Quelle: Archiv MG - EUROPA AUSTRIA - Unsere neutrale Ostmark


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       Linke Kritik zum EG-Beitritt Österreichs:
       

"DER UN-HEIMLICHE ANSCHLUSS"

A.E.I.O.U. = Alles Erdreich ist Österreich Untertan. (Seinerzeitiger Wahlspruch Kaiser Friedrich des III. Heute vulga- risierte Machtphantasie kritischer Austropatrioten). Die Bundesregierung bereitet den EG-Beitritt vor. Laufende und künftig drohende Diskriminierungen österreichischer Ansprüche auf fremden Reichtum am EG-Markt haben sie in Ermangelung eigener wirkungsvoller Gegenerpressungen zu dem Entschluß veranlaßt, durch einen Beitritt die nationalen Geschäftsinteressen besser vertreten zu können. Protektionismen, politische Handelserschwer- nisse und andere Verlaufsformen des internationalen Streits um die Entwertungskosten der "weltweiten Absatzkrise" haben die Große Koalition zu dem Urteil kommen lassen, ein Beitritt in das "fortschrittlichste Wirtschaftsbündnis" könnte dem österreichi- schen Verbandlungsgewicht in der Staatenkonkurrenz nur guttun. Es ist eben ein Unterschied, ob man als Mitglied des "weltweit reichsten Wirtschaftsverbands" den Streit um Geschäftskonditionen mit Drittländern aufnimmt. Diese "außenpolitische Jahrhundertentscheidung" hat linke Kriti- ker auf den Plan gerufen. Was den Gegnern der "Kaputtsanierungs- koalition", der "Skandalrepublik" und der "Arbeitsplatzvernich- tungspolitik" zum EG-Beitritt einfällt, ist in der jüngsten Veröffentlichung des Verlags für Gesellschaftskritik nachzulesen: 1. teilen sie mit der Bundesregierung die Ambition auf nationale Aufwertung in der Staatenkonkurrenz, um 2. den EG-Beitritt als das falsche, bzw. falsch angepackte Mittel und noch schlimmer, als die Infragestellung nationaler Selbständigkeit zu kriti- sieren. Angesichts solcher Bedrohung verbietet sich 3. jegliche kritische Differenz zugunsten der Schicksalsfrage: Wie retten wir Österreich vor ausländischen Monopolen und Fremdbestimmung? Unabhängigkeit statt Fremdbestimmung: ------------------------------------- Kritik am Imperialismus im Namen seiner Ideale ---------------------------------------------- Daß linke Kritik an der "euro-kapitalistischen Interessensgemein- schaft" und dem österreichischen Beitritt nicht aus Abneigung ge- gen den armutsfördernden und leichenträchtigen Internationalismus von Geschäft und Gewalt zustande kommt, beweist die linke Polito- login und Vertreterin des Arbeitskreises "Solidarität mit der Verstaatlichten" Margit Scherb gleich eingangs ihres Artikels. Ihre Anschlußkritik eröffnet sie mit einem Plädoyer für die Not- wendigkeit internationaler und integrativer "Wirtschaftsent- wicklung" und findet eine "Neuordnung des Verhältnisses Öster- reichs zu den Europäischen Gemeinschaften" für unbedingt diskutierenswert. "Internationalisierung und Integration sind objektive Tendenzen der Wirtschaftsentwicklung denen sich im gegenwärtigen Stadium der Entwicklung der Produktionsverhältnisse kein Staat entziehen kann. Die mittlerweile intensiv geführte Diskussion um die Neu- ordnung des Verhältnisses zu den Europäischen Gemeinschaften wäre angesichts der "Sogwirkung", die dieser Integrationsraum in den letzten Jahren auf Österreich ausgeübt hat, früher oder später auf jeden Fall notwendig geworden." (47) Scherbs Kritik entzündet sich erst an einer von ihr entdeckten hemmungslosen "Euromania", die die Verantwortlichen aus lauter "Sogwirkung" des europäischen "Integrationsraums" auf die wahren und guten Beweggründe staatlichen Internationalismus vergessen lassen. "Schließlich werden (alternative) innen und außenpolitische Rah- menbedingungen, die eine auf weniger Fremdbestimmung und Abhän- gigkeit basierende Einbeziehung Österreichs in das internationale Wirtschaftssystem ermöglichen könnten, diskutiert." (48) Kritik besteht in diesem Fall im Wiederholen und Hochhalten der Prinzipien des Imperialismus, deren Praktizierung gerade bei Kleinstaaten jede Menge Material für Unzufriedenheit bereithält. Daß die wechselseitige geschäftsmäßige Benutzung der Stärkung und Konkurrenzfähigkeit einer Nation dienen soll, diesen Anspruch teilt Scherb mit Vranitzky / Mock und allen anderen imperialisti- schen Staatenlenkern. Daß sie dabei über die laufenden Resultate unzufrieden wird, liegt an der Radikalität des angelegten Ideals. Für Österreich beansprucht sie eine Beteiligung an "Internationalisierung" und "Integration", sprich: den Zugriff auf fremden Staatsgewalten unterstellten Reichtum. Zugleich ver- langt sie, daß die dabei anfallenden Gegensätze nicht auf Kosten Österreichs gehen, zu keiner "Fremdbestimmung" führen, sondern vielmehr deren Austragung die rot-weiß-rote Unabhängigkeit beför- dern. Damit ist einem radikalen imperialistischen Ideal das Wort gesprochen: die Benutzung des Auslands für die nationalen Anlie- gen soll frei von jeglicher Beschränkung bzw. Rücksichtnahme stattfinden, ja dadurch soll sich diese Freiheit gegenüber dem Ausland auch noch mehren. Nationale Unabhängigkeit im internatio- nalen Geschäftsverkehr ist der Anspruch, gegenüber dem Ausland so frei wie in der Verwaltung und Benutzung der heimischen Reich- tumsquellen vorgehen zu können. Dieser harte Kern des Anspruchs nach "Unabhängigkeit" ist auch der Grund. warum Scherb im prakti- schen Umgang heimischer Geschäftemacher und ihrer politischen Ad- vokaten mit ihren internationalen "Geschäftspartnern" lauter V e r s t ö ß e entdeckt. Diesem Fanatismus uneingeschränkter Souveränität erscheint jede positive Bezugnahme auf fremde natio- nale Interessen, erst recht der berechnende Umgang bzw. Anschluß an stärkere ökonomische und politische Potenzen als mögliche Ein- schränkung staatlicher Handlungsfreiheit und Souveränität. Inso- fern besteht die Erörterung des EG-Anschlusses im Ausfindigmachen lauter ausländischer Usurpatoren, einheimischer Agenten der Fremdbestimmung bzw. von politischer Unfähigkeit, gegen diesen nationalen Ausverkauf vorzugehen. EG-Anschluß: Resultat selbstverschuldeter Schwäche -------------------------------------------------- Am EG-Beitritt stört Scherb vor allem der von ihr entdeckte miß- liche Ausgangspunkt: Statt die geschäftsmäßige Sanierung des Hauses Österreich voranzutreiben, um aus einer Position der Stärke der Herausforderung der EG begegnen zu können, hat man sich in eine Weltmarktseuphorie versetzt und darüber glatt auf die Benutzung der eigenen Reichtumsquellen "vergessen". "Es war der 'Weltmarkt', der vergessen ließ, daß Österreich auch noch als nationale Einheit existierte, in deren Rahmen die Hebung der Massenkaufkraft, die Verbesserung der sozialen Infrastruktur, die ökologische Umgestaltung der Wirtschaft als Faktoren des Wirtschaftswachstums bzw. der Krisenbewältigung hätten eingesetzt werden können. Da die Umverteilung zugunsten der Mehrheit der Be- völkerung als Voraussetzung dieser Entwicklungsvariante