Quelle: Archiv MG - BRD WIRTSCHAFTSPOLITIK WERFTEN - Krisen beim Rüstungskapital
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Bremer Hochschulzeitung Nr. 73, 02.05.1983
Werftenkonferenz der Küstenländer in Hamburg
WERFTSANIERUNG: AUF KOSTEN DER ARBEITER - WAS DENN SONST?
Das war die einhellige Meinung aller an der Werftenkonferenz be-
teiligten Fraktionen: Die Sanierung der Werften wird durch die
Entlassung von 9.000 Werftarbeitern in Angriff genommen.
S t r e i t gab es darüber, w o dieser Abbau stattfinden solle
und mit welchen Subventionen von Bund und Ländern das über die
Bühne zu gehen habe. So hätten Niedersachsen und Schleswig-Hol-
stein den Schiffsneubau am liebsten in Emden und Kiel konzen-
triert, natürlich nicht, um Entlassungen zu vermeiden, sondern um
die Entlassungen auf Hamburg und Bremen und die
E i n n a h m e n aus dem Werftgeschäft auf die CDU-regierten
Länder zu konzentrieren. Bremen mochte sich damit nicht einver-
standen erklären, es sei denn, die so bevorzugten Bundesländer
hätten Bremen den Verlust von Steuereinnahmen aus dem Werftkapi-
tal - durch entsprechenden Steuerausgleichszahlungen ersetzt.
Dann hätte Bremen nämlich auch mit neuer Massenarbeitslosigkeit
kein "Armenhaus" zu werden brauchen - der
S t a a t s s ä c k e l hätte ja gestimmt. Das aber kam Nieder-
sachsen und Schleswig-Holstein zu teuer. Die endgültige Entschei-
dung über den Standort der jeweiligen Entlassungen wurde nun nach
Vorlage neuer Landes-Konzepte verhandelt. Bremen erarbeitet in
diesem Rahmen sein endgültiges Fusionskonzept für AG Weser und
Bremen Vulkan. Dabei ist nur noch die Frage strittig, welche der
beiden Großwerften in Zukunft den dickeren Teil des Geschäfts ab-
kriegen wird, wo also die Hauptentlasssungen stattfinden: Kriegt
der Vulkan den Neubau ganz oder teilt er ihn sich mit der AG We-
ser. Die IG-Metall machte sich demgegenüber die Sorge, wie man
die Entlassenen optimal benutzen
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könne. Denn, wenn es um die Konkurrenzfähigkeit des nationalen
Schiffbaus geht, dann kann man doch auf Arbeiter keine Rücksicht
nehmen - das war auch die Auffassung der Arbeitervertreter von
der IG-Metall. Die Gewerkschaft widmete sich daher einer höheren
Aufgabe: Wird die Werftsanierung auch wirklich zum Nutzen
Deutschlands abgewickelt? Werden die Opfer der Arbeiter auch loh-
nend gemacht? Daß auf den Werften massenhaft Leute einkommenslos
gemacht werden sollen, damit der Profit stimmt, war der Gewerk-
schaft daher selbstverständlich. Bemängelt wurde von Otto vom
Steeg und Konsorten, daß man die "hochqualifizierte Facharbeiter-
mannschaft nutzlos sozusagen verschimmeln lasse" (Otto vom
Steeg). Die Gewerkschaft hält Arbeitslosigkeit nämlich für eine
Verschwendung von Staatsgeldern, weil sich Arbeitslose nicht mehr
für den Reichtum der Nation krummlegen. Sie ersann also ein Kon-
zept, wie man die Entlassenen weiterhin für Deutschlands Werftin-
dustrie nützlich halten könne. Sie forderte für die überflüssigen
Werftarbeiter einen "Arbeitskräftepool". Alle, die da drin sind,
sollen mit gewerkschaftlicher Mitbestimmung zwischen den Werften
hin- und hergeschoben werden, sofern sie gerade irgendwo benutz-
bar sind. Wenn die Arbeiter so gewerkschaftlich beaufsichtigt
verliehen werden, dann ist Leiharbeit auch kein "Sklavenhandel"
mehr. Dann verdient es den Dank der Arbeitslosen, daß sie zwi-
schen Emden und Bremen verschickt werden. Da macht es dann gar-
nichts, wenn es für diese Gnade einen Lohn gibt, der eher Ar-
beitslosengeld heißen sollte. Die Gewerkschaft sagte gleich dazu,
das mache natürlich Kosten, weshalb sich über die Bezahlung der
Arbeiter im Pool durchaus reden lasse. Die Gewerkschaft meint
eben den Standpunkt "Alle Arbeit für Deutschland" bitter ernst.
Sie bietet die Arbeitslosen als billige Manövriermasse für einen
nationalen Arbeitsdienst am Werftkapital an.
Arbeitslosengeld ans Kapital
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Der Gewerkschafter und SPD-Bundestagsabgeordnete Grobecker unter-
strich mit einem eigenen Vorschlag seine Kompetenz als Werftkri-
senmanager, der ganz auf dieser Gewerkschaftslinie lag. Schließ-
lich stört die Gewerkschaft an Arbeitslosigkeit schon immer fol-
gendes:
"Wachsende Arbeitslosigkeit führt zu Mindereinnahmen bei den öf-
fentlichen Haushalten. Andererseits macht sie Mehrausgaben erfor-
derlich, z.B. bei der Bundesanstalt für Arbeit." (metall-Zeitung
21/82)
Getreu diesem gemeinen Motto, daß Arbeitslose nutzlose Fresser
sind, für die das Geld der Arbeitslosenversicherung viel zu
schade ist, schlug Grobecker vor: 'Gebt doch das Geld der Ar-
beitslosenversicherung den Werftkapitalisten und subventioniert
damit deren Lohnkosten, statt es den arbeitslosen Werftarbeitern
zu bezahlen. Damit läßt sich doch jede Fertigungsstunde mit DM
10,-- bezuschussen und so die Rentabilität bei den Werften unter-
stützen.' Eine ehrliche Auskunft darüber, wofür die zwangsweise
eingetriebenen Arbeitslosenbeiträge da zu sein haben. Natürlich
nicht für die Leute, die sie eingezahlt haben.
Da soll noch mal einer sagen, die Werftenkonferenz habe nichts
gebracht. Sie hat schließlich die Klarstellung aller Beteiligten
einschließlich der IG-Metall gebracht, daß - egal wie die Verar-
mung der Werftarbeiter letztlich geregelt wird - alle Opfer ange-
bracht sind, die der Sanierung deutscher Werftkraft und der Um-
leitung unproduktiv verausgabter deutscher Staatsgelder dienen.
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