Quelle: Archiv MG - EUROPA AUSTRIA - Unsere neutrale Ostmark
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Faktensammlung für WALDHEIM:
DER KAMPF DER LEGITIMIERER
in Politik...
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Daß die Historiker bezahlte Lobhudler der Nation sind, ist in den
Sphären der Politik offenbar die größte Selbstverständlichkeit
der Welt. Wie sollten denn sonst Leute wie der ÖVP-Graff, die
sich vorbehaltlos hinter "unseren" Präse stellen, darauf kommen,
die Einsetzung einer Historikerkommission zu fordern, die die
"Unterlagen" zu Waldheims Vergangenheit objektiv prüfen soll?
Auch der Umstand, daß diese "Objektivität" ihr innerstes Wahr-
heitskriterium im Paß des Wissenschaftlers hat, ist für die Poli-
tik eine Selbstverständlichkeit. Deswegen wird auch recht munter
über die Zusammensetzung dieser Kommission nach der Staatsbürger-
schaft gestritten. Gerade der Umstand nämlich, daß mit der
Staatsbürgerschaft des beamteten Gelehrten auch schon das ge-
wünschte Resultat festgelegt ist, hat auf der anderen Seite Zwei-
fel über die Glaubwürdigkeit der bezahlten Weißwäscher hochkommen
lassen. Diesen "Nachteil" hinwiederum hätte eine "internationale"
Kommission nicht, doch müssen da notgedrungen auch Ausländer
drinnen sitzen - und wer weiß, ob man denen trauen kann, wo man
doch die Staatsbürgerschaft für so was ähnliches wie einen Gesin-
nungsausweis hält. Am Ende kriegen die Fakten dann gar nicht die
richtige Bedeutung! Andererseits wäre dies ja glatt so etwas wie
ein Eingeständnis der eigenen Parteilichkeit, weil man die Aus-
länder ja nur hineinsetzt, um den Verdacht, es handle sich um
eine Weißwäscheraktion, zu entkräften... und so weiter... Die na-
tionalistischen Kopfstände gehorchen alle derselben Logik: Jeder
Vorschlag zur Wiederherstellung der gekränkten Ehre der Nation
gerät in den Verdacht, bloß deswegen stattzufinden - und inso-
ferne ein Schuldbekenntnis zu sein, das "wir" uns keineswegs lei-
sten dürfen. Derzeit überlegt der Kanzler, daß eine Kommission,
die wirklich glaubwürdig ist, am besten von einem "integren" Aus-
länder - am allerbesten von einem österreichfreundlichen Juden -
einberufen werden muß, damit "wir" auch wirklich überzeugend gut
dastehen.
Bis dahin sorgt jedenfalls die Frage, wie eine Kommission ausse-
hen müßte, die "unser" Staatsoberhaupt ohne jeden Verdacht der
Weißwäscherei weißwäscht, für Spannung und Engagement bei allen
engagierten Nationalisten.
...und Wissenschaft
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Kaum hat die Politik gerufen, stehen die Historiker natürlich auf
der Matte - mit lauter Distanzierungen vom politischen Auftrag,
der auf so plumpe Art und Weise an sie herangetragen worden ist.
Sie sind doch keine Erfüllungsgehilfen der höheren Weihen der Po-
litik und weigern sich, "auf Druck" von oben ihrer Pflicht als
österreichische Wissenschafter nachzukommen:
"Strikt wehrt sich der Salzburger Historiker Botz gegen Versuche,
namentlich des Außenministeriums, Druck auf Historiker auszuüben.
Er selbst sei aufgefordert worden, doch nicht so negativ über
Österreich zu reden."
Auf die Differenz zu seinem Brötchengeber kommt es einem Wissen-
schafter offenbar sehr an, wenn er ganz direkt als Hoflakai ange-
wiesen wird, sich nützlich zu machen. Botz hält dem Anschiß ja
auch nicht entgegen, daß Österreich nun einmal so "negativ" sei,
wie er es erforscht haben will. Der Mann der Wissenschaft be-
schwert sich ganz inhaltslos über eine Einmischung - und hält den
ganz unbekümmert als Gemeinheit entgegen, daß man ausgerechnet
ihm anhängen wolle, er halte nichts von seinem Heimatland. Er be-
handelt die politische Aufforderung als einen Eingriff in seine
Sphäre, in der sein positives Verhältnis zur Nation ja nicht als
a n g e o r d n e t e s, sondern als b e g r ü n d e t e s zu
erscheinen hat. Er beharrt also auf seiner Geschäftsgrundlage,
daß man seiner Nation aus eigener Überzeugung und doch nicht aus
angeschafftem Gehorsam seine Verehrung nachtragen solle - und
legt gleich noch ein Bekenntnis dazu ab, daß seine Sorge um
Österreich weit über die Sünden des Staatsoberhaupts hinausgeht
und gleich "uns allen" gilt:
"Es geht nicht um die Person Waldheim, um sein persönliches Ver-
halten. Es geht um das breite Verhalten der österreichischen Be-
völkerung 1938 bis 1945."
Er setzt seinen Brötchengeber richtiggehend herab, indem er dar-
auf pocht, daß er weit umfassender national verantwortlich denkt
- und deswegen nicht davon Abstand nehmen will, "unsere" Güte ge-
rade mit dem offenen Bekenntnis herauszustreichen, daß "wir alle"
kein Hehl aus unserer Schuld machen dürfen - das ehrt "uns" nach
Prof. Botz' Meinung viel mehr als eine sowieso fragwürdige Recht-
fertigung, daß Waldheim erwiesenermaßen keinen Juden umgebracht
hat. In dieselbe Kerbe haut auch die Wiener Spezialistin des
Weißwäschergewerbes:
"Ich bin jedenfalls gegenüber einer Historiker-Kommission sehr
kritisch, besonders gegenüber einer österreichischen, denn das
sieht ja aus wie ein Mauern..." (Weinzierl)
Wo die Politik sich einerseits hinter "unseren" Waldheim stellt,
ohne gegen die Amis sein zu wollen, tut sich Frau Prof. mit ihrem
Auftrag schwer - und stellt deswegen fest, daß jeder ihrer Weiß-
waschaktionen der üble Geruch anhaften muß, eine solche zu sein,
die Historiker also ihrer Aufgabe nicht nachkommen können. Sie
warnt ganz verantwortlich die Politiker davor, daß sie sich mit
den gewohnten Legitimationsdiensten von Frau Weinzierl, die noch
vor einem Jahr dem Präsidenten nach der Wahl seine demokratische
Sauberkeit bestätigt hat, ein Eigentor schießen würden.
So bestätigen die Zeitgeschichtler jedenfalls auf eindrucksvolle
Weise, was sie gegenüber den Politikern so zurückweisen - nämlich
bezahlte Rechtfertiger der Nation zu sein. Wer nämlich einwendet,
er könne sein Geschäft derzeit nicht glaubwürdig ausführen - hat
der was gegen parteiliche Rechtfertigungen oder meldet der gerade
in ihrem Namen Zweifel an?
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