Quelle: Archiv MG - BRD WIRTSCHAFTSPOLITIK WERFTEN - Krisen beim Rüstungskapital
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Aus unserer Reihe: Hintergründe und Vorgänge
DAS VULKANFREGATTENAUFTRAGSDESASTER
Mehr als eine Woche lang haben sich Presse, Funk und Fernsehen
mit der Vergabe des Fregatten-Auftrags an die Hamburger Konkur-
renz des Vulkan beschäftigt und noch immer sind nicht alle Rätsel
gelöst, die sich dem politischen Verstand der bremisch denkenden
Leserschaft auftaten. Eigentlich hatte ja alles für eine Beteili-
gung des Vulkan am Marineauftrag gesprochen:
- Wirtschaftstheoretisch haben wir die Tortentheorie des Bremer
Altbürgermeisters Koschnick ("vier Stücke, vier Schiffe, vier
Werften"). Ein namhafter Schweizer Ökonom: "Brilliant und über-
zeugend".
- Das nötige Management-Wissen ist dem Vulkan-Vorstand seit lan-
gem bekannt: Wer Fregatten verkaufen will, muß "auf den Treppen
des Verteidigungsministeriums schlafen", verriet ein Insider.
- Sozialethisch spricht alles für eine Vulkan-Beteiligung. Bür-
germeister Wedemeier: "Mehr Gemeinsamkeit. Gegen den Egoismus ei-
nes einzelnen Standortes."
Andererseits halten sich in Bonn hartnäckig Gerüchte, wonach bei
der Auftragsvergabe durch das Verteidigungsministerium "auch fi-
nanzielle und politische Motive eine Rolle gespielt" hätten.
Reichlich unübersichtlich ist also noch die Antwort auf die
Frage, "wie es dazu kommen konnte".
Viel klarer sind allerdings die Folgen des entgangenen Rüstungs-
auftrags:
Bürgermeister Wedemeier gegenüber dieser Zeitung:
"Der Fregattenauftrag wäre ein schöner Erfolg für die Bemühungen
meiner Regierung um Verteidigungsaufträge gewesen, den wir wie
üblich an unsere Bürger weitergegeben hätten. Gedacht war an die
Einführung des Nulltarifs im öffentlichen Nahverkehr und die
Halbierung der Gaspreise. Jetzt bleiben wohl wieder einmal nur
Preiserhöhungen."
Auch Werftchef Hennemann zeigte sich enttäuscht:
"Wie schon beim letzten Fregattenauftrag wollte ich der Beleg-
schaft eine Beschäftigungsgarantie bis zum Jahr 2000 aussprechen
und die Akkordlohnsenkungen der letzten fünf Jahre rückgängig ma-
chen. Daran ist jetzt natürlich nicht zu denken."
Schade, schade.
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