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Die Republik dreht durch - mit Tempo 100
DIE VORLÄUFIG ÜBERZEUGENDSTEN ARGUMENTE FÜR UND GEGEN TEMPO 100
Pro
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Die Automotoren halten länger; die Abnutzung der Autobahnen aber
ihre kontinuierliche Benutzung eher gesichert.
Bei Tempo 100 statt z.B. 110 finden um ein Drittel mehr Chauf-
feure einen Arbeitsplatz. Ältere Autos, Schrottwagen und Kleinwa-
gen finden wieder vermehrt Anwendung, entlasten so die Schrott-
halden und vermehren die Arbeitsplätze der Kleinwagenhersteller.
Auf dem Tachometer können mehrere Striche und Zahlen eingespart
werden.
Alle Berufstätigen stehen früher auf (Morgenstund hat Gold im
Mund), kommen ausgeruht und ungehetzt an ihrer Arbeitsstätte an;
nach getaner Arbeit haben sie schon auf dem Heimweg genügend
Zeit, sich zu entspannen und die so verlängerte Freizeit ohne
Hast zu planen. Rentner, ältere Witwen und Teilarbeitsunfähige
wagen sich wieder auf die Autobahn.
Wiesheu wäre nie ins Gefängnis gekommen, weil er bei allgemeinem
Tempo 100 den schwarzen Block vor sich nie hätte erreichen kön-
nen. Der vor allem bei Politikern nicht zu umgehende Alkoholgenuß
wäre sehr viel ungefährlicher, da 1,99 Promille für Tempo 100 in
der Regel ausreichend sind.
Die menschliche Psyche braucht zu ihrer Stabilisierung das
gleichmäßige, ruhige Rollen mit einer runden Zahl. Tempo 100 für
alle stärkt das Zusammengehörigkeitsgefühl und verhindert den
zermürbenden Kampf der Klein-PS-Halter mit den Turborittern, der
nur zu Neid, Stolz und Aufregung führt.
Hasen, Rehe, Radfahrer und Igel können wieder unbehelligt die Au-
tobahn überqueren, weil das neue Tempo ihrer eigenen Laufschnel-
ligkeit näherkommt.
Bei Tempo 100 nähme der Streß der Politiker ab, sie hätten im
Auto länger Zeit, ihre Reden durchzulesen, und würden nicht un-
vorbereitet ins Parlament kommen. Das würde dem afghanischen Volk
mehr zugute kommen als jettende Abgeordnete, die ohne rechtes
Konzept wild auf den Russen rumhacken.
Die bisher noch zu wenig bekannte Dunkelziffer der Abtreibung mit
dem Auto (Höchsttempo, Überhitzung sämtlicher Nerven, plötzliche
Vollbremsung) nähme ab. Im Gegenteil wäre bei Tempo 100 die
fruchtbare, liebende Vereinigung der Geschlechter wieder möglich.
Tempo 100 aus Liebe zum deutschen Kind.
Die Bundeswehr könnte bei ihren militärischen Bewegungen auf
Deutschlands Straßen ihren verhaltenen, defensivcn Charakter zei-
gen. Die unsinnige und teure Produktion von überzüchteten, über-
schnellen Panzern würde eingestellt und so mit Tempo 100 auch der
Frieden gesichert.
Bei Tempo 100 würde man viel mehr von der Landschaft, von der
Heimat, vom deutschen Wald sehen. Die Freude an grünen Bäumen wie
auch das Entsetzen über kranke würde die Liebe zum Wald stärken
und das Umweltbewußtsein schärfen.
Schnellfahrer sind unverantwortlich. Sie vergiften mit ihrem
zweifelhaften Vergnügen zwischen 180 und 200 ohne Rücksicht auf
die Steuerzahler den Wald. Außerdem sind sie meistens egoistisch.
Contra
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Durch ihren längeren Aufenthalt im Freien rosten die Karosserien
eher. Die Reparaturkolonnen der Autobahnen verlieren ihre Ar-
beitsplätze. Leere Autobahnen, unerläßlich für das Rosten und
Durchatmen der Straßenflächen, bleiben aus.
Die Chauffeure kündigen, weil sie keinen Arbeitsplatz wollen, der
langweilig und nicht leistungsorientiert ist. Mercedes und Por-
sche machen dicht, vernichten tausende von Arbeitsplätzen, weil
sie nur noch für die Formel I produzieren. Die Menschen verlieren
das Gefühl für größere Zahlen; das zementiert die Borniertheit
derer, die nicht bis drei zählen können.
