Quelle: Archiv MG - BRD WIRTSCHAFTSPOLITIK UMWELTPOLITIK - Smog und Molke - alles im Griff!
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Polizei räumt Dorstfeld-Süd
DIE ENTSORGUNG DES GIFTBODENS VON DEN BETROFFENEN ANWOHNERN
Gestern hat die Polizei das verseuchte Gebiet der ehemaligen Ze-
che Dorstfeld von protestierenden Siedlern geräumt. Dann hat die
Stadt Dortmund mit der Sanierung des Bodens angefangen. Demnächst
fallen zusätzlich giftige Dämpfe und Stäube en masse an. Der Pro-
test der Siedler wird als eine unzulässige Störung behandelt. Sa-
nierungsarbeiten unter Polizeischutz - das SPD-Giftmanagement ist
damit an seinem konsequenten Ende angekommen:
SPD-Giftmanagement 1. Teil:
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1979 kauften die Politiker die Grundstücke der stillgelegten Ko-
kerei für 5,- bis 25,- DM auf, wiesen sie als Baugrund aus und
verkauften sie daraufhin mit erklecklichem Profit an diverse
Häuslebauer. Das Wissen, daß der Boden Gift jede Menge enthielt:
Benz(a)pyren, Cadmium, Blei usw., mit dem die Harpener AG jahr-
zehntelang den Boden anreicherte, hatte dabei nur gestört, und so
wollte es auch keiner wissen.
SPD-Giftmanagement 2. Teil:
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Nach ein paar Jahren hatte sich die Scheiße soweit an die Ober-
fläche hochgearbeitet, daß gesundheitliche Schäden für die mitt-
lerweile dort Ansässigen einfach nicht mehr zu übersehen waren.
Jetzt "nahmen sich" Kommunalpolitik und Stadtverwaltung "der Sa-
che an", die Instanzen also, die die Verseuchung und die Folgen
daraus längst mit ins Kalkül gezogen hatten. Die alten Kokerei-
besitzer verwiesen darauf, daß die Stadt ihre Aufzeichnungen über
die Bodenverschmutzung bewußt ignoriert hatte - die Verwaltung
war gleichzeitig "von den neuen Erkenntnissen vollkommen über-
rascht". Handeln tat sie gleich und ließ eine Untersuchung nach
der anderen anfertigen. Überraschendes Ergebnis: Gift! Aber wie-
viel? Usw. Nur wer dauernd mit dem lebensbedrobenden Zeug rechnet
und festlegen will, was davon für die Bewohner zumutbar ist und
was nicht, fordert laufend Informationen - über den aktuellen
G r a d der Vergiftung. Gemäß den danach gefaßten Entscheidungen
muß sich dann jeder helfen lassen. Im Wissen um den sicheren
Schaden gibt es Schadensersatzregelungen - weil sie billig sein
sollen, wird zwischen einem kleinen Kerngebiet, das evakuiert
wird, und einem großen Randgebiet, wo die Leute auf dem Giftfaß
wohnen bleiben sollen, unterschieden. Untersuchungen, daß das
Gift sich nicht nach der Unterscheidung richtet, tun weiter
nichts zur Sache.
SPD-Giftmanagement 3. Teil:
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Damit hat verantwortliche Umweltpolitik getan, was sie konnte.
Daß es jetzt immer noch Leute gab, die damit nicht einverstanden
waren, mußte die Politiker einfach um ihre Geduld bringen.
Wenig geholfen hat dabei den Demonstranten die Beteuerung, daß
sie ein rechtmäßiges Anliegen mit anständigen Mitteln verfolgen.
"Nach einem abgestuften Einsatzkonzept" (und bist Du nicht wil-
lig, so brauch' ich Gewalt) wurden die Siedler abgeräumt. Auch
das gehört zu einer demokratischen Störfallverordnung.
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