Quelle: Archiv MG - BRD WIRTSCHAFTSPOLITIK WERFTEN - Krisen beim Rüstungskapital


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       Die Vollendung des Werftenverbundes:
       

RATIONALISIERUNG UND ENTLASSUNGEN - EINE ZUKUNFTSINVESTITION

Die Vollendung des Werftenverbundes durch die Fusion von SUAG und Seebeck-Werft sei "unabdingbar", so läßt sich Wirtschaftssenator Lenz vernehmen. Denn, so kann man dem Fusionskonzept entnehmen, "es bleibt nur der Weg einer Verschmelzung beider Werften, um un- ter Ausnutzung aller Rationalisierungsmöglichkeiten und Freiset- zung aller dabei auftretenden Doppelfunktionen, auch über die 55- er Regelung hinaus, noch eine Chance zu haben, im Wettbewerb konkurrenzfähig zu bleiben." Das ist doch einmal eine ehrliche Auskunft über das vereinigte Interesse von Kapital und Politik in Sachen "Sicherung von Arbeitsplätzen"! Ziel des Zusammenschlußes ist es u.a., auf bei- den Werften vorhandene Abteilungen zusammenzufassen, also als ei- genständige überflüssig zu machen. Durch diese Brille ergeben sich für die bisherige Organisation lauter "Doppelfunktionen", also Beschäftigte, die man überflüssig gemacht hat. Entlassungen durch Neuorganisation der Unternehmensabteilungen zu e r m ö g- l i c h e n, ist also e i n w e s e n t l i c h e s Z i e l dieser Fusion. Daß dadurch das Einkommen mancher Arbeiter über die Klinge springt, liest sich nämlich für die Betreiber der Fusion schlicht als Einsparung von Lohnkosten pro Schiff. Das schafft neuen Spielraum für eine Preisgestaltung, die schließlich konkurrenzfähig u n d profitabel sein soll. Bei dieser Behandlung des Lebensunterhalts von Leuten als Hinder- nis fürs Werftgeschäft sind einige Erfolge erzielt worden. Ganz nebenbei erfährt man, daß seit 1986 zielstrebiger Personalabbau war, was man "natürliche Fluktuation" nannte. "Da in Bremen und Bremerhaven seit 1986 jeweils 500 Arbeitsplätze im Verbund abgebaut worden seien, müßten nun in Bremen noch 100 und in Bremerhaven 400 Beschäftigte ausscheiden. Der Verbund soll auf 6500 Arbeitsplätze schrumpfen, wobei etwas mehr als die Hälfte in Bremerhaven lägen. Als Sollzahlen nannte Lenz für die Lloyd-Werft 1000 und für Schichau/Seebeckwerft 2350 Ar- beitsplätze." (Lenz laut Nordseezeitung vom 19.4.88) Was will man schließlich mehr: Über 500 Mann hinausgehende Ent- lassungszahlen bleiben den Werftbelegschaften erspart, weil die Werften, weitsichtig wie sie nun mal sind, schon reichlich gefeu- ert haben. Und die 500 Entlassungen sind natürlich auch kein Skandal, sondern verstehen sich von selbst. Schließlich zählen die Interessen von Arbeitern an ihrem Einkommen nichts, das Interesse der Werftkapitale an Gewinn dagegen zählt als Sach- zwang. Also dürfen sich die Überzähligen noch glücklich schätzen, daß ihr Rausschmiß für die meisten als vorzeitiger Abgang ins "verdiente Rentenalter" abgewickelt wird. Das beschert ihnen schließlich "bloß" Einkommenseinbußen und Rentenminderung. Und das ist doch ein echter Service, wenn man bedenkt, daß sie auch ganz ohne was dastehen könnten, oder? Noch viel besser bedient sind natürlich diejenigen, die sich auch künftig zu den Beschäftigten zählen dürfen. Sie dürfen weiterarbeiten! Daß das mit einigen Veränderungen bei Lohn und Leistung verbunden ist, hat sich von selbst zu verstehen. Also liest man im Fusionskonzept unter dem lapidaren Stichwort "Neubaukapazitäten durch intensive Rationalisierungsmaßnahmen so kostengünstig wie möglich gestalten" Auskünfte folgender Art: "Einsparungen ergeben sich durch den Wegfall von Arbeitsgängen bei dem jetzigen System, Erhöhungen der Arbeiten in der Halle, höhere Flexibilität in Bezug auf die im Baudock zu bauenden Schiffe sowie einer intensiveren Nutzung der Dockliegezeiten." Eine bestechend einfache Logik: Wenn die Rationalisierungsmaßnah- men auf "Einsparungen" z i e l e n, dann "e r g i b t" es sich erstens quasi automatisch, daß jede weggefallene Wegezeit, jeder Wegfall eines Arbeitsschrittes mit einem Wegfall von L o h n kostenbestandteilen zusammenfällt, also Konsequenzen für die Bezahlung der Leute hat. Wenn die Rationalisierung darauf z i e l t, die Dockliegezeiten zu verkürzen, um auf diese Weise mehr lohnende Aufträge pro Jahr abzuwickeln, dann "e r g i b t" es sich zweitens wie von selbst, daß den Arbeitern eine entfal- lene Wegezeit keine Arbeitserleichterung bringt, sondern ihre Ar- beitskraft für andere Tätigkeiten "freisetzt". Daß die Entschei- dung, die bisherigen Löhne infrage zu stellen und eine neue Sorte intensiver Leistungsverausgabung einzurichten, die Arbeiter nichts anzugehen hat, versteht sich offenbar von selbst. So stel- len sich Kapitalisten eben Arbeitsteilung vor: Die einen d i k t i e r e n ein neues Lohn-Leistungs-Verhältnis, die ande- ren dürfen es e r f ü l l e n. "Politische Hilfestellung" -------------------------- Daß die politische Unterstützung für dieses Entlassungs- und Ra- tionalsierungsprogramm sich auf wohlmeinende Kommentare be- schränken würde, kann man wirklich nicht behaupten. Politiker wissen schließlich, daß das Feuern von Leuten und das Anschaffen von Rationalierungsmitteln Geld kostet. Geld, das im Unterschied zu den von Bremer Landesfürsten so lautstark beklagten "Sozial- hilfelasten" nicht einfach für den Konsum armer Schlucker ver- schwendet wird, sondern gut angelegt ist. Es wird ja investiert, um mehr zu werden. Für Investitionen in die Rentabilität des Werftkapitals haben die Politiker "im wohlverstandenen Eigenin- teresse" der Staatsgewalt einiges übrig. Sie schätzen sie als Einnahmequelle. Und nicht nur das: Daß gerade in der W e r f t industrie das Geschäft floriert, halten sie unter "v e r t e i d i g u n g s p o l i t i s c h e m A s p e k t" (laut Konzept) für unverzichtbar. Schiffbaukapazitäten, die jeden Bedarf an Kriegsschiffen befriedigen können, müssen sein für eine imperialistische Macht, die weltweit noch einiges vorhat. Also findet eine konzertierte Aktion von Bund und Land zur S u b v e n t i o n i e r u n g d e r E n t l a s s u n g e n u n d R a t i o n a l i s i e r u n g s m a ß n a h m e n statt. Von der Bundesanstalt für Arbeit über Stoltis Haushalt bis zu gemeinsam beschlossenen EG-Geldern - überall finden sich nicht etwa "Haushaltslöcher", sondern Finanzspritzen. Man sieht: Sinn- volle Verwendung seiner Steuergelder und Arbeitslosenversiche- rungsbeiträge kriegt ein Prolet in dieser Republik eben auch noch garantiert. zurück