Quelle: Archiv MG - BRD WIRTSCHAFTSPOLITIK UMWELTPOLITIK - Smog und Molke - alles im Griff!


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       Nach der Sozial- nun auch die Umweltunion
       

DER DRECKPRODUZENT BRD SETZT MASSSTÄBE

Man ist sich einig. Die DDR ist eine der größten Dreckschleudern auf unserem Erdenrund. Der Beweis ist augenscheinlich. Jeder Trabi mit seinem blauen Dunst, Abwässer in der Elbe und dann die Energieerzeugung mit Braunkohle. Damit steht umgekehrt auch fest: "Wir" sanieren die Umwelt der DDR! Im Staatsvertrag hat die Regierung die "Umweltunion" festge- schrieben. Die DDR erhält am 1. Juli nun Grenzwerte, ein "Verur- sacherprinzip" und einen "Stand der Technik" nach bundesdeutschem Muster. Was sind sie, die kapitalistischen Standards, die in der DDR ab sofort gelten sollen, bei deren konsequenter Anwendung die "Hälfte aller DDR-Betriebe dicht machen" müßte? Das ist nämlich das Rätsel: Wie kann die BRD, deren verseuchte Böden, dreckige Luft und ungenießbares Wasser plus Müllexport aktenkundig sind, plötzlich als der große Saubermann dastehen? Daran, daß es bis- lang in der DDR noch dreckiger war, kann es jedenfalls nicht lie- gen. Die Auflösung ist so einfach wie ferneliegend: Es ist doch klar, daß der größte Dreckproduzent über die "schärfsten Umweltschutzbestimmungen" verfügt, denn anders geht es bei ihm längst nicht mehr. Grenzwerte ---------- Die absolute Verseuchung ist in der BRD so weit fortgeschritten, daß eine "Beseitigung" der Schmutzfracht aus den Fabriken durch Verdünnung nicht weiter möglich ist. Die "Politik der hohen Schornsteine", die die SPD seinerzeit notgedrungen als Rezept ge- gen den "schwarzen Himmel über der Ruhr" verordnet hat, ist mit ihrer gleichmäßigen Verteilung des wirtschaftlich nicht interes- sierenden "Abprodukts" schon wieder an ihre Grenze gestoßen. Grenzwerte definieren nun den erlaubten Grad der "Immission" für jeden einzelnen Stoff, mit dem ein Unternehmen nichts mehr an- fangen will. Ein solcher Grenzwert ist also immer zweierlei: ein- mal eine A u f l a g e für den Betrieb, zum anderen eine E r l a u b n i s. Staatlicherseits wird kalkuliert, wieviel die Umgebung verträgt. Für die DDR ergeben sich daher gleich Relativierungen der in der BRD geltenden Werte: "Investitionen dürfen nicht an den Schadstoff-Vorbelastungen des Standorts scheitern.'' Dabei handelt es sich jedoch nicht um einen extra Malus für die Ostzone, sondern um die konsequente Anwendung des "Immissions"-Gedankens, bei dem eben nicht der Grundsatz zum Tra- gen kommt, daß nichts in die Umgebung geblasen wird, was dort nichts zu suchen hat, sondern die "Einwirkung" begutachtet wird. Es wird dem marktwirtschaftlichen Betriebsinteresse an kostenlo- ser Abfallbeseitigung recht gegeben und dies zur Erhaltung der allgemeinen Produktionsbedingungen ins Verhältnis gesetzt. Frei formuliert in den Worten eines Marktwirtschaftlers hört sich das etwa so an, daß Umweltschutz kein Selbstzweck sein kann und eine rentable Produktion auf keinen Fall verhindern darf. Stand der Technik ----------------- Die Auflagen der Umweltgesetzgebung hat der bundesdeutsche Staat seinen Unternehmern schonend beigebracht. Entsprechende Übergangsfristen haben regelmäßig dafür gesorgt, daß nach Mög- lichkeit kein Unternehmer dazu genötigt wurde, nachträglich seine Anlagen umzubauen nur wegen des Umweltschutzes. Umgekehrt sollten die bekanntgemachten Richtlinien dafür sorgen, daß bei der alle- mal fälligen Neukonstruktion von Produktionsanlagen die staatli- chen Maßgaben berücksichtigt werden. Die Kostenbelastung aus den Vorschriften für Emissionsverringerung sollten sozusagen in den Kosten für die Entwicklung neuer Maschinerie aufgehen, so daß man zum Schluß gar nicht mehr unterscheiden kann, was an der neuen Maschine eine Erfüllung einer Umweltschutzauflage, und was eine Verbesserung des Wirkungsgrades der Maschine ist, der dann auch als Gewinn an "Umweltqualität" ausgedrückt werden kann. Die all- gemeine Notwendigkeit der Erneuerung des Maschinenparks ergibt sich in einer Marktwirtschaft aus den Zwängen der Konkurrenz, durchaus noch taugliche Gerätschaften wegen erforderlicher Ko- stensenkungen durch neue zu ersetzen. In dieser Hinsicht ist der Kapitalismus dem "realen Sozialismus" in der Tat "überlegen", der die Energieverschwendung dieses "moralischen Verschleißes" der Maschinerie noch nicht als Hebel seiner Planwirtschaft entdeckt hatte. Mit "Sanierung der Umwelt" hat dieses Konkurrenzprinzip des Ka- pitalismus wenig zu tun. Die Umweltunion nimmt jedenfalls Rück- sicht darauf, daß auch mit den Apparillos, so wie sie sind, noch rentabel gewirtschaftet werden kann. "Bei Altanlagen gelten die Sanierungskonzepte bundesdeutscher Vorschriften. Allerdings sind jeweils um ein Jahr längere Fristen vorgesehen." Bis zum Jahr 2000 soll es dann in der DDR genauso aussehen wie in der BRD - nein, das heißt ja jetzt anders: das "bestehende Umweltgefälle zwischen beiden Teilen Deutschlands vollständig ausgeglichen sein." Verursacherprinzip und Umweltsteuern ------------------------------------ Diese beispiellosen Errungenschaften der freien Gesellschaft er- hält der andere Teil Deutschlands nun ebenfalls. Mit Vorliebe von Grünen und Alternativen als "Steuerungsinstrument" der Markt- wirtschaft gepriesen, eröffnen diese staatlichen Zwangsmaßnahmen dem Unternehmer die Freiheit der Kalkulation. Eine Abwasserabgabe beispielsweise rechnet sich gegen die Kosten einer Klärung der Abwässer. Das ist doch einmal ein feines Prinzip: Der Verursacher rechnet sich aus, was ihn billiger kommt, und gegebenenfalls zahlt er einen Obulus dafür, daß er seinen Dreck in den Fluß kippt. Der Staat, der die Gebühren kassiert, macht's dann weg? * Den konkreten Maßnahmen des "Umweltschutzes" kann man entnehmen, worum es geht. Es geht um die marktwirtschaftliche Rech- nungsweise, die für jeden Betrieb verbindlich ist, und diese Rechnungsweise gebietet es einem verantwortlichen Unterneh- mensleiter, Abfälle seiner Produktion, mit denen er nichts mehr anfangen will, kostengünstig in die Landschaft zu hauen. Da ist bis zu einem gewissen Grad der Staat vor, da schließlich auch an- dere die Nation als billige Müllkippe benutzen wollen. Das muß geregelt werden. Die betriebliche Kostenrechnung ist dabei aner- kannt, sie ist nämlich volkswirtschaftlich geboten. Die Vergleicherei, daß man mit den bundesdeutschen Normen im- merhin besser fährt als mit der alten DDR-Schlamperei, sollte man also besser lassen. Fürs individuelle Wohl sind auch die westli- chen Grenzwerte nicht gemacht. Umweltschutz ist nicht "gut", son- dern im Kapitalismus eine N o t w e n d i g k e i t, die auf die Fortführung des Geschäfts berechnet ist. Wenn man seine Hoff- nung jetzt darauf setzt, daß einigen Stinkern der alten Republik der Hahn abgedreht wird - hat sich schon jemand in der Ostzone kundig gemacht, was stattdessen in Zukunft zu den alltäglichen Bestandteilen der gesamtdeutschen Lebensqualität zählt? Das krebserzeugende Benzol aus der fortschrittlichen Katalysatortech- nik bundesdeutscher Autos statt der ungefilterten Verbrennungs- rückstände des Zweitaktergemischs der volkseigenen Energie- sparlimousinen. Dioxin aus den handelsüblichen Müllver- brennungsanlagen statt - ach so, den Abfall des reichen Nachbarn hat die DDR ja schon immer deponiert. Und bezüglich der Ener- gieversorgung ist bundesdeutschen Unternehmen tatsächlich auch nichts anderes eingefallen als ostdeutschen Ingenieuren. Braun- kohle verfeuern die Energieunternehmen der BRD auch, lediglich was rentabel ist, da kennen sie sich natürlich wesentlich besser aus und diskutieren die Wirtschaftlichkeit des Verhältnisses von Abraum und Qualität der geförderten Kohle. Die Nutzung der Erd- wärme in der norddeutschen Tiefebene andererseits galt schon bei DDR-Technikern für eineinhalb mal so teuer wie andere Wärmequel- len. Nur bei der Handhabung zulässiger Becquerel aus Kernkraft- werken sind sich beide Seiten anscheinend ziemlich einig - da ist "Umweltschutz" bloß eine Frage des (fehlenden) Containment. Auf diese Weise stellt sich eben heraus, daß Umweltpolitik ledig- lich ein Gesichtspunkt, nicht die Richtschnur des neuen wirt- schaftlichen Handelns ist. So hat die "öko-soziale Marktwirt- schaft", die jetzt drüben kommt, nicht nur zwei "gut", sondern man muß sich vor allem ihrer "Realität" stellen. Und da weiß man in der DDR auch schon wieder, daß sich "Umwelt" gegen "Arbeitsplätze" rechnen soll. Soweit steht offensichtlich fest, daß wg. Umwelt in der DDR so schnell kein Betrieb mehr zugemacht wird. Der Gedanke, wie schlimm alles im alten System war, hat seine Schuldigkeit getan. zurück