Quelle: Archiv MG - BRD WIRTSCHAFTSPOLITIK SACHVERSTAENDIGE - Von Ratschlägen für Ausbeutung


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       Münchner Hochschulzeitung Nr. 19, 15.07.1981
       
       Wochenschau
       

DIE "FÜNF WEISEN"

haben letzte Woche der Bundesregierung ihren sachverständigen Rat unaufgefordert zuteil werden lassen. Er lautet kurz und bündig: "Streichungen auf der Ausgabenseite und zwar grundsätzlich über- all dort, wo nicht w a c h s t u m s f ö r d e r n d e Maßnah- men betroffen sind." (Süddeutsche Zeitung vom 7. Juli). Das heißt im Klartext bei ausnahmslos a l l e n sozialen "Leistungen" des Bundes. Die Wirtschaftswissenschaftler sprechen also in ihrer Forderung an die Regierung unaufgefordert aus, daß die Rede von einer Sozial v e r s i c h e r u n g pure Ideologie ist. Wer würde sich denn schon von einer Versicherung kontraktieren las- sen, die ihm - im Versicherungsfall - mitteilt, wegen eines Defi- zits in der Bilanz d e s V e r s i c h e r e r s müßten die vorher vertraglich zugesicherten Leistungen gekürzt werden und überhaupt sei erstmal gründlich zu überprüfen, ob die I n a n s p r u c h n a h m e der Versicherung nicht ein gröbli- cher M i ß b r a u c h derselben sei. Was die "5 Weisen" for- dern, macht die Bundesregierung ohnehin schon, weswegen sich Graf Lambsdorff "bestätigt sehen" durfte. Im Fernsehen "erläuterte" ein Weiser aus Kiel dann noch, daß es dem Gutachten durchaus ernst sei mit seinem Hinweis, die L o h n a b s c h l ü s s e der diesjährigen Tarifrunde seien z u h o c h gewesen. Auf den Einwand, sie lägen doch allesamt u n t e r der Preissteige- rungsrate, seien also Reallohn v e r l u s t e gewesen, repli- zierte der Mann trocken, dann seien halt die Lohneinbußen zu niedrig ausgehandelt worden. Der DGB "zeigte sich bestürzt" nicht wegen der von den Sachverständigen bestätigten Resultate seiner Lohnpolitik, sondern deswegen, weil "vier der fünf Weisen die po- litische Bedeutung einer sozial ausgewogenen Konsolidierungspoli- tik bewußt in Frage stellen", und regte an, im Etat '82 die Gelder für dieses Gremium einzusparen. Das ist zwar dumm, weil - es niemandem nichts nützt, am wenigsten noch den Arbeitern, die das eingesparte Geld garantiert nicht kriegen, veranlaßte den SZ- Kommentator Barbier am 8. Juli zu einem Kommentar im Wirtschafts- teil, der den Witz des DGB als "häßliche Drohgebärde" zurückwies und ausgerechnet Heinz-Oskar Vetter in die Terrorismusecke stellte: "Unter Ideologien, die Gewalt als Argument verstehen, hat gerade die deutsche Arbeiterbewegung viel gelitten. Der stra- fende Entzug von Mitteln ist auch eine Form von Gewaltanwendung." Mal abgesehen von der sich hier aufwerfenden Frage, ob er nun endgültig spinnt, der Herr Barbier, so stellt seine Suada doch einen klärenden Beitrag zur G e w a l t frage dar: Der demokra- tische Entzug lebensnotwendiger Lebensmittel von Rentnern, Ar- beitslosen und Lohnabhängigen zur Finanzierung des Bundeswehrkon- junkturprogramms ist jedenfalls keine. zurück