Quelle: Archiv MG - EUROPA AUSTRIA - Unsere neutrale Ostmark


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       Der unaufhaltsame Aufstieg des Josef Cap:
       

EINE POLITISCHE BILDERBUCHKARRIERE

Einst: "Keine weitere Umverteilung von den Armen zu den Reichen... Ich bin gegen eine Profitlogik, die ungerührt die Existenz tausender Menschen in Frage stellt. Was da an vermeintlichen Modernisie- rungsstrategien vorgeschlagen wird, ist ein Rückfall in übelsten Manchesterkapitalismus und widerspricht allen sozialistischen Grundsätzen. ... Sozial gerecht ist es, wenn jeder für seine Ar- beit auch eine entsprechende Entlohnung und soziale Sicherheit bekommt." Jetzt: "Was in Österreich zu kurz kommt, ist die Normierung durch die Marktkräfte. Ich finde es nicht schlecht, wenn in den nächsten Jahren Druck in Richtung Rationalisierung, Effizienzsteigerung und Steigerung der Produktivität ausgeübt wird." "Mir sind in den letzten Jahren Euter im Parlament gewachsen bei den vielen Subventionsansprüchen, die da auf einen zukommen. Da sitzt man bald nur mehr wie eine Melkkuh dort. Wir laufen Gefahr nur mehr Geld von den wenigen produktiven Bereichen in unproduk- tive Bereiche zu verlagern. Das hat mein Weltbild konkretiert und bruchstückhaft verändert." Wer damals auf den "Linken" Cap gehofft hat, fühlt sich heute enttäuscht oder verraten. Die andere Seite zitiert den "roten Seppi" genüßlich als Beweis daß auch der linkeste Weltverbesserer in der politischen Praxis seine Ansprüche an der Wirtschaftsver- nunft auszurichten und zu relativieren hat. Die breite Mehrheit der Journalisten delektiert sich an der Wendigkeit, mit der der Abgeordnete Cap sein Weltbildfähnchen nach dem politischen Wind steckt. Der fragwürdige Genuß besteht ausschließlich darin, einen linken Moralriesen als den Machtopportunisten und Karrieristen vorgeführt zu bekommen für den man ihn heimlich immer schon ge- halten hat. Neben allen Süffisanzen wird die Zeitgeistigkeit des Josef Cap auch schon wieder bewundert: Charakterlosigkeit mit Er- folg betrieben ziert eben einen Vollblutpolitiker. Eines freilich will keiner bemerken: wie gut die Caperlschen Standpunkte von einst und jetzt zusammenpassen. Josef Cap bat sich in der Kreisky-Ära als linker SP-Rand um die Betonung der Gleichung verdient gemacht, wonach Arbeiterinteres- sen (und nicht nur diese) mit der kapitalistischen Marktwirt- schaft sehr wohl vereinbar sind. Daß er mit diesem konstruktiven Idealismus sehr schnell als Revoluzzer und "nützlicher" Chaot in der eigenen Partei abgestempelt war, hat ihn in keiner Weise an seiner politischen Botschaft zweifeln lassen. Vielmehr sah sich Cap in der Meinung bestätigt daß die "Profitlogik" bis in weite Teile der eigenen Partei und des Gewerkschaftsbundes hinein- reicht, weswegen es Leute wie ihn für die Kunst umso dringlicher bedurfte, den Kapitalismus "sozial" und "gerecht" und "menschlich" werden zu lassen. Mit seinen kritischen Kategorien "Profitlogik" und "Manchesterkapitalismus" gelang es ihm, die je- weiligen marktwirtschaftlichen und sozialpolitischen Härten in lauter V e r f e h l u n g e n und R ü c k f ä l l e umzu- dichten. Damit war die Vorarbeit geleistet, um ungeachtet der be- ständigen praktischen Widerlegung des behaupteten Gleichklangs von Arbeiter- und Wirtschaftswohl die verrückte Perspektive am Leben zu erhalten, daß Kapitalismus und Demokratie vor allem in ihrer prinzipiellen V e r b e s s e r u n g s m ö g l i c h- k e i t bestünden. Kapitalistische Demokratie ist gut und für die Leute da, wenn man sie nur die - als (noch) nicht realisierte Möglichkeit sollte man seine Nation schätzen und vor allem Cap wählen, der dann mit den Mißständen und Verfehlungen aufzuräumen gedächte. Bei den Proleten konnte man damit nie groß Eindruck schinden, waren die doch immer schon mit der perspektivloseren Perspektive beschäftigt, mit den jeweiligen Arbeits- und