Quelle: Archiv MG - EUROPA AUSTRIA - Unsere neutrale Ostmark


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       Grüne Opposition '88
       

EINE PARTEI GEHT IHREN WEG

Das grüne Pflänzchen: Vom Aussterben bedroht? --------------------------------------------- Bei den Grünen ging es neulich wieder ums Überleben. Diesmal nicht ums Überleben der Umwelt, der Natur und der ganzen Mensch- heit, wie gewöhnlich, sondern ums Überleben der Partei. So funda- mental war die empfundene Bedrohung führender grüner Männer und Frauen, daß ein Parteikongreß für Abhilfe sorgen sollte. Bestürzt war die grüne Mannschaft also weder über die Situation des Wal- des, noch war sie unzufrieden mit ihren eigenen Leistungen als Parlamentsfraktion und als Bewegung - im Gegenteil. Bis vor eini- ger Zeit war die Welt in Ordnung: Die Regierung kümmert sich, wie sich das für eine ordentliche Regierung gehört, um alles, von der Abfangjägerbeschaffung bis zur Vergangenheitsbewältigung, vom Straßenbau bis zum Umweltschutz - und die Grünen spielen sich nicht bloß als das bessere Gewissen der Politik auf, sie tun das sogar amtlich und mit den Würden einer oppositionellen Parla- mentsfraktion. So erwerben sie durch "Fleiß und Kompetenz" den Respekt der Kollegen Abgeordneten und bauen "in zäher Kleinar- beit" Vorurteile gegen grüne Abgeordnete ab. Ein schöner Erfolg. Mit anderen Worten: es hätte ewig so weitergehen können. Wenn nicht das liebe Stimmvieh, im besonderen der Wiener Wähler, die grüne Idylle gestört hälte. Unzufrieden sind die Grünen also mit ihrem "Stimmenpotential". Man ist mit einer gewissen Selbstverständlichkeit davon ausgegan- gen, daß eine Partei, die vor allem Menschheitsüberlebensfragen zu ihrem Anliegen hat, und die es endlich geschafft hat, sich im Parlament als Bestandleil des "Parteiensystems" zu etablieren, damit quasi automatisch einen adäquaten, ihr gebührenden Wähler- anteil abräumt. Wenn sogar das Ökosystem "Wien" mit seinen günstigen Lebensbedin- gungen für eine grüne Partei - die üblichen großstädtischen Müll-, Verkehrs-, Lärm- und Luftgeschichten, dazu viele Studen- ten, eine "Szene", feinfühlige Intellektuelle und Künstler und sonstige kritische Gemüter - wenn nicht einmal in diesem Biotop eine grüne Partei blüht und gedeiht (= die 5%-Hürde schafft), dann droht ein irreversibles "Umkippen". So hat sich der grüne Klüngel wohl oder übel aufgerafft, unter öffentlicher Anteilnahme darüber zu spekulieren, wie "Die Grüne Alternative" sich präsentieren sollte, um den Konkurrenzparteien beim Einseifen von Wählern gewachsen zu sein. Warum "der Wald stirbt" und die Vergiftung von Luft und Wasser ihren Gang geht, und was sie dagegen tun wollen, ist für die Grü- nen geklärt und erledigt. Die "Umwelt" krankt nur an einem - an zuwenig grünen Mandaten, an zuwenig grüner Beteiligung an der Macht. Also lautet die heiße Frage ab sofort: Welche Stellung sollen die Grünen auf welche öffentlichkeitswirksame Weise zu diesen und jenen "Themen" einnehmen, damit das "Waldsterben" we- nigsten ihnen nützt - beim Wählerbetören. Denn das Überleben der grünen Partei ist nun einmal die letzte Chance des Waldes und der Menschheit. Hintergründe einer drohenden Katastrophe ---------------------------------------- Den Grünen ist und war die Unterscheidung zwischen gesundheits- schädlichen und gefährlichen "Umwelteingriffen", wie etwa einem Atomkraftwerk, und anderen Bauten, etwa ein Wasserkraftwerk, die höchstens die Landschaft verändern, sonst aber auch gar nichts, nie besonders wichtig: das "Opfer" ist auf alle Fälle