Quelle: Archiv MG - BRD WIRTSCHAFTSPOLITIK UMWELTPOLITIK - Smog und Molke - alles im Griff!
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SMOGALARM IN WEITEN TEILEN DER BRD
Vergangene Woche ging nicht nur manch einem beim Atmen die Luft
aus. Er bekam auch mitgeteilt, wer der Schuldige an der dicken
Luft ist. Mal wieder war eine "Inversionswetterlage" über uns
hereingebrochen.
Bloß, was wird eigentlich täglich an Dreck in die Luft gepumpt,
wenn die Luft vor dem Einatmen so verbraucht ist, daß die Lunge
fast wie ein Filter wirkt, nur weil der Müll wetterbedingt ein
paar Tage nicht recht abziehen kann?
Diese Frage können einem die staatlichen Stellen am besten beant-
worten. Sie erteilen den Betrieben schließlich streng im Rahmen
ihrer Grenzwerte die Genehmigung, die Luft als kostenlose Müll-
halde für nicht profitlich verwendbare Nebenprodukte der Produk-
tion zu nutzen. Dieser Praxis verdankt denn auch jede deutsche
Stadt ihren "speziellen Duft und Flair, je nach Branche, die sich
dort gerade tummelt. Für den Fall, daß diese alltägliche Luftver-
pestung zu einer Giftkonzentration führt, die a k u t e Atemnot
bei ganzen Volksteilen befürchten läßt, haben sich die politisch
für's Umweltvergiften zuständigen Instanzen einen "Alarmplan
Smog" ausgedacht. Schließlich soll der Verschleiß des Volkes so
dosiert vonstatten gehen, daß er der B e n u t z u n g des men-
schlichen Verbrauchsmaterials nicht in die Quere kommt. Daß die
Leute am Ende nicht "bloß" chronische Bronchitis haben, sondern
reihenweise in der Arbeit umkippen, ist nicht im Sinne des Erfin-
ders dieser zynischen Kalkulation.
Dementsprechend sieht der "Alarmplan Smog" auch aus.
Die Vorwarnstufe
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beinhaltet die Empfehlung, das Auto möglichst stehen zu lassen,
sich nicht "unnötig" im Freien rumzutreiben und die Fenster ge-
schlossen zu halten.
Mit einer Aufforderung, nicht zur Arbeit anzutreten, ist das
nicht zu verwechseln. Solche "unnötige" Vorsicht fiele unter Ver-
letzung der Dienstpflicht. Wer schon auf dem Weg zur Arbeit und
im Job reichlich "frische Luft" abgekriegt hat, so lautet der
"Tip", der braucht in der Freizeit nicht auch noch spazieren zu
gehen. Er soll lieber zuhause bleiben, die Schotten dicht machen
und seinen eigenen Mief einatmen.
Stufe 1
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verbietet den privaten Gebrauch des Autos und "ermuntert" die In-
dustrie zu f r e i w i l l i g e n Produktionseinschränkungen.
Abgasproduktion, nur weil der Mensch den Weg zur Arbeit oder zum
Einkauf halbwegs bequem gestalten will, d a f ü r ist eben un-
sere deutsche Luft zu schade. Daß die Konsumenten hiermit für die
Abgasproduktion von Dreckschleudern verantwortlich gemacht wer-
den, die ihnen "der Markt" vorsetzt, ist dafür nur in einer Hin-
sicht von Belang: Als Verkaufsartikel des Kapitals haben die Au-
tos ihren Dienst längst getan, wenn ihre Benutzung eingeschränkt
wird. So ist sichergestellt, daß diese "Kritik" an der Dreck-
schleuder Auto garantiert die Richtigen trifft. Nicht die Produ-
zenten eben, sondern die, die diese Wagen benutzen und ihre Ab-
gase einatmen müssen.
Die Luftverpestung für den Profit darf, während die Menschheit zu
Fuß geht, ziemlich ungehindert weitergehen, auch wenn man die
Hand kaum mehr vor Augen sieht.
Erst wenn aufgrund dieser Maßnahmen, die die Luftverpestung zum
ausschließlichen Privileg der kapitalistischen Großverbraucher
erklären, die Konzentration des Giftes weiter steigt, wird die
nächste Stufe eingeleitet. Nun müssen die Betriebe ihre Abgasab-
gabe einschränken, schließlich soll nicht kurzfristiges Gewinnin-
teresse die menschliche Grundlage für dauerhafte Ausbeutung im
Betrieb zerstören.
Aber wir wollen ja nicht gleich mit dem Schlimmsten rechnen, vor
Stufe 2 wird sich das Wetter ja hoffentlich wieder ändern.
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