Quelle: Archiv MG - BRD WIRTSCHAFTSPOLITIK STAHLINDUSTRIE - Der Fall Rheinhausen usw.
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Maxhütte
DIE GEWERKSCHAFT LÄSST PROTESTIEREN...
Im Frühjahr '87 hat die Klöckner AG den Konkurs für ihr Stahlwerk
in der Oberpfalz die Maxhütte in Sulzbach-Rosenberg - angemeldet.
Die bayrische Landesregierung höchstpersönlich wurde aktiv. Eine
Vorgesellschaft "Neue Maxhütte" wurde gegründet, die im November
'87 ihre Sanierungspläne für das Werk vorgelegt hat. Die Schlie-
ßung des Walzwerks in Haidhof, also die Entlassung der dortigen
Belegschaft, wurde angekündigt. Dagegen haben die Betriebsräte
der IG Metall einen Protest organisiert. Die Zufahrten zum Werk
wurden für ein paar Stunden blockiert, sogar die Arbeit im Walz-
werk wurde niedergelegt. Eine neue Verhandlungsrunde im Münchner
Wirtschaftsministerium haben sie dafür bekommen. Die wurde von
Wirtschaftsminister Jaumann unter das Motto gestellt:
"Streiks können das schnelle Ende der Maxhütte bedeuten. Wenn
durch das Verhalten der Belegschaft eine Schädigung der Konkurs-
masse eintritt, wird sofort dicht gemacht."
Statt ein bißchen später mit unbeschädigter Konkursmasse. An-
schließend gab es angeblich neue Beschlüsse zur Sanierung der
Maxhütte, mit denen laut Betriebsratsvorsitzendem Schäfer die
Stahlarbeiter in Sulzbach-Rosenberg "leben können" - sterben wer-
den sie davon nicht gleich; klasse! Und worin besteht der Unter-
schied zu den Schließungsplänen vom November? W a s macht die
Beschlüsse so annehmbar?
Man hat der neuesten Lieblingsidee der IG Metall zugestimmt:
...Das Resultat: Eine Beschäftigungsgesellschaft,
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wie sie im Buch steht.
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Geändert am Konzept für die Maxhütte in Sulzbach-Rosenberg hat
sich gar nichts. Hauptaufgabe der neugegründeten Vorgesellschaft
"Neue Maxhütte" ist und bleibt die Entlassung von weiteren 1.500
Beschäftigten innerhalb der nächsten 2 Jahre - bei Fortführung
der Produktion. Ansonsten verpflichten sich die Stahlkapitali-
sten, in diesen 2 Jahren das zu tun, was sie immer tun: rechnen,
kalkulieren und über die Rentierlichkeit einer neuen Maxhütte neu
entscheiden. Je nachdem wird dann der Laden weiter- oder dichtge-
macht. Das nennen dann "wir alle" eine Perspektive! Geändert hat
sich auch nichts an der Entscheidung gegen Haidhof Die Schließung
des dortigen Werks und die Entlassung der kompletten Belegschaft
im Lauf der nächsten 2 Jahre ist weiterhin beschlossene Sache.
Aber Haidhof hat auch eine Perspektive bekommen: Der Konkursver-
walter darf versuchen, für 500 weitere Arbeiter eine Beschäfti-
gung zu finden - nur nicht an den Walzstraßen. Dabei ist es doch
so: Entweder es gibt ein Geschäft, das Beschäftigte braucht. Oder
das gibt es nicht. Der Konkursverwalter darf sich um das Umge-
kehrte bemühen und für Beschäftigte ein Geschäft suchen, das sie
anwenden will. Absurd:
- Die Produktionsanlagen des Walzwerks darf er dabei nicht nut-
zen. Aber wenn die gefragt wären, wäre ja auch die weitere Be-
schäftigung der Haidhof-Belegschaft lohnend!
- Geld steht ihm dafür auch nicht zur Verfügung. Das soll er ja
erst durch private Aufträge aus der Region erwirtschaften!
- Nur eine Mannschaft hat er, die sich in den Randbereichen eines
stillgelegten Walzwerks herumtreiben darf, um auf das Wunder zu
warten, daß ein Metallhändler ausgerechnet von ihnen etwas ge-
schweißt haben will.
Was ist also neu an dem Münchner Kompromiß?
Die Werkschließung nicht, die bleibt!
Die Entlassungen nicht, die Arbeiter gehen!
Die Perspektive schon: "Der Personalabbau sich möglicherweise
länger hin ("Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 1.2.88) Das darf
gehofft werden. Nur: Nicht einmal für diese Hoffnung gibt es
einen Grund.
Der Betriebsrat findet das gut, weil die Entlassungen stattfinden
als gemeinsame Bemühungen um Beschäftigung.
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