Unausgeschlafene neigen dazu, wenn nicht schon im Auto (bei dem
Tempo), dann aber am Arbeitsplatz einzunicken. Das verschlechtert
das Betriebsklima um 30%. Mütter und Kinder rechnen noch später
mit Vaters Rückkehr von der Arbeit und stellen planlose Sachen
an. Das Familienoberhaupt verliert die Kontrolle über seine Fami-
lie. Rentner, ältere Witwen und Teilarbeitsunfähige haben auf der
Autobahn sowieso nichts zu suchen. Statistisch verstärkt sich bei
Menschen über 65 die Veranlagung, gerade bei niederen Tempi das
Gefühl für die Geschwindigkeit zu verlieren. Eine nicht zu unter-
schätzende Gefahr für den Straßenverkehr.
Wiesheu hätte wahrscheinlich noch mehr schwarze Blöcke gesehen
und abgeräumt, weil die drei Liter Alkohol viel länger Zeit ge-
habt hätten, das Fahrgefühl zu verwirren. Gerade bei 1,99 Pro-
mille kommt es darauf an, zügig und im Nu die nächste Kneipe zu
erreichen, um sich dort vom Wirt ein Taxi bestellen lassen zu
können.
Die menschliche Psyche ist ohne ein gewisses aggressives Element
nicht zu denken, was ohne zeitweilige Entladung zu Verklemmungen
führt. Die Autobahn mit 180 Sachen ist der rechte Platz für die
Befriedigung dieses Grundbedürfnisses, das an anderen Orten -
etwa in der Familie oder in der U-Bahn - häufig zu Komplikationen
führen kann. Es ist statistisch erwiesen, daß schnelle Fahrer und
Fahrerinnen ausgeglichener sind und auf Mitmenschen freundlicher
zukommen. Besitzer von Turboschlitten leiden nur zu 0,5% unter
Potenzstörungen.
Das Wild, das sich längst an die schnellen Zeiten gewöhnt hat,
verendet elendig.
Politiker, die einen 12-14-Stundentag haben, kommen zu spät zu
ihren Lokalrunden und zur Bundestagsdiskussion über Afghanistan.
Das zwingt sie, bei teueren Flugzeugen Zuflucht zu suchen, was
wiederum Anlaß ist, sich heimlich Spenden zu verschaffen.
Es gibt keinen statistischen Beweis, daß mit schnellen Wagen mehr
abgetrieben wird als mit langsamen. Es ist noch nicht einmal be-
wiesen, ob überhaupt regelmäßig mit Autos abgetrieben wird. Das
Verhältnis der Geburtenhäufigkeit zum Tempo verhält sich erwiese-
nermaßen genau umgekehrt. Prof. Hackethal hat in zahlreichen Ge-
sprächen mit Autofahrern beiderlei Geschlechts herausgefunden,
daß sich bei Verheirateten mit Tempo 100 schon nach kurzer ge-
meinsamer Wegstrecke nichts mehr schiebt.
Die aktive Kampfbereitschaft der Soldaten würde eingeschläfert.
Sie bräuchten viel länger bis zur Zonengrenze und würden so die
Ruhe der Bürger über die Maßen stören. Im übrigen ist es unpas-
send, die Diskussion um das Tempo auf den Autobahnen mit militä-
rischen Angelegenheiten zu vermischen.
Gerade die langweilige und dauernde Sicht der Autobahnränder mit
ihren verrotteten Bäumen führt zu Fehleinschätzungen. Man über-
sieht so, wieviel Wald noch gesund ist, und untergräbt so die
Liebe zum deutschen Wald. Überhaupt eine böswillige Unterstel-
lung, daß der schnelle Fahrer seinen Wald nicht liebe und nicht,
wenn er sein Ziel erreicht hat, einen genießenden Blick auf die
deutsche Landschaft werfe.
Gerade das langsame Vorbeifahren an den Bäumen setzt diese viel
länger den schädlichen Stoffen aus. Im übrigen wird erst gete-
stet, ob es überhaupt einen ursächlichen Zusammenhang zwischen
Geschwindigkeit und Waldsterben gibt. Neulich wurde bekannt, daß
es Waldgebiete gibt mit hoher Sterblichkeitsrate, die nie ein
Auto, geschweige denn Tempo 180 erlebt haben. Autofahrer mit
schnellen Wagen sind nicht egoistisch, sondern tun unser Bestes,
indem sie so schnell fahren, wie es geht. Das ist ihr legitimes
Recht, fördert den Aufschwung und setzt dem zunehmenden Pessimis-
mus im Lande den Fortschritt entgegen. Auch Autofahrer, die gern
schnell fahren, bringen Opfer. Sie hängen dies aber nicht an die
große Glocke.
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