die Natur; jeder "Eingriff" bringt sie - irgendwie - durcheinander und ist damit, letztendlich, für "den Menschen" schädlich, weil er von ihr "abhängt". Ebenso großzügig und ignorant verfährt die grüne Weltsicht mit der anderen Seite, dem "Täter". Passend zur Beschwörung der diversen Umweltkatastrophen und Menschheitsgefährdungen, auf deren Ausmalung die Grünen abonniert sind, haben sie es stets sorgfältig vermieden, einen G e g n e r ausfindig zu machen. Daß die Benutzung von Land und Leuten für das Wachstum d e s K a p i t a l s beiden nicht bekommt, dafür aber das in einer Marktwirschaft maßgebliche Interesse bedient, haben die Grünen - höchst systemkonform - dahingehend interpre- tiert, daß "wir alle" in unserer ungebremsten Gier nach Ar- beitsplätzen, Autos und Konsum "uns" nur selber schaden. Die "politisch Verantwortlichen" wiederum verabsäumen aus Kurzsich- tigkeit und/oder Opportunismus, diesem Treiben Einhalt zu ge- bieten. Dem Anspruch der Grünen, für die ganze Menschheit und gegen nie- manden, ausgenommen "uns alle", ein "Umdenken" herbeiführen zu wollen, ist von den anderen Parteien auf gerechte Art und Weise gedankt worden. Wenn es einen Erfolg der Grünbewegung gibt, dann besteht er darin, die "Umwelt" zu einer Sphäre gemacht zu haben, in der "politischer Handlungsbedarf" gegeben, also der Staat gefordert ist, Verantwortung zu tragen und Entscheidungen zu treffen. Um das zu demonstrieren, gibt es seit etlichen Jährchen ein Ministe- rium mit der Bezeichnung "... für Umwelt und...", und die "klassischen" grünen Themen gehören mittlerweile ins ideologisch- weltanschauliche Schatzkästlein jeder Partei. Niemand ist g e g e n Umweltschutz und f ü r Waldsterben; daß Ökonomie und Ökologie versöhnt gehören, erzählt heutzutage jeder Gewerk- schaftsfunktionär; daß das AKW Zwentendorf nicht in Betrieb ge- gangen ist, ist "nach Tschernobyl" eine Leistung aller Parteien usw. Vorbei sind die Zeiten, in denen Grüne als "Nihilisten", "Verhinderer" und als Leute beschimpft wurden, die immer "nur da- gegen" sind. Dieser Erfolg der Anerkennung der "Umwelt" als eines p o l i t i s c h e n P r o b l e m s - dessen "Lösung" nach Meinung aller Beteiligten einschließlich der Grünen etliche "Sachzwänge" und andere ehrenwerte Staatsaufgaben entgegenstehen - hat für die Grünpartei den unangenehmen Nebeneffekt, nicht mehr das prinzipielle Versäumnis der fehlenden Umweltpolitik anpran- gern zu können, sondern nur noch die mangelhafte Durchführung des gemeinsamen Anliegens. Die grüne These, eigentlich könne sich niemand ihrer Anliegen verschließen, hat in den anderen Parteien Anhänger gefunden; die grünen "Themen" und Ideale sind Allgemein- gut geworden. Daß sie v e r w i r k l i c h t werden, erwartet ohnehin kein mündiger Wähler, und bei ihrer R e p r ä s e n t a t i o n, bei der Beteuerung, für sie einste- hen zu wollen, im Rahmen des Möglichen und Realistischen, also ihrer Benutzung zur Eigenwerbung, machen ganz normale Politiker auch keine schlechte Figur. - "Saubere Umwelt" ist ein Wert, dem selbstverständlich auch die große Koalition huldigt. Dafür steht Minister Dr. Flemming. Wenn sie Unverschämtheiten à la "Tempo 80/100 im Straßenverkehr" for- dert und flugs an fehlenden Kompetenzen "scheitert", jedoch ohne zu "resignieren", um anschließend alle (grünen) Menschen guten Willens aufzufordern, ihr zu "helfen", - dann kann einem ein grüner Abgeordneter fast schon leid tun. Darüberhinaus ist Mini- ster Flemming auch noch Frau, also nach gültiger Meinung ein ex- tra glaubwürdiges Wesen, und nicht bloß