Nation als zu gering ausgeprägt gegeißelt wird; dann werden genau die rationalistischen Maßstäbe bestätigt, die seinerzeit die Mehrheit der Österreicher und Teile der Führungsmannschaft heim ins Reich tendieren ließen. Der na- tionalistische Befund, gemäß den eigenen Ansprüchen zu schwach, zu mittelmäßig, also in der Krise zu sein, ist damals wie heute die Grundlage für den Widerspruch, zur Stärkung des eigenen Na- tionalismus Souveränitätsrechte abzutreten oder ganz in einer größeren Staatsgemeinschaft aufzugehen. Daß die österreich-offi- zielle Vergangenheitsbewältigung überhaupt zu einer Kritik am An- schluß ans Großdeutsche Reich fähig ist, liegt einzig an dem aus austropatriotischer Sicht beklagenswerten Souveränitätsverlust - wobei die bedingungslose Übernahme nationaler Beurteilungsmaß- stäbe die Frage offenläßt, was Historiker nach einem S i e g Hitlers gegen eine Eingemeindung à la Freistaat Bayern einzuwen- den hätten. Insofern ist der EG-Anschluß auch eine feine Sache. Die Aufgabe der Souveränität ist diesmal nicht verlangt, weswegen sich der patriotische Wunsch nach Stärkung der eigenen Nation gleich viel besser bedient fühlt. Diesmal wird es keine fremden Truppen auf dem Heldenplatz geben, und weiterhin wird ein garantiert öster- reichischer Vranitzky den Führer am Ballhausplatz spielen, wäh- rend man sich darauf Hoffnung machen darf, endlich g l e i c h b e r e c h t i g t in einer Staatengemeinschaft mit dem beachtlichen Menschenmaterial von 300 Millionen mitmischen zu dürfen. Was diese Aufwertung der eigenen Nation für die Mehrheit der Bür- ger dieses Landes bedeutet, kann man schon jetzt an dem flächen- deckenden Rationalisierungsprogramm bemerken, das für die "Europareife" unserer Wirtschaft beinhart durchgezogen wird. Die offizielle Mitmacherschaft am EG-Binnenmarkt ist eben keine Ga- rantie auf Reichtumsmehrung, sondern die Absichtserklärung der rot-weiß-roten Bundesregierung, kein Opfer für den Erfolg am mo- dernsten Markt der Welt zu scheuen. Aber das kann Nationalisten ohnehin nicht irritieren, die bei allem eigenen Schaden den Be- fund ihrer politischen Herren teilen, daß vor allem einmal für das europäische Vorwärts der Nation alles getan werden muß. Viel- mehr stört sich die heimische EG-Fangemeinde an dem Umstand, daß die Zentralen in Brüssel und Bonn dem österreichischen Bei- trittsansinnen mit gelassener Gleichgültigkeit entgegentreten. Der Wunsch auf Souveränitätsaufwertung wird von EG-Seite mit lau- ter Einordnungsdiktaten konfrontiert, wobei das imperialistische Ordnungsinteresse der EG längst über den wirtschaftlichen Bereich hinausgeht. Alles Nötige über den wirtschaftlichen, politischen und militärischen Preis, den die Alpenrepublik für's Mitmachen beim Euroimperialismus zu entrichten hat, ist nachzulesen in der MSZ 12/87. zurück