Quelle: Archiv MG - BRD WIRTSCHAFTSPOLITIK CHEMIEINDUSTRIE - Von BASF bis Hoechst
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Neues im Rhein
BASEL UND LUDWIGSHAFEN SIND DOCH ZU VERWECHSELN
"In unserer BRD könne so etwas 'im Prinzip' nicht passieren; da
seien die 'strengen deutschen Sicherheitsbestimmungen' davor.
Eine faustdicke Lüge zwar... - aber das macht gar nichts."
(Marxistische Arbeiter-Zeitung, 20.11.)
Die deutsche chemische Industrie wird schon gewußt haben, auf wen
sie zählen kann, als sie rotzfrech ihre Anzeige in die Zeitungen
rücken ließ.
"Liebe Mitbürger,
das Unglück in der Schweiz ist ein Rückschlag nicht nur für den
Rhein, sondern auch für unsere Bemühungen, das Vertrauen in die
Chemie durch unsere steten Umweltleistungen zu stärken.
In den letzten zehn Jahren hatte sich die Wasserqualität des Rh-
eins deutlich verbessert.
...
Wir haben in der deutschen Chemie einen hohen Sicherheitsstandard
erreicht. Die bisher erzielten Erfolge bestärken uns in unserer
Verantwortung für Mensch und Umwelt.
Die chemische Industrie informiert Sie. (Karlstr. 21, 6000 Frank-
furt/Main)"
Das deutsche Volk schluckt mittlerweile nicht nur sein Rheinwas-
ser mit allen giftigen Zusätzen, sondern auch alle Lügen, die ihm
Kapitalisten, Journalisten und Politiker servieren. Z.B. in Sa-
chen BASF und Dichlorphenoxyessigsäure.
- "Wie das Umweltministerium von Rheinland-Pfalz in Mainz mit-
teilte, flossen bei der BASF AG in Ludwigshafen bis sechs Uhr
rund 1100 Kilogramm Unkrautvernichtungsmittel in den Fluß." (FAZ,
22.11.)
"Außerdem flossen nicht 1100, sondern 2000 Kilo Gift in den
Rhein." (BamS, 23.11.)
Wer wird bei dem bißchen Differenzbetrag schon pingelig sein, wo
die original deutsche Brühe doch garantiert harmlos ist, oder?
- "BASF-Sprecher Hans-Dieter Gärtner versichert: 'Schädigungen
der Umwelt und der menschlichen Gesundheit sind nicht zu befürch-
ten. Die ausgelaufenen Stoffe sind nur von geringer Giftigkeit
und werden im Wasser sehr schnell abgebaut'. Das Mittel wurde
früher sogar zur Vernichtung von Unkraut an Bachläufen verwen-
det." (BILD, 22.11)
- "Das Pflanzenschutzmittel, das durch den Chemieunfall bei BASF
in den Rhein gelangte, sei nicht so harmlos, wie es der Konzern
darstellte. Nach Auskunft des Bundesumweltamtes baut sich das
Gift in rund vier Monaten ab. (...) Der Schadstoffgehalt ist bis
zu tausendfach höher als erlaubt." (BamS, 23.11.)
Was sich doch innerhalb von 24 Stunden alles ändern kann. Aber:
diesmal waren unsere obersten Umweltschützer sofort am Ball und
auf deren Auskünfte wird man sich doch verlassen können, oder?
- "Das Ministerium vertritt die Ansicht, daß Schäden für die Um-
welt und die Gesundheit der Rheinanwohner nicht zu befürchten
seien." (FAZ, 22.11.)
"Nach Rheinland-Pfalz hat auch Nordrhein Westfalen alle Rheinwas-
serwerke aufgefordert, ihre Trinkwasserbrunnen in der Nähe des
Stromes vorerst zu schließen. (...) Bauern wurden gebeten, Vieh
nicht mit Rheinwasser zu tränken, Hundebesitzer aufgerufen, ihre
Tiere am Rhein an die Leine zu nehmen, Angler sollen keine Fische
aus dem Rhein holen." (WamS, 23.11.)
Alltag an Deutschlands größter Kloake: die chemische Industrie
haut ihr Gift in größeren oder kleineren Portionen unter die
Leute; Politiker lügen wie gedruckt und führen selbstbewußt das
Kommando; die Journaille reiht jede Vergiftung unter
'Vermischtes' ein. Und die Leute - saufen, duschen und pinkeln,
wie man's ihnen sagt.
"Die bisher erzielten Erfolge bestärken uns..." (Chemie-Anzeige)
Warum wohl?
P.S. Während noch die neue Giftbrühe in die rheinischen Trinkwas-
serbrunnen floß, rang sich in Bonn ein Umweltschützerkongreß zu
bahnbrechenden Aktionsformen durch:
"Städtepartnerschaften zwischen Basel, Seveso, Hamburg und Lever-
kusen wurden empfohlen." (taz, 22.11.)
Jetzt noch Ludwigshafen in den Bund einreihen und dann händchen-
haltend am Rhein flanieren - schon ist auch die alternative Welt
wieder in Ordnung.
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