Frau, sondern sogar eine Tante, die lässig mit Freda Meißner-Blau konkurriert, was die Ausstrahlung von Bigotterie und damenhafter Zimperlichkeit be- trifft. - Der Sauberkeit im öffentlichen Leben und in der Politik, zu de- ren publizistischer Betreuung die grüne Riege eigens einen echten Staatsanwalt angeheuert hatte, widmet sich der parteilose (!) Ju- stizminister, Herr Egmont (von) Foregger. Unter seiner Ägide sind nicht nur - wie immer - ganz normale Leute, sondern - eine wirk- liche Errungenschaft! - sogar ehemalige und amtierende Politker und Top-Manager verhaftet, angeklagt, verurteilt und eingelocht worden. Endlich einmal Staatsmaßnahmen, die jedermann befriedi- gen, die kleine Minderheit der Betroffenen natürlich ausgenommen! Sowas hebt die Stimmung beim "kleinen Mann", dessen Gerechtig- keitswahn eine lang vermißte Genugtuung widerfährt, und die Pres- sefritzen, immer um die "Glaubwürdigkeit" der Politik besorgt, atmen auf: Die Botmäßigkeit und der Gehorsam der Massen gehen un- anfechtbar in Ordnung, wenn sogar für ihre Herren der Ehrenkodex des StGB gilt. - Als Abfangjäger-Jäger Nr. 1 hat sich der steirische Landeshauptmann etabliert. Er hält es für eine Beleidigung aller aufrechten Steirer, die schöne Heimat durch veraltete und krawallmachende Flieger mit höchst zweifelhafter Kampfkraft zu verunstalten - und so benimmt er sich auch! Seine Landeskinder lieben ihn schon dafür, weil er in ihrem Namen ordentlich "auf den Tisch haut" und es "denen in Wien" hineinsagt. Nebenbei bekräftigt der störrische Steirer laufend den militärischen M a ß s t a b seiner Draken-Kritik: zu alt, zu lahm, zu ineffizient und deswegen auch zu laut. Draken abgelehnt, wegen U n t a u g l i c h k e i t! - Die stetig zunehmende Armut schließlich taugt neuerdings wenig für eine Partei, um sich zu profilieren; was es den Armen nützt, wenn ihr schweres Los öffentlich beschworen wird, ist ohnehin eine andere Frage. Wer allerdings heute zu bedenken gibt, daß die vielen "sozial Schwachen" neben Bekenntnissen zur Gemeinschafts- tümelei ("Wir werden und dürfen sie nicht allein lassen" - Vra- nitzky) auch einen "Basislohn" oder wenigstens ein "Beschäf- tigungsprogramm" bräuchten, der ist hoffnungslos "out". Da hat die Sprachregelung Vranitzkys, nach der jeder politische Eingriff in die ewigen Gesetze des Marktes die "Ökonomischen Probleme" bloß vergrößern, die erneut weiter verschlimmern würde, die Öffentlichkeit auf Linie gebracht. Das haben auch die Grünen beherzigt, als sie auf ihrem Kongreß den "radikalen" Vorschlag: "Arbeitszeitverkürzung auf 30 Wochen- stunden mit vollem Lohnausgleich" verworfen haben - und zwar er- satzlos. Die grünen Anliegen werden also hervorragend betreut. Es glaubt zwar kein Mensch, daß Flemming den Wald vor dem Sterben und Krai- ner die Steiermark vor den Draken rettet, aber das bringen schließlich die Grünen auch nicht zustande. Und verglichen mit dem bescheidenein Einfluß einer Oppositionsmannschaft sind Leute mit dem Bonus des Amtsinhabers und der damit verbundenen Macht auch ziemlich "vertrauenswürdig". Zumindest beim demokratischen Publikum. Wege aus der Apokalypse I: -------------------------- Noch eine Mannschaft muß ins Parlament, und zwar der ORF! --------------------------------------------------------- Die Grünen selbst haben sich ihre Wahlschlappen damit erklärt, ihre erstklassige, kompetente und konstruktive "Arbeit" im Parla- ment werde in Presse und TV zu wenig gewürdigt, ja geradezu boy- kottiert. Richtig liegen die Grünen dabei insofern, als natürlich die sogenannte "politische Berichterstattung" speziell im Fernse- hen eine einzige Gelegenheit der Selbstdarstellung führender Fi- guren ist, mit Journalisten als Suchwortgeber; Interviews und Ge- sprächsrunden werden zurecht als W e r b u n g verbucht. Natür- lich ist die Opposition beim Genuß dieser Öffentlich rechtlichen public-relations ein wenig benachteiligt. Das Sagen hat eben die Regierung, und deren "Leistungen" sind allemal eine Meldung wert, während die Opposition doch bloß ihren Senf dazugibt. Ver- ständlich daher die Entrüstung des Abg. Fux, mitten im Plenarsaal des Hohen Hauses und vor laufender Kamera: "Ich frage mich, warum die Großparteien in Österreich Direktüber- tragungen, wie sie seit Beginn der Bundesrepublik in Deutschland üblich sind, nicht zulassen können. Ich weiß nicht.... Das ist das Trauerspiel für dieses Parlament, daß sie sich das nicht trauen. Die Herren Zensoren des ORF da - kommen sie her mit der Kamera -, die schneiden. (Allgemeine Heiterkeit.) Ein Roter und ein Schwarzer bestimmen hier, was in die Bevölkerung hinausgeht. Da sitzen drei Zensoren dort und schnipseln herum an den Sachen. (Beifall bei den Grünen.) Das soll Demokratie sein in diesem Land? Eine Schande ist es!..." (Die Republik im Fieber. Ein Jahr Grün-Alternative im Parlament, S. 200) So naiv, die anderen Fraktionen von ihren erstklassigen Überle- bensideen überzeugen zu wollen, sind grüne Parlantarier nicht, auch wenn sie an Ort und Stelle so tun, als ob, also die im Par- lament übliche Heuchelei pflegen. Stattdessen besinnen sie sich auf die "Öffentlichkeitsfunktion" des Parlaments, d.h. auf das Grundrecht gewählter Politiker, ihre außerordentlichen Qualitäten gebührend ins öffentliche Bild ge- setzt zu bekommen. Auf daß man sich vor der Mattscheibe von Sach- kenntnis und Einsatz der grünen Repräsentanten überzeugen kann. Die Grünen haben offenbar den berechtigten Verdacht, daß von ih- ren großartigen parlamentarischen Werken sonst keiner was merkt - und verdrehen ihr profanes Bedürfnis nach mehr öffentlich-recht- licher Sendezeit in das Verlangen nach einem Herzstück televisio- när gelebter Demokratie, das dem mündigen Bürger schändlicher- weise vorenthalten würde. Solche mutigen Forderungen nebst Berichten über abgewiesene grüne Videoversuche mit eigenem Gerät gehen dann durch die Medien - und der potentielle Grünwähler darf sich entscheiden, ob ihm das par- lamentarisch präsente Bedürfnis nach mehr Parlamentsberichtser- stattung ein Wahlkreuz wert ist. Wege aus der Apokalypse II: Ein Zugpferd muß her! ------------------------------------------------- Um auch ohne permanente Live-Berichterstattung vom Treiben der gesetzgebenden Versammlung in der Öffentlichkeit "präsent" zu sein, hat Freda Meißner-Blau den nächsten Einfall aus dem Hut ge- zogen. Besagter Einfall respektiert den Grundsatz der demokrati- schen Öffentlichkeit, wonach sich die Relevanz, die Bedeutung ei- ner Meinung nicht an ihrem I n h a l t entscheidet, sondern am Amt und an der Macht dessen, der sie vorbringt. Damit die Grünen "im Gespräch" bleiben und damit ihre Existenzberechtigung "beweisen", braucht es eine "Persönlichkeit", die 1. im N a m e n d e r G r ü n e n spricht, die 2. Gehör findet in Presse und TV, weil sie die Grünen und damit einen Anteil an der politischen Macht vertritt, und die, sehr dialektisch, damit 3. Sympathie einfängt und so die Grünen voranbringt. Gewiß, ein Quantum Personenkult läßt sich da kaum vermeiden, aber so geht nun einmal Demokratie. Woher hat denn die SPÖ nach übereinstim- mender Meinung ihre Popularität, wenn