Quelle: Archiv MG - BRD WIRTSCHAFTSPOLITIK WERFTEN - Krisen beim Rüstungskapital


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       Bremer Hochschulzeitung Nr. 60, 18.10.1982
       
       Bremen aktuell
       

BREMER VULKAN: "GERETTET!"

Der "Bremer Vulkan", ist vorerst wieder einmal "gerettet". "Wir" alle dürfen aufatmen. Gerettet wurde: Den Banken ein Partner, der Zinsen bringt, weshalb sie auch wieder weiter Kredite geben; den Anteilseignern ein Betrieb, in dem ihr Kapital "arbeitet", wes- halb sie es nicht nur drin lassen, sondern um der Verbesserung des Geschäfts willen sogar Aufstockungen durchkalkulieren. Ar- beitsplätze wurden auch gerettet, was etwas anderes sein soll, als der Erhalt einer industriellen Anlage von Kapital für seine Besitzer. Glaubt man der öffentlichen Meinung, haben nun "die Ar- beiter... in Gröpelingen... ihre klitzekleine Teilnahme am bun- desdeutschen Wohlstand, sprich ihren Arbeitsplatz" weiter. So viel ist wahr daran: Für die Arbeiter heißt die Rettung des Vul- kan alles andere als Sicherstellung irgendeines E r t r a g s. Gerettet wurde schließlich für "uns alle" eine d e u t s c h e Werft, auf der die Bonner Regierenden Fregatten bauen lassen, de- ren Kampfkraft ihnen einiges wert ist. In "akuter Gefahr" war die Bremer Werft, ----------------- seitdem die Geschäftsführung ein Kostensenkungsprogramm über 50 Mio. DM beschlossen hatte und solange, wie dieses Programm noch nicht durchgesetzt war. Die "Rettung" aus dieser Gefahr bestand also schlicht darin, die Kalkulationen in die Tat umzusetzen. 400 Leute sind dem Vulkan ihren Lohn nicht mehr wert, weil sie fürs Geschäft bei der jetzigen Auftragslage nicht gebraucht werden. Also spart die Geschäftsleitung ihren Lohn fürs Geschäft und schmeißt die Leute raus. 290 von ihnen fliegen sofort. Sie bekom- men eine Abfindung gemäß sozialstaatlichen Vorschriften, die ein- gestehen, daß auch nach vieljähriger Lohnarbeit nur eine Armut geblieben ist, bei der man sich Arbeitslosigkeit nicht leisten kann. Und sie bekommen diese Abfindungen gestaffelt danach, wie lange sie sich bisher für den Betrieb verdient gemacht haben, also gerade so, als würde sich der Dienst doch für den Arbeiter auszahlen. Weitere 110 Mann werden aus der Werft "natürlich fluk- tuieren", und da sie von selbst aufgeben, haben sie sich das Aus- scheiden aus dem Betrieb auch selber leisten zu können. Die Kal- kulatoren haben Abfindungsgelder für diese Leute jedenfalls ge- spart. Schließlich werden 100 Arbeiter vor die Alternative ge- stellt, entweder an einem anderen Arbeitsplatz und zu einem Lohn, der ins neue Geschäftskonzept paßt, weiter Dienst zu tun, oder ohne Abfindung den Betrieb zu verlassen. Der Vulkan wirft eben keinen Pfennig Lohn umsonst raus. Der zweite Teil des Kostensen- kungsprogramms besteht darin, an den verbleibenden Arbeitsplätzen die verlangte Leistung der Leute billiger zu machen. Je nach er- reichtem Akkord wird den Vulkanesen eine 15-20%ige Senkung der Lohnsumme treffen, und während er sich ganz gerecht seine Lohn- senkung verdient, werden für das Unternehmen 25 Mio. DM frei. Die "Rettung des Bremer Vulkan" ist also ein recht g e g e n s ä t z l i c h e s Geschäft. Umso kämpferischer sind die Gewerkschaft und der Betriebsrat ------------------------------------ dafür eingestanden, daß nur eine g e m e i n s a m e Lösung in Frage kommt. Bestand das Konzept der