nicht stattfand, mußte man zwangsläufig auf eine exportorientierte Wirtschaftspolitik setzen." (66) Wenn es um die Verhinderung der schlimmsten Sache der Welt geht, der Auslandsabhängigkeit heimischen Kapitals und Staatsgewalt, verkünden Linke ganz unverblümt die untertänige Wahrheit ihres Demokratieidealismus. Während sie gemeinhin für einen von allen Geschäfts- und Lobbyinteressen emanzipierten Souverän eintreten, weil nur dieser seinen angeblichen Dienstleistungen gegenüber der geschundenen und getretenen Klientel nachzukommen vermag, dreht Margit Scherb angesichts der EG-Bedrohung das Benutzungsverhält- nis einfach um: Lohn, Sozialstaat und Umweltschutz gelten gar nicht mehr als von einer ordentlichen Demokratie zu befriedigende Zwecke, sondern werden zur Selbstbedienung für die nationale Kri- sensanierung angeboten. Die Verantwortlichen ernten den Vorwurf, daß sie sich aus diesen ihren heimischen Reichtumsquellen zu be- dienen "vergessen" haben. Diese Instrumentalisierung der Lebensgrundlagen der Massen für die "nationale Einheit" wird auch nicht durch den Unsinn gemil- dert, daß Scherb ausgerechnet die Bedienung von Masseneinkommen, "sozialer Infrastruktur" und Umweltschutz als besten Dienst am Staats- und Wirtschaftsganzen verkauft. Im sicheren Wissen, daß Lohn a b h ä n g i g k e i t kein Anerkennungstitel auf berech- tigte Lohnforderungen ist, haben Linke seit jeher ein zusätzli- ches, genau umgekehrtes Abhängigkeitsverhältnis erfunden. Dem Lohn wird eine volkswirtschaftliche Bedeutung zugesprochen, indem ihm als "Massenkaufkraft" das Wirtschaftswachstum als abhängige Variable beigegeben wird. Damit wird ein Harmonieideal zwischen Profit und Arbeitslohn ausgesprochen und den Kapitaleignern ein E i g e n interesse an Lohnerhöhungen angeboten, wo diese gerade in ihrer Konkurrenz um die gesellschaftliche Zahlungsfähigkeit den einzigen volkswirtschaftlichen Sinn von Lohn und Arbeit zum Schaden der Betroffenen tagtäglich durchsetzen: möglichst viel Arbeit für möglichst wenig Lohn. Scherb ist es völlig geläufig, die finanziellen Lebensgrundlagen vor Lohnabhängigen, gleich als mehr oder weniger günstige Verwertungsbedingungen des Kapitals zu besprechen. Ebenso selbstverständlich werden die Sozialausgaben und die "ökonomische Umgestaltung" als H e b e l des Profits besprochen, also des schönen ökonomischen Gesetzes, dem sich der Umweltdreck ebenso verdankt wie der Umstand, daß der Staat für die F u n k t i o n s f ä h i g k e i t der per Lohn verarmten Arbeiterklasse Sozialkosten springen lassen muß. Wer so verant- wortlich denkt, der kann angesichts einer "bedenklichen Exportab- hängißkeit" der österreichischen Wirtschaft den staatlichen Ver- antwortungsträgern den Vorwurf nicht ersparen, sie hätten mit ih- rer "exportorientierten Wirtschaftspolitik" die heimischen Ge- schäftemacher in die Fänge des Auslands getrieben; statt ihnen durch gezielte "Umverteilung" die heimische Massenkaufkraft als besonders gute Geschäftsbedingung zur Verfügung zu stellen. Verstaatlichte: Instrument nationaler Eigenständigkeit ------------------------------------------------------ Auch in der heimischen Verstaatlichtenpolitik entdeckt die soli- darische Politologin lauter unverzeihliche Schädigungen und Schwächungen der heimischen Nationalressourcen wider die auslän- dische Konkurrenz. "In den 70-ger Jahren wurde darauf verzichtet, den großen, poten- tiell leistungsfähigen, verstaatlichten