nicht von Vranitzkys Film- schauspielervisage!? Die Qualifikation Voggenhubers, der sich auch sofort wie ein echter Parteiführer benommen hat ("Ich ver- lange den Vertrauensvorschuß einer 2/3 Mehrheit, sonst mache ich es nicht!"), besteht darin, daß schon früher im Salzburgischen Wähler auf ihn abgefahren sind. Sein schwerer Job besteht nun darin, im Pressekonferenzzirkus der Parteichefs und Generalsekretäre mitzumischen, "Stellung" zu neh- men, die Konkurrenz zu beflügeln - und vor allem "Begriffe" und "Positionen" für die Grünen zu "besetzen", am besten zu monopoli- sieren. Der Parteisprecher benutzt dabei jede politische Maßnahme und jedes gesellschaftliche Interesse, um eine Beziehung zu einem Politik-Ideal herzustellen und aus dieser Reflexion eine Stel- lungnahme zu basteln, vor allem aber, um durch unermüdliches Wie- derholen dem interessierten Publikum nahezubringen, daß der ei- gene Haufen besagtes Ideal ehrt und schätzt und deswegen Zustim- mung verdient - bis sich die erwünschte Assoziation beim Bürger gewohnheitsmäßig einstellt. So hat die Sozialdemokratie jahrelang vom guten, alten "Arbeitsplatz" gelebt, von seiner Gefährdung durch das Ausland und seiner Sicherung durch Kreisky, so versucht Jörg Haider den "Abbau der Politikerprivilegien" zu seinem Mar- kenzeichen zu machen, und die ÖVP möchte das Thema "Europa" auf ihre Fahnen heften. Daß es sich bei alledem nicht um reale poli- tische Zwecke handelt, sondern um Taktiken des Wähler-Einseifens und propagandistische Berechnungen, wird einer geneigten Öffent- lichkeit offenherzig mitgeteilt; diese Verlautbarung der Techni- ken und Hintergedanken der Selbstdarstellung und der damit ver- bundenen Absichten ist längst zu einem B e s t a n d t e i l der "Öffentlichkeitsarbeit" geworden. Das verhilft dem Bürger zu dem Gefühl, die Parteien "durchschaut" zu haben. Ein in der Demo- kratie sozialisierter Wähler registriert dabei vor allem, daß die Mächtigen allein seinetwillen, wegen seiner unmaßgeblichen Mei- nung und Sympathie ihre öffentlichen Verrenkungen, peinlichen Be- kenntnisse und mäßigen schauspielerischen Leistungen abziehen - und nimmt befriedigt bis geschmeichelt zur Kenntnis, wie sehr es doch in der Demokratie auf ihn ankommt. Welche Variante der Ein- seiferei die korrekte war, entscheidet er dann am Wahltag. Sonst aber auch nichts, deswegen setzt dieser ganze Zinnober eine "politische Kultur" voraus, der eine Beurteilung der Politik nach ihrem Nutzen, danach, was man eigentlich davon hat, gänzlich fremd ist. Dann ist die Verwechselung von Politik mit der mehr oder weniger gelungenen - d a r ü b e r konkurrieren die Par- teien schon noch! - Repräsentation von Staatsidealen ("Soziale Gerechtigkeit", "Modernisierung", "Gesunde Umwelt", "Wachs- tum"...) vollzogen und die Demokratie perfekt und vollendet. An der ihm übertragenen Sache kann der grüne Voggenhuber also gar nicht "scheitern"; ob er erfolgreich ist, entscheidet dummerweise der Vergleich mit der Konkurrenz. Probleme mit der Basis? ----------------------- P a r t e i e n haben ausgerechnet in der Parteiendemokratie nicht den allerbesten Ruf. Sie sind es zwar, die die Staatsnot- wendigkeiten beschließen und exekutieren; es existieren gar keine maßgeblichen politischen Zwecke und nationalen Interessen, denen die Gesellschaft verpflichtet ist, es sei denn, die regierenden Parteien beschließen sie. Es hat sich aber eingebürgert, die Par- teien von einem eigentlichen, von ihnen unabhängigen Staatszweck zu unterscheiden und sie als Diener dieses ihnen übergeordneten