Quelle: Archiv MG - EUROPA AUSTRIA - Unsere neutrale Ostmark
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Einen Monat nach der radioaktiven Wolke
Einen Monat nach dem Reaktorunfall von Tschernobyl bietet das
verstrahlte Österreich vor allem ein strahlendes Bild nationaler
Eintracht:
- eine r ü c k h a l t l o s g e e i n t e N a t i o n mit
einer unverschämt glaubwürdigen Führung, die sich angesichts ei-
nes gebauten, aber "leider" nicht eröffneten AKWs mit jedem mil-
lirem die Güte und Menschenfreundlichkeit ihrer Herrschaftsaus-
übung bestätigen läßt.
- ein g e m e i n s a m e r F e i n d, das Ausland, das "keine
Recht" hat "uns" zu bedrohen und es trotzdem tut. Vor allem der
Osten, weil dort gleich das Unrecht des Systems mit herüber-
strahlt; aber auch an westlichen Staaten, vor allem der Führungs-
macht BRD, führen österreichische Politiker den Beweis, daß ihre
Bürger es mit ihnen saugut getroffen haben und leiten aus ihrem
"Atomverzicht" ein "moralisches Recht" auf sanfte Einmischung ab.
- eine d i e n s t t u e n d e u n d p f l i c h t b e-
w u ß t e H e i m a t f r o n t, die sich zu der atomaren
Bestrahlung auch die jeweils gültige obrigkeitliche Lagebeur-
teilung gefallen läßt, die in nanocurie vermessen den politischen
Imperativ erteilt: Wie stark die Strahlung auch immer - sie darf
nicht zu einer Gefährdung von Ruhe und Ordnung angereichert
werden! Die leider zutreffende Hilflosigkeit gegen die
schädlichen Strahlen verwandeln die Bürger selbstverständlich in
den staatsbürgerlichen Auftrag, auch mit dieser Belastung fertig-
zuwerden. Entweder mehr Duschen und kein Spinat oder einfach so
weiter wie bisher. Dafür ist man mit seinem Schicksal in der De-
mokratie nicht allein gelassen. Der Kurier, servicefreundlich wie
immer, hilft mit seinem "täglichen Strahlenservice für unsere Le-
ser" und ab und an der konstruktiven Anfrage, ob die Werte auch
wirklich ganz genau vermessen wurden. Und feiertags darf man end-
lich wieder nach Music for Peace und Hunger gegen den Atomtod
rocken. Die Truppe betreut sich gleich auch noch selbst. Kurz:
Das Atom"unglück" erweist sich als einziger politischer Glücks-
fall - die Nation steht in der schweren Stunde geeint wie sich's
gehört mit dem richtigen (Staats-)Feind im Visier und beweist
solcherart, daß sie zumindest moralisch wirklich für jeden
"Ernstfall" bestens gerüstet ist.
Weil uns dieser Tatbestand einigermaßen beunruhigt und weil wir
partout nicht einsehen können, wie eine Strahlenverseuchung für
politische Herrschaft sprechen soll: im folgenden
EINIGE BESCHEIDENE ANFRAGEN AN VERSTRAHLTE DEMOKRATEN
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- Soll die atomare Verseuchung von Mensch und Vieh nach dem rus-
sischen Gau wirklich für die heimischen Politiker als adäquater
Strahlenschutzschild sprechen?
Stimmt ja, in Österreich gibt es kein AKW. Aber ist es nicht ein
recht eigenartiges Bedürfnis, der eigenen Verstrahlung noch die
schöne Seite abzugewinnen, daß zumindest diesmal der Schaden
nicht auf das Konto der eigenen, sondern
a u s l ä n d i s c h e r Politiker geht? Vor allem aber: Wen
belobigt man denn damit so rückhaltlos? Ausgerechnet jene Politi-
ker, die "unsichere Energiemärkte", "negative Zahlungsbilanzkri-
sen" und "mögliche weltpolitische Krisen" für hinreichend gute
Gründe hielten, ihre Bürger auch noch mit garantiert einheimi-
schen Atomstrahlen anzureichern. Die nach dem allseits uner-
wünschten Volksabstimmungsergebnis in den "horrenden Investiti-
ons- und Wartungskosten" für Zwentendorf einen weiteren "guten
Grund" entdeckten und die Öffnung des AKW in jedem Energiebericht
als politische Absicht deklarierten. Diejenigen, die sich bislang
noch nicht über den "politischen Preis" - Regierungsbeteiligung
der ÖVP - einigen konnten und gerade jetzt wieder als Ausweis ih-
rer Atomgegnerschaft ihre Verkaufsstrategien und Probleme für den
Reaktor servieren; damit er um einen guten Preis woanders
strahlt.
