Quelle: Archiv MG - EUROPA ALLGEMEIN - Ein Zentrum des Friedens
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Münchner Hochschulzeitung Nr. 5, 14.12.1983
EINTRITTSKARTE ZUM WELTRAUM-KLUB
Die "Eintrittskarte zum Weltraum" habe sich Europa mit seinem
Spacelab verschafft, freut sich der 'Spiegel' und rechnet nach,
ob sich die alte Welt auch genügend gegen die Weltraumnation USA
durchgesetzt hat. Ins All jedenfalls muß "man" ganz ohne Frage
und die BRD schon gleich. Eigenartig nur, daß sich die bundes-
deutsche Öffentlichkeit den "Griff nach den Sternen" ausgerechnet
als friedliches Eroberungsprogramm des Weltraums vorstellen will.
Den nationalistischen Witz der Woche leistete ich der 'Spiegel':
"Die Aussicht auf eine gedeihliche euro-amerikanische Zusammenar-
beit aber stößt sich hart mit den Interessen eines anderen NASA-
Partners: Über die Einsätze der Space-Shuttle und die künftige
amerikanisasche Raumfahrtpolitik entscheidet nicht zuletzt die
U.S Air Force. Bewilligt Präsident Ronald Reagan, wie zu erwar-
ten, acht Milliarden Dollar für eine Raumstation, so werden die
Generäle darauf dringen, daß die Station auch militärisch genutzt
werden kann."
Da ist jeder Science-fiction-Roman näher an der Wirklichkeit, der
im All außer Kampf sowieso nichts kennt.
"Bild-Kommentar
Europa ist wieder "wer"
Von Forschungsminister Dr. Heinz Riesenhuber
Europa ist jetzt "wer" im Weltraum: Die Europa-Rakete "Ariane"
hat einen riesigen Fernmelde-Satelliten in die Erdumlaufbahn ge-
schossen. Das machten sonst immer die Amerikaner - aber viel teu-
rer als wir (46 statt 27 Millionen Dollar bei den Europäern).
Der erfolgreiche Raketen-Start beweist: Auch in der hochkompli-
zierten Weltraumtechnologie brauchen wir uns vor den Amerikanern
nicht zu verstecken. Ebenso nicht beim Flugzeugbau.
Die vielen Millionen für die Forschung sind also sinnvoll ausge-
geben: Denn Weltraum- oder Flugzeugtechnik sichern Arbeitsplätze
heute und schaffen neue zukunftssichere."
Wurde ja auch langsam Zeit, daß "Europa" "Anschluß" findet, an
"internationale Spitzentechnologie", nach all den Fehlstarts. Und
ganz billig soll's den Herrn Minister gekommen sein. Und Ar-
beitsplätze schafft's. Fragt sich nur, wofür ein Mensch all die
vielen Raketen und Flugzeuge brauchen soll. Für Fernmeldesatelli-
ten für die Übertragung der nächsten olympischen Spiele viel-
leicht? Vielleicht sollte man ein Mondlandeprojekt für Politiker
in Angriff nehmen, was das erst "zukunftssichere Arbeitsplätze"
schafft!
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