Quelle: Archiv MG - BRD WIRTSCHAFTSPOLITIK UMWELTPOLITIK - Smog und Molke - alles im Griff!
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"Giftmüllnotstand" - "Giftmüllinfarkt droht" - "Millionenschwere
Giftmülldeals" etc., etc.
DIE STAATLICHE SORGE UM VOLKSWIRTSCHAFTLICH
NÜTZLICHE VERGIFTUNG VON MENSCH UND UMWELT
Der wachsenden Sorge des Staates in Sachen Giftmüll und den wach-
senden Maßnahmen zu dessen Beseitigung kann man zunächst einmal
entnehmen, daß Fortschritt in Sachen Umweltschutz nicht heißt: Es
wird immer alles s a u b e r e r. Umgekehrt, der Boom von Ent-
sorgungsfirmen beweist einen ungeheuren F o r t s c h r i t t
b e i d e r V e r d r e c k u n g u n d V e r s e u c h u n g
durch "Industrie"abfälle. Die Entsorgung der 5-10 Millionen Ton-
nen Sondermüll, die jährlich in der BRD "anfallen", "lockt große
Konzerne" (Weser-Kurier, 17.10.89)
Die Redeweise von "Entsorgungsdruck", neuerdings gar
"Giftmüllnotstand", in dem sich der Staat befinde, tut nun so,
als habe dieser mit der
Produktion der Giftmüllberge
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nichts zu tun, als seien sie quasi eine Naturnotwendigkeit der
industriellen Produktion überhaupt, die der Staat dauernd zwecks
Verhinderung von Vergiftung mit seiner Abfallbeseitigungspolitik
unter Kontrolle zu bringen sucht. Nur: Ginge es ihm tatsächlich
um Verhinderung von Vergiftung, die von diesen Abfällen ausgeht,
wäre ein Verbot der P r o d u k t i o n dieser schädlichen Sub-
stanzen die logische Konsequenz. Ist es aber nicht. Dann müßte
der Staat ja den Z w e c k dieser Produktionsweise angreifen,
die er so bedingungslos schützt: Weil es in der Freien Marktwirt-
schaft nur aufs G e w i n n e machen ankommt und Giftstoffe
d a f ü r tauglich sind, werden diese in Massen produziert, sei
es als Geschäftsartikel, als giftige Beimischung in Produkten zur
Steigerung des Gewinns, als rentables Produktionsmittel.
Die Redeweise vom "Anfallen" des Giftmülls, der den Staat unter
"Entsorgungsdruck" setze, drückt also die E n t s c h e i-
d u n g des Staates aus, den Kampf gegen den G r u n d der
Vergiftung von vornherein auszuschließen. Untätig bleibt er
deswegen nicht. Er will einerseits, daß die Geschäfte mit den
Giftstoffen laufen, andererseits aber auch, daß deren schädliche
Wirkungen Mensch und Natur nicht auf einen Schlag ruinieren.
Daher macht er den Kapitalisten Auflagen hinsichtlich der
H ö c h s t m e n g e n an Giftstoffen, die sie am Arbeitsplatz,
in Produkten und Emissionen auf Mensch und Natur ablassen dürfen.
Die G r e n z e n für diese Höchstmengen gehen von der Berech-
nung aus, wieviel Vergiftung ein durchschnittlicher Mensch aus-
halten kann, ohne vorzeitig wegzusterben. Der Staat rechnet also
damit, daß die Gesundheit etlicher Leute auf der Strecke bleibt.
Er will nicht die Gesundheit des einzelnen, sondern die
V o l k s g e s u n d h e i t schützen. Er schränkt die Freiheit
der Geschäfte mit dem Gift ein, um Mensch und Natur als
b r a u c h b a r e s G e s c h ä f t s m a t e r i a l zu er-
halten, d a m i t also die Geschäfte weiterlaufen können.
Fazit: Die Giftmüllberge sind nicht ein Problem, dem der Staat
g e g e n ü b e r steht, sondern das R e s u l t a t der Gift-
produktion, die er in volkswirtschaftlich nützlichen Grenzen er-
laubt und fördert.
