Quelle: Archiv MG - EUROPA AUSTRIA - Unsere neutrale Ostmark


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VIEL GLÜCK, GERTRUDE!

Die Pädagogin Dr. Gertrude Brinek, derzeit Assistentin bei Prof. Heitger, hat es geschafft. Demnächst zieht sie als National- ratsabgeordnete ins Parlament ein, und schon jetzt muß sie mit himmelschreienden Unwahrheiten der bürgerlichen Presse zu leben lernen. Daß Getrude der "spin off" des Staatsarchivs genannt wird, weil nur darüber das Abgeordnetenmandat für sie frei wurde, ist eine ebenso skandalöse Verfälschung ihrer Berufseignung zum Parlamentarier wie das Gerücht, daß die wesentliche Qualifikation der Neo-Abgeordneten in ihrem Geschlecht (Stichwort: "Frauenquote in der ÖVP") zu suchen sei. Wahr ist vielmehr, daß ihre pädagogischen Studien Frau Dr. Brinek wie keine zweite für das politische Amt prädestinieren - und das nicht bloß deswegen, weil man als Politiker gar nichts falsch machen kann. Wir wagen zu prophezeien: Schon sehr bald wird sich die jetzt noch skeptische Öffentlichkeit fragen: "Wie ist Fragen als Prinzip möglich... Wer fragt, sieht die Fragwürdigkeit..." Diese sehr grundsätzliche Herangehensweise der Pädagogin wird vor allem diesen fragwürdigen Machern gut tun, die sich mit der mehr als vordergründigen Ansicht begnügen, daß Politik machen auch schon ihre beste Legitimation sei. Welche spezielle Aufgabe Dr. Brinek in der ÖVP-Abgeordnetenmannschaft übernehmen wird, ist noch nicht heraußen, aber auch einerlei: Gerade ihr prinzipielles Beharren auf Moralität in der Politik läßt sie für alle Fachgebiete geeignet erscheinen. Welchen Fachminister können etwa Hinweise der Neoabgeordneten gleichgültig lassen wie dieser: "nicht alles, was gilt hat auch schon Gültigkeit!" Überhaupt sind von der Brinek Beiträge zur politischen Entscheidungsproblematik zu erwarten, nach denen im Grunde immer schon verlangt wurde: "Das Wissen läßt sich nicht völlig realisieren. Es geht um das Drängen nach Aufhebung der Diskrepanz von Wissen und Nichtwissen, ohne die Einheit zu erreichen... Die Diskrepanz kann nur relativ aufgehoben werden." So grundsätzlich die Infragestellung des bloßen Politikmachens durch die engagierte Pädagogin sicher ausfallen wird: Ausfälligkeiten gegen Amt und Würden wird es ihrerseits Gott-sei- Dank nicht geben. Denn nicht nur, daß ihr kritisches Hinterfragen auf die Anerkennung des hinterfragten "Problems" nie verzichtet; ihre Verbesserungsvorschläge sind von so grundsätzlicher Natur, daß sie die Abgeordneten über alle unschönen Graben- und Flügelkämpfe, Parteiengezänk und Profilierungsneurosen sicher einigen helfen. Angesichts abgeklärter Weisheiten wie folgender sehen wir dem kommenden Streit um die Verarmungsalternativen der Pensionsreform gelassen entgegen: "Wo es Alternativen gibt, muß man sich entscheiden. Jede Entscheidung des Menschen mißt der Sache eine Bedeutung zu, er hält sie für wichtig und wert. eine Auswahl von Entscheidungs- alternativen zu treffen." Falls selbst das noch zu brisant ist, erinnern wir Gertrude Brinek gerne an uns unvergeßliche Weisheiten ihrer letzten Vorlesung. Parlamentarischen Kleingeistern muß erst der Blick auf wesentliche Gemeinsamkeiten geöffnet werden: "Wir alle haben ein Problem. Und damit auch schon ein Wissen darüber." Für einen entscheidenden Beitrag zur politischen Legitimationsfrage ist damit auf jeden Fall gesorgt. Daß Politik und die Frage nach ihrer Gültigkeit ein unendlich schweres Geschäft ist, wird uns Gertrude sicher nicht vergessen lassen. Das ist wohl auch das Wichtigste in einer Zeit respektloser Politikverdrossenheit". zurück