Quelle: Archiv MG - BRD WIRTSCHAFTSPOLITIK UMWELTPOLITIK - Smog und Molke - alles im Griff!


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       Reinigungen verpesten Luft und Lebensmittel mit Per:
       

SCHERF SORGT SICH UM "RECHTSVERTRÄGLICHE" UMWELTBESCHMUTZUNG

1. Da verwenden Reinigungen Waschmittel, in denen das krebserzeu- gende Perchlorethylen (Per) enthalten ist. Aufmerksame Registratoren aller angerichteten Schäden entdecken verstärkte Konzentration von dem Zeug im Umkreis von 60 m um die Reinigungen herum. Skandal. Das Per ist in der Luft und lagert sich in fett- haltigen Substanzen ab. FRAGEN: Wieso beginnt der Skandal der Luftverpestung eigentlich erst außerhalb der Reinigung? Wie hoch ist die Konzentration von dem Zeug i n der Reinigung selbst und in der gereinigten Wä- sche? Gehört es vielleicht als selbstverständlich zur Arbeit dazu, daß das Reinigungspersonal vergiftet wird? Ist die Wäsche nun nach der Reinigung schmutziger oder sauberer als vorher? 2. Daß dieses Giftzeug überhaut erst dann verboten gehört, wenn die Leute wie die Fliegen umfallen, scheint irgendwie normal zu sein. Für die Reinigungen sowieso, denn ihr Geschäft geht eben so und jedes Verbot von Per, gar eine vorübergehende Schließung der Rei- nigungen wäre geschäftsschädigend; was man sich im "Armenhaus Bremen" öffentlich in 'Gefährdung der Arbeitsplätze' übersetzen darf. So werden denn von den Behörden in der Regel erst solche Konzentrationen in der Luft für gefährlich erachtet, die von den Reinigungen ohne größeren Aufwand u n t e r schritten werden können. Daß j e d e Verseuchung der Luft mit Per krebsauslösend wirkt, interessiert nur statistisch: als wahrscheinliche Rate von Krebstoten pro Zeit. FRAGEN: Was ist eigentlich von 'sicheren Arbeitsplätzen' zu hal- ten, auf denen die Vergiftung mit Per das einzig G e s i c h e r t e ist? Wie steht zur Zeit der Kurs 'Geld gegen Leben'? Und wer setzt so etwas eigentlich in die Welt und ständig neu fest? Wieviel Krebstote in 10 Jahren, die auf das Konto von Per fallen, werden denn als der Volksgesundheit noch nicht ab- träglich veranschlagt? 3. Bremer Gesundheits- und Umweltsenatoren sind besonders fort- schrittlich. Sie haben deshalb für Bremen d o p p e l t s o h o h e W e r t e als gesundheitsverträglich zugelassen, als sie das bekanntlich rückschrittliche Bundesgesundheitsministerium empfohlen hat. Interessanterweise hat Scherf diese Verordnung als Schritt zur weiteren S e n k u n g der Werte bezeichnet. Wie das? Seine Logik ist bestechend: Die Werte aus Bonn seien nur "e m p f o h l e n", an die müsse sich kein Mensch halten. An seinen doppelt so hohen Werten da käme aber kein Mensch dran vor- bei, weil es sich um eine behördliche A n o r d n u n g han- dele. Die sei außerdem noch "rechtsverträglich", d.h. sie könnte vor keinem deutschen Gericht erfolgreich angefochten werden. FRAGEN: Hat der Senator die Werte deshalb so hoch angesetzt, da- mit er sie noch mal runtersetzen kann, was er ja nicht könnte, wenn er das Zeug gleich aus dem Verkehr gezogen hätte, was aber nicht geht wegen der fehlenden "Rechtsverträglichkeit"? Warum sollte eine Anordnung eigentlich rechtlich angefochten werden, welche die Betreiber der Reinigungen gar nicht groß stört? Darf man den Vorgang als senatorische Klarstellung der folgenden Art werten, daß nämlich "Rechts-" und "Kapitalverträglichkeit" so ziemlich dasselbe und auf keinen Fall mit "Gesundheitsverträg- lichkeit" zu verwechseln sind? Muß man schließlich nicht Politi- ker wie Scherf und Konsorten bedauern, wenn ihr "guter Wille" im- mer im Gestrüpp jener Gesetze und Verordnungen hängenbleibt, das s i e s e l b s t s c h a f f e n? PS: Die GRÜNEN haben mal wieder den Vogel abgeschossen. Sie emp- fehlen, die Reinigungen in die Industriegebiete zu verlegen. Das geht in Ordnung: Wenn die Leute in den Fabriken ohnehin schon vergiftet werden, dann kommt es auf ein paar zusätzliche Dosen Perchlorethylen auch nicht mehr an. Hauptsache, der silberne Wie- senknöterich stirbt nicht aus! zurück