Wenn er sich um das "Problem" der
"Entsorgung"
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kümmert, handelt er konsequenterweise nach denselben Kriterien
namens Wirtschaft und Volksgesundheit wie bei der Produktion der
Giftstoffe.
Aus Rücksicht auf Volksgesundheit und Natur als Produktionsbedin-
gungen verbietet er den Kapitalisten, ihren Dreck einfach in die
Landschaft zu kippen. Aus Rücksicht aufs Geschäft relativiert er
dieses Verbot wegen der Kosten, die bei einer rigorosen Unschäd-
lichmachung der Gifte die Bilanz belasten würden. So gibt es dann
doch die Erlaubnis, Gift einfach in der Nordsee zu verklappen;
desweiteren die Erlaubnis, Gifte nicht nur zu transportieren und
zu lagern zwecks "Entsorgung", sondern auch geschäftsmäßig wie-
derzuverwerten. (Paragraph 1, Abs. 2, Abfallgesetz) Das eröffnet
Entsorgungsfirmen eine ganz neue Geschäftssphäre und versorgt die
kapitalistische Produktion mit Giftabfällen als kostengünstigen
Produktionsmitteln.
"Umweltverträgliche" Entsorgung muß sich folglich auch an staat-
lich definierte G r e n z w e r t e halten, so daß die erlaub-
ten "Beseitigungs"verfahren darin bestehen, die Giftabfälle so zu
s o r t i e r e n, zu m i s c h e n und über die Landschaft zu
v e r t e i l e n, daß die Giftstoffe auf die zulässigen Grenz-
werte v e r d ü n n t werden.
K l ä r a n l a g e n z.B. "erzeugen" Klärschlamm, der bei
"besonders hoher" Konzentration von Schwermetallen in Sondermüll-
deponien gekippt, bei der zugelassenen Belastung an die Landwirt-
schaft oder zur Kompostierung weiterverkauft wird. Beim angeblich
umweltschonenden Verfahren der K o m p o s t i e r u n g wird
der vorsortierte Müll nun mit dem "reinen" Klärschlamm vermischt
und bakteriell zersetzt. Ein Teil dieses Komposts wird nun wie-
derum wegen der hohen Schwermetallbelastung als Sondermüll aus-
sortiert, der Rest vermarktet.
Die F i r m a "Umweltschutz Nord" z.B. vermischt stark vergif-
tete Ölschlämme, die bisher in die Sondermülldeponie Schönberg
gekippt wurden, mit diesem "reinen" Kompost zu "humusreichem Mut-
terboden" mit einem Verfahren, das einen Teil der Gifte bakteri-
ell zersetzt, einen Teil in die Abwässer und in die Luft emit-
tiert (= "Ausgasung"). Mit der Vermarktung dieses Drecks wird
also ein Großteil der Gifte wieder in den "Wirtschaftskreislauf
zurückgeführt".
Indem der Staat nun Giftmüllbeseitigung als Geschäft abzuwickeln
erlaubt, unterstellt er auch diese Dienstleistung der
Kalkulation mit Kosten und Gewinn
Diese Kalkulation ist der S t a c h e l f ü r d i e
Ü b e r t r e t u n g d e r s t a a t l i c h e n
U m w e l t s c h u t z a u f l a g e n: Transportunternehmen
nehmen z.B. für teures Geld Sondermüll zur Entsorgung an, dekla-
rieren ihn als Hausmüll um und kippen ihn in billigere Haus-
mülldeponien, oder in noch billigere Drittweltländer oder nach
Schönberg oder gleich ins Meer, das bringt die größte Gewinn-
spanne.
Reinigungsfirmen wie z.B. "Umweltschutz Nord" benutzen krank-
heitserregende Bakterien zur "Reinigung" der ölverseuchten Böden,
wenn diese nur schneller Öl fressen etc.
D a s Geschäftsmittel der Beseitigungsfirmen ist also das Drehen
an den Kosten der Beseitigung, so daß die staatlichen Umwelt-
schutzauflagen paradoxerweise einerseits d i e B e d i n-
g u n g ihres Geschäfts überhaupt sind, andererseits ein
einziges H i n d e r n i s für ihre Geschäfte, deren Gewinn sie
schmälern.
I l l e g a l i t ä t ist also in diesem Geschäft n o t-
w e n d i g die R e g e l, u n d d a s w e i ß der Staat.