nationalen Interesses zu "begreifen". Die agitatorische Wucht dieser Trennung ist kaum zu überschätzen. Alle Unzufriedenheiten und Nöte, die ein Staatsprogramm so mit sich bringt, werden gewöhnlich aufs Konto der Parteien verbucht, die damit dem Staate schlechte Dienste leisten, und der Staat steht (auch) als Opfer der Parteien da. Alle irgendwie "negativ" bewerteten Erscheinungen sind so von der Nation, der Republik, dem Staat abgetrennt und den Parteien aufgehalst - d a s ist der wahre "Dienst", den die Parteien der Macht, die sie haben, leisten. Findige Politologen drücken das so aus, daß sie "zwar keine Poli- tikverdrossenheit, wohl aber eine Parteienverdrossenheit" er- forschen - so als gäbe es n e b e n d e r P o l i t i k, die die P a r t e i e n machen, noch eine andere, schönere. Das ha- ben die Grünen zwar nicht begriffen, sehr wohl aber bemerkt. Eine gewöhnliche Partei wollten sie nie sein, genauer, sie haben Weit auf den Ruf gelegt, keine Partei wie die anderen zu sein. Vor al- lem sollte die Partei das Mittel der Basis, der "Bewegung" sein, deren "Verbindung" zur Macht - und nicht die Basis bloß die Ge- folgschaft von Persönlichkeiten, die ihre Führungsqualitäten be- weisen, indem sie diese hinter sich versammeln. Insofern wider- spricht natürlich die Installierung von Galionsfiguren nach dem Vorbild der anderen Parteien ein wenig dem grünen "Selbstverständnis", genauer: dem Bild, das die grüne Partei von sich zeichnen möchte. Zuverlässig und wie bestellt melden sich daher bei solchen Gelegenheiten Basismenschen zu Wort und erzäh- len haarklein ihre Probleme mit ihrem "Selbstverständnis". Und damit ist die harmonische Auflösung dieser "Zerreißproben" auch schon in die Wege geleitet. Sie besteht darin, daß Führung und Basis ihr problematisches Verhältnis zueinander öfter mal öffent- lich problematisieren, wobei der schlaue Voggenhuber am lautesten nach einer kritischen Basis und bisweilen nach ihrer "Solidarität" verlangen wird. Was bei der Konkurrenz von der SPÖ die Jugendorganisationen zu erledigen pflegen - das vorlaute und unbeirrbare Gewissen der Partei zu mimen - dafür hat die grüne Führung ihren kompletten Anhang. Eine vorbildlich kritische und problematische Basis gehört nun einmal - zu dieser Partei wie die Faust auf's Auge - wenigstens das macht sie so unverwechselbar! Fazit: ------ Ausnahmsweise hat die bürgerliche Öffentlichkeit einmal vollstän- dig recht. Die "politische Landschaft", dieses faszinierende Bio- top, wäre ohne die Grünpartei wirklich ärmer - um die Grünpartei eben. Wenn man sich aber einmal nicht auf den Standpunkt eines "funktionierenden Parteiensystems" stellt, muß man zur Kenntnis nehmen, daß die Grünen zu all dem bereit sind, was die "Politikfähigkeit" einer Partei in der Demokratie ausmache Kein Stück A u f k l ä r u n g über irgendein Thema, dafür ein tak- tisches, auf Wählbarkeit berechnetes Verhältnis zu allem und je- dem; kein Angriff auf die v e r l o g e n e n s c h ö n f ä r- b e r i s c h e n Titel und Ideale der Politik, sondern der Versuch, sie für die eigene Partei zu beschlagnahmen; die Ausnutzung der demokratischen Autoritätsgläubikeit gegenüber Personen in Ämtern und Würden, vulgo "Amtsbonus" genannt; der kalkulierte Aufbau von "Persönlichkeiten" zu Wahllokomotiven, die ohne "argumentative" Umwege durch Zähneblecken Punkte sammeln und das alles - im Unterschied zu den Konkurrenzvereinen - umrahmt und ergänzt von einer widerlichen Dauerdebatte, wieweit derlei Praktiken dem "grünen Politikverständnis" entsprechen. Kurz: eine echte