Geschäftsleitung ursprüng- lich aus einigen harten Zahlen - 500 Entlassungen bringen 25 Mio., weitere 25 Mio. holen wir bei den Akkorden -, so kann die Arbeitnehmervertretung nun alle sozialen Finessen der Durchfüh- rung als i h r e n Erfolg verbuchen. Abgewickelt hat die Ge- werkschaft diese Sozialpartnerschaft am Kapitalgeschäft kämpfe- risch wie immer. In punkto Entlassungen: d a g e g e n war der Betriebsrat nie. Sonst hätte er nach dem nun g e m e i n s a m beschlossenen Entlassungsmodus nicht als Erfolg feiern können, "die v e r b l e i b e n d e n Arbeitsplätze nachhaltig gesichert zu haben" (WESER-KURIER, 16.10.1982). Gekämpft hat er also gegen solche Entlassungen, die n i c h t anstanden, weil vom Ge- schäftsvorstand auch nicht vorgesehen; abgesegnet und mit Vor- schlägen zur Durchführung u n t e r s t ü t z t hat er eben die Rausschmisse, die angesagt waren. Herausgekommen ist dabei der obige Stufenplan: 290 fliegen sofort, 100 werden "natürlich fluk- tuiert" etc. Nicht anders stellt die Sache bei der rabiaten Lohnsenkung, nicht ihr galt der Protest des Betriebsrates, sondern der Tatsache, daß sie ganz ohne sein Befragen und der Hinzuziehung des Tarifvertra- ges verfügt wurde. J e t z t wird sie m i t tariflichen Be- stimmungen, deswegen auch mit großzügiger Unterstützung des Be- triebsrates verabreicht: man hat sich nach zähem Ringen "auf eine Überprüfung und Neufestsetzung der Akkordzuschläge geeinigt, wie der Tarifvertrag auch zuläßt". Das i s t der Erfolg, und keine Frage, wer ihn zu bezahlen hat: "Natürlich (!) wird die Beleg- schaft dabei Federn lassen müssen" (Betriebsrat Bettelhäuser, sehr zufrieden mit seinem Erfolg). Und was haben die Betroffenen davon? Eine Bürgerinitiative --------------------- mit der sie zwar nicht eine müde Mark locker machen oder einen einzigen Rauswurf unterbinden, was in der Gewerkschaft ohnehin keinen Augenblick lang ein Ziel war. Umgekehrt: sie hat sich ja den Witz einfallen lassen, ihre eigenen Mitglieder in eine große Bürgerinitiative umzutaufen und einzutragen, um damit ganz viel B e t r o f f e n h e i t für Fernsehkameras und Pressegeier sichtbar zu machen. Ihnen nutzt das zwar herzlich wenig, aber der Gewerkschaft dafür umso mehr, Betroffenheit ist ja i h r großer vorzeigbarer Pluspunkt, der ihre Verhandlungspartner ein bißchen moralisch erpressen und dafür gefügig machen soll, bei der H e r s t e l l u n g dieser Betroffenheit unbedingt die Arbeit- nehmerorganisation mitreden zu lassen. Und was hat die Sozialdemokratische Arbeitnehmerpartei Deutschlands --------------------------------------------------- für die Arbeiter getan? Erstens: Sie war immer auf ihrer Seite. Zweitens: konnte sie als Anteilseigner der Werft mit nur 25% der Aktien nicht viel tun. Drittens: als Landesregierung waren ihr die Hände ein wenig gebunden - "prekäre Finanzlage". Aber die SPD läßt ihre Arbeitnehrner trotzdem nicht verkommen: Sie stellt ei- nige Millionen für die W e r f t in Aussicht, vorausgesetzt, sie feuert und schröpft ihre lieben Mitarbeiter, oder vornehm. "saniert" zuerst. "Ob das kleinste Bundesland diese gewaltige Summe angesichts sei- ner ohnehin prekären Finanzlage aufbringen kann, ist ungewiß. Und ob der Senat es will, dürfte nicht zuletzt von einem aussichts- reichen Sanierungskonzept abhängen." (WESER-KURIER, 13.10.1982) Die "Rettung des Vulkan": Wirklich in jeder Hinsicht radikal! zurück