Quelle: Archiv MG - EUROPA ALLGEMEIN - Ein Zentrum des Friedens
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Gemütlich, liebenswert, friedlich, erstrebenswert?
DIE EUROPA-LÜGE
Wer Europa schreit, gilt nicht als Nationalist. Das ist verkehrt.
Unterstellen wir einmal, daß das propagierte Ideal von Europa Re-
alität wird. Nehmen wir tatsächlich einmal an, daß Nationen, die
bis heute auf jedes Fitzelchen Staatsgebiet größten Wert legen,
tatsächlich beschließen, ihre Souveränität abzugeben. Ist die
dann einfach weg? Oder geht sie dann nicht eher in einer größe-
ren, mächtigeren Souveränität auf? Eine Souveränität, der ein
riesiges Potential an Land und Leuten unterworfen ist, also eine
neue Weltmacht, größer und mächtiger als ihre Vorgänger - d a s
soll ein vereintes Europa gemütlich machen?
*
Europa, so ein Kanzlerwort, soll "ein 328-Millionen-Markt" wer-
den. Inklusive der Ex-DDR inzwischen knapp 350 Millionen Mal
Kaufkraft für das europäische Kapital, fast ebensoviel wirkliche
und potentielle Arbeitskraft, traumhafte Umsätze, einsame Spitze
in Sachen Produktivität und eine Kapitalakkumulation, daß es nur
so kracht. Ein Standort Europa, der die ausländische Konkurrenz
in Japan und den USA leicht in den Sack steckt und der seinem
Staat so viel Reichtum in Form der einheitlichen Währung be-
schert, daß das Verdienen dieser Währung zum Überlebensinteresse
aller außereuropäischen Konkurrenten wird. Das monatliche Nach-
zählen der Arbeitslosenzahlen dauert dank modernster Computer-
technik nur unwesentlich länger als zuvor, und es wird kein be-
sonderes Problem sein, sich an die größeren Zahlen zu gewöhnen.
Denn auch in dieser Beziehung setzt dieses Europa die Maßstäbe
für den Weltmarkt, an denen sich die anderen zu bewähren haben.
Ein Kontinent der grenzenlosen Freiheit fürs Kapital mit all sei-
nen menschenfreundlichen Wirkungen auf die, die keines haben -
d a s soll ein vereintes Europa lebens- und liebenswerter machen?
*
Wo viel Reichtum herrscht, da gibt es viel zu sichern. Was, bit-
teschön, soll eigentlich so schön sein an einem vereinten Europa
mit seinen gewachsenen Sicherheitsbedürfnissen? Daß es statt Bun-
deswehr, Force de Frappe, Royal Navy, Fremdenlegionen etc. dann
nur noch eine europäische Armee geben soll? Soll die dann viel-
leicht keine Atomwaffen, Giftgas und modernstes konventionelles
Kriegsgerät besitzen? Was soll eigentlich deren kleinen Vorläufer
im Schwäbischen, die deutsch-französische Brigade, weniger
furchterregend machen als eine rein deutsche oder französische?
Daß die Deutschen endgültig ihren Erbfeind vergessen und wirklich
nie wieder auf Paris marschieren? Sondern gemeinsam dann eben in
andere Weltgegenden, von denen aus die Destabilisierung unserer
Ordnung droht? Eine Macht, die bestimmt, wie der Weltfrieden aus-
zusehen hat und wer als Störer mit "Strafaktionen" rechnen muß -
d a s soll ein vereintes Europa friedlicher machen?
*
Wer Europa schreit, gilt nicht als Nationalist. In einem Sinne
ist das auch wahr. Die eigene Nation ist dem Europa-Internationa-
listen immer zu klein.
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Das Motto für die europäische Einigung:
Nationalisten aller Länder, vereinigt euch!
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