Quelle: Archiv MG - BRD WIRTSCHAFTSPOLITIK SACHVERSTAENDIGE - Von Ratschlägen für Ausbeutung
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SYSTEMVERGLEICH '86
Gerade rechtzeitig zur Niedersachsenwahl haben westliche Wirt-
schaftsfachleute es entdeckt: bundesdeutsche Bürger haben jeden
Grund, zufrieden zu sein. Sie brauchen nur ihr schmales Portemon-
naie mit dem ihrer Brüder und Schwestern im Osten vergleichen:
"DDR-Bürger haben nur die Hälfte
1. BERLIN. Die Bundesbürger verdienen im Durchschnitt immer noch
mehr als doppelt soviel wie die DDR-Bürger.
In seinem jüngsten Wochenbericht über das Kaufkraftverhältnis
zwischen D-Mark und Mark der DDR schreibt das in Berlin ansässige
Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW), der reale Ein-
kommensrückstand der DDR - gemessen am Nettoeinkommen der Arbeit-
nehmer- und Rentnerhaushalte - liege weiter bei etwa 50 Prozent,
obwohl im anderen deutschen Staat mehr Verdiener zum Haushalts-
einkommen beitragen."
Also Leute, immer schön nach Osten geguckt, wenn das Geld am Mo-
natsende etwas knapp wird! Auf keinen Fall das eigene Mickerge-
halt irgendwie ins Verhältnis setzen zu bundesdeutschem Reichtum
in Gestalt von hochmodernen Fließbändern, Aktienkursen, Panzern
oder Politikereinkommen: die müssen nämlich alle genau so sein,
damit der Arbeitsmann (West) sich seinen Lohn ü b e r h a u p t
verdienen kann! Allerdings ist den Wissenschaftlern offenbar auf-
gefallen, daß ihr Vergleich überhaupt etwas unzeitgemäß ist.
Wieso fällt ihnen denn sonst folgende Warnung ein:
"DIW warnt allerdings davor, das Niveau der Lebenshaltung in der
DDR allein nach dem Kaufkraftvergleich zu bewerten. Denn bezogen
auf Preise und die Verbrauchsgewohnheiten in der DDR liege die
Kaufkraft der DDR-Mark in der Regel höher als die der D-Mark.
Die Bundesbürger mußtan dem Bericht zufolge Mitte 1985 für die
gleichen Waren und Dienstleistungen etwa ein Viertel mehr zahlen
als in der DDR, legt man den DDR-Warenkorb zugrunde."
Wir meinen: die Veröffentlichung solcher Zahlen kann nur dazu
führen, das bundesdeutsche Feindbild zu verunsichern. Seit wann
muß sich denn die hiesige Politik daran messen lassen, wieviel
Schnitzel sie ihrem Volk bereitstellt! Na also. Und wenn bei
denen drüben die Preise niedriger sind, dann fehlt ihnen das Ent-
scheidende doch auf jeden Fall: der Albrecht, Schröder, die Wahl
- die Freiheit eben. Und darauf kommt's doch an, oder?
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