Bereicherung der "politischen Kultur"! *** Die grünen Parlamentarier haben ein Buch herausgegeben, in dem sie sich veröffentlichen. Aus einer grünen Rezension: "Republik im Fieber ist zu 90% nichts anderes als die Mitschrift der Reden unserer (grünen) Nationalratsabgeordneten im Parlament bei Sitzungen. Und das tut gut, das zu lesen. Sehr, sehr gut. (Endlich weiß ich wieder, warum ich sie gewählt habe.)" Im folgenden einige Kostproben grünen Abgeordnetentums. Für alle, die noch nie gewußt oder es auch nur schon wieder vergessen ha- ben, was sie an einem grünen Wahlkreuz haben: Eine nationale Katastrophenschutzfeuerwehr zur Ermöglichung be- rechtigter Interessensgegensätze "Österreich ist wie ein Haus, das von Feuer und Überschwemmung zugleich bedroht ist. Nur dann, wenn es seinen Bewohnern gelingt, diese Gefahren zu bekämpfen, haben sie auch Gelegenheit, durchaus berechtigte Interessensgegensätze untereinander auszutragen." (Abg. Meißner-Blau) Politische Ökonomie für das Hohe Haus "Ich habe das Gefühl, es hat sich in diesem Hause eines noch nicht herumgesprochen (der Redner zeigt ein Stück Brot, danach eine 1000S-Banknote): Das hier kann man essen und das nicht. (Beifall bei den Grünen)" (Abg. Wahl) Den programmatischen Unwillen, den demokratischen Kapitalismus zu kapieren "Ich kann und will nicht verstehen, daß immer nur die sozialen Ausgaben zum Sparen herhalten müssen und daß die Milliarden nie in Frage gestellt werden, die für internationale Großbetriebe, die ohnedies im Geld schwimmen, für die Bauwirtschaft, für die Kraftwerksbetreiber selbstverständlich immer und ausreichend da- sein müssen." (Abg. Srb) Staatsanwältliche Bekenntnisse zum demokratischen Gewaltmonopol "Ich betone noch einmal: Ich finde, daß kein Anlaß besteht, am Gewaltmonopol des Staates zu zweifeln. Ich bin froh darüber, daß ich erst später auf die Welt gekommen bin und daß ich nicht in der Zeit aufgewachsen bin, in der die strukturelle Gewalt, die Gewalt des Staates in unserer Geschichte mißbraucht worden ist gegen die Bürger, gegen Minderheiten, gegen die Bevölkerung." (Abg. Geyer) Leider keinen Abgeordneten zum US-Kongreß "Und ich sage Ihnen eines: Ich habe es nie so sehr wie heute be- dauert, daß ich nicht amerikanischer Kongreßabgeordneter bin (Heiterkeit bei SPÖ und ÖVP, denn dort hätte eine solche Zeugen- aussage dazu geführt, daß schonungslos aufgeklärt worden wäre - schonungslos aufgeklärt worden wäre! (Beifall bei den Grünen -, nicht so wie es jetzt von der Koalition vorexerziert wird, daß alles gemacht wird, um die Untersuchung der politischen Verant- wortlichkeit zu verhindern. (Abg. Dr. Schwimmer: Wandern Sie doch aus!) (Abg. Pilz, anläßlich der Noricum-Affäre) Kollegiale Neckereien ohne Schielen auf Publicity "Ich möchte Ihnen auf Grund Ihres schönen Auftritts ein kleines Abschiedsgeschenk machen. (Ruf bei der ÖVP: Aber kein Leibchen!) Das ist kein Leibchen, das ist symbolisch. Wir haben keinen Foto- grafen hier, damit der Josef mir nicht wieder vorwirft, ich habe es für die Presse gemacht. Das ist nur für meine lieben Freunde hier im Parlament. Darf ich Ihnen das überreichen, Herr Mini- ster." (Abg. Wabl überreicht Bundesminister Dr. Lichal ein großes schwarzes Tuch mit einer Abbildung der amerikanischen Filmfigur Rambo." Nationale Souveränitätsökologen "Nun treffen sich die Interessen einer nationalen Souveränität, unserer nationalen Unabhängigkeit, in dem engen Wirtschaftsge- fecht Europas und der Welt - und das ist kein Zufall - mit Inter- essen der Umwelt und der Ökologie." (Abg. Meißner-Blau) zurück