Quelle: Archiv MG - EUROPA AUSTRIA - Unsere neutrale Ostmark
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Österreich
REKRUTENVEREIDIGUNG IM KZ
Am Nationalfeiertag begeht die Alpenrepublik den Jahrestag der
Proklamation ihrer "immerwährenden Neutralität". Heuer hat sich
der "jugendliche" Verteidigungsminister, 39, etwas Besonderes
einfallen lassen.
Ort der Inszenierung: das KZ Mauthausen, Appellplatz; die Perso-
nen und ihre Darsteller: Rudolf Kirchschläger als Bundespräsi-
dent; Friedhelm Frischenschlager als Verteidigungsminister, 600
junge Menschen als Soldaten; die Handlung: Zum Nationalfeiertag
der Republik Österreich demonstriert die politische Führung, daß
sie für die "kleine, neutrale Nation" (Kirchschläger) gar nicht
so kleine und neutrale Ziele ins Auge faßt. Die "Friedens-
aufgabe", die sie der Alpenrepublik auferlegt hat, geht
jedenfalls über deren Grenzen beträchtlich hinaus - bis über die
"Mauern und Stacheldrahtzäune, die sich quer durch Europa ziehen
und sogar Städte, teilen". (Frischenschlager) Mit "seiner unge-
wöhnlich durchdachten, ungewöhnlich gut formulierten Rede" bringt
der Verteidigungsminister die 600 Statisten der Veranstaltung
dazu, sich per Eid spontan auf das zu verpflichten, "was wir ver-
teidigen wollen". Und der Bundespräsident liefert zu diesem dra-
matischen Höhepunkt die passende feierliche Würdigung:
"Heimatliebe läßt sich nicht erzwingen."
Die Moral: Das KZ Mauthausen war der ideale Platz für diese Feier
des nationalen Pflichtgefühls. Man soll sich vorstellen, daß "es
ein Österreich innerhalb eines solchen Zaunes zu verhindern
gilt". Und das, indem man sich vorstellt, der österreichische
Staat wäre im KZ terrorisiert worden durch den Faschismus als
böse Fremdherrschaft -, als wären es nicht hunderttausende Men-
schen gewesen, die dort staatlich organisiertem Terror ausgelie-
fert waren. Die Anti-Moral: Was geht einen Menschen in Österreich
eigentlich das "Grenzzaunproblem" an, das seine Politiker
"zwischen den Blöcken" ausmachen und im Namen der "Freiheit"
(gegen wen geht die wohl?) anzugehen versprechen. Genauer gesagt,
haben sie ihr Volk zum Ehrentag der Nation versprechen lassen,
sich mit Haut und Haar dafür einzusetzen. Die Vereidigung junger
Wehrpflichtiger auf die "Friedensaufgabe" Österreichs stand für
diesen Anspruch einer wehrhaften Demokratie, die sich zwar nicht
im NATO-Bündnis befindet und dort stark machen kann, aber natür-
lich auch in dessen Windschatten die Zeichen der Zeit mitbekommen
hat und fleißig gegen Osten hetzt.
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