Quelle: Archiv MG - BRD WIRTSCHAFTSPOLITIK UMWELTPOLITIK - Smog und Molke - alles im Griff!
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Münchner Hochschulzeitung Nr. 9, 11.02..1981
CADMIUM UND ASBEST - EIN GEFUNDENES FRESSEN FÜR POLITIKER
Bei den anhängigen "Umweltskandalen" in Sachen Cadmium und Asbest
wird weder verschwiegen, wo das Zeug herkommt, noch, daß es den
Grund von Krankheiten abgibt: Asbeststaub bewirkt "Asbestose"
(Lungenversteifung) - Cadmium verursacht Nierenversagen, und bei-
des ist Grund für Krebs. Die Tatsache, daß die Freisetzung von
diesem giftigen Zeug deshalb passiert, weil Cadmiumproduktion und
Asbestzementfabriken profitable Anlagesphären für deutsches Kapi-
tal sind, wird nicht verschleiert, sondern in aller Öffentlich-
keit als das Problem: "Wirtschaftlichkeit versus Gesundheitsge-
fahr" gewälzt. Dabei kommt keiner auf die Idee, die Produktion
von so Zeug einfach zu verbieten:
"Es muß bei der Diskussion (des Asbestberichts des Umweltbundes-
amtes) ermittelt werden, bei welchen Produkten Maßnahmen sofort
eingeleitet werden müssen und auf Abwägung mit Arbeitsplätzen zu
verzichten ist, weil die Gesundheitsgefahr zu groß ist."
(Innenminister Baum, nach Süddeutsche Zeitung, 5.2.81) Wenn es
schon konjunkturgerecht en vogue ist, das Treiben der Kapitali-
sten als "Produktion" oder doch zumindest als "Erhalt" von
A r b e i t s p l ä t z e n zu besprechen, dann gehört es sich
eben diskutiert, wieviele durch Asbestinvalidität ihren Arbeits-
platz räumen sollen, bis abgewogen ist, daß der Herr Minister
nicht mehr abwägt. Bei dieser Themenstellung der "Problematik"
von "Umweltpolitik" ist e i n Ergebnis der Erörterung schon
sichergestellt: daß nämlich Umweltschutz eine schwierige Proble-
malik ist, an der sich die Politiker als vertrauenswürdige zu be-
währen haben.
So geht es bei dem "Ministerstreit" um die vom Umweltbundesamt
festgestellten "Asbestschäden" darum, daß Ehrenberg von Baum
"eine bessere Abstimmung verlangt, damit neben Ankündigungen des
Künftigen nicht die Leistungen der Bundesregierung vergessen wer-
den." (SZ, 6.2.81)
Politiker denken eben weiter, denn die paar Asbestkranken werden
die nächste Wahl schon nicht vermasseln; schlimmstenfalls kriegt
die Opposition ihre Stimmen, wenn sie 1984 noch am Leben sind.
Was der Bonner Szene ihr Asbestzement von Eternit ist, ist den
Münchner Lokalmatadoren ihr Cadmium von Bärlocher. Auch hier wird
die genehmigte Ausweitung auf den dreifachen Betrag der Cadmium-
chlorid-Produklion durch die besagte Firma zu der Frage: Wer
zieht den größten politischen Nutzen daraus?
Ein nicht mehr gewählter SPD-Pfeiffer malt einen "totalen Ver-
trauensverlust" der lieben Münchner Mitbürger in das städtische
Umweltamt an die Wand mit der Spekulation auf den "relativen Vcr-
trauensgewinn" für seine bescheidene Person bei den nächsten
Stadtratswahlen. Die (ebenfalls oppositionelle) FDP-Fraktion mo-
niert die Aussage von Umweltamtschef Fischer, der die Genehmigung
als "reinen Routinefall" bezeichnet, was eben den Tatsachen ent-
spricht. Sowas ist vielleicht ein Skandal, wenn die Genehmigung
nicht erst nach langem parlamentarischen Hin und Her erteilt
wird.
Was für eine schöne Gelegenheit für einen SPD-Böddrich, mal
seinem Verbalradikalismus freien Lauf zu lassen. Plötzlich
entpuppt sich das städtische Umweltamt als "Interessenvertreter
des Kapitals und nicht der Bevölkerung" (SZ, 5.2.81). Wenn das
nicht ein paar Stimmen in Schwabing bringt, damit die SPD in der
Stadtverwaltung wieder das Sagen kriegt, um im Namen der
Bevölkerung sich "der schwierigen Problematik der Verarbeitung
hochgiftiger Schwermetalle" (Schmolcke, SPD) zu stellen.
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