Quelle: Archiv MG - BRD WIRTSCHAFTSPOLITIK STAHLINDUSTRIE - Der Fall Rheinhausen usw.
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Eine zivilisatorische Errungenschaft des Kapitalismus
ARBEITSLOSIGKEIT STATT ARBEITSERLEICHTERUNG
Was gibt es besseres als Arbeitsautomaten? Wenn Maschinen den
Menschen die Arbeit abnehmen: Was wäre dagegen einzuwenden? Statt
zu schuften, schaut man den Apparaten bei der Herstellung nützli-
cher Güter zu und macht im übrigen mit den Produkten, was einem
gefällt.
Jeder weiß, daß das in unserem besten aller möglichen Gesell-
schaftssysteme überhaupt nicht so ist. Durch Roboter mit Mikro-
chips im Leibe wird hier nicht den Leuten A r b e i t abgenom-
men, sondern entlassenen Arbeitern ihr L o h n. Der maßgebliche
Standpunkt ist der des Unternehmens, das Arbeitsautomaten und Be-
schäftigte nach ihren Kosten vergleicht: Anschaffungs- und War-
tungskosten hier, Lohnkosten da. Ist die Maschinerie rentabler
als die Lohnkosten, die sie erspart, dann wird sie angeschafft;
und die überflüssigen Leute werden entlassen. Den Weiterbeschäf-
tigten bleibt überhaupt nichts erspart - außer dem Anblick etli-
cher Kollegen; die Arbeit wird für sie allenfalls a n d e r s,
n i c h t w e n i g e r. Denn wer noch Lohn bekommt, muß dafür
nach wie vor so viel leisten, daß die Bezahlung seiner Arbeit
sich f ü r d a s U n t e r n e h m e n l o h n t. Umgekehrt
bleibt den Entlassenen das Arbeiten gleich ganz erspart - um den
Preis, daß ihr Einkommen entfällt: Darum war es ja gegangen, daß
das Unternehmen die Kosten für ihre Entlohnung los wird. Ihr Le-
bensunterhalt ist wirtschaftlich überflüssig gemacht; s i e
s i n d z u v i e l.
Einige Jahrzehnte lang hat in der Bundesrepublik die Ideologie
gegolten, "Vollbeschäftigung" sei ein erstrangiges wirtschaftli-
ches und wirtschaftspolitisches Z i e l, allgemein steigender
Unternehmergewinn dafür das bestgeeignete M i t t e l. Diese
Ideologie konnte sich darauf berufen, daß deutsche Unternehmer in
ihren heimischen Fabriken und mit einheimischem, später sogar aus
Europas Süden zugewandertem Menschenmaterial ihre Geschäfte ge-
macht und über den ganzen Globus ausgeweitet haben. Die BRD wurde
E x p o r t n a t i o n, und dafür "durften" alle ran. Inzwi-
schen bestreiten bundesdeutsche Unternehmen längst ihr weltweites
Geschäft nicht mehr bloß von bundesdeutschem Boden aus. Ihre Ex-
porttüchtigkeit hat sie zu "M u l t i s" gemacht - soweit sie
das nicht von Anfang an waren -, die sämtliche Länder der Welt
nach Standortvor- und -nachteilen durchgemustert haben und keine
Chance auslassen, um ihren Konkurrenzkampf in jeder Hinsicht uni-
versal zu machen. Der historische Zufall, daß der Aufschwung des
nationalen Kapitals der BRD mit der vollen Inanspruchnahme der
nationalen Arbeitskraft - mit "Vollbeschäftigung" - zusammenfiel,
ist vom Normalfall einer führenden Weltwirtschaftsmacht abgelöst.
Der unter Benutzung sämtlicher Völker und Nationen geführte Kampf
gegen die Lohnkosten schließt aas Brotlos-Machen ansehnlicher
Teile der heimischen Arbeiterschaft als selbstverständliche Not-
wendigkeit mit ein. Die alte "Vollbeschäftigungs"-Ideologie über-
lebt nur noch in der lächerlichen Form eines haltlosen Ver-
gleichs: 'Was wäre erst, wenn...? Die Einsparung von Arbeitsplät-
zen ist nötig, damit der Rest der Belegschaft auch sicher weiter-
beschäftigt werden kann' - bis zur nächsten Entlassungsaktion...
Der weltweite Konkurrenzkampf geht nämlich ohne Unterbrechung
weiter, dafür ist die "Marktwirtschaft" ja da; und in dem gehören
Massen von Lohnarbeitern ohne Lohn und Arbeit zur Regel.
Vom Arbeiterstandpunkt aus gesehen eine reichlich verkehrte Welt,
diese unsere schöne "Marktwirtschaft". Die Leute hängen mit ihrem
Lebensunterhalt vom Lohn für ihre Arbeit ab - Arbeit und Lohn
sind aber gar nicht i h r e Angelegenheit, sondern eines der
Mittel, die ein Unternehmer anwendet - oder auch nicht, um
s e i n G e s c h ä f t zu machen; konkurrenztüchtig gegen an-
dere Firmen, die haargenau dasselbe tun. Eine saubere Gesell-
schaftsordnung, die die Arbeit als Geschäftsmittel der Unterneh-
mer organisiert, damit zu einer dauerhaften Last für die Arbeiter
macht - und e b e n d e s w e g e n müssen die Arbeiter der
Arbeit hinterherlaufen, als wäre sie eine einzige Gunst und Gnade
f ü r s i e, ausgerechnet weil ihnen k e i n a n d e r e s
Mittel für den Lebensunterhalt offensteht. Eine gelungene Eipres-
sung ist nichts dagegen!
Für deren Erfolg ist auf Seiten der Betroffenen allerdings doch
noch eines nötig: daß sie sich die Erpressung mit dem
"Arbeitsplatz" g e f a l l e n l a s s e n; daß sie sich auf
die "Erfordernisse" eines weltweit geführten Konkurrenzkampfes
e i n s t e l l e n, anstatt die Erfordernisse eines anständigen
Lebens dem entgegenzusetzen. Denn w e h r l o s sind die Lohn-
arbeiter nicht - solange das Kapital sie braucht. Und sobald sie
anfangen, aus dem freien, geschäftstüchtigen Umgang der Unterneh-
men mit dem "Faktor Lohnarbeit" d i e r i c h t i g e n
S c h l ü s s e zu ziehen.
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