Armutserfordernissen ihrer Herren zurechtzukommen und dabei brav zu bleiben. Für engagierte Aufsteiger, die neben den materiellen Vorteilen ihr Lehrer-, Juristen-, Ökonomendasein auch noch um einen gesellschaftlichreformatorischen Sinn aufgewertet sehen wollten, war der alte Cap einmal 60.000 Vorzugsstimmen wert. Stand er doch für den Gedanken, daß eine bourgeoise Karriere völlig in Ordnung geht, weil jeder an seinem Platzerl das Bestmögliche - was immer das auch sei - zur Verbesserung unserer Gesellschaft beitragen kann und soll. Den guten Glauben in die Politik will der politische Charakter Josef Cap heute wie damals bedienen. Bloß heute genau umgekehrt. Wollte er damals mit dem immerhin möglichen arbeiterfreundlichen Charakter der Wirtschaft für die Parteigängerschaft mit ihr wer- ben, so sieht er heute in der erfundenen A u s n u t z u n g (als ob auch nur ein Bürger an den Capschen Zitzen Labung fand!) des nationalen Reichtums durch lästige Anspruchsdenker das wahre Übel. Den wirklichen Opportunismus dieser Figur hat schon deswe- gen keiner seiner Kritiker bemerkt, weil es zugleich ihr eigener ist: die nationalistische Selbstverständlichkeit, seine Einstel- lung an den Erfordernissen von Wirtschaft und Nation auszurich- ten. Schon der alte Idealismus des Seppi Cap war in aller Ver- rücktheit der Konstruktion sehr realistisch und dem damaligen ideologischen Selbstverständnis der Demokratie als "Wohlstands- und Verteilungsgesellschaft" angepaßt. Schließlich reizt das Ko- kettieren mit einem möglichen Nutzen nur dann, wenn der wirkliche ausbleibt. Für das Festhalten an dem Dogma, daß man es doch ir- gendwie ganz gut getroffen hat, tut die Möglichkeitslogik schon deswegen ihre guten Dienste, weil sie sich in ihrer Zustimmung nie von wirklichen Zuwendungen abhängig macht. Der "neue" Cap hat anläßlich kontinuierlich ausgebliebener Ver- staatlichtenprofite und "Haushaltssanierung" von seinem Freund Vranitzky, dem "ich inhaltlich heute am nächsten stehe", nur ei- nes "dazugelernt". Denselben Leuten, die sich in "besseren Zei- ten" mit der ausgemalten Möglichkeit auf Besserstellung zufrie- dengaben, muß in von der Politik ausgerufenen "schweren Zeiten" sofort die politische Wahrheit einleuchten, die der Jungpimpf Cap jahrelang bekämpfte: die U n v e r e i n b a r k e i t von Wirtschaftswohl und Bürgeransprüchen. Weil Nationalismus sich auf den einen Opportunismus zusammenkürzt, seine Vorteilsrechnung nach den Kriterien der Politik aufzustellen und in dieser Mitma- chergesinnung Staat und Ökonomie als absolute Bedingungen seines Fortkommens anzuerkennen, heißt die Mitmachervernunft in der Krise schlicht und einfach Bürgeropfer. Also gestattet Cap seinen politischen Charakter in das demonstrative Bekenntnis um, daß ausgerechnet die von ihm, hofierten und eingebrachten Bürgeran- sprüche die Krise von Profit und Staatseinnahmen heraufbeschwö- ren. Also plädiert der Seppi f ü r die ehemals verdammte "Profitlogik" und die Freiheit der "Marktkräfte", die außer viel Arbeit und Arbeitslosigkeit für den kleinen Mann nichts vorsehen. Gerade in der Radikalität seines Kreuzzuges gegen "gewachsene An- sprüche" entdeckt er die Grundlage seiner eigenen Glaubwürdig- keit. Er will seinen "Lernprozeß" als "Mut" und "Pflicht" aner- kannt wissen und setzt dabei genau auf die nationalistische Cha- raktereigenschaft, die ihm seine enttäuschten Fans vorwerfen: auf den Opportunismus der Bürger. Motto: 'Wenn selbst der Cap zugibt, daß wir über unsere Verhältnisse gelebt haben', dann braucht man für die Gültigkeit dieses Spruchs erst recht nicht nachrechnen, wobei man sich eigentlich so furchtbar viel herausgenommen haben sollte. Falls die Anzahl der neuen Freunde des Josef Cap die ent- täuschten alten Freunde überwiegt, wird der Josef glatt noch ein- mal Minister, und die jetzt süffisanten Journalisten erklären ihn rundweg zum politischen Genie. zurück