Diesen feinen Herrn kam der Atom"unfall" gerade recht. Aufgrund
ihres kleinen politischen Mißgeschicks "Zwentendorf" wollen sie
aus der Verstrahlung ihrer Bürger vor allem den Zynismus gelernt
haben, daß sie sich von Russen Deutschen, Schweizern und Franzo-
sen als besonders besorgte und verantwortungsbewußt Herrscher un-
terscheiden.
- Soll man den österreichischen Politikern darin Glauben schen-
ken, daß sie aus Tschernobyl "gelernt" hätten?
Wie soll denn das gehen? Sollten der Gesundheitsminister Steyrer,
Sinowatz oder Kreisky von den Gefahren der Atomkraft n i c h t
gewußt haben, als sie den Strahlenalarmplan für Zwentendorf
ausarbeiten ließen? Wofür denn de Millionenaufwand und die
anschließende Angberei mit Berstschutz, containments oder über-
haupt des überlegenen freiheitlich-demokratischen Sicherheitssy-
stems, wenn nicht für de verrückten Beweis, daß man mit jedem
weitere Betonmantel eine prinzipiell nicht beherrschbare
Technologie um ein paar Wahrscheinlichkeitsgrade mehr unter
Kontrolle hat als die drüben? Was sollen eigentlich die
kontinuierlich auch in unfallfreien Zeiten stattfindenden
Strahlenmessungen bzw. die Hochrechnung der Strahlenbelastung,
die vom Schutzmantel funktionierender AKWs ausgeht (für
Zwentendorf im ersten Jahr 0,06 millirem), wenn man nicht wüßte,
daß mit zunehmender Verwendungsdauer die KKWs ein einziges
strahlendes Objekt darstellen, ganz ohne Unfall? Im übrigen:
D a ß solche Unfälle passieren, waren auch den Verfassern eines
extra dafür ausgearbeiteten Katastrophenschutzplans geläufig, den
der Gesundheitsminister in Auftrag gegeben hat. Der Schrecken,
von dem sich eben diese Politiker jetzt befallen fühlen, ist
erstens verlogen und taugt zweitens recht wenig für Bekehrung.
Welche der regierungsamtlichen Argumente für Zwentendorf sollten
denn durch den Unfall in der Ukraine entkräftet worden sein? Sind
"wir" deswegen in unserer "Energiegrundlage" jetzt weniger
"krisenanfällig" geworden? Umgekehrt ist es doch: Aus dem
Atomunfall "lernt" jeder genau das, was er vorher auch schon in
Sachen Atomkraft vertreten hat. Die Atomstaaten "lernen" daraus,
daß beim Betrieb solche Opfer durch ihre grundvernünftigen Vor-
kehrungen vermieden gehören; Österreich "lernt" bis zu den näch-
sten Wahlen bzw. der nächsten "Energiekrise", daß s e i n e Re-
gierung die geplante Atomkraft im Interesse der Bevölkerung aus-
gesetzt hätte - woraus man wiederum nur eines "lernt": den Wunsch
nach starker Führung und politischer Betreuung in Sachen Strah-
lenangst.
- Soll man für die demokratische Informations- und Schutzpolitik
den Politikern dankbar sein?
Oder soll man die Bundesregierung wegen bekanntgewordener Fehl-
und Desinformationen kritisieren - und auffordern, "ehrlicher" zu
informieren?
Weder noch: Denn erstens taugen Informationen über den Grad der
Verstrahlung ohnehin nur zu der beruhigenden Feststellung, daß
man sie hier bekommen kann und sie den Russen angeblich fehlt.
