Quelle: Archiv MG - BRD WIRTSCHAFTSPOLITIK UMWELTPOLITIK - Smog und Molke - alles im Griff!
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SO EINFACH GEHT DEMOKRATISCHER UMWELTSCHUTZ
Reaktorsicherheit und Umweltschutz Marke SPD
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Raus nordrheinwestfälischer Wirtschaftsminister legt sich öffent-
lichkeitswirksam mit der Betreibergesellschaft des Hammer Hoch-
temperaturreaktors an und setzt mit großem Trara dessen halbwö-
chige Abschaltung durch. Die Betreiber hatten nämlich neulich die
Tschernobyl-Aufregung schlau dazu genutzt, selber ein bißchen ra-
dioaktiven Schmutz unaufällig loszuwerden. Oder war es tatsäch-
lich mehr ein "Störfall"? Egal. Hauptsache, der Minister hat sich
höchstpersönlich darum gekümmert. Damit hat er nämlich - so sieht
er das selber, und so soll das auch jedermann sehen! - den
"Ängsten der Bevölkerung" "sensibel" Rechnung getragen.
Was die davon hat? Eben das! "Bevölkerungsängste" sind dazu da,
von den Machthabern "ernst genommen" zu werden, damit die Bevöl-
kerung merkt, wie ernst sie von ihren Machthabern genommen wird.
Das stärkt das Einvernehmen beider Seiten und bringt jede Erinne-
rung an politisch inszenierte S c h ä d e n vom Tisch, mit
denen unsere heilige Wirtschaftsordnung ihr Menschenmaterial be-
helligt. Die Machthaber profilieren sich als Seelsorger - und
lassen sich dadurch in ihren wirklich ernsthaften Vorhaben nicht
stören. Im Gegenteil: Für die regierende SPD war der "Störfall"
am THTR 300 in Hamm-Uentrop auch eine prima Gelegenheit dazu, öf-
fentlich zu versichern, daß ihre ganze energiepolitische Vorliebe
nach wie vor und jetzt erst recht genau diesem Reaktortyp mit
seinen interessanten Graphit-Kugelhaufen und Heliumgasen gilt. Er
ist nämlich laut SPD der s i c h e r s t e; die Strahlung, die
freigesetzt wird, ist also kein R i s i k o, sondern der einge-
plante und genehmigte N o r m a l f a l l; der Betreiber muß
sich nur an den nordrheinwestfälischen Rechtsweg fürs Gasablassen
halten. Tut er das nicht, wird erbarmungslos abgeschaltet - für
ein paar Tage. Das ist dann der Beweis, daß die SPD dieses Ding
natürlich nur aus lauter Liebe zu einer sauberen westfälischen
Landschaft unbedingt haben will... Wofür nun auch gefälligst je-
der Umweltheini sie und ihren Rau wählen soll!
Reaktorsicherheit und Umweltschutz Marke CDU
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Kohl beruft Frankfurts Oberbürgermeister Wallmann als Extra-Um-
weltminister in sein Kabinett. Jetzt kann ein neuer, ganz unver-
brauchter Mann der "verängstigten Bevölkerung" erklären, daß er
ganz für sie da ist; daß sie also auch von ihren christlichen
Herren unendlich "ernst genommen" wird usw. Und gleich anschlie-
ßend: daß ein "Einstieg in den Ausstieg aus der Kernenergie" na-
türlich gar nicht in Frage kommt. "Die Bevölkerung" darf beruhigt
und zufrieden sein: Jetzt hat ihr ein eigener Bevölkerungs-
ängstebetreuungsminister, der eingestandenermaßen von Atomreakto-
ren genauso wenig Ahnung hat wie die betreuten Wähler, die ener-
giepolitischen "Notwendigkeiten" klargemacht.
Was die davon hat? Na eben das! Und das ist, gefälligst, ein un-
widersprechliches Argument dafür, nächste Woche in Niedersachsen
und nächstes Jahr überhaupt CDU zu wählen. Das sagt der Kohl
gleich noch dazu, damit es keiner übersieht oder vergißt, was für
einen glänzenden Schachzug unser aller Kanzler sich da geleistet
hat. Solche geschickten Machthaber ermächtigt ein mündiger Wohler
doch gerne wieder, bei nächster Gelegenheit!
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