Industriesektor als In- strument einer auf nationaler Eigenständigkeit basierenden staat- lichen Wirtschafts-, Forschungs- und Außenwirtschaftspolitik ein- zusetzen. Statt denn setzte ein massiver Zustrom von Auslandska- pital ein. und die verstaatlichte Industrie wurde den Strategien der ausländischen Konkurrenz untergeordnet und in die Rolle eines verläßlich-abhängieen Zulieferers fixiert." Daß ausgerechnet der "massive Zustrom von Auslandskapital" die potentielle Leistungsfähigkeit der Verstaatlichten schwächen soll, ist ein sehr unökonomisches Gerücht. Auch die Kooperation mit Multis und erfolgreichen EG-Kapitalen dient ausschließlich der Beteiligung am Geschäftserfolg anderer, wofür die Verstaat- lichtenbosse den Status des Zulieferers gerne in Kauf nehmen. Auf solche Beschwerden kommt Scherb, weil ihr der ökonomische Erfolg, der sich in einer Vermehrung vorgeschossenen Geldes rechnet, im- merzu zuwenig national erscheint. Bei jedem Geschäft Privater, erst recht bei ausländischer Beteiligung am Verstaatlichtenpro- fit, regt sich bei ihr immerzu der häßliche Verdacht staatsfrem- der Bereicherung, weswegen für sie "nationale Eigenständigkeit" nicht nur der letzte Geschäftszweck ist, sondern zugleich der be- ste Garant für Geschäftserfolg. Die Verstaatlichte bevorzugt Scherb gegenüber privaten Unternehmern, weil sie im staatlichen Eigentum die Garantie erblickt, daß auch wirklich jeder Groschen Reichtumsvermehrung unmittelbar dem noblen Zweck "nationaler Ei- genständigkeit" zugeführt wird. Dieser Purismus rot-weiß-roter Eigenständigkeit entdeckt in jedem kalkulierten Umgang mit aus- ländischen Geschäftsinteressen ganz prinzipiell und immerzu die Gefahr auf Ausverkauf und Schädigung ösierreichischer Interessen; auch wenn die staatlichen Verantwortungsträger hundertmal beteu- ern, daß sie die Reprivatisierung der Verstaatlichten per Aktien- emission ausschließlich zum Flottmachen des "Flagschiffs" öster- reichischer Nationalindustrie betreiben. Die alten Verstaatlichtenideale, wonach aus dem Staatseigentum an den größten und lange Zeit erfolgreichsten heimischen Kapitalen eine besondere Harmonie zwischen Arbeiter- und Profitinteressen erwächst, sind bei diesen Erörterungen zwar nicht mehr Thema; verraten müssen sie aber auch nicht werden. Eben weil Scherb in der Identität von Kapitaleigner und Nation die Garantie auf ihre Sorte Geschäftserfolg erblickt, findet sie daran Gefallen, daß österreichische Proleten nicht irgendeinem dahergelaufenen Priva- ten ihren Mehrwert abliefern, sondern gleich unmittelbar ins Staatssäckel malochen. Anschluß: Verrat an den eigenen Möglichkeiten --------------------------------------------- Das Beurteilungsprinzip, alle außen- und innenpolitischen Aktivi- täten als mehr oder minder gelungen Ausdruck bzw. Mittel nationa- ler Eigenständigkeit und Größe zu behandeln, läßt die Politologin jegliche Unterscheidungsfähigkeit zwischen realen Geschäfts- und Staatsinteressen und ideologischen Luxussorgen verlieren. Vom we- nig ehreinlegenden Bundespräsidenten bis zum Korruptionsskandal ist alles ebenso wie die ausgebliebenen Profite der Verstaatlich- ten Ausdruck u n t e r l a s s e n e r politischer Führer- schaft. "Ganz neu ist die Situation ja nicht: Angeschlagen von Skandalen aller Art und bedrängt von immer deutlicher aufbrechenden wirt- schaftlichen Krisenerscheinungen besinnt sich die offizielle österreichische Politik nicht auf die eigenen Kräfte