Quelle: Archiv MG - BRD WIRTSCHAFTSPOLITIK UMWELTPOLITIK - Smog und Molke - alles im Griff!
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Umweltminister Töpfer auf Staatsbesuch in der DDR
UNSER SAUBERMANN BEI DEN DDRECKSBRÜDERN
So ungefähr soll man das Treffen von Töpfer mit seinem DDR-Amts-
kollegen verstehen.
"Wäre der Umweltminister nicht gewohnt, gegen Windmühlenflügel
anzugehen, er müßte frühzeitig resignieren."
Welcher unerschütterliche Kampf des Ministers ist denn da ge-
meint? Vielleicht, daß er entschieden die Atomkraft fördert, die
Wiederaufbereitungsanlage in Wackersdorf durchzieht und staatli-
che Millionen auf die Mühlen des Schnellen Brüters leitet? Viel-
leicht, daß er vor 'vorschnellen' administrativen Maßnahmen gegen
die Dünnsäure-Verklappung in der Nordsee warnt und der DDR vor-
rechnet, daß sie für den Elbe- und Nordseedreck maßgeblich ver-
antwortlich ist? Kämpft der Minister gegen Windmühlenflügel, wenn
er sich sauzufrieden zeigt, weil die Hanauer Atomfirmen von der
Justiz bestätigt bekommen haben, daß sie schon immer mit vollem
Recht Brennstäbe und Plutonium produziert und in alle Welt expor-
tiert haben? Oder versucht er angesichts seiner Hoechst-, BASF-
und Bayer-verträglichen Auflagen für Rhein- und Mainvergiftung
nicht zu resignieren?
Und an welcher Halsstarrigkeit der DDR-Behörden soll er denn fast
verzweifelt sein? Vielleicht daran, daß die DDR für Devisenein-
nahmen haufenweise EG-Dreck bei sich lagern läßt? Daran, daß die
BRD den Elbeschlamm, den sie bei Hamburg ausbuddelt, prompt über
die Grenze auf eine DDR-Sondermülldeponie rüberschafft? Die DDR
scheitert bei der Werra-Entsalzung daran, daß bundesdeutsche Fir-
men ihr keine Lizenzen erteilen, sondern immer mehr kassieren
wollen und vor Wettbewerbsverzerrungen warnen? Die DDR-Behörde
"veröffentliche" ihre einschlägigen Umweltschmutzdaten "nicht",
sondern gibt sie bestenfalls der Bundesregierung bekannt. Ist
Töpfer vielleicht deswegen fast verzweifelt? Oder etwa daran, daß
er und die Bundesregierung sich entschieden weigern, ihre Elb-
grenzstreitigkeiten mit der DDR im Zuge von Umweltschutzverhand-
lungen beizulegen, obwohl "die DDR davon gar nichts hat" außer
ein Stück staatlicher Anerkennung?
Oder ist es einfach nur so: Die Bundesregierung denkt gar nicht
daran, wegen irgendwelcher "Umweltschutzprobleme" ihre Grenz- und
Staatsansprüche gegenüber der DDR einzuschränken, sondern umge-
kehrt: "Umweltschutz" ist ein handfester Anspruch, in die DDR
hineinzuregieren, sie mit ihrem Technologiebedarf zu erpressen
und geschäftlich für bundesdeutsche Firmen auszunutzen. Die hie-
sige Öffentlichkeit ist sich mit ihrer Regierung in diesem An-
spruch einig und kennt sich deswegen wieder einmal sofort aus:
Für den Dreck in unserer Luft und das Gift in unserer Nordsee
sind die drüben verantwortlich. Wenn unsere Atomkraftwerke in
alle Himmelsrichtungen strahlen, dann sind sie im Unterschied zu
Tschernobyl sauber und sicher und unverzichtbar, weil unsere
Hauptenergiequelle. Die einzige nationale Energiequelle der DDR
aber, ihre Braunkohle, ist ein einziger Anschlag auf unsere Ge-
sundheit und berechtigt die Bundesregierung dazu, drüben Sauber-
keit zu verlangen.
Und weil unsere freie Öffentlichkeit so denkt, feiert sie es auch
als Töpfers größten Erfolg, daß er sich mit seinem Amtskollegen
womöglich auf ein Smog-Frühwarnsystem geeinigt hat. Als BRD-Poli-
tiker dafür sorgen, daß die Bürger auch drüben rechtzeitig die
Fenster schließen, das Rauchen und Rumfahren einstellen, wenn
wieder einmal dicke Luft ist: Das ist ein Stück gesamtdeutscher
Verantwortung, wie sie sich gehört.
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