Weswegen hätte er sonst einen ganzen Beamtenapparat mit Genehmi-
gung und Kontrolle dieser Geschäfte beauftragt und straf-
rechtliche Bestimmungen erlassen, die ja alle mit den Übertretun-
gen seiner Vorschriften r e c h n e n!
Bleibt nur noch die Frage, warum der Staat überhaupt wissentlich
d e n B o c k z u m G ä r t n e r m a c h t, d.h. den Wider-
spruch praktiziert, denselben Geschäftssinn, vor dessen ruinösen
Wirkungen er Umwelt und Volksköper schützen will, mit diesem
Schutz zu beauftragen!
Dieser Widerspruch folgt allerdings nur konsequent aus dem
Z w e c k, weswegen der Staat Umweltschutz betreibt. Mensch und
Natur sollen ja geschützt werden f ü r weitere Benutzung durchs
Geschäft, also r e l a t i v i e r t er diesen Schutz auch an
den "Notwendigkeiten" desselben. Als Geschäft abgewickelter Um-
weltschutz schlägt nämlich 2 Fliegen mit einer Klappe. Die
U n k o s t e n, die der Wirtschaft und der Staatskasse für
Abfallbeseitigung entstehen, werden g e s e n k t wegen der
rentableren Entsorgung durch eigens dafür zuständige Kapitale.
Zugleich werden mit demselben "Verfahren" wiederverwertbare
Giftabfälle als Mittel des G e w i n n e machens hergestellt,
die Unkosten also in eine B e r e i c h e r u n g s q u e l l e
verwandelt, von der der Staat auch noch absahnen kann. Mit dieser
Kalkulation s c h a f f t der Staat die Kontrollnotwendig-
keiten, denen er mit seinen Müllwächtern hinterhersteigt.
Die V e r g i f t u n g, die da m i t s t a a t l i c h e r
K o n t r o l l e abgewickelt wird, ist also der Skandal!
Für die kritische Öffentlichkeit beginnen
Giftmüllskandale
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jedoch immer erst an dem Punkt, wo sie entdeckt zu haben glaubt,
dem Staat sei der Umweltschutz a u ß e r K o n t r o l l e ge-
raten bzw. er habe gegen seine eigenen Umweltvorschriften versto-
ßen.
So wurde z.B. der Bremer Umweltbehörde vorgeworfen, sie habe bei
der (Vorab-)Genehmigung der Firma "Umweltschutz Nord" von deren
Überschreitung der Grenzwerte in den gereinigten Böden gewußt.
Solche "Verstöße" hat sich der Staat jedoch als Ausnahmen eigens
erlaubt, z.B. sollen sich die
"Anforderungen an die Entsorgung von Abfällen nach dem Stand der
Technik richten und in der Regel eine umweltverträgliche Entsor-
gung gewährleisten." (Paragraph 4, Abs. 5)
"Stand der Technik" sind solche Verfahren, deren Anwendung das
0Kapital bereits für rentabel erachtet hat und sich deshalb "am
Markt durchgesetzt" haben. Konsequent sind diese und alle anderen
Ausnahmen deshalb: Da die jeweils gesetzlich fixierten Aufla-
gen/Grenzwerte ja schon der staatlichen A b w ä g u n g ent-
springen, wieviel an Vergiftung er Mensch und Natur fürs Laufen
der Geschäfte zumuten will, will er sich natürlich
o f f e n l a s s e n, im Interesse l a u f e n d e r Unter-
nehmungen diese Abwägung wiederum zu relativieren, so daß jeder
Paragraph des Abfallgesetzes seine A u s n a h m e n enthält,
die nur d i e R e g e l b e s t ä t i g e n: Umweltschutz
bzw. Gesundheit ist kein G u t, das man einklagen könnte, weil
es k e i n e i g e n s t ä n d i g e s Z i e l des Staates
ist, sondern a b h ä n g i g e V a r i a b l e seiner
gesamtwirtschaftlichen Sorge, die er "Wohl der Allgemeinheit"
nennt und die dem einzelnen Bürger nur eins garantiert: mehr oder
weniger staatlich kontrollierte Vergiftung.
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