Quelle: Archiv MG - EUROPA ALLGEMEIN - Ein Zentrum des Friedens
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WAHLKAMPF IN EUROPA
1.
"Europa" hat sein Parlament wählen lassen, und Wahlsieger gibt es
exakt so viele wie Nationen, die mit Sitz und Stimme ihr "großes
Einigungswerk" repräsentieren. Denn jede von ihnen hat ihr eige-
nes Stimmvieh zu dem sehr symbolischen Zweck antreten lassen, mit
einem JA für den außenpolitischen Erfolg der eigenen Regierung in
Europa zu stimmen. über den wird nämlich gar nicht in Straßburg,
sondern im praktischen Einsatz der Machtmittel entschieden, und
zu dem hat sich jede der versammelten Nationen Europas von ihrem
Volk schon längst ermächtigen lassen - also hat auch jede in der
Wahl das gewonnen, was sie gewinnen wollte: Das Volk, das schon
kommandiert und verarmt wird, wie es das nationale Wohlergehen
verlangt, und dabei die Schnauze hält, gab ein separates Votum
dafür ab, daß dieses nationale Wohl in und mit Europa weiter si-
chergestellt gehört.
2.
Im hiesigen Wahlkampf hat man sich denn auch gar nicht erst be-
müht, den Schein aufzubauen, an der Wahl würde sich Wesentliches
entscheiden. Etwas anderes als der pur imperialistische Zweck,
ganz Europa für sich und mit Europa die restlichen lohnenden
Weltgegenden für den Erfolg der eigenen Nation zu benutzen, stand
gar nicht erst zur Debatte. Und mit etwas anderem als mit diesem
Zweck haben die Parteien auch nicht ihre Werbung betrieben: Wenn
die Herren, die ihr Volk für Deutschlands Stärke kommandieren, es
auch noch wählen lassen, damit Deutschland stark ist, dann ist
das schon die beste Wahlempfehlung - "Aufwärts mit Deutschland.
Mit uns für Europa" (CDU). Die bayerische Christenpartei schraubt
ihren nationalistischen Auftrag gleich dreifach zu einem Satz mit
"Europa" zusammen "Jede bayerische Stimme für die CSU stärkt
Deutschland in Europa" (CSU) -, während sich die SPD ganz zurück-
hält und sich mit den deutschen Stimmen bescheidet, die "Bayern
für Europa" stark machen. Bei soviel Einigkeit in der Sache wird
die Inszenierung eines Scheins von Wahlalternativen umso ehrli-
cher. Die FDP besinnt sich auf die Gefühlsqualitäten der Eisen-
bahn und macht von Bahnhöfen aus "Dampf für Europa"; die CDU
bringt das "Europa-Schiff" auf Treckern den Rhein entlang in
Fahrt; und eine Herzeige-Oma bereist mit einem Zirkus die deut-
schen Lande um deutsche Stimmen für die SPD, gibt ganz unironisch
eine "Vorstellung für Europa" nach der anderen und überläßt es
Jüngeren, ihren idiotischen Luftballonzauber in einen Kampf gegen
die Kohl-Mannschaft umzulügen: "Laßt die Wende wackeln" (SPD).
Das erleichtert die Stimmabgabe für den mündigen deutschen Wahl-
bürger entschieden: Das Kreuz für ein Schiff, die Eisenbahn oder
für eine echte Gans im Zirkus, die für die "friedliche Völkerfa-
milie Europa" steht.
3.
