Quelle: Archiv MG - BRD WIRTSCHAFTSPOLITIK STAHLINDUSTRIE - Der Fall Rheinhausen usw.


       zurück

       Münchner Hochschulzeitung Nr. 6, 15. Dezember 1982
       
       Wochenschau
       

IM FALL ARBED-SAARSTAHL

hat die IG Metall sich von der Bundesregierung und dem Kapital in die nationale Pflicht nehmen lassen und Solidarität um j e d e n Preis ihren Mitgliedern abverlangt: Die Beschäftigten stellen "ihrem" Unternehmen zwei Jahre lang das halbe Weihnachtsgeld als zinslosen Kredit zur Verfügung, dessen spätere Rückzahlung davon abhängig gemacht wird, daß das Unternehmen keine neuen "Beihilfen" in Anspruch nehmen "muß". Worum es bei der ganzen Af- färe nicht geht, ist die immer wieder beschworene "Sicherung von 20 000 Arbeitsplätzen". Schließlich hat das Werk 2,2 Mrd. DM Zu- schüsse in den letzten Jahren dazu benutzt ein Drittel der Beleg- schaft wegzurationalisieren die anstehende "Sanierung" wird nach einhelliger Auskunft mindestens noch einmal 3500 Arbeitsplätze kosten, und das Los der Beschäftigten wird ohnehin nur unter der Parole "Rettet das Saarland" besprochen. Der Entschluß der Bun- desregierung, die vergleichsweise lächerliche Summe, die mit dem 13. Monatsgehalt der ARBED-Beschäftigten zustandekommt, zu d e m Entscheidungskriterium des "Sanierungskonzepts" zu machen, gilt der D u r c h s e t z u n g e i n e s n e u e n K l i m a s: Sie hat mit der Berechnung auf die praktizierte Bereitschaft der Gewerkschaft, freiwillig "Verantwortung zu tragen", das gute Ein- vernehmen aufgekündigt mit dem die SPD-Regierung so erfolgreich und einseitig den sozialen Frieden samt seinem unfriedlichen In- halt gesichert hat und um dessentwillen der DGB so selbstzufrie- den aus jedem Zugeständnis einen Erfolg der deutschen "Arbeitneh- mer"vertretung gebastelt hat. Dafür hat die CDU/FDP-Mannschaft der Gewerkschaft eine Erpressung aufgemacht, die diese auf jeden Fall alt aussehen läßt: Entweder sie unterwirft sich dem "Tarifdiktat" und blamiert sich als f r e i w i l l i g e r national verantwortungsbewußter Opferverein, oder sie widersetzt sich und macht sich in der Öffentlichkeit - und sogar bei ihren eigenen, von ihr selbst auf die "schweren Zeiten" eingestimmten Mitgliedern - zum Schuldigen an Massenentlassungen. Die IG Metall - auch hierin wieder einmal Avantgarde der DGB-Gewerkschaften - hat sich mit ihrer Zustimmung zur Regierungsforderung zur Pflicht bekannt, nichts als ein Erfüllungsgehilfe der Wirtschaftspolitik und ein Anwalt ihrer Hirten gegen die Arbeiter zu sein. "Tarifautonomie" ist spätestens seit der ARBED-Regelung ein Synonym für die Pflicht der Arbeiter, den Lohn jederzeit für nationale Ansprüche zur Verfügung zu stellen. Die neue "Front" der Gewerkschaft sieht jetzt so aus, daß sie diesen neuen Inhalt von Tarifautonomie tarifautonom abschließt. Deshalb hat sie auf korrekte Kündigung des alten Tarifvertrags durch ARBED bestanden und fristgerecht bis zur Kabinettssitzung letzten Mittwoch einen neuen, der Regierungforderung entsprechenden, ausgehandelt. Der Verlust an Gewerkschaftsprofil wäre verschmerzbar, der Lohn- verlust für die Arbeiter für diese allerdings nicht. zurück