Quelle: Archiv MG - EUROPA AUSTRIA - Unsere neutrale Ostmark


       zurück

       Kriegsnahe Herbstmanöver
       

"1000 NADELSTICHE"

Weil das kriegsähnliche Üben für immer wichtiger erachtet wird, fanden die diesjährigen Herbstmanöver mit dem bislang größten personellen und sachlichen Aufwand statt. Eine Woche lang übten mehr als 30.000 Soldaten unter "realistischen Gefechtsbedingun- gen" die Verteidigung steirischer Schlüsselzonen gegen Angriffe "eines vom Osten her operierenden Feindes orange". Volksfreund- lich, wie unser Bundesheer nun einmal ist ("Die Armee muß im Volke schwimmen wie der Fisch im Wasser" - Emil 'Mao' Spannoc- chi), bot sie der Bevölkerung des Mur- und Vogtlandes einen Ge- nuß, auf den diese 40 Jahre lang verzichten mußte. "Die Zivilbevölkerung ist von den simulierten Jagdbomberangriffen und dem von der Pyrotechnik gebotenen Schauspiel begeistert." (Kurier) Als selbstverständlich wird dabei von Heer und Presse unter- stellt, daß die Einbeziehung der Zivilbevölkerung in die Mili- tärübung die beste Werbung für die heimische Armee ist. Weil ih- nen die möglichst realistische Einsatzübung als zweitbeste Wer- bung nach dem Einsatz gilt, hielten sich die anwesenden Politiker diesmal gar nicht mit den üblichen Legitimationstiteln auf. Statt ein weiteres Mal die Güte des nationalen Militärs durch seinen politischen Zweck Freiheit und Demokratie zu beweihräuchern, war diesmal die konstatierte Diensterfüllung auch schon das beste Kompliment für die gute Sache. "Der Bundespräsident war von der Disziplin und der Einsatzbereit- schaft der Soldaten bei dem Manöver tief beeindruckt." Also war es nur natürlich, die Helden in den Schulen und Disko- theken des "steirischen Kernlandes" antreten und als Aktivisten der guten Sache mit "einfachen Erlebnisberichten" für das Kriegs- handwerk Stimmung aufbringen zu lassen. Eine ganze Nation durfte anläßlich der Rettung einer Bäuerin vor dem Flammentod durch 2 Jungmänner die Tugenden der Tat schätzen. "Geistesgegenwärtig begann einer der Jungmänner den Brand zu lö- schen, während der andere die Frau aus dem brennenden Raum ins Freie trug." Die naheliegende Erinnerung an die üble Staatspropaganda der Rus- sen, die ab und an einen Rotarmisten ein afghanisches Kleinkind retten lassen, kam ebensowenig auf wie der Gedanke, daß die Sol- datenpflicht viel mehr im Brändelegen als im Löschen besteht. Selbstverständlich hat das "ausgesprochen erfolgreiche Manöver" auch die Notwendigkeit für Gerätschaften belegt, die sich die Po- litik demnächst beschaffen will: "Jetzt sieht man an der Basis, bei den Geschützbedienungen und den unteren Kommandanten, durch praktische Übungserfahruag die zwingende Notwendigkeit für die Beschaffung moderner Lenkwaffen ein. Feindliche Flugzeuge fliegen halt eben höher als vier Kilo- meter und die Reichweite der Geschütze in den festen Anlagen ist auch nicht optimal einsetzbar." (Krünes) Als ob es an der altmodischen Vorliebe der dienstverpflichteten Geschützbedienungen für Kanonen läge, daß die österreichische Ar- mee bislang auf militärische High-Tech im Boden-Boden und Boden- Luftbereich verzichtete! So drückt der Verteidigungsminister die politische Absicht aus, die "Raketenbewaffnung" als eine aus- schließlich militärtechnologische Frage hinzustellen, die sie nicht ist. Die Umgehung des seinerzeit von den siegreichen Alli- ierten auf erlegten und inzwischen nur mehr von de Sowjetunion getragenen Aufrüstungsverbots allnotwendige Anpassung an militär- technische Notwendigkeiten zu definieren, heißt, die damaligen Friedensdiktate für gegenstandslos zu erklären und das sowjeti- sche Festhalten an de seinerzeitigen Vereinbarungen als unzumut- bare Schwächung der Neutralität zurückzuweisen. Unsere jungen Helden haben einfach das Recht auf ein Kriegsgerät, das so modern ist wie ihre Landser-Gesinnung - das hat sich unser friedlicher Kleinstaat durch diese Kriegsübung wieder einmal ein- drucksvoll bestätigen lassen. zurück