Auf keinen Fall helfen mehr und genauere Informationen bei der
Erhaltung oder Wiederherstellung der kaputten Physis. Da kann man
auch mit genauer Kenntnis der Strahlendosen außer Duschen und ei-
ner kaum einhaltbaren, weil so umfassenden Diät nichts tun.
Vor allem aber verkennen beide Positionen die Härte dessen, was
s t a a t l i c h e I n f o r m a t i o n s p o l i t i k aus-
macht. Diese gibt es hüben wie drüben gleichermaßen und wird von
einer Absicht getragen, die sich die politischen Führer als ihre
"Verantwortung" für Freiheit, Sozialismus hochanrechnen. Die ein-
zige Gefahr, die Politiker bei Katastrophen wirklich fürchten und
gegen die sie bedingungslos ankämpfen ist die Gefährdung des ge-
regelten Ablaufs ihrer Herrschaftspraxis. Daher dienen ihre gan-
zen Betreuungsmaßnabmen der Betroffenen vor allem dem Zweck,
diese u n t e r K o n t r o l l e zu behalten. Damit die Leute
sich nicht aufgrund ihrer Angst plötzlich gehen lassen, ihren
Aufgaben nicht mehr nachkommen, des Vertrauens in die Obrigkeit
verlustig gehen und solcherart ohne viel böser Absicht den Willen
zum Regiertwerden missen lassen - damit das alles nicht passiert,
werden sie von Politikern in Ost und West mit becquerel und mil-
lirem Fund um die Uhr informiert - wobei die Botschaft dem Ge-
sundheitsminister gleich zur stehenden Phrase geworden ist.
Gleichgültig welche Werte er gerade wieder durch den Äther haucht
- die Botschaft folgt bei Fuß: "Kein Grund zur Panik!" und faßt
den Auftrag zusammen, der mit der Informationspolitik an die Bür-
ger ergeht: Nehmt alle veröffentlichten Strahlenwerte als Impera-
tiv, Euch ordnungsgemäß auf den Schaden einzustellen! Weil der
berechnende Umgang mit den Verstrahlten die Absicht der Informa-
tionspolitik ist, weil die Regierten in solchen Situationen aus-
nahmsweise nicht ihr Wohl in den staatlichen Maßnahmen entdecken
können, ist Desinformation und Lüge die entsprechende Verlaufs-
form. Darin gibt es keinen Unterschied zwischen Ost und West. Und
für diese Schweinerei muß man nicht auch noch den Idioten spielen
und um "mehr Information" bitten. Davon gibt es ständig viel zu
viel.
- Spricht der Gau wirklich für mehr Zivilschutz und Landesvertei-
digung?
1. schon deswegen nicht, weil der Ausbau von Zivilschutz und Lan-
desverteidigung ohnehin auf der Tagesordnung von Innen- und Ver-
teidigungsministerium stehen. Das haben die jeweiligen Admini-
strativen auch nicht vom Gau ge"lernt", sondern sich in ihren 10
Jahre alten Landesverteidigungsplan hineingeschrieben.
2. Mit der Logik, daß die Atomstrahlen "uns" zu "Sicherheits-
vorkehrungen" verpflichten, verfestigen die Verantwortlichen den
lustigen demokratischen Einfall, ihre e i g e n e Kriegsvor-
bereitung als einziges Menschenschutzprogramm "Zivilschutz" zu
beschönigen. Schon der zeitliche Umstand, daß es Reaktoren und
die dazugehörigen Unfälle seit nunmehr 20 Jahren in unserer
näheren Umgebung gibt, die Strahlenschutzräume aber erst
geschaffen werden, straft den Zweck: Schutz vor Strahlenunfällen,
einigermaßen Lügen. Daß für den Kriegsfall für die Bevölkerung
"Schutz" beabsichtigt ist, gehört ebenfalls zu den Ideologien,
ohne die keine Landesverteidigung zu haben ist. Warum sollte im
Krieg, dem Zustand also, wo der Staat für seine Souveränität sein
Menschenmaterial opfert, ausgerechnet die Zivilbevölkerung
"geschützt" werden? Wenn, dann nur aus einem Grund, der auf die
kämpfende Truppe freilich mindestens genausogut paßt: weil sie
wichtige F u n k t i o n s träger - erst recht im Spannocchikon-
zept - für die Logistik der kämpfenden Truppe sind. Insofern wird
auch nicht die Bevölkerung "geschützt", sondern die Funktionsfä-
higkeit von als entscheidend angesehenen Gruppen des Volkskör-
pers. Mit der erfolgreichen Aufrüstung hat der Z i v i l-
s c h u t z eine ungemeine Aufwertung als Stützpfeiler der
Landesverteidigung erhalten, weil es im Atomkrieg von ent-
scheidender Bedeutung sein kann, ob einer der Kampfparteien we-
sentliche Teile ihrer Mannschaft entzogen werden. Genau diese
überlegungen und Vorkehrungen der eigenen Nation wollen einem die
Politiker anläßlich des Gaus als vernünftige Lehre aus diesem
schmackhaft machen! Damit "wir" auch im Kriegsfall die Vorausset-
zung zur Verfügung haben, ohne "Panik" und in Ruhe und Ordnung
die vorgesehenen Funktionen zu erfüllen. Politiker sind ebenso
gefährlich wie Atomstrahlen!