und auf Österreichs wichtige friedenspolitische Funktion als neutraler Kleinstaat in Europa, sondern sucht den "Anschluß" an ökonomisch und politisch Mächtigere." (Vorwort) Der Anspielung auf den letzten Anschluß hätte es gar nicht be- durft. Fanatiker des Nationalwohls aus eigener Kraft entdecken in einem Bündnisbeitritt nie die F o r t s e t z u n g sondern V e r r a t am eigenen Nationalismus. Gegen das imperialistische Bündnis, das längst per Geschäft und Kredit auf allen fünf Konti- nenten über Armut-, Hunger, Leben oder Sterben flächendeckend mitbestimmt (siehe MSZ 4/88), wird der häßliche Verdacht in Um- lauf gesetzt, die EG würde das auf's Spiel setzen, was die Scherb für österreichische Identität hält. Daher kommt auch der dumme Einwand, beim EG-Beitritt handelt es sich um einen "Anschluß an ökonomisch und politisch Mächtigere". An wen soll man sich sonst "anschließen", etwa an Schwächere? Der EG-Beitriit ist Resultat der anspruchsvollen Selbsteinschätzung, für die eigenen interna- tionalen Ambitionen über zuwenig ökonomische und politische Po- tenzen und Erpressungsmitlel zu verfügen. Weil die neutrale Frie- dens- und Vermittlungspolitik ohnehin nie ein moralischer Wert war, sondern eine Methode zur Aufwertung der eigenen Nation, nimmt man nolens volens die eine oder andere "Glaubwürdig- keitskrise" der österreichischen Neutralität in Kauf, um dafür an der Bündnisstärke der EG partizipieren zu können. So weltfremd der Scherbsche Einwand ist - gerade die Wucht des EG-Staates macht die Attraktivität eines Beitritts für Österreich aus -, in seiner Parteilichkeit weicht er keinen Deut von den Prinzipien der kritisierten Politik ab: Eine erfolgreiche ge- schäftsmäßige Benutzung des EG-Reichtums samt der Proleten vorort durch eine gesicherte, generalsanierte Heimat stieße auf helle Begeisterung der nationalistischen Unabhängigkeitsfanatikerin. EG: Monopole machen Souveränität kaputt --------------------------------------- "Mit der Europäischen Gemeinschaft hat sich das österreichische Monopolkapital für die gemeinsame Bewilligung von Problemen den adäquaten Herrschaftsmechanismus geschaffen, der trotz aller im- mer wieder stattgefundenen Stillstände und Rückschläge zu einer weiter fortschreitenden Verdichtung und Verflechtung sowie einer Erweiterung der westeuropäischen Integration geführt hat." (51) Um etwaigen Mißverständnissen vcrzubeugen: Margit Scherb hat we- der etwas gegen Monopolkapital noch gegen wirtschaftliche Ver- flechtungen. Wer am "verstaatlichten Industriesektor" dessen Größe und Leistungsfähigkeit, also lauter Erfolgskriterien kapi- talistischer Konkurrenz bewundert, der fühlt sich dem Er- folgsideal des Kapitals verpflichtet, ganz mono und möglichst multi das Geschäft zu beherrschen. Daß ihr das Monopolkapital und die EG als angeblich ausführendes Organ ein Dorn im Auge ist, liegt am westeuropäischen, genauer ausländischen Ursprung dieser erfolgreichen Geschäftemacher. Also ist eine kritische Begutach- tung dieser Sorte länderübergreifender Benutzung von sachlichen und menschlichen Reichtumsquellen angesagt, wie sie sie für Österreichs Unabhängigkeit so gerne in Anspruch nehmen würde. "Auf der Basis der intensivierten Expansion der internationalen Monopole und einer intensivierten mehr oder weniger gleichzeiti- gen Kapitalverflechtung zwischen den kapitalistischen Industrie- ländern und insbesondere auf Grund der in immer größerem Umfang über die Ländergrenzen