Quelle: Archiv MG - EUROPA AUSTRIA - Unsere neutrale Ostmark


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       Aus der Serie: "Wir wählen unseren Häuptling". Heute:
       

ENTSCHEIDUNGSFINDUNG LEICHT GEMACHT

Nur noch einen Monat bis zur Wahl. Und das Hin und Her um die Vergangenbeit Kurt Waldheims wird schön langsam immer unüber- sichtlicher. Da bietet die WHZ ein echtes Wählerservice an: einen handlichen Überblick, was im demokratischen Meinungsstreit je- weils für und gegen einen Bundespräsidenten Waldheim spricht. Also aufgepaßt! Eindeutig für Waldheim spricht: ------------------------------- Er hat selbst unter Hitler vorbildlich seine Pflicht getan! Die erste Tugend jedes Demokraten, seiner Herrschaft zu dienen, hat sich durch die damals etwas anders geartete Herrschaftsform nicht irre machen lassen. Bravo! Er hat im Krieg n u r seine Pflicht getan! Mehr hat ja auch der Faschismus von seinen Staatsbürgern nicht verlangt. Übrigens auch dann nicht, wenn es sie pflichtgemäß auf eine KZ-Aufseher-Planstelle verschlagen hat. Das Ausland soll die Schnauze halten! Um das zu sagen, darf und muß jeder Inländer die seine einmal aufreißen. Über unsere feinen Herrschaften darf nur der meckern, der ihnen brav gehorcht. In dieses patriotische Verhältnis lassen wir Österreicher uns nicht hineinpfuschen! Die Juden werden wieder frech! Das können wir gar nicht leiden. Das ruft nämlich bei uns nur allzu leicht antisemitische Gefühle hervor, die uns als anstän- dige Demokraten völlig fremd sind. So etwas brauchen wir uns von denen nicht bieten zu lassen. Wir Österreicher wählen wen w i r wollen! Die versuchen, seine Glaubwürdigkeit in den Schmutz zu ziehen! So etwas darf man nicht machen. Weil was ist, wenn er gewählt wird? Dann beschmutzt der Schmutz, mit dem er verleumderisch übergossen wird, glatt das Amt, das wir alle respektieren und verehren. Dagegen müssen wir uns wehren und Waldheim wählen. Enorm gegen Waldheim spricht: ----------------------------- Er war schon unter Hitler nirgends so richtig dabei! Vorsicht! Ein berechnendes Verhältnis zur Herrschaft deutet auf einen "opportunistischen Charakter". Die Demokratie braucht keine Mitläufer, sondern freie Bürger, die sich mit Haut und Haaren ih- rem Staat verschreiben. Er gibt nicht damit an, was seine Kriegspflicht war, sondern im- mer erst alles zu, nachdem es ihm nachgewiesen worden ist! Warum hat er uns nicht gleich alle Höhepunkte seines österreichi- schen Soldatenlebens in deutscher Uniform anvertraut? Dann würden uns jetzt keine Zweifel über seine Glaubwürdigkeit quälen. Er gefährdet das Ansehen Österreichs im Ausland! Die weltweite Ehre unseres Staates ist uns das Teuerste. Leider sind wir - Kleinstaat! - nicht in der glücklichen Lage, auf Aus- länder keinerlei Rücksicht nehmen zu müssen. Außerdem: Amerika!!! Von wegen "Ausland": Führungsmacht auch unserer Freiheit! Er gibt den Juden einen Vorwand, wieder frech zu werden! Das können wir gar nicht leiden. Einen Präsidenten, der jüdischen Angriffen ausgesetzt ist, die notgedrungen Gefühle bei uns wach- rufen, deren wir eigentlich gar nicht fähig sind: so was ist nicht zu gebrauchen. Am Ende wollen w i r ihn noch deswegen wählen! Kommt nicht in Frage. Der Mann ist unglaubwürdig! So etwas geht nicht. Einem österreichischen Präsidenten müssen alle alles glauben. Also dürfen wir Waldheim nicht wählen, weil wenn wir ihn wählen täten, könnten wir vielleicht kein Vertrauen zu ihm haben. Das wäre dann aber nicht das Richtige, weil: einem österreichischen... Das Für und Wider ist damit natürlich längst nicht vollständig. Aber vielleicht reichts doch für die Entscheidungshilfe, daß bei- des eindeutig gegen einen demokratischen Häuptling spricht. zurück