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Bürgerbeschimpfung als AKW-Gegnerschaft
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Einhellige Lehren aus Tschernobyl:
"Ich vertrete den Standpunkt, daß wir auf die Kernkraft
verzichten müssen, weil es demokratiepolitisch anders nicht mehr
geht." (Kohlmaier, ÖVP)
"Die Akzeptanz der Kernenergie ist von der überwiegenden Mehrheit
der Bevölkerung offenkundig nicht mehr gegeben." (SPÖ-Ener-
giesprecher Heindl)
"Eine Volksabstimmung über Zwentendorf hätte heute keine Chance
auf ein positives Ergebnis." (Energiestaatssekretär Schmidt, SPÖ)
"Derzeit kommt die Kernkraft für Zwentendorf nicht in Frage. Das
sind sicherlich die psychologischen Auswirkungen von Tscherno-
byl." (ÖVP-Abgeordneter Manndorf)
Was spricht gegen eine verstrahlte Zukunft: Die Bürgeridioten,
die sich jetzt Zwentendorf erst recht nicht einreden lassen. - So
geht "Umdenken" nach dem GAU!
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Gefahr durch Sicherheitsmaßnahmen
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"Wir haben bei jeder Maßnahme größte Gewissensqualen", stöhnt Nu-
klearmediziner Höfer, der gleichzeitig in der Reaktorsicherheits-
kommission sitzt. "Wir müssen jede Verängstigung der Bevölkerung
vermeiden." (profil)
"Eine Panik würde wesentlich mehr Unheil anrichten als die Strah-
len selbst." (Kreuzer)
Sehr umsichtig gedacht: Die größte Gefahr ist sich die Bevölke-
rung selbst. Ruhe und Ordnung ist die erste Bürgerpflicht. Und
wenn man ihnen schon nicht trauen kann, daß sie verstrahlt ihren
Alltagsaufgaben nachkommen, als ob nichts wäre, dann ist es nur
vernünftig, wenn man sie anlügt, daß sich die Balken biegen!
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Die freie Presse hat gemessen: was erlaubt ist, kann man essen!
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"Gerade in den ersten Wochen der radioaktiven Strahlenbelastung
muß man besonders umsichtig seinen Essensplan zusammenstellen...
besonders vor Honig und Schafkäse ist zu warnen... Unser Strah-
lenservice bietet unseren Lesern ausreichend Information für
einen vernünftigen und trotzdem abwechslungsreichen Diätplan."
(Kurier)
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Was nicht tötet, ist gesund
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"Es herrscht keine akute (!) Strahlengefährdung. Wenn Sie die
ausgegebenen Schutzmaßnahmen einhalten, ist es äußerst unwahr-
scheinlich, daß Sie und ihre Familie gefährdet sind." (Kreuzer)
So lernt man wenigstens, was demokratische Gesundheitsminister
für unbedenklich halten: wenn man nicht gleich tot umfällt,
braucht man sich keine Sorgen zu machen, sondern bloß immer gut
die Schuhe abputzen!
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