hinauswachsenden Spezialisierung der Pro- duktion, haben sich eigene Formen des Zusammenwirkens von Monopo- len und Staat auf internationaler Ebene entwickelt, die sich von denen im nationalen Maßstab unterscheiden. Es läßt sich schon heute erkennen, daß die sich gegenwärtig voll ziehende Interna- tionalisierung des kapitalistischen Systems immer stärkere Ein- flüsse auf seine Gesamtstruktur, auf die Erscheinungsformen sei- ner Produktions- und Herrschaftsverhältnisse, auf die inneren Entwicklungsbedingungen in den einzelnen kapitalistischen Ländern und auf den Charakter und das Ausmaß der Krisenprozesse ausüben wird. (49) Den Monopolen wirft Scherb vor, daß sie das übliche harmonische Zusammenwirken von Staat und kapitalistischer Ökonomie im "nationalen Maßstab" auf den Kopf stellen. Statt mit ihren Ge- schäftsinteressen den jeweiligen nationalen Wirtschaftseinheiten zu dienen, kennen sie kein Vaterland und beeinflussen auch noch die "inneren Entwicklungsbedingungen der einzelnen kapitalisti- schen Länder" von außen. Die Monopole gelten der aufrechten Pa- triotin als der blasphemische Anspruch, sich die Staaten gemäß ihren staatenlosen Sonderinteressen herzurichten, wo doch der no- belste Zweck des Wirtschaftens im Dienst an der nationalen Sache bestehen müßte. An ihrer Unvereinbarkeitsregel zwischen N a t i o n a l ökonomie und dem vaterlandslosen Internationalis- mus ihrer fortschrittlichsten Kreaturen wird sie auch darüber nicht irre, daß die real existierende Staatenwelt sich eine mun- tere Subventionskonkurrenz zur Heimholung dieser sie knechtenden Multis anstellt. Nicht nur in Österreich werden GM, Siemens etc. Fabriksgelände und Arbeitsplätze geschenkt, damit sie sich an der nationalen Akkumulation in klingender Münze beteiligen. Letztlich wäre einer so engagiert österreichisch denkenden Politologin der Verlust nationaler Souveränitäten zugunsten vaterlandsloser Geschäftemacher nur die halbe Aufregung wert, wenn sie nicht ge- rade für ihr Vaterland besonders häßliche Benachteiligungen wit- tern würde. "Ihrem sozialen Inhalt nach bildet die Verflechtung von Monopol- unternehmen und Nationalstaaten ein in internationalen Maßstäben organisiertes System der Ausbeutung und Herrschaft, das die di- rekte Ausbeutung von Arbeitskräften vieler Länder verknüpft. Ne- ben den sogenannten Entwicklungsländern sind es gerade auch die kleinen Industriestaaten, die auf Grund ihrer vergleichsweise schwach entwickelten Produktivkräfte und ihrer insgesamt geringen ökonomischen Potentiale den Internationalisierungsprozess kaum zu ihren Gunsten gestalten können und von seinen Auswirkungen beson- ders negativ betroffen werden." (50) Ein herziger Übergang: Erst lamentiert die Gute über den Schaden der international "verknüpft" ausgebeuteten Massen - wobei der Schaden, der den Arbeitern aus dem Internationalismus ihrer Aus- beuter zuwächst, eher patriotischer Natur sein dürfte -; dann landet sie prompt bei den ihr wirklich am Herzen liegenden be- nachteiligten Subjekten: Die Monopole verhindern den Geschäftser- folg, den Kleinstaatenkapital aus den Arbeitsprodukten ihrer ein- heimischen Hände ziehen wollen. Der Befund der drohenden ökonomi- schen Niederlage ist freilich tückisch: Es klingt fast schon wie eine Einladung an die bösen Monopole, mit ihren überlegenen Aus- beutungstechniken endlich die die "schwach entwickelten Produk- tivkräfte" hierzulande auf Vordermann zu bringen. zurück