Quelle: Archiv MG - BRD WIRTSCHAFTSPOLITIK SACHVERSTAENDIGE - Von Ratschlägen für Ausbeutung
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Wochenschau
DAS WIRTSCHAFTSGUTACHTEN
der fünf nationalökonomischen Institute für 1982 gibt wiederum
Illustrationsmaterial für die Parteilichkeit bürgerlicher Wissen-
schaft und zwar in der doppelten Hinsicht, daß sie die Politik
der Bundesregierung gerade dadurch mit "sachverständigem" Flan-
kenschutz versieht, daß sie über sie "ein vernichtendes Urteil"
fällt ("Süddeutsche Zeitung" vom 4. Mai). Wer als Standpunkt der
Wissenschaft von der Wirtschaft naturgemäß die Sache eben letzte-
rer vertritt, für den ist der Weg zum Wachstum immer mit der völ-
ligen Freiheit des Kapitals von jedem Abzug, der seinem Gewinn
widerfahren könnte, identisch. Da sich das hauptsächlich über die
Senkung des "Unkostenfaktors" machen läßt, der durch die Bezah-
lung der Arbeitskraft entsteht, kann sich die Bundesregierung ih-
rer Klientel bei den Betroffenen gegenüber schmeicheln, ihr werde
ausgerechnet vorgeworfen, auf diesem Fall nicht "konsequent" ge-
nug die Beutelschneiderei zu betreiben. Das verschafft anderer-
seits dem FDP-Partner die Genugtuung, er habe es immer schon ge-
sagt und jetzt erfahre seine Linie aus kompetentem Munde Satis-
faktion, andererseits können Sozialdemokraten darauf verweisen,
nur das beharrliche Festhalten an der "Substanz" von Reformpoli-
tik habe bislang noch Schlimmeres verhütet. Die Opposition hin-
wiederum nimmt das Gutachten als direkte Bestätigung ihrer An-
wartschaft aufs Zuschlagen. So verdienen sich die 5 Weisen alle
Jahre wieder das ihnen aus öffentlichen Mitteln zufließende Geld,
ohne daß ihrem Gutachten irgend etwas Neues zu entnehmen wäre.
Indirekt allerdings plaudern sie schon immer wieder mal eine
Wahrheit über den real existierenden Kapitalismus aus: "Auch ein
leichtes Anziehen der Wachstumsrate kann ihrer Meinung nach nicht
verhindern, daß in diesem und im nächsten Jahr die durchschnitt-
lichen Arbeitslosenzahlen bei 1,8 Millionen liegen werden."
Gelungen ist dabei nur die Insinuation, eine geglückte Kapital-
akkumulation setze notwendigerweise Arbeitskräfte ins Brot, wo
die gegenwärtig kaufende doch zeigt, daß ihr Erfolg in der
Mehrarbeit immer weniger Arbeiter liegt.
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