Quelle: Archiv MG - BRD WIRTSCHAFTSPOLITIK UMWELTPOLITIK - Smog und Molke - alles im Griff!
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Bremen aktuell
MVA Bremen: Die größte Dioxinschleuder der Nation
ALLTÄGLICHE VERGIFTUNG, STAATLICH GESCHÜTZT
Das Bremer Umweltinstitut und andere sogenannte unabhängige Gut-
achter haben durch Messungen ermittelt, daß die Bremer Müllver-
brennungsanlage das hochgiftige Dioxin in satten Portionen aus-
stößt. Laut Weser-Kurier vom 13.1.88 ergaben die Überprüfungen
der Techniker in Bremerhaven 0,02 Nanogramm/Kubikmeter Abgas, in
Bremen 0,96 Nanogramm. Diese fast fünfzigfache Schadstoffmenge
berieselt also täglich Leute und Viecher, nicht nur die, welche
rund um den Schornstein wohnen, sondern je nach Windrichtung auch
weiter entfernt liegende Viertel. Die verschiedenen Arten des Di-
oxin, die bei der Müllverbrennung produziert werden, sind alle-
samt auch "in winzigsten Dosen krebserregende Stoffe" (WK), unter
ihnen auch das bekannte Seveso-Dioxin.
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In einer freien Marktwirtschaft gehört die Vergiftung nicht nur
zur P r o d u k t i o n mancher Güter als Gratisgabe für Arbei-
ter und Konsumenten dazu: Östrogene im Schwein, Cäsium in der
Milch, Formaldehyd in Spanplatten. Unter demselben staatlichen
Schutz steht auch die Produktion etlicher Stoffe, bei deren ir-
gendwann einmal unvermeidlichen B e s e i t i g u n g Gifte
freigesetzt werden. Eine ganze Reihe von Kunststoffen gehört
dazu, die in der MVA verbrannt werden. Was dem Menschen abträg-
lich ist, wird in einer Gefahrstoffverordnung gesetzlich ge-
schützt. Entweder, weil gewisse Substanzen dem Geschäft förder-
lich sind, wie etwa die Östrogene oder giftigen Leimbeimischun-
gen. Oder weil sie im Gang des Geschäfts anfallen und nicht ver-
hindert werden können, ohne dem geliebten Geschäft gehörig in die
Quere zu kommen. Und wer will das schon?
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Daß Dioxin Krebs erzeugt, w i s s e n alle Verantwortlichen.
Aussprechen wollen sie die Wahrheit aber nicht, daß dann wohl
auch das MVA-Dioxin etlichen Bremern an die Gesundheit geht. Im
Gegenteil:
"Eva-Maria Lemke zweifelt demgegenüber zwar nicht an der Richtig-
keit der Meßwerte, hält aber die Schlußfolgerung der unabhängigen
Chemiker und der grünen Politiker für falsch. Eine Gefährdung von
Mensch und Tier sei auszuschließen, erklärte sie gestern gegen-
über Journalisten." (WK 13.1.88)
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Die gute Umweltsenatorin erklärt also kurzerhand einen hochgifti-
gen und g e s u n d h e i t s s c h ä d l i c h e n Stoff, des-
sen gemessenen mengenmäßigen Ausstoß sie gar nicht bestreitet,
für g e s u n d. Um diesen "Schluß" nachzuvollziehen, braucht
man keinen Dachschaden zu haben. Man muß nur die staatliche
Brille aufsetzen, durch die Frau Lemke die Verseuchung mit Dioxin
sieht. Dann stößt man nämlich auf das Folgende:
"Alle bisher gemessenen Konzentrationen lägen in Bremen jedoch
unterhalb der Werte der gültigen Gefahrstoffverordnung..."
Und was die dank staatlichem Beschluß an Vergiftung
e r l a u b t, g i l t ab sofort nicht mehr als solche. Die Na-
tur sieht das zwar nicht ein und läßt den Krebs trotzdem wuchern.
Aber es kann keiner Beschwerde einlegen beim Verwalter der Gift-
küche.
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Aufschlußreich ist auch das zweite Argument aus dem Hause Lemke,
mit dem die Giftschleuder verteidigt wird:
"Richard Kluve, Verantwortlicher für Abfallwirtschaft in Eva-Ma-
ria Lemkes Ressort, charakterisierte die TÜV-Ergebnisse gestern
als 'reine Meßergebnisse mit einer gewissen Brisanz', hielt aber
den direkten Vergleich mit anderen Messungen an anderen Anlagen
wegen der unterschiedlichen Untersuchungsmethoden nicht für zu-
lässig."
Nahelegen will der Abfallmann, daß die anderen Müllverbrenner,
würde man sie mit dem Bremer Zollstock messen, womöglich ähnlich
schlechte Ergebnisse erzielen würden. Und dann wäre nach seiner
Logik die Bremer Giftmenge kaum mehr zu beanstanden. Merke: Ist
die größere Vergiftung per Dioxin nur a l l g e m e i n in der
Republik durchgesetzt, dann ist sie in Bremen k e i n e mehr!
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Soweit ist also alles in Ordnung. Die MVA verbrennt Müll. Das an-
fallende Dioxin erzeugt Krebs. Die Grenzwerte werden eingehalten.
Man kann diese T a t e n des Bremer SPD-Senats Ta-
ten l o s i g k e i t nennen. Dann ist man Grüner und betreibt
verantwortungsbewußte Opposition, die dem Möchte-gern-Ko-
alitionspartner nie üble Zwecke, sondern stets nur die Unterlas-
sung nie beabsichtigter Wohltaten vorrechnet.
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