Weil die Parteien mit ihrem nationalistischen Schwachsinn immer-
hin noch für Deutschland Stimmen werben, haben kritische Beobach-
ter der Öffentlichkeit auch nur Einwände gegen den Stil vorzu-
bringen, in dem im Wahlkampf die Selbstverständlichkeit der euro-
päischen Dimensionen deutscher Interessen werbewirksam unters
Volk gebracht wird. Daß da von allen Parteien das Volk zur Stimm-
abgabe für eine erfolgreiche Durchsetzung Deutschlands gegen Re-
steuropa an die Urne gebeten wird - das hält ein "Spiegel" für
"einfallslos, langweilig, fade". "Die Einfallslosigkeit der Wahl-
werbung aller Parteien scheint kaum zu überbieten" gerne hätten
die kritischen Denker, die vornehm vom Inhalt des Gebotenen abse-
hen, denselben Dreck unterhaltsam und originell genossen, und
auch ein bißchen mit dem Schein vom "großen europäischen Eini-
gungswerk" garniert. Und vor allem mit dem Schein, das Volk würde
per Parlament über die Macht in Europa entscheiden und nicht bloß
eine "wirkungslose" Bürokratie am Leben erhalten. Aber so! Eine
nationale Pflichtübung - bäh wie langweilig und uninteressant!
Diese selbst steht für den kritischen "Spiegel" natürlich außer
Frage, so daß er entschieden aufpassen ob die Volksverarschung
auch dem nationalen Interesse dient, für das sie betrieben wird:
"Abend für Abend absurdes Theater auf beiden Kanälen: Zur besten
TV-Sendezeit dürfen... alle zugelassenen Parteien kostenlos je-
weils zweieinhalbminütige Werbespots ausstrahlen lassen - jede
noch so unbedeutende Splittergruppe bringt auf elektronischem Weg
ihre An- und Absichten unters Volk." D a wird der "Spiegel"
vielleicht ätzend, wenn eine Zepp-La-Rouche verhindern will, "daß
unsere Enkel nur noch russisch sprechen" und den Imperialismus
der BRD im Geist der deutschen Klassik predigt: "Schiller Ja,
Bismarck Nein" (EAP)! Daß eine "deutsche Kulturnation" die
"ehemaligen Ostgebiete" miteinbegreift, weil Deutschland so weit
geht, wie einmal deutsch gesprochen wurde - das läßt sich ein
"Spiegel" doch nur von den dazu Befugten in die Setzmaschinen
diktieren, von Carstens z.B., Windelen und Czaja. "Vollmundige
wie inhaltsleere Sprüche", "Wahnvorstellungen", "Extremes und
Exotisches" will der "Spiegel" in nationalistischen Idiotien nur
entdecken, wenn sie von "Splittergruppen" erzählt werden - und
nicht von den Parteien, deren Erfolg ihm augenscheinlich als der
beste Bürge für eine unbedingte Glaubwürdigkeit nationalistischer
Lügen und Dummheiten gilt. Nationalismus kennt der "Spiegel" ent-
sprechend nur dort, wo er dadurch anrüchig wird, daß einer NPD
"ein Herz für Deutschland" (NPD-Slogan) schlägt: "Die am rechten
Rand des Polit-Spektrums agierende NPD setzt auf nationalistische
Parolen "Deutsches Geld für deutsche Aufgaben"), ...mäkelt über
die EG, weil die internationalen Vereinbarungen sowieso 'nur den
anderen nutzen'. Bekanntlich ist der "Spiegel" selbst ein einzi-
ges Kampfblatt für eine von der BRD finanzierte EG, die nur ja
genügend "für die anderen" abwirft.
4.
So paßt eines zum anderen. Das Volk wird kommandiert und sorgt
mit seinem Gehorsam für den EG-Erfolg der bundesdeutschen Nation.
Per Wahl darf es sich dazu bekennen, daß es unbedingt so macht-
voll weitergehen muß für Deutschland, daß Europa ordentlich be-
nutzt gehört. Die Spesen stehen dabei selbstverständlich außer
Frage. Und für die gehobeneren Kreise, die die harten Folgen oh-
nehin nicht zu tragen haben, die der Erfolg der Nation denen be-
schert, die ihn machen, sorgt ein "Spiegel" mit seiner Ge-
schmackskritik für einen stubenreinen Nationalismus: Ohne sagen
zu können inwiefern, kann jeder Intellekuelle sich einbilden, Eu-
ropa wäre